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Meine Schwächen

c- Schwächen sind, was uns menschlich macht. Jeder hat sie, genauso wie jeder seine Stärken hat. Es gibt keinen Menschen, der frei von dem Einen oder dem Andren ist. Normal ist, dass die Stärken auch zur Schau getragen werden. Zu ihnen steht man, mit ihnen wird angegeben, auf sie sind wir stolz. Nicht normal ist allerdings, dass man seine Fehler öffentlich zu gibt und auch unter Beobachtung anderer zu ihnen steht. Vielmehr wird versucht, eigene Fehler zu verbergen. Aber es wird nicht nur der Versuch unternommen, kritische Zuseher in die Irre zu führen, vielmehr tendieren wir sogar dazu, uns selbst zu täuschen und uns einzureden, wir wären fehlerlos. Verständlich, schließlich leben wir in einer Welt, in der zu allen Zeiten nach Perfektion gestrebt wurde. Das war zwar immer so, ist deswegen aber nicht richtig.

Ich bin absolut überzeugt, dass nur, wer zu seinen Fehlern stehen kann (sie also akzeptiert), ein wahrhaft glückliches Leben führen kann. Warum ich das denke und wie ich denke, dass wir alle dieses Ziel, das Streben nach Weisheit, Glück und Freiheit, erreichen könn(t)en, habe ich versucht in den Texten "Warum Verantwortung weise und (nicht un-)glücklich macht!" und "Meine Glücksphilosophie" zu beschreiben - leider sind sie noch nicht fertig. Außerdem findest du eine eingehendere Auseinandersetzung mit dem Begriff Fehler hier (Leider noch nicht, aber bald!).

Aber hier soll es um meine Fehler gehen. Ich weiß, dass ich auf manche Menschen wie ein herzeig-geiler Mensch wirken könnte. Dem ist nicht so. Natürlich brauche auch ich Bestätigung, um zuversichtlich und gestärkt meinen Problemen begegnen zu können, die bekomme ich aber in meinem "direkten Umfeld". Der Grund, warum ich mich hier praktisch "ausziehe", ist (und das habe ich länger in Mein Ich » Meine Offenheit ausgeführt), dass ich einerseits, wie schon gesagt, zu meinen Fehlern stehen möchte, sie akzeptieren lernen will und andererseits ein Vorbild sein will, indem ich meinen Vorstellungen entsprechend lebe. Ehrlichkeit, Offenheit und Kritifähigkeit sind drei dieser Vorstellungen. Sie will ich (hier) leben.

Heftigkeit & Disziplin

Überbrüllen

Ich bin ein sehr extrovertierter, nach außen gekehrter Typ, ich kann und will auf Menschen zugehen. Was mir dabei in die Hände spielt, ist, dass ich ein lautes Organ habe. Nun kann man dieses Werkzeug zum Guten wie zum Schlechten nutzen. Zu oft entscheide ich mich aber leider für das Falsche. In dem meisten Fällen merke ich gar nicht, dass ich andere unterbreche, übertöne oder nicht zu Wort lassen komme. In vertrauten Kreisen bekomme ich (zum Glück) Rückmeldungen und kann mich bemühen, besser darauf achten. Wenn ich aber unter Menschen bin, die mich kaum kennen, kränke ich sie dadurch oft, das entspricht keinesfalls meinem Ziel. In fremder Umgebung bemühe ich mich deswegen,  mich einerseits gleich als "Ungestüm" vorzustellen und zu Kritik aufzufordern und andererseits meine Worte mit umsomehr Bedacht zu wählen.

Heftige Argumentation

Ein anderer (Schwach-)Punkt ist, dass ich in meiner Argumentation oft sehr aggressiv und heftig bin. Warum kann ich mir im nachhinein eigentlich nicht erklären, schließlich bin ich ja davon überzeugt, dass meine Argumente eh die besseren wären. Und sollten sie es nicht sein, bin ich ja (theoretisch) auch bereit einen Standpunkt zu verlassen und zwei Schritte weiter zu gehen (erklärt in Meine Standpunkte » Standpunkte). Vermutlich liegt es einerseits an meiner Ungeduld, andererseits an dem Gefühl nicht gehört zu werden (was sich natürlich nicht ändert, wenn ich mich wie ein Affe aufführe).

Disziplin beim Essen

Ein anderer Teilbereich der Disziplin, in der ich sehr schwach bin, ist die Nahrungsaufnahme. Besonders zu schaffen macht mir die Schokolade. Ich schaffe es trotz besserem Wissen (noch) nicht, meine Finger von Schokolade und all dem anderen Süßzeug zu lassen. Warum sollte ich auch, fragen sich manche jetzt bestimmt: Ganz einfach, ich habe beobachtet, dass es mir (sowohl kurz- als auch langfristig) nicht gut tut Süßes zu essen (egal ob Gummibären, Eis oder Schokomuffin). Natürlich gilt es nicht, alles zu verteufeln, ein Stück Apfelstrudel ist schon was Feines und auch ein Stück Schokolade kann eine wohltuende Wirkung entfalten - zu wenig und zu viel ist aller Narren Ziel! Das richtige Maß zu finden, habe ich aber noch nicht geschafft. Oft fällt es mir auch beim tagtäglichen Speisen schwer, die Größe meiner Portionen richtig einzuschätzen, mit der Folge, dass ich mit Bauchweh vom Esstisch aufstehe und mich ausgelaugt und müde statt gesättigt und motiviert fühle. Ein Kontrollmechanismus, den ich mir ab und an auferlege, ist ein Essenstagebuch, in das ich all meine Nahrungsaufnahmen eintrage. Alleine diese Kontrollinstanz, die ich nur selber einsehe, bringt mich regelmäßig dazu, das richtige Maß zu finden. Warum, habe ich verstanden, als ich diese Geist & Hirn Folge über Gott und Gemeinschft gesehen habe.

Voreiliges Urteilen & Manipulationsgefahr

Ich bin sehr gutgläubig. Wenn man mir einen für andere klar erkennbaren Witz erzählt, muss man von mir Reaktionen wie "Was?", "Ehrlich?" oder "Wirklich?" erwarten. Das liegt wohl daran, dass ich mein Gegenüber gerne ernst nehmen würde und es deswegen meistens auch tue. Ich gehe (fast) immer davon aus, dass mein Gegenüber die Wahrheit sagt, bis ich anderes "Beweisen" kann. Das ist zwar nicht nur eine Schwäche, sondern auch eine Stärke, macht mich aber manipulierbar. Höre ich von Verschwörungstheorien, bin ich der erste, der (ohne Beweise) auf Bush, Fekter oder Sarkozy schimpft.

Freund der vielen Worte

Ich habe einmal gesagt: "Ich bin ein Freund der vielen Worte, weil ich noch nicht gelernt habe, viel zu sagen aber wenig zu reden." Ich habe viel zu sagen. Ich möchte über die Dinge, die mich bewegen, reden. Ich möchte darüber diskutieren und ich möchte verschiedene Aspekte kennen lernen. Wichtig ist es mir verstanden zu werden. Deswegen rede ich oft viel zu viel und komme nicht auf den Punkt. Meine Texte sind viel zu lang und auch meine Wortmeldungen könnten meist leicht um die Hälfte kürzer ausfallen. Aber ich schaffe es einfach (noch) nicht, meine Inhalte so präzise in wenigen Worten / Sätzen zu kommunizieren, dass ich das Gefühl habe, verstanden worden zu werden.

Arrogante Wirkung

Eine klare Grenze zu ziehen zwischen einem gesund-ausgeprägten Selbstbewusstsein und hochgradig arrogantem Verhalten, ist nicht so einfach. Was die eine wohlwollend als starke Persönlichkeit einstuft, fühlt sich für den anderen wie eine zu hohe Dosis Riechsalz an (Sinnbild für Arroganz). Ich bin eine von Selbstbewusstsein strotzende Persönlichkeit. Ich habe in meinem Leben (wie ich finde) nur die besten Entwicklungsmöglichkeiten vorgefunden, was aber keineswegs heißt, dass ich es immer leicht hatte. So musste ich (sehr früh) mit Ausgrenzungen, großem Schmerz und neuen Situationen umgehen lernen (mehr dazu in Mein Ich » Meinem Lebenslauf). Aber genau diese Herausforderungen haben mich zu dem gemacht oder werden lassen, der ich jetzt bin. An diesen Aufgaben durfte ich wachsen, begleitet und umsorgt von einem liebenden und bestätigenden Umfeld. Ich fühle mich wohl in meiner "sterblichen" Hülle und bin auch dankbar für die Persönlichkeit, die ich in den letzten fast 19 Jahren werden durfte (mit all meinen Stärken und auch Schwächen). Ich bin ein raumfüllender Mensch, weil ich mich wohl fühle in und mit mir und dementsprechend verhalte ich mich auch.

Auf viele Menschen wirke ich deswegen arrogant oder herablassend. "Was fällt dem ein, der denkt, dass er besser ist, schau dir seine Webseite an, überall lobt er sich". Und damit haben diese Vielen auf den ersten Blick Recht, ich halte mich für gut! Oft sogar für sehr gut! Wer fair ist, gibt mir trotzdem die Chance zu erklären und schaut ein zweites mal hin.

Ich bin überzeugt, dass im Grunde jeder Mensch gut ist und als Mensch einen ungeheuren Wert hat und ein riesiges Potenzial in ihm steckt! Geht man von der Richtigkeit meiner Aussage aus, kann man daraus schließen, dass auch ich gut bin. Wenn ich sage, dass ich gut bin, dann spricht man im allgemeinen von Selbtvertrauen, also dem Zustand, in dem man in-sich-selbst-vertraut. Um in sich selbst zu vertrauen, muss man sich kennen. Wir vertrauen schließlich nur, dem, was wir kennen. Hier spricht man von Selbstbewusstsein - wir sind uns unser-selbst-bewusst. Hören wir das Wort Selbstbewusstsein verbinden wir es automatisch mit Selbstvertrauen. Logisch ist daher, dass sich-selbst-bewusst-werden zu in-sich-selbst-vertrauen führt. Ein entscheidender Schlüssel, denke ich, zu der Tatsache, dass ich mich (subjektiv!) als extrem glücklichen Menschen empfinde(n kann) ist, dass ich, mir-selbst-bewusst bin. Auf diesem Weg der Selbstfindung (der natürlich niemals abgeschlossen ist) bin ich überzeugt, dass jeder von uns Selbstvertrauen und innere Stärke findet. Um sein Element zu finden, wie Eckhart von Hirschhausen es ausdrücken würde, muss man sich aber auf den Weg machen und die Entscheidung treffen, seinen Glücksmuskel zu trainieren. Wie ich das geschafft habe und wie ich denke, dass das gehen kann, habe ich (noch nicht) in Mein Ich » Meine Glücksphilosophie beschrieben.

Ich habe den Schritt gewagt, einfach mit dem Training zu beginnen, es war nicht leicht und es ging mir zeitweise gar nicht gut damit, rückblickend freilich war es eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Das Problem ist, dass dieser letzte Satz schon als Arroganz ausgelegt wird, zumindest ist das mein Gefühl. Das ist, wie ich eben dargelegt habe, nicht richtig, ich bin mir selbst (halbwegs) bewusst und vertraue in mich selber, deswegen gehe ich davon aus, dass ich gut bin und verhalte mich dementsprechend. Ich halte mich aber nicht für besser als irgendjemanden und bin deswegen nicht überheblich. Jeder Mensch ist gut und jeder Mensch kann mit sich glücklich sein, wenn er nur den Schritt macht, hinzuschauen, um sich selbst zu finden, das ist meine Überzeugung. Das Problem ist nun, dass ich oft nicht in der Lage bin, den Unterschied zwischen Arroganz und Selbervertrauen sachlich, einfach (?) und vollständig zu erklären. Deswegen muss ich mir den Vorwurf der Überheblichkeit gefallen lassen.

 

Armin Soyka  ·  armin.soyka@gmx.at