Wenn Zivilcourage tödlich ist

This entry was posted by on Freitag, 18 September, 2009 at

Ich habe soeben einen Artikel im Kurier gelesen, der mich zutiefst erschüttert, erschreckt und nachdenklich gemacht hat. Hier erstmal der Link. Er berichtet von einem Mann, der einschritt, als Kinder angegangen wurden und dafür mit seinem Leben bezahlen musste. Er wurde ermordet. Kaltblütig und unreflektiert. Aus Wut, Rache oder welchen niederträchtigen Motiven auch immer.

Der Artikel hat mir einmal mehr vor Augen geführ, in was für einer degenerierten Welt wir leben, wie fehlgeleitet unsere Werte sind. Andy, von dem ich sonst sehr viel halte, schreibt über “Gier oder Neid” und nicht über Selbstverwirklichung, nach der wir zumindest laut Maslows Bedürfnispyramide (die wissenschaftlich anerkannt ist!) streben. Materielle Werte werden hochgehalten, “Reichtum für alle die sich’s verdienen” schreien die einen. Die wenigen, die eh schon mehr haben, als sie jemals essen (ja nichteinmal ausgeben!) können. Die anderen würden auch gerne schreien – nur, wie? Niemand hört sie. Wie verblendet unsere Medien Fakten interpretieren hat die News/Death-Ration (via Chorherr) eindrucksvoll bewiesen. Wer weitere Beispiele sucht, kann auch einfach auf Wikipedia unter Armut nachlesen: “Die reichsten 1% der Weltbevölkerung kontrollieren 40 % des Weltvermögens. Die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung besitzt weniger als 1 % des Weltvermögens.” Man könnte auch Konstantin Wecker zuhören (und sehen) wie er in seiner unglaublich berührenden Geschichte mit Willy mit jedem teilt, der sie hören will. Aber er redet von den anderen. Wir und die anderen. Weit weg, das kann man übersehen. Aber wir können auch in den österreichischen Sozialbericht schauen. Da findet man das Selbe:

Das reichste Prozent der Haushalte hält 27 Prozent des gesamten Geldvermögens. Das oberste Promille (0,1%) besitzt über 8% des gesamten Geldvermögens. Dieser Wert wird von der gesamten unteren Hälfte der Haushalte erreicht, die ebenfalls über 8% des gesamten Geldvermögens verfügt. (Auszug aus dem Sozialbericht 2007 – 2008 Seite 279, 18.2.2. Markante Konzentration des Geldvermögens in Österreich)

Wir gehen in die falsche Richtung – und die Menschen stöhnen. Und alle verlieren, selbst die, die Milliarden dabei abschöpfen.Volker Pisper hat das sehr schlüssig argumentiert (ich finde das Video gerade nicht!): Was bringt mir eine Gesellschaft in der ich bedingungslos reich werden kann, wenn neben mir einer Hunger hat und beschließt, mir meine Uhr wegzunehmen, weil er sie verkaufen und dann etwas essen kann? Wenn das arm/reich-Gefälle zu weit auseinander klafft, gibt es soziale Spannungen. Lange kann man sie unterdrücken, aber Menschen lassen sich nicht gerne verarschen und wer 40 Stunden die Woche arbeitet und trotzdem kein Einkommen zum Auskommen hat, wird nicht lange mitansehen, wie andere sich für’s nichts tun den Bauch voll schlagen. Die sozialen Spannungen werden eskalieren.

Es braucht sozialen Ausgleich. Die Frage wieviel ich verdienen kann (moralisch) ist zu diskutieren und der Mensch ist wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Die Wirtschaft ist nicht mehr als ein Mittel zum Zweck! Wir brauchen viel Zivilcourage! Natürlich. Wer sich daneben benimmt und andere schädigt gehört gestraft. Aber wir dürfen uns nicht auf die offensichtlichen Täter beschränken, sie sind meist nur die kleinen Gauner, der Hund liegt im System begraben. Brecht hat dazu einmal gesagt: “Was ist das Ausrauben einer Bank, gegen ihre Gründung?”

Soziale Gerechtigkeit ist die Vorraussetzung für Wohlstand, dessen Kirche nicht auf dem Stein der Ausbeutung gebaut ist. Wie wenn nicht mit selbstkritischer progressiver Politik? Wo, wenn nicht in offenen, autonomen und öffentlichen (!) Schulen? Wann, wenn nicht jetzt wollen wir diese Diskurse führen? Tun wir etwas, bewegen wir etwas. Zeigen wir Zivilcourage. Zeigen wir sie immer! In der Wahlkabine, bei der Wahl unserer Bank, in der Schule, im Job, in der Familie und auch in der S-Bahn!

Das Richtige zu tun muss das Leben wert sein!

PS: Und an alle, die mir jetzt Opfer-Täter-Umkehr vorwerfen wollen. Bitte überlegt es euch zweimal. Denke darüber nach, ob es nicht eine automatisierte, konditionierte, eingeübte Verdrehung von Tatsachen ist, die dich davor schützen soll, dich selbst zu hinterfragen! Und überlege dir auch, ob du eigentlich auf der Gewinner oder der Verliererseite stehst! Und wenn du drauf kommst, dass es eine Verliererseite gibt, dann realisiere, dass das System falsch ist! In allen Bereichen gibt es win-win Situationen, im Großen wie im Kleinen! Arbeiten wir daran die lose-Situationen aus unserem mathematischen Verständnis zu entfernen! Wann, wenn nicht jetzt! Wer, wenn nicht wir!

10 Responses to “Wenn Zivilcourage tödlich ist”

  1. Andy O.

    Also erstmals wollte ich dir sagen: Du kannst unglaublich fesselnd und sehr ausgeglichen schreiben! Ich bin begeistert!

    Ich finde deinen Artikel extrem gut!

    Wie recht du hast, wir gehen nicht nur neben dem richtigen Weg, sondern unsere Gesellschaft geht schräg. Das heißt wir entfernen uns immer mehr von den idealen des sozialen Ausgleichs! Und das ist definitiv nicht richtig!

    Wir brauchen Menschen die sich trauen etwas zu sagen! Und auch handeln! Mutige Menschen. Zivilcourage. Nicht nur für den einzelnen. Sondern für uns alle! Courage für einen besseren Weg.

    Ein Schritt dahin wäre es Freude zu schenken!
    Das klingt jetzt kitschig, aber das ist es keinesfalls!
    Ich fand deinen Artikel über deinen Geburtstagswunsch auch extrem gut! Und genau das hab ich schon seit Jahren zu meiner Lebensaufgabe gemacht! Ich will Menschen lächeln sehen, genau genommen, sie zum lächeln bringen!
    Was gibt es schöneres? Und warum nicht so den Schritt wagen, in Richtung miteinander?

    Wow, das hat gut getan mir das von der Seele zu schreiben :)

    • danke! ich sehe das sehr sehr ähnlich! es ist wichtig, dass “wir” mehr werden – und das wir nicht nur mehr werden, sondern auch vernetzter werden! gemeinsam sind wir stark. oder zumindest stärker. da kann man sich gegenseitig aufbauen, denn rückschläge gibt es immer, erfolg arber heißt öfter aufstehen, als man hin fliegt! großer erfolg wäre dann oft hin zu fallen! ;-) es tut gut zu wissen, dass man nicht alleine geht! das macht stark – weißt eh, die gemeinschaft! und klar, sich sowas von der seele zu schreiben, tut gut, darum gibt es ja den blog ;-) hoffenlich als ort für alle menschen, die etwas zu sagen haben!

  2. Mathias

    “In allen Bereichen gibt es win-win Situationen, im Großen wie im Kleinen!”
    Eben nicht. Das Leben ist kein Ponyhof und zu ihm gehört, dass es ständig Gewinner und Verlierer gibt – die aber nicht notwendigerweise immer dieselben Leute sein müssen. Aber: Das letzte Mal, als man deine Umverteilungsideale (die du ja scheinbar als Lösung erachtest) umzusetzen versuchte, lief es eher (notwendigerweise) auf eine Lose-Lose-Situation heraus, bei der im Endeffekt alle gleich arm waren. Weil es nunmal ein Nebeneffekt des kapitalistischen Systems ist, dass Einigr um einiges mehr haben und Andere wiederum viel weniger. Doch damit überhaupt Wohlstand entstehen kann, müssen diese Ungleichheiten (die ich, außer im Extremfall nach unten hin, auch nicht sonderlich schlimm finde) in Kauf genommen werden – ansonsten sind wir wieder im sozialistischen Faulenzersystem angelangt.

    Später vielleicht noch mehr, die iPhone-Tastatur ist nicht so pralle…

    • Mag sein, dass ich das zu schwammig ausgedrückt habe. Klar gibt es und muss es immer Menschen geben, die weniger haben als andere. Die zwei Fragen, die sich stellen und die wir schnellstmöglich beantworten müssen ist:
      - wie entscheidet sich, ob ich mehr oder weniger habe?
      - wieviel mehr darf ich haben, was ist moralisch vertretbar, unter welche Schwelle darf niemand drunter rutschen!
      Momentan entscheiden (soweit ich das sehen kann) Einkommen der Eltern + eigener Fleiß, Wille und Mut + Schicksal, wo du stehst. Das ist unfair allen gegenüber, die diese Unterstützung nicht haben. Hier sollte (im Sinne einer möglichst produktiven Gesellschaft!) der Staat (oder die Gemeinschaft) eingreifen und dafür sorgen, dass jeder die annähernd gleichen Chancen hat. Man könnte das vielleicht mit zwei Bauern vergleichen: Der eine bekommt 1 Euro subventionen vom Staat, 3 Euro Subventionen pro Liter Milch, weil seine Eltern ihm noch 2 Euro pro Liter drauf legen. Sowas nennt man dann Wettbewerbsverzerrung und das ist Marktschädlich und soweit ich weiß verboten. Wir müssen ein Bildungssystem schaffen, indem 1-Euro-Bauern gesondert unterstützt werden. Nur wenn es gleiche Chancen für alle gibt, werden die, die wirklich fleißig sind sich durchsetzen! Leistung muss sich lohnen. Wenn es eine “Working-Poor-Class” gibt (und die existiert schon in Österreich), dann läuft etwas ganz ganz falsch!
      Die zweite Frage ist: Auch wenn ich nichts leisten will oder kann, was ist die Gemeinschaft bereit mitzutragen. Was für einen Lebensstandard wollen wir als Gesellschaft jedem Menschen unabhängig von Einkommen, Alter,… ermöglichen? Es gilt diesen Punkt gut anzusetzen. Liegt er zu niedrig, müssen Menschen in Armut (und sogar Hunger?) neben Menschen im Überfluss leben, was zu den im Artikel schon angesprochenen sozialen Spannungne und weiterer Folge Konflikte führen wird. Setzt man ihn zu hoch an ist das System nicht mehr tragbar. Wobei ich ja ganz fest davon überzeugt bin, dass jeder Mensch nur das machen sollte, was er gerne tut. Aber da bin ich noch am überlegen, wie das alles zusammenpasst. Klar ist aber auf jeden Fall, das der Punkt zumindest so gewählt sein muss, dass die Menschenrechte von jedem Menschen eingeklagt werden könn(t)en. Recht auf Nahrung, Recht auf Essen, Reicht auf Kleidung, Recht auf Bildung freier Gewerkschaften, …

      • Tobias

        Ein interessanter Vorschlag zum dem Thema Einkommensspanne: Das Mindesteinkommen als Prozentsatz der Manager-Einkünfte der jeweiligen Firma festlegen (dass es da nach unten auch einen “Boden” geben muss sollte auch klar sein).

        Ja, es ist toll wenn jemand viel leistet. Nein, auch der beste Manager arbeitet nicht 60, 80 oder 100 Mal so toll wie seine Arbeiter. Das Problem an der ganzen Sache ist auch, dass die Menschen sich “weniger wert” fühlen…

  3. Okay, dass das Einkommen der Eltern “verzerrend” wirken kann, ist Tatsache. Allerdings ist es eine Realität, mit der man sich meiner Meinung nach abfinden kann, solange es nicht zu stark ins Extreme trifft – d.h. das zum Beispiel das Kind armer Menschen niemals auch nur die Chance besitzt, eine Universität zu besuchen. Ich sehe allerdings nicht, wo gerade in Österreich das der Fall ist: Wir haben das Kindergeld, wir haben (bald) die Mindestsicherung, wir haben unzählige Subventionen für finanziell schlechter Gestellte und wir haben einen freien Schul- und Hochschulzugang. Niemand kann mir erzählen, dass in einem Land wie dem unseren nicht auch die Kinder armer Leute die Chance besitzen, was aus sich zu machen – vorausgesetzt natürlich, sie sind fleißig, ambitioniert und haben den Willen zum Weiterkommen.
    Dass es dabei dann immer noch welche gibt, die aufgrund ihres Backgrounds schneller oder einfacher nach oben kommen, stellt für mich ob der ohnehin gegebenen Chancengleichkeit kein Problem dar. Man muss dem Glück mancher Leute durch übertriebene Gleichmachung nicht immer entgegenarbeiten.

    Zur zweiten Frage nach dem zu ermöglichendem Lebensstandard: Meiner Meinung nach gerade so viel, dass niemand hungern, auf der Straße schlafen oder sich nichts zum Anziehen kaufen kann. Das könnte man ganz einfach mit einem liberalen Bürgergeld oder dem bedingungslosen Grundeinkommen lösen (und im gleichen Zug die Bürokratie erheblich vereinfachen/schrumpfen) – was die Empfänger dann damit machen, ist ihre Sache.
    Dass es nach oben hin Grenzen geben muss, ist ein Gedanke, mit dem ich rein gar nichts anfangen kann. Warum Leute in ihrer Produktivität, in ihrem Schaffensgeist (natürlich auch von Kapital) künstlich beschränken? Das ist nichts als neidig anmutende Fortschritts- und Wirtschaftsfeindlichkeit, weil sich manche Menschen (damit meine ich nicht explizit dich) nicht damit abfinden können, dass andere Leute Millionen besitzen und sie mit 1000 Euro/Monat auskommen müssen. Leider bedenkt jeder von uns viel zu wenig, wie manche Menschen zu so viel Geld überhaupt kommen, was für Arbeit, Risikobereitschaft und Verluste womöglich dahinterstecken (Erben und Lottogewinner selbstverständlich ausgenommen). Sie sehen Gehaltslisten und denken sich: “Es ist unfair, dass der Typ so viel mehr bekommt als ich.” Nicht sehen tun sie klarerweise Bildungshintergrund, Motiviation, berufliche Anstregung und dergleichen des jeweilig Verdienenden.

    • ‘Zeig mir deine Eltern und ich sag dir deine Bildung’ das ist leider (trotz unzählicher Förderungsangebote) österreichische Realität. Im Kopf hatte, ich, dass 1 Prozent der Kinder aus Arbeiterfamilien eine Studium abschließen, laut dem Artikel, den ich gefunden habe (hier noch ein zweiter) sind es 6 bis 8. Und jetzt kommts: Sind die Eltern Akademiker, machen über 60 Prozent der Kinder einen Hochschulabschluss. Ganz klar, es gibt viele Förderungen und Unterstützungen – und auf dem Papier steht auch der freie Zugang zu Schulen und Hochschulen, aber auf dem Papier stehen auch Menschenrechte, und wir scheren uns nicht im geringsten darum. Gestern habe ich erst wieder mit einem Jungen im Park geredet. Er – erstes Lernjahr Elektriker, Mama Hofer, Papa Elektriker, im 18 Bezirk geboren und aufgewachsen. Soweit sogut. Ich hingegen: Mama Ärztin, Vater Unternehmer, im 18 Bezirk geboren und aufgewachsen. Theoretisch könnte auch er jetzt vor der Matura stehen, die Angebote wären dagewesen. Seine Fähigkeiten auch. Ich habe ihn nach seinen Volksschulnoten gefragt: Alles einser, ein zweier. Ich? Ich hatte zwei Zweier. Aber meine Mutter hat halt im Gymnasium angerufen, war dahinter. Seinen Eltern war das wurscht. Bua, mochst a Lehre, geht hackln und basta. Ein Kommentar unter dem ersten Artikel drückt es perfekt aus:

      Liegt das Problem nicht darin, daß wegen der fehlenden Bildung der Eltern diese auf die Bildung ihrer Kinder zuwenig Rücksicht nehmen, und damit sich ein Teufelskreislauf ergibt, da die Schulen offenbar dieses Defizit nicht ausgleichen können?

      Aber die Schule muss den Teufelskreis durchbrechen. Sofort, zuerst die Volksschule und dann eine Mittelschule. Danach müssen Menschen soweit gefördert werden, dass sie, wenn sie das wollen auch auf die AHS gehen können – EGAL WOHER SIE KOMMEN! Es kann nur in der Schule passieren, denn die Eltern kümmern sich selten. Und danach sind die Kinder für den Staat und die Gemeinschaft nicht mehr “zu greifen”!
      Dass das Einkommen der Eltern verzerrt ist ok. Aber es ist zu stark ins extreme Abgedriftet. Du triffst den Nagel auf den Kopf und das ist das Problem, warum es in Österreich so schrecklich aussieht, was Chancengleichheit anbelangt (egal, ob in Bildung, Arbeit, gleichstellung von Homosexualität der Heterosexualität, Frauenpolitik, Klimapolitik,…..)

      stellt für mich ob der ohnehin gegebenen Chancengleichkeit kein Problem dar

      Du stehst auf der Gewinnerseite, du hast die Freiheit zu tun und lassen was du willst (in einem Rahmen), weil du die Chancen bekommen hast und immer noch bekommst dich zu bilden. Du bist frei. Aber tausende Menschen sind es nicht. Klar stellt die Chancengleichheit wie sie jetzt ist für dich kein Problem dar sondern einen Vorteil. Du bist weiß, männlich, studierst, bist Atheist (nicht etwa Moslem oder Zeuge Jehovas) – geistige und materielle Elite. Aber Freiheit bringt das System so wie es ist eben nur der obersten Klasse. Und nocheinmal, ich rede nicht von kommunistischer gleichmacherei. Ich will niemanden ins Schema pressen und ihn zu seinem Glück zwingen, aber die Struktur in einer solidarischen Gesellschaft, die für mehr als die katholischen Kirche, das Patriachat und der Heterosexualität einsteht, muss jedem Menschen die Chance geben sich zu entwicklen. Das ist in österreich trotz vieler Förderungen nicht der Fall.

      Zu zweitens scheinen wir uns recht nahe zu sein. Auch ich sympathisiere mit einem BGE, es muss aber so angesetzt werden, dass Menschen trotzdem am kulturellen Leben teilhaben können. Materielle Bedürfnisse zu befriedigen, den Rest aber nicht, halte ich für schwer verwerflich (zumal es sich um einen minimalen Unterschied handelt!) denn es treipt die Seperation dieser Menschen voran und voran und am Ende haben wir starke, sehr starke soziale Spannungen, die in Konflike enden werden. Klar ist aber, dass dieser von dir beschriebene Lebensstandard nicht realität ist. Alleine in Wien leben offiziell 10000 und inoffiziell fünfmal soviele Menschen auf der Straße. Ohne Dach über dem Kopf, ohne regelmäßiges Einkommen – vom Stempeln.

      Zur Beschränkung nach oben hin. Das hat sehr sehr wenig mit Wirtschaftsfeindlichkeit zu tun, im Gegenteil es ist im besten Sinne wirtschaftlich. Wirtschaft hat nämlich nicht die Aufgabe einige wenige möglichst reich zu machen sondern die vorhandenen Güter fair zu verteilen. Wirschaft wird missbraucht. Und die Frage die sich jeder von uns stellen muss: Bin ich damit einverstanden? Oder geht mir das gehörig auf den Keks? Die Erde könnte uns alle ernähren. Jeden von uns! Mehr sogar, es gibt Nahrung für etwa 11 Milliarden Menschen, bei einer Bevölkerung von 6,7 Mrd. Sollten sie fair verteilt sein? Sollte jeder etwas bekommen? Weil er Mensch ist? Weil es sein Recht als Mensch ist zu essen? Das selbe gilt für Wasser. Sollten Menschen verdursten? Das wäre die tatsächliche Aufgabe von Wirtschaft. Aber egal. Das ist der eine Punkt, der zweite ist die Frage der Wertung. Wieviel ist ein Mensch wert? Du schreibst du setzt dich mit philosophischen Themen auseinander. Ist jeder gleich viel wert? Das schreiben zumindest die Menschenrechte. Wie kann es dann sein, dass einer mit 1000 Euro auskommen muss, während ein anderer das 1000fache verdient (1 Mio). Genau. Drei Punkte hast du Aufgezählt und einen vierten Vergessen denke ich: 1.) Bildungshintergrund. Da habe ich schon eingehend arguementiert, dass Aufstiegschancen eben nciht nur am Fleiß und der Mühe und Motivation sondern eben vorallem (sic!!!) am Bildungshintergrund der Eltern hängen – sobald wir das geändert haben gilt dieses Argument auch für mich! 2.) Motivation. Frankl hat gesagt: Der Mensch ist ein Wesen zum Sinn. Wir alle brauhen einen Sinn im Leben, der uns motiviert. Der ein Ziel vorgibt, das wir erreichen können. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten: Eine liebende Beziehung, in die wir all unsere Kraft stecken, maximierung an Geld, körperlicher Fitness, Konsum,… Klar ist aber, dass jeder Mensch eine Motivation hat, irgendetwas zu tun, sonst könnte er nicht existieren (einverstanden?). Nun leben wir aber in einer Leistungsdruckgesellschaft, in der es nicht akzeptiert ist Künstler sein zu wollen (und trotzdem zu essen!), in der es nichts wert ist Mutter zu sein und 90 Stunden die Woche auf seine Kinder aufzupassen, in der es nichts gilt Lehrer zu sein (überbezahlter Halbtagsjob!!!) – wir sind verkommen in eine Gesellschaft, in der Leute wie Ackermann die Gurus sind. Milliarden bewegen, Millionnen verdienen, deren Steuern hinterziehen und dann nennt man das ganze liberale Politik. Also Motivation gilt für mich als Grund erst dann, wenn auch die Menschen, die einen wertvollen Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten, entsprechend entlohnt werden. Wer nicht will soll gerne deutlich weniger haben als die anderen, aber immer noch genug zum Leben (alles andere wäre unter unserer Würde!), aber wer will und tut muss dann ordentlich entlohnt werden! Mütter, wie Lehrer, wie Jungschargruppenleiter, wie Straßenmusikanten, wie Umweltaktivisten, wie….. Und dann kommen wir zu der beruflichen Anstrengung. Auch dieser Punkt gilt erst wenn die Menschen, die um 6 Uhr aufstehen, dann 15 Stunden arbeiten, gleichviel verdienen. Wir haben in Österreich “Working Poor” Menschen, die 40, oft mehr Stunden pro Woche arbeiten und trotzdem nicht davon leben können! Darf das sein?
      Der letzte Punkt, den du denke ich vergessen hast und der der einzige, aber wirklich der einzige sofort gültige Punkt ist, dass ist die Verantwortung. Wer viel Verantwortung trägt, der hat viel zu verdienen. Punkt. Der darf dafür eben auch keine Fehler machen – und macht er sie doch hat er dafür gerade zu stehen. Genau das passiert aber nicht. Im Gegenteil. Unnachhaltiges und verantwortungsloses Verhalten wird in den höchsten Etagen durch Boni für kurzfristige Erfolge gefordert und gefördert. Das ist ein Missstand, der behoben gehört.
      So jetzt habe ich eine Stunde geschrieben, ich hoffe ich bekomme auch eine ordentliche Antwort. =)

  4. Super Artikel! Möchte vor allem das gesamte “P.S.” und die Aussage “Aber wir dürfen uns nicht auf die offensichtlichen Täter beschränken, sie sind meist nur die kleinen Gauner, der Hund liegt im System begraben.” hervorheben! Das sind zwei unheimlich wichtige Nachdenkimpulse, die in unserer Gesellschaft sicher bewusst nicht von Politik, Medien oder Wirtschaft forciert werden. Vor allem wäre es wichtig, wenn mehr Leute realisieren, dass sich ein immer größerer Teil der Gesellschaft in Richtung “Verliererseite” (wobei diese Bezeichnung meiner Meinung nach nicht glücklich gewählt ist, da eine solche strikte Trennung in Gewinner und Verlierer nicht möglich ist) bewegt. Das müssen wir rechtzeitig erkennen, denn wenn man es erst erkennt wenn man sich in einer ausweglosen Situation befindet, wird man in dieser Situation oft die falschen Schlüsse ziehen, sei es in Bezug auf die Wahlentscheidung, die Kriminalität oder andere Bereiche.

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