Weblogs als alternative Kommunikationswerkzeuge
Michael Andres und Michael Moser von der Uni Salzburg sind an einige Blogger herangetreten und haben einige Fragen gestellt. Hier möchte ich ein paar meiner Antworten veröffentlichen. Die Ergebnisse der Untersuchung werden auf zurpolitik.com zu finden sein. Durch die Fragen bin ich drauf gekommen, dass ich eigentlich nichts über die österreichische Bloggosphäre weiß. Umso gespannter bin ich auf die Resultate der Fragebögen.
Beschreiben Sie bitte in drei Sätzen Ihr Selbstverständnis als Blogger_in:
Ich will mit meinen Artikel Menschen erreichen. Ich will sie berühren und zum Nachdenken animieren. Meine Welt erklären, dabei ein gutes, wie schlechtes Vorbild sein – ganz subjektiv.
Was war Ihre ursprüngliche Motivation mit dem Bloggen zu beginnen?
Meine Ideen mit Menschen außerhalb von Facebook zu teilen. Vor etwa einem Jahr begann ich interesannte Zeitungsartikel auf Facebook als Notizen zu veröffentlichen und zu kommentieren, oft auch zu diskutieren. Mit der Zeit kam ich mehr und mehr eigene Texte zu schreiben, die wollte ich auch anderen zugänglich machen. Mehrere Freunde auf Facebook, die selbst schon gebloggt haben, drängten mich dazu auch einen Blog aufzusetzen.
Was ist Ihre derzeitige Motivation zu bloggen?
Abgesehen von den oben genannten Zielen, tut es oft auch gut, seine Gedanken einfach zu “Papier” zu bringen. Zu verewigen. Es hat etwas endgültiges. Indem ich meine Ideen (oft auch unreif und undurchdacht) teile, gebe ich ihnen die Chance aufzuflackern und entweder wieder zu erlöschen, oder viele andere anzuzünden.
Was motiviert Sie zur Behandlung der gewählten Themenbereiche via Weblog?
(Ich hatte zuerst die Themen Politik, Metaebene Blogs, Grassroot-Bewegung / Netzaktivismus, Persönliches, Bildung und Jugendthemen ausgewählt)
Alle Themen betreffen mich persönlich und hängen zusammen. Ich bin Schüler, Jugendlicher, angehender Politiker (wird sich weisen). Ich habe ein tiefgehendes Interesse an Politik, Fragen der Partizipation, Transparenz und Aktivismus beschäftigen mich im Zusammenhang mit Demokratie sehr. Bildung ist eines der wichtigsten Themen überhaupt. Über die Jugend wird generell nur geschimpft, nicht aber hingehört, fragen gestellt, ernst genommen. Ich habe den Eindruck, dass Jugendliche hier viel zu wenig mitreden. Über mich selber (“persönliches”) schreibe ich um als gutes und schlechtes Vorbild zu wirken, von meinen Eindrücken zu erzählen. Den “Metaebene Blog” schreibe ich um einen Beitrag dazu zu leisten, dass alle Menschen glücklich sind.
In welchen gesellschaftlichen Bereichen sehen Sie Blogs generell als wirksames Instrument zur Unterstützung gesellschaftlicher Veränderungen?
Ich denke in jedem gesellschaftlichen Bereich macht bloggen Sinn. Hinter jedem Blog steht ein Mensch (oder viele). Jeder Mensch hat eine Geschichte, ein Gesicht. Und auch Ideen und Ziele. Mit einem Blog kann man Menschen erreichen, Geschichten erzählen, Ideen in die Welt setzen. Sobald ich etwas lese, berührt es mich, beeinflusst es mich in meinen zukünftigen Handlungen und führt eine gesellschaftliche Veränderung herbei. Das Thema / der Bereich ist dabei vollkommen irrelevant.
Gibt es Situationen, in denen Sie den Einsatz von Blogs als Instrument der Diskussion und Meinungsbildung kritisch betrachten?
Im Grunde nicht. Als Leser entscheide ich selbst, was ich lese und was nicht, von dieser Seite gibt es daher keine Bedenken. Von Bloggerseite steht es jedem frei über alle Themen zu bloggen, die einen so bewegen. Das ist gut so, stellt aber auch eine Gefahr dar. Eine Gefahr sehe ich und das ist das Impulsbloggen. Hier kann es zu unüberlegten Aussagen kommen, die einmal im Netz nicht immer wieder herauszubekommen sind. Aber das ist eine generelle Gefahr mit dem Internet.
Oft liest man die verkürzte Bezeichnung von Blogs als „Online-Tagebuch“. Wie definieren Sie Blogs?
Dank Blogs werden einfache Menschen wie du und ich zu Verlegern, die eine Meinung haben und veröffentlichen können. Dank Bloggingsoftware (WordPress,…) ist es sehr simpel geworden einen Blog zu starten. Durch Onlinedienste wie wordpress.com ist es nicht nur simpel sondern auch gratis.
Wie würden Sie die österreichische Blogosphäre nach politischen Kriterien (z. B. rechts/links, liberal/konservativ etc.) einschätzen?
Ich halte nicht viel von solchen Einteilungen. Hinter jedem Blog steht ein Mensch, eine Geschichte und das Bedürfnis das Richtige zu tun.
Nennen Sie bitte drei österreichische Blogs, die Sie persönlich gerne besuchen?
Versuchen Sie sich auch offline mit anderen Blogger_innen und Rezipient_innen zu vernetzen? Wenn ja, welche Möglichkeiten gibt es hierzu in Österreich?
Ja. Da die Bloggercommunity sehr wienzentriert ist, gibt es gute Möglichkeiten sich offline zu treffen. Das Bloggertail ist nur eine Möglichkeit. Podiumsdiskussionen eine andere. Viele Blogger habe ich im Rahmen der Unibesetzungen kennen gelernt. Oder über die Grünen Vorwahlen. Im Februar steht mein erstes BarCamp (in Klagenfurt) auf dem Programm. Ich bin gespannt.
„Blogger sind Blogger, Journalisten sind Journalisten“. Wie stehen Sie zu dieser Behauptung und welche Verbindungen sehen sie zwischen Blogging und traditionellem Journalismus?
Gibt es noch traditionellen Journalismus? “Blogger sind Blogger, Journalisten sind Journalisten, Blogger sind Journalisten, Journalisten ohne Blog sind blöd.” So stimmt die Aussage denke ich. Dass Blogger Blogger sind und Journalisten Journalisten braucht man denke ich nicht weiter debattieren. Eine Trennung zwischen beiden herbeizuführen halte ich für falsch. Die Aufgabe des Journalismus hat sich gewandelt. Es geht nicht mehr um Information. Die bringen Twitter, Presseaussendungen und Wikipedia einem mundgerecht zubereitet. Heutiger (Qualitäts)Journalismus verarbeitet natürlich Daten, aber im Grunde geht es um die Aufarbeitung und Beurteilung der Information. Das tun aber nicht nur klassische Medien, sondern auch Blogger leisten hier wichtige Arbeit. Meistens Subjektiv, aber jeder gute Journalist ist subjektiv – und sagt das auch. Ein Beispiel für journalistische Bloggerarbeit: Tom Schaffers Analyse zur Unibrenntdemonstation. Ich könnte zig andere anführen. Immer mehr Journalisten führen auch eigene Blogs. Misik, Klenk und Brodnig sind drei Beispiele für bloggende Journalisten, die ich verfolge. Auch die Profilredaktion bloggt. Auch Herr Fleischhacker betreibt einen Blog.
Wie beurteilen Sie das Verhältnis zwischen Blogs und traditionellen Medien? Werden Blogs laut Ihrer Einschätzung von traditionellen Medien als Akteur im Informations- und Meinungssektor vom traditionellen Journalismus anerkannt und wie schätzen Sie das Konkurrenzverhältnis zwischen Weblogs und traditionellen Medien ein?
Mitleiweile scheint es mir so, als ob sie anerkannt und akzeptiert seien. Ein Konkurrenzverhältnis kann ich aber nicht ausmachen. Traditionellen Medien unterschätzen das Potenzial von Blogs weiterhin, sie nehmen sie nicht ernst. Aber allein in dem letzten Jahr, seit ich die Bloggerszene ein wenig verfolge hat sich hier vieles getan. Aus Blogs zu zitieren wird normaler, mehr Journalisten bloggen selbst, mehr Menschen lesen Blogs. Sie werden langsam zu einem normalen Teil unserer Informationsgesellschaft.
Weiterführende Links
“Durch die Fragen bin ich drauf gekommen, dass ich eigentlich nichts über die österreichische Bloggosphäre weiß.”
Kann ich nach der Auswertung der vielen Fragebögen nicht bestätigen ;-)
Lag ich im Durchschnitt, oder wie meinst du das? Wann gibts die Ergebnisse? =) #gespannt