Wir sind für etwas – gemeinsam.
Ich durfte in der Onlineausgabe des Standards am Montag ein Interview geben. Dort im Forum wird viel diskutiert. Mittlerweile gibt’s 270 Kommentare. Eine Zeit lang habe ich nur mitgelesen, dann habe ich beschlossen mitzudiskutieren. Am stärksten kritisiert wurde diese Passage: “Können Sie sich vorstellen, ihre Themen bei einer anderen Partei umzusetzen?” war die Frage, ich habe geantwortet: “Ich glaube sehr wohl, dass ich bei einer anderen Partei hätte mitmachen können. Sowohl SPÖ als auch ÖVP hätten da sicher Chancen geboten. Ich habe auch mit dem Gedanken gespielt mir FPÖ oder BZÖ anzuschauen. Es geht ja nicht darum alles mitzutragen, was andere sagen, sondern es geht darum man selbst zu sein und das in einer Partei auszuleben, was ich für richtig halte und abzugrenzen und zu schwächen was ich für falsch halte. Bei manchen Parteien geht das leichter bei manchen schwerer. Ich will nicht gegen etwas sein, ich will für etwas sein.”
Wer sich fragt, warum ich hier die Hälfte des Statements durchgestrichen habe? Ganz einfach, weil es einige Leserinnen und Leser zu geben scheint, die nach der Kombination FPÖ, BZÖ und anschauen, abschalten. Gegipfelt hat das heute in einem annonymen Kommentar auf meiner Webseite: “wirks ja ganz sympathisch, ernstzunehmend aus politischer sicht bist du in meinen augen nicht. ich finds ja cool, dass du dir alle türen offen lasst, aber auch fpö und bzö miteinzubeziehen, finde ich echt zum kotzen …”
KompetenterBursche zeigt einen netten Aspekt auf: Ja was ist daran schlecht, er wollte sich andere Parteien “anschauen” – SCHAUEN !! Das man über seine Systemgrenzen hinwegsieht und auch einmal zu einer Veranstaltung der anderen geht und sich anhört was die Reden ist ja nichts schlechtes, man kann sich dann ja immer noch sein Urteil fällen – Aber von vornherein sagen, die sind scheiße – ohne dass er sich es je angesehen hat – das würde ich idiotisch finden”
Aber ich werde jetzt nicht argumentieren, sondern Beispiele bringen.
Heute fand das Jour Fix der JVP 18 statt. Der Termin stand seit drei Wochen in meinem Kalender und natürlich bin ich hingegangen. Es war interessant, “ein Blick hinter die Kulissen”, ich habe mit Jugendlichen diskutiert, die genauso wie ich, einfach die Welt verbessern wollen und dazu andere und doch sehr ähnliche Vorstellungen haben. Die Homoehe haben wir zum Beispiel diskutiert. Keine Frage dort, dass jeder Mensch lieben darf, wen(n) er möchte. Keine Diskussion darüber, ob Gleichstellung oder nicht. Eine Meinung. Die Themen gingen von Studienzugangsbeschränkungen, über Sinnhaftigkeit von dem Superpraktikum zu Kommunismus und Liberalismus bis hin zu Ursachen der Dunkelheit des Mittelalters. Breitgefächerte Ideen, verschiedene Meinungen – aber ein Grundrespekt vor der Meinung des Gegenübers, des Gesprächspartners
Heute fand auch das erste Wiener SchülerInnen Parlament statt. Dort durfte ich mit grünkritischen Damen über die Bobopartei der Grünen sprechen. Unterschiedliche Vorstellungen, verschiedene Meinungen – aber trotzdem waren wir Partner.
Heute Nachmittag durfte ich mit einer sehr sozialistisch-gesinnten Freundin durch die Straßen Wiens spazieren. Auch wir waren uns einig, dass die Grundwerte der Sozialdemokratie richtig und wichtig sein, aber nicht umgesetzt würden.
Vor 2 Wochen war ich beim ersten Wiener Schülerunions Meeting des Schuljahres und durfte zuerst einer großartigen Präsentation lauschen, um anschließend über Gesamtschule zu debattieren. Und wieder: Bunte Auffassungen, verschiedene Meinungen – im Vordergrund steht das Gemeinsam, das wir.
Genauso wie ich in diesem Schuljahr schon zwei mal bei der SJ 16 (sozialistischen Jugend im 16. Bezirk) mitdiskutiert habe (unter anderem über das links-rechts Schema), habe ich mich auch schon intensiv mit der AKS (Aktion Kritischer SchülerInnen) auseinander gesetzt und war unter anderem auf dem SchülerInnenVertretungsKongress letztes Jahr dabei. Auch da bin ich nicht unbedingt einer Meinung, hingehen kann ich trotzdem, ich werde mit offenen Armen empfangen und am Schluss eingeladen wieder zu kommen – trotz kontroverser Diskussionen. Wir wollen verändern – gemeinsam!
Über die Genialität des Medienkongress’ habe ich schon berichtet auch dort ging es um Meinungen – und darum Meinungen zu hören. Sie ernst zu nehmen und voneinander zu lernen.
Ich könnte jetzt auch auf Audimax, Schule, Kirche, die Grünen selbst, Diskussionen an FPÖ-Wahlständen (ja, ich bleibe dort stehen, diskutiere und kritisiere!), Podiumsdiskussionen oder Facebookdebatten verweisen, ich tu’s aber nicht, sondern komme zu meinem Fazit:
Der Orf berichtet heute, dass das Interesse der unter 24-jährigen an Politik an einem historischen Tiefststand angelangt sei. Ich bezweifle das. Ich glaube viel eher, dass falsch gefragt wurde. Das Interesse der Jugendlichen an Politik schrumpft nicht, durch neue Medien, dem Internet, wächst es. Bisher war Politik: Ich kann mehr blockieren, als du. Diese, meine Generation ist individualistisch. Uns geht es nicht darum Mauern aufzubauen. Unser Interesse an Grabenkämpfen, deren Sinnhaftigkeit jedem klar denkenden Menschen unverständlich ist, schrumpft. Wir sind nicht Poltitikverdrossen, die Politiker, die meinen, man müsse gegen etwas sein um etwas zu sein, derer sind wir überdrüssig. Und ja, wir schauen uns alles an, auch eine FPÖ, bei der es übrigens auch ganz vernünftige Leute gibt.
Wir sind für etwas - gemeinsam. Das macht mir Hoffnung!

Hallo, lieber Armin!
Ich UNTERSTREICHE deine Überlegungen in Richtung “auch Kontakte zu FPÖ oder BZÖ”. Ich bemühe mich im 10.Bezirk in der selben Richtung wie du es machst. “Ungustln” gibt es in JEDER PARTEI, aber mit denen muss ich nicht reden. Ich schaue mir lieber das “halb volle Glas” an (Mit wem kann ich möglichst sachlich und konkret reden?), statt dass ich im Meckern über das “halb leere Glas” meine Energien verbrauche.
Mit herzlichen Grüßen, Fritz :-)
Entschuldige bitte deinen falsch geschriebenen Namen im Titel. (Harry Stojka hat da vermutlich “hineingepfuscht”) Hab´s schon korrigiert :-(