Zwischenbericht vom grünen #zukunftskongress

Geschrieben von Armin Soyka am Sonntag, 22 November, 2009 um 15:22

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Die  30 Thesen wurden online stark diskutiert, die Ergebnisse werden heute beim Zukunftskongress der Grünen (in Wien, Colosseum XXI) auch vor Ort von rund 600 Mitdiskutierenden durchdacht. Das Resultat sollen langfristige Zukunftspapiere, wie konkrete Aufgaben an die Grünen sein. Ich bin seit über 6 Stunden hier und das ist mein erster Zwischenbericht.

Die Stimmung ist gut, eigentlich ausgezeichnet, bisher gab es eine Rede von Eva Glawischnig, eine von Maria Vassilakou und einen Kurz-Vortrag von Bildungswissenschaftler Roland Fischer, danach gab es ein Welt-Cafe (scheint ein erprobtes Diskussionswerkzeug zu sein: 4 – 7 Leute diskutieren in vielen Kleingruppen über eine Fragestellung, die Ergebnisse werden verschriftlicht.) mit vier Diskussionsrunden. Ich sitze hier und nutze die Mittagspause zum Bloggen statt zum Essen. Es riecht nach Aufbruch. Meine Hoffnung: Die Grünen werden wieder zu einer offenen, basisdemokratischen Mit-Mach-Partei. Heute ist ein erster Schritt. Hier meine Eindrücke, was wir für die nächsten Schritte besser machen können. Sie klingen teilweise hart. Sind ehrlich gemeint. Sie wollen nicht angreifen, sondern kritisieren. Ich habe versucht Alternativen aufzuzeigen und nicht “hinzuhauen”. Bitte diesen Beitrag auch so verstehen. Und im Zweifelsfall nachfragen (Kommentar, Email, Anruf).

Vorweg, was hier passiert ist einzigartig, das gibt es nur bei den Grünen. Ich bin gespannt, ich bin optimistisch.

Maria Vassilakou hat bei ihrer Rede angemerkt, dass in der Onlinediskussion keine der 30 durchaus kontroversen Thesen durchgefallen ist. Für mich zeugt das nur bedingt von der Genialität der Thesen (auch wenn ich sie fast durchgehend befürworte), sondern vielmehr von dem (grünenfreundlichen) Umfeld, in dem sie diskutiert wurden. Zwar gab es auch kritische Stimmen, die waren aber wohl “EinzeltäterInnen”, wenn keine These durchgefallen ist. Ich sehe das als Aufgabe für uns Grüne, mehr Partizipation, mehr Kritik und mehr Offenheit zu fordern und zuzulassen.

Diese Aufgabe sehe ich auch unter dem Gesichtspunkt, dass doch die überwiegende Mehrheit der TeilnehmerInnen aus einem sehr grünen Umfeld kamen. Entweder selber MandatarsträgerInne oder zumindest irgendwie in der Partei verankert. Loben wir uns, aber Loben wir uns nicht in den Himmel. Dieses Event ist gut, dieses Event ist wichtig, aber es ist nicht mehr als ein erster Schritt, der eine ungefähre Richtung vorgibt, in die es gehen soll und muss – die Versäumnisse der letzten Jahre was Partizipation betrifft, müssen wir jetzt (!!!) aufarbeiten!

Mit der Unterscheidung in grüne, blaue, gelbe und weiße (MandatarInn, Mitglied / Gast, FunktionärIn und MitarbeiterIn) Anwesende wurde versucht ein Auswahlskriterium für eine bunte Durchmischung der Diskussionsrunden zu schaffen. Wie schon beim Grünen Konvent, wurden in meinen Augen (und ich bin nicht alleine) aber eher Hirachieebenen geschaffen, die es bei meinen Grünen ja gar nicht gibt! Mein Verbesserungsvorschlag: Farben weglassen und Bundesland hinschreiben. Durchmischung kann auch durch Wohnadresse erfolgen =)

Der Ablauf des Tages war leider nur als PDF verfügbar. Zumindest die Eckdaten (Wann, wo, was) sollten auf der Webseite (http://zukunftskongress.at/) verfügbar sein!

Sehr erfreut bin ich, dass auf Nachfrage sofort auf Rückmeldungenbox verwiesen wurde. Das zeugt von der grünen Feedbackkultur! (Einzigartig!)

Leider wurden die “Sozial Media” für die Bewerbung dieses Kongresses praktisch nicht genutzt (ein Tweet der diegruenen_at). Hier hätte es viele Chancen gegeben, auch die partizipatorischen Möglichkeiten des Netzes zu nutzen.

  1. Die Reden von Eva Glawischnig und Maria Vassilakou hätten ebenso wie die (spannende) Rede von Roland Fischer Live gestreamt werden MÜSSEN! Die Ausrede der technischen Umsetzbarkeit (wie bei den grünen Vorwahlen am 15. November) gilt nicht, die unprofessionellen Audimaxisten streamen mittlerweile seit einem Monat fast ununterbrochen aus dem Audimax!
  2. Ein Livestream (auch der Diskussionsrunden und Fragestellungen an’s Plenum) hätte auch ungeahnte partizipativen Möglichkeiten geboten. Man hätte online mitdiskutieren können. Dazu die ich-machs-selber-Technologie eines Wikis (oder sogar von google wave?) nutzen und die Impulse, die via Twitter, Facebook, Wiki, Google-Wave rein kommen in Echtzeit (oder zumindest im Nachhinein, in der Nachbereitung) nutzen.
  3. Die Tür, die durch die schlechte Kommunikation bei den Grünen Vorwählen zugeschlagen wurde, müssen wir als Grüne jetzt mit aller Kraft versuchen wieder aufzubrechen. Heute wäre eine tolle Chance gewesen das Potenzial der VorwählerInnen zu nutzen. Viele der grünen VorwählerInnen sind wichtige MultiplikatorInnen im Netz (Stichwort Blogossphäre), dieses Know-How und mediale Präsenz dürfen wir uns in Zukunft nicht mehr entgehen lassen. Neben der intensiven Bewerbung auf Facebook, Twitter und Youtube (das Video mit Maria Vassilakou war zwar ganz nett, aber nicht mitreißend oder emotionalisierend!) hätte man auch auf die Blogcommunity setzen können. An sie Presseakkreditierungen verschicken können! Jeder grüne Vorwähler hätte eine persönliche Einladung erhalten können und sollen!
  4. Dass es keinen Livestream gibt / gab ist schade, in Zukunft sollte es nicht nur Livestreams von allen öffentlichen grünen Veranstaltungen geben, sondern auch alle Redebeiträge sobald als möglich (Minute danach!) auf Youtube gestellt werden. Der technische Aufwand ist mäßig.
  5. Dass es vor Ort kein W-Lan gibt, finde ich eine Enttäuschung, das sollte zu der mindesten Grundausstattung gehören.

Sehr freuen tue ich mich auf die kleine Diskussionsrunde mit Eva Lichtenberger, die grüne Abgeordnete im Europaparlament ist und mit einigen anwesenden Webaffinien über Netzpolitik sprechen möchte (das ist ihr Spezialgebiet). In Brüssel scheinen wichtige Entscheidungen anzustehen, die teilweise nationales Recht sein werden. Hier müssen wir selber aktiv werden! Um drei geht’s los. Ihre Offenheit ist erfrischend! Ich bin gespannt. Durch sie werden die Grünen vielleicht auch bald zu der Partei, die Netzpolitik ernst nimmt. Ich bin gespannt. Ich bin optimistisch.

Die Zukunft ist Grün!
Grün ist mutig!

4 Kommentare zu dem Artikel “Zwischenbericht vom grünen #zukunftskongress”

  1. guenterstrobl

    Danke für Deinen Zwischenbericht. Die Web2.0 Kompetenz der Grünen muss in der Tat gestärkt werden und ich gebe Dir auch darin Recht, dass man dazu die Grünen VorwählerInnen nutzen hätte können. Danke für Dein Engagement und weiter so!

  2. Lukas Huber

    Wäre natürlich toll, wenn die aufgezählten Punkte umgesetzt werden – und nicht nur das, sondern auch Umsetzung der Barrierefreiheit für alle (z.B. Transkription der gesprochenen Reden)

  3. Super Bericht. Wäre zum beispiel für mich interessant gewesen vom Zukunftskongress zu berichten, habe aber erst heute über den Standard davon erfahren.

    Das mit Livestream und WLAN sehe ich genauso wie du. Use the media!

    Greetz, Stefan

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