Wachstum in der Natur
Dieser Artikel ist der erste Eintrag in meinem Lerntagebuchs zur Vorlesungsreihe “Nachhaltigkeit – Schlagwort oder zukunftsträchtiges Konzept” zum Block 1 – ökologische Nachhaltigkeit.
Die Natur ist schlau. Vom Urknall an bis heute hat sich unser Planet stets verändert. Am Anfang radikaler und dann immer langsamer – aber auch heute noch stetig. Und dennoch war sie meist im Gleichgewicht. Trotz oft widriger Umstände hauchte die Evolution der Erde Leben ein. Ein langer Weg war es – von den ersten Bakterien zu komplexen Ökosystem. Und nach etwa 4 Milliarden stehen wir wo wir heute sind und machen uns Gedanken über die Regeln nach denen Natur funktioniert. Gravitation, Licht oder Wachstum.
Gerade letzteres konnte man in der Natur zu allen Zeiten beobachten. Die Gesetzmäßigkeiten nach denen die Evolution Veränderung organisiert sind so simpel wie unumstößlich. Sie geben den Rahmen vor in dem wir als Teil eines (begrenzten) (Öko)Systems handeln – also aggieren wie wirtschaften – können.
Grundsätzlich lassen sich vier Arten des Wachstums unterscheiden – lineares, exponentielles, beschränktes und logistisches Wachstum. Während die ersten beiden Typen in der Theorie unbegrenzt wachsen können, liegen beim beschränkten und logistischen Wachstum Grenzen vor an denen Schluss ist mit lustig.
Das lineare Wachstum ist stetig. Pro Zeiteinheit kommt eine bestimmte Menge zur Ausgangsgröße dazu. Aufhören zu wachsen tut es nicht, schneller wird es allerdings auch nicht. Es geht beständig seinen Weg. Das exponentielle Wachstum weiß ganz genauer wohin es will: hinauf. Es wächst in Proportion zur vorigen Größe und wird so immer schneller immer größer. Bis es fast senkrecht in den Himmel schießt. Das beschränkte Wachstum hingegen weiß wo Schluss ist. Die Wachstumsrate wird stets kleiner enden tut der Wachstumprozess allerdings nie. Mit der Zeit nähert sich die Funktion der Wachstumsschranke an und wird mit der Zeit unendlich klein. Auch das logistische Wachstum kennt seine Grenzen. Es wächst erst exponentiell, am halben Weg zur Schranke dreht sich die Situation und das Wachstum nimmt ab und strebt gegen Null.
In der Natur kommen alle vier Arten des Wachstums vor. Da Ökosysteme jedoch empfindlich sind und Gleichgewichte bedingen, gibt es unbeschränktes Wachstum meist nur dort wo Ungleichgewicht oder Krankheit zu finden sind. Exponentielles Wachstum kann man in der Natur immer dann beobachten wenn neue Tier oder Pflanzenarten eingeschleppt werden auf die das Ökosystem nicht vorbereitet war.
Die Ansiedlung der Aga-Kröte in Australien führte zu einem exponentiellen Wachstum da es keine natürlichen Feinde hatte. Unter der Konkurrenz litten die einheimischen Lurcharten, Schlangen und Mader. Mittlerweile haben sich einige Tiere an die neue Tierart angepasst, fressen sie und das Wachstumszahlen der Aga-Kröte sinken. Auch die Ansiedlung und exponenzielle Ausbreitung des Nilbarschs und der Wasserhyazinthe im Viktoriasee, dem indischen Springkraut im Bayern oder den Riesen-Bären-Klau Stauden in Schweden brachte die lokalen Ökosysteme in ein kurzfristiges Ungleichgewicht. Aber auch hier war das exponentielle Wachstum nicht von Dauer. Das einzige in der Natur vorkommende wahrhaft stetige exponentielle Wachstum ist das von Viren. Wachsen sie jedoch stetig weiter, töten sie ihr Wirt über kurz oder lang. Auch Krebszellen vermehren sich exponentiell. Bis der Organismus der sie beherbergt stirbt. Und sie selbst gleich dazu. Kein sonderlich nachhaltiges Konzept.
Beschränktes Wachstum hat die Natur lieber - sei es bei Bäumen oder Menschen. Beinahe alle Wachstumsvorgänge in der Natur sind beschränkt. Mal rascher, mal langsamer – aber stets auf das Gleichgewicht bedacht über kurz oder lang. Wer sich nicht daran hält, mit dem macht die Evolution bekanntermaßen kurzen Prozess um sich selbst zu schützen und die Gleichgewicht wieder herzustellen. Auch menschlichen Zivilisationen ist das in der Vergangenheit schon passiert und wir sollten es uns vor Augen halten, wenn wir ein ökologisches, soziales oder ökonomisches System für das neue Jahrtausend bauen wollen. Die Erde gibt uns die Rahmenbedingungen vor. Nicht wir ihr.

