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Homosexualität - (k)ein Problem für dich

Worum ging's?

Wir leben in einer Welt, die von Angst, Hass und Misstrauen geleitet wird. "Der Westen" ist eine Hochburg der Freiheit, Chancengleichheit und Demokratie und immer noch gibt es so vieles zu tun. Mit diesem Projekt habe ich, in Zusammenarbeit mit (unter anderem) Marco Schreuder, dem Schulgemeinschaftsausschuss (SGA) des BG18 Klostergasse, Frau Professor Seebacher versucht einen Schritt Richtung Welt-in-der-jedeR-lieben-darf-und-kann-wen-er/sie-will.

Warum kümmert mich das?

Ich bin weder schwul, bi- noch transexuell, ich bin keine Frau, nicht geistig, körperlich oder finanziell behindert, weder schwarz noch Ausländer, geschweige denn Asylwerber - kurz um, ich gehöre keiner in unserer Gesellschaft (im großen Stil) unterdrückten oder diskriminierten Minderheit (diese Aufzählung erhebt bei weitem keinen Anspruch auf vollständigkeit, die aufgezählten "Minderheiten" sollen Symbolwirkung haben) an. Warum also sollte ich mich überhaupt für die Rechte anderer stark machen? Das hat viel mit Solidarität zu tun. Ich glaube, dass nur in einer solidarischen und in weiteren Folge gerecht(er)en Welt/Gesellschaft/Gemeinschaft wir alle Glück, Wohlstand, Freude finden können.

Warum aber genau habe ich mir die Rechte der homosexuellen Minderheit vorgenommen und versucht etwas zu bewegen? Die hier eingefügte Email kann hier hoffentlich einige Fragen beantworten und einen Überblick über meine Motivation geben. In ihm erzähle ich die Geschichte von einem Jungen, der schwul sah und etwas ändern wollte - es ist meine eigene Geschichte.
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Von: Armin Soyka
An: Alle potenziellen Gäste
Betreff: Homosexualität - (k)ein Problem für dich
Datum: 07.05.2009 20:21:19

Ich möchte dir/euch eine Geschichte erzählen. Sie ist nicht lang und ich hoffe du/ihr nimmst/nehmt dir/euch die Zeit sie zu lesen!

Eineinhalb Jahre ist es her! Damals kannte ich keine(n) Homosexuelle(n). Niemanden - nicht eine(n) einzige(n). Damals, im Dezember 2007, war ich ein gerade 17-jähriger Junge, der unbedingt weg wollte. Weg von zuhause, die Welt sehen, all den Ungerechtigkeiten, die mir in Schule und Familie widerfahren waren entfliehen. Ich hatte mich für ein Auslandssemester in den Vereinigten Staaten beworben und wurde auch genommen. Am 11. Jänner sollte es los gehen nur eine Gastfamilie hatte ich noch nicht. Und da beginnt diese Geschichte:
Am 27 Dezember (ich war schon sehr nervös) bekam ich einen Anruf vom AFS (die Austauschorganisation) Büro. Man hätte eine Gastfamilie gefunden. Zwei Dinge waren überraschend und neu. Angekündigt würde mir Washington State, bekommen sollte ich Arizona, gerechnet habe ich mit Hetero angetragen wurde mir Homo. Allerdings wurde ich gefragt, ob mir homosexuelle Eltern recht seien. Ich erbat mir etwas Bedenkzeit, schließlich würde ich über 100 Tage mit diesen Menschen unter einem Dach leben (müssen), eine große Entscheidung. Und das war der Punkt an dem ich das erste Mal zu denken begann. Nachzudenken über Homosexualität. Bis dahin hatte ich mir nicht viele Gedanken gemacht. Ich war noch nie in meinem Leben mit dem Thema konfrontiert worden. Weder kannte ich Schwule oder Lesben, in der Schule hatte ich nichts gelernt und fern sah ich nicht besonders häufig. Wie auch immer. Ich dachte mir das würde schon gehen und schließlich siegte meine Unsicherheit über das Verlangen Österreich eine Zeit lang hinter mir zu lassen - ich sagte zu.

Die darauffolgenden 6 Monate werde ich nie vergessen. Keine Zeit meines Lebens war so lehrreich, so voller neuer (Lebens-)Erfahrung, so voller Lebenslust und -freude, so voller Schmerz und Spaß zugleich. Als ich Ende Juni 2008 meine Koffer packen musste hatte ich Freundschaften geschlossen, die bis heute halten. Aber vor allem habe ich zwei liebevolle und liebenswürdige Menschen kennen gelernt, die in gewisser Weiße zu meinen Vätern wurden. Ich durfte sechs Monate aktiv miterleben was es heißt schwul zu sein - mit allen Vorzügen und vor allem den Nachteilen. Ich durfte als Kind erfahren was es heißt geliebt zu werden und ich durfte sehen wie Homosexualität offen gelebt wurde - nicht nur von Kelly und Glenn, auch von vielen Freunden in der Schule und wie dieser "Lifestyle" von allen (oder fast allen) Mitgliedern der Gesellschaft nicht toleriert sondern akzeptiert wurde.

Und dann - als die Koffer gepackt waren und ich in Wien angekommen war wurde mir Tag für Tag klarer, dass Wien eben nicht Tucson ist und dass es hier noch einiger großer Schritte bedarf um es auch weniger selbstbewussten Andersdenkenden und Anderesfühlenden zu ermöglichen den Lebensstil ihrer Wahl zu leben und sich nicht ständig verstecken zu müssen und sich für etwas zu schämen, auf das man stolz sein könnte. Uns (der heterosexuelle Mehrheit) fehlt es an Akzeptanz. Wir sind voller Vorurteile, wir sind ablehnend und Stecken in Schubladen was wir noch nicht einmal beobachtet haben. Das halte ich für falsch. Und dagegen wollte ich etwas tun - oder eigentlich dafür (immer positiv formulieren).

Ich habe mich also informiert, ein bischen im Web herumgeschaut und bin auf den Blog von Marco Schreuder gestoßen, bin dem schließlich einige Zeit gefolgt. (Jänner 2009 war das) Ich habe mich dann mehr und mehr mit der Thematik (Rechte von und Akzeptanz für Schwule und Lesbe) beschäftigt und mir Gedanken gemacht.
Schließlich kam ich zu dem Schluss, dass ich als Schulsprecher des BG18 Klostergasse (18 Bezirk, Wien) einen gewissen Einfluss habe, dass ich aktiv etwas ändern könnte, würde ich mir nur etwas überlegen. So habe ich mich schließlich Mitte Februar an Marco Schreuder gewandt und ihm meinen Vorschlag präsentiert. Er war begeistert davon und hat mich unterstützt dieses Projekt ("Homosexualität - (k)ein Problem für dich!?") auf die Beine zu stellen.

Das Projekt ist fertig (ausgearbeitet und vom SGA (Schulgemeinschaftsausschuss) genehmigt) und wird am 15. Juni 2009 vormittags über die Bühne gehen. Es gibt nur ein Problem - ich brauche dich/euch als "Experten", um dieses Projekt erfolgreich über die Bühne zu bringen, um etwas an der Teils tristen Lage der Schwulen und Lesben aber auch anderer Minderheiten zu ändern, dort wo es noch geht: bei den Jungen. Und das ist Punkt an dem ich an dich/euch herantrete und dich/euch bitten möchte dein/euer Know-How, deine/eure (Lebens)-Erfahrung und dich/euch selbst einzubringen. Ich habe die Projektbeschreibung angehängt, sie sollte Aussagekräftig genug sein um dich zu überzeugen. Wenn nicht, ruf mich einfach an unter 0650/5111347 oder schreib mir ein Mail.

Ich hoffe ich habe dich überzeugt,
ich freue mich über jeden Komentar, Feedback, Kritik, Verbesserungsvorschlag und am meisten natürlich über Zusagen! =)

liebe Grüße,
Armin (Soyka)
Schulsprecher BG18 Klostergasse

Das genaue Konzept

Ziele

Da „nur“ 5 – 10 % unserer Gesellschaft homosexuell orientiert sind, entsprechen diese nicht der heterosexuellen Norm und stellen daher eine oft unbekannte Minderheit dar.

Das oberste Ziel des Projekts soll es sein, den teilnehmenden Schüler/innen auf einer persönlichen Ebene einen Bezug zur Homosexualität zu geben. In weiterer Instanz wollen wir den Schüler/innen einen Einblick in das Leben von Schwulen und Lesben geben und ein Zeichen für Gleichberechtigung setzen. Wir möchten Verständnis für Minderheiten wecken und zu deren Akzeptanz in unserer Gesellschaft beitragen, aber auch Ängsten und Vorurteilen begegnen.

Das vorhandene Interesse an politischen und gesellschaftlichen Themen möchten wir durch die Ermöglichung der aktiven Teilnahme fördern. In weiterer Folge ist unser Ziel eine Sensibilisierung der Schüler/innen zu erreichen, um ein friedvolles Zusammenleben zwischen Minderheit und Mehrheit zu erleichtern.

Umsetzung

In der Umsetzung des Projekts wollen wir vor allem zwei Punkte verdeutlichen: Verständnis für und Akzeptanz von Minderheiten und Randgruppen. Obwohl auch Bi- und Transsexualität ein interessantes und auch relevantes Thema wäre, wollen wir den Fokus vor allem auf die Homosexualität richten und diese Aspekte aus zeitlichen Gründen nur am Rande erwähnen. Es soll auch nicht um AIDS gehen – Infomaterialien werden wir ohnedies zur Verfügung stellen. In den Vordergrund stellen wollen wir vor allem die persönlichen Ansichten von und über Homosexuelle.

Mit den Hilfsmitteln Film, persönliches Gespräch und Diskussion wollen wir die zwischenmenschlichen Bedürfnisse und Rechte von Homosexuellen aufzeigen und zum Nachdenken anregen.

Die Teilnahme wünschen wir uns für die 6 – 8 Klasse. Dieses wichtige Projekt sollte an einem regulären Schulvormittag stattfinden um auch jene Schüler/innen zu erreichen, die sich sonst womöglich nicht die Zeit nehmen würden sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.

Wichtig ist uns, das Projekt trotz Teilnahme aktiver Politiker und anderer Menschen öffentlichen Interesses (Vereine und Partein) nicht parteipolitisch oder vereinsorientiert zu gestalten. Die persönlichen Ansichten der Gäste werden im Vordergrund stehen.

Du kannst das Konzept auch hier, als PDF ansehen oder downloaden!

Der Tag der Wahrheit

Das Projekt fand am 15. Juni im BG18 Klostergasse statt, Teil nahmen knapp 80 Jugendliche zwischen 15 und 18 (6a, 6b, 7a, 7b), sowie neun homosexuelle Gäste (Marco Schreuder, Nina Hechtenberger, Hikmet Kayahan, Christoph Strauß, Jona Solomon, Herbert Klügl, Sophie Gitschier-Gnielka, Lukas Brock & Christian Högl), denen ich an dieser Stelle nocheinmal danken möchte, ohne euch wäre dieses Projekt niemals zu stande gekommen. Die konkrete Projektgestaltung findest du hier im Ablauf:

Begrüßung und Vorstellung des Projekts (ca 10 Minuten (bis 8:15), im Turnsaal / Hof)
Worum geht es heute? Wer ist da? Was wird von mir erwartet?

Minderheitenspiele (ca. 10 Minuten (bis 8:25), im Turnsaal / Hof)
Niemand entspricht der Norm und jeder gehört irgendeiner Minderheit an!
Kurze Aufteilungen der Gruppe in Minderheit und Mehrheit (Gürtelträger / Nichtgürtelträger, Brillenträger / Nichtbrillenträger, Skifahrer / Nichtskifahrer, Linkshänder / Rechtshänder, Fußballspieler / Nichtfußballspieler, Vegetarier / Nichtvegetarier, Raucher / Nichtraucher)

Aufteilung (10 Minuten (bis ca 8.35), im Turnsaal / Hof)
9 homosexuelle Gäste (3 Lesben, 6 Schwule; zwischen ca 25 und 50 Jahren) werden eingeladen, jeder zwei "Experten" bekommt eine Gruppe von 14 – 18 Schülern (Klassen und Alter per Zufall gemischt um Vielfalt in der Gruppe zu fördern)

Film (ca 110 Minuten (bis 10:10), in 5 Klassenräumen)
Sommersturm (Link zum Trailer, der Film ist wärmstens empfohlen) (3 Beamer, 3 TV Geräte) Deutscher Jugendfilm über Liebe, Verlieben und Homosexualität. Der Film soll als Impuls für die danach folgende Diskussion in Kleingruppen dienen. Flexible Pausen wenn nötig!

Kleingruppen (ca 60 - 100 Minuten, in 6 verschiedenen Klassenräumen)
Der Schwerpunkt in den Gruppen soll vor allem auf den emotionalen Teil der Thematik Homosexualität gelegt werden (Wie fühlt es sich an schwul/lesbisch zu sein? Wo wird man diskriminiert/ausgegrenzt? Ist man als Homo anders? Wann hattest du dein Comin-out? Wie war das als Schüler/in?). Die „Experten“ sollen von sich und ihren Erfahrungen erzählen – wichtig ist, dass sie auf die Schüler eingehen und Raum für Fragen geben. Flexible Pausen sind nötig!

Pause (ca 15 Minuten)

Podiumsdisskusion (ca 60 Minuten, im BE-Saal oder Turnsaal) mit den Gästen!
Fragen, die bisher noch nicht geklärt werden konnten, sollen hier in einer offenen Diskussion beantwortet werden. Der Schwerpunkt kann hier gegebenenfalls von der emotionalen Ebene, auch zur rechtlichen/politischen Ebene übergehen (Pension, Ehe, Adoption). Die Diskussion soll sehr frei geleitet sein und sich vor allem dem Publikum anpassen.

Feedbackbogen (ca 20 Minuten (bis spätestens 13.40), im Turnsaal)
Die Schüler/innen sollen ein Geschenk (in Form von konstruktiven, ehrlichen und ernsthaften Feedback) zurückgeben, um eine Verbesserung des Projekts zu ermöglichen. Der Feedbackbogen wird aus 2 Teilen bestehen: Vorgegebene Fragen (Ich fand's gut/schlecht; ich hab' meine Meinung geändert) und einem freien Teil, indem individuelle Verbesserungsvorschläge eingebracht werden können und persönliches Empfinden geteilt werden kann. (das Feedbackformular ist angehängt)

"man konnte alles fragen, ohne Angst zu haben, dass es zu nahe geht!"

Das Projekt war ein großer Erfolg. Das ist nicht nur mein subjektiver Eindruck sondern auch das Fazit des Feedbackbogens (hier ein Muster, PDF). Die Rückmeldungen waren großartig, hier ein paar Beispiele:

|Mir hat am besten Gefallen:

  • "Direkte Diskussion mit den Gästen"
  • "Dass die Leute (Gäste) etwas zu sagen hatten"
  • "Die Offenheit der Leute diesem Thema gegenüber"
  • "die ehrliche, offene Gesprächsbasis"
  • "dass wir mit 2 "Experten" reden konnten und alles fragen konnten; dass endlich tabulos damit umgegangen wird!"
  • "die Offenheit von den Homosexuellen"
  • "Die Geschichten der verschiedenen Menschen"
  • "Wie sympatisch alle waren -> gute Stimmung / der Film Sommersturm"
  • "die Kleingruppendiskussionen, die sehr persönlich und informativ waren"
  • "die Diskussionen in kleineren Gruppen, weil man so viel persönlich und offner reden konnte!"
  • "Die Diskussion hat meine Meinung zum Thema Adiotion durch homosexuelle Eltern geändert (bin dafür durch Argument: Gesellschaft schadet Kind, nicht Eltern!)"
  • "die qualifizierten Gäste!"

|Außerdem möchte ich sagen:

  • "Danke für den Aufwand und die Arbeit"
  • "Es hat mir sehr gut gefallen"
  • "Es war echt super, die Diskussion am Ende war sehr interessant!"
  • "Es war alles sehr informativ"
  • "War ur gut"
  • "Schwule sind fesch (haha)"
  • "ich finde super, dass wir Vertreter (Anmerkung euch!) hatten und finde dein Courage toll, Armin!"
  • "sehr informativ, offen und so überzeugend, dass man die eigene Meinung ändert. Danke! Sowas sollte es öfters geben!

Die Auswertung des restlichen Feedbackbogens kannst du hier in besserer Auflösung ansehen

Hier sollte die Auswertung des Feedbackbogens zu sehen sein - alternativ betrachtbar unter: http://www.arminsoyka.at/joomla/uploaddoc/Feedback%20homoprojekt.PNG

Es ist noch nicht geschafft

Wenn du bis hierher gelesen hast, dann hast du vermutlich ein überdurchschnittliches Interesse an dem Projekt / der Thematik. Schwulen-Lesbenrechte sind in Österreich leider bei weitem nicht dort wo ich (du auch?) sie gerne hätte. Natürlich sind wir weiter als andere Länder, aber das kann und ist nicht unser Anspruch. Wir wollen voran gehen - oder nicht? JedeR von uns kann einen entscheidenden Beitrag leisten. Ich möchte dich bitten - überlege dir für dich, was das für dich sein kann. Auch du kannst ein Projekt ins Leben rufen, eine Demo organisieren, ein Email schreiben oder Solidarität zeigen und Zivilcourage Tag für Tag leben. Wenn du denkst, dieses Projekt sollte wiederholt werden und du kennst eine passende Gelegenheit (bis Schulsprecher, kennst eine interessierte Lehrerin,...) tritt mit mir in Kontakt! Ich würde mich freuen, das Projekt ein weiteres Mal abhalten zu können!

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Armin Soyka  ·  armin.soyka@gmx.at