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Pandemie der Geldg(e)ier

Posted by on Sonntag, 8 November, 2009

Vorweg. Jetzt habe ich eine Zeit lang geschrieben, Argumente, Zahlen und Fakten gesammelt und mir graust’s. Ich habe verschiedene Punkte angesprochen. Lass sie auf dich wirken. Alle Dinge zusammen begründen den Titel. Pandemie der Profitg(e)ier. Egal ob Medien oder Medikamente, es geht um’s Geld.

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Ich hab’s mich ja schon mehrfach gefragt. Warum zum Teufel lassen wir uns von Medienberichten so dermaßen Manipulieren? Wir wissen doch genau, wie die Besitzverhältnisse sind. Wer profitiert und wer kontrolliert. Vor Augen geführt hat mir dies erst unlängst dieses Video


via chorherr

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Letztens habe ich auch über die zunehmende Berichterstattung von Schwerverbrechen in den USA gelesen, trotz zweistelliger Abnahme der Schwerkriminalität. (Den Link finde ich leider nicht mehr)

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Und heute bekomme ich dieses Mail:

Mexikanische Gedanken zur Schweinegrippe:
Pandemie der Profitg(e)ier

Aus der mexikanischen Tageszeitung “La Jornada

Auf der Erde sterben jedes Jahr 2 Mio. Menschen an der Malaria, die ganz einfach durch ein Moskitonetz geschützt werden könnten. Und den Nachrichten ist es keine Zeile wert.

Auf der Erde sterben jedes Jahr 2 Mio. Mädchen und Jungen an Durchfallerkrankungen, die mit einer isotonischen Salzlösung im Wert von ca. 25 Cent behandelt werden könnten. Und den Nachrichten ist es keine Zeile wert.

Die Masern, Lungenentzündungen und andere mit relativ preiswerten Impfstoffen heilbare Krankheiten haben jedes Jahr bei fast 10 Mio. Menschen den Tod zur Folge. Und den Nachrichten ist es keine Zeile wert.

Aber als vor einigen Jahren die famose “Vogelgrippe” ausbrach, überfluteten uns die globalen Informationssysteme mit Nachrichten. Mengen an Tinte wurden verbraucht und beängstigende Alarmsignale ausgegeben. Eine Epidemie, die gefährlichste von allen!

Eine Pandemie!

Die Rede von der schrecklichen Krankheit der Hühner ging um den Globus.

Und trotz alledem, durch die Vogelgrippe kamen weltweit “nur” 250 Menschen zu Tode. 250 Menschen in zehn Jahren, das sind im Durchschnitt 25 Menschen pro Jahr.

Die normale Grippe tötet jährlich weltweit ca. 500.000 Menschen. Eine halbe Million gegen 25 !

Einen Moment mal. Warum wird ein solcher Rummel um die Vogelgrippe veranstaltet?

Etwa, weil es hinter diesen Hühnern einen “Hahn” gibt, einen Hahn mit gefährlichen Spornen ?

Der transnationale Pharmariese Roche hat von seinem famosen Tamiflu zig Millionen Dosen alleine in den asiatischen Ländern verkauft. Obgleich Tamiflu von zweifelhafter Wirksamkeit ist, hat die britische Regierung 14 Mio. Dosen zur Vorsorge für die Bevölkerung gekauft. Die Vogelgrippe hat Roche und Relenza, den beiden Herstellern der antiviralen Produkte milliardenschwere Gewinne eingespült.

Zuerst mit den Hühnern, jetzt mit den Schweinen. Ja, jetzt beginnt die Hysterie um die Schweinegrippe. Und alle Nachrichtensender der Erde reden nur noch davon. Jetzt redet niemand mehr von der ökonomischen Krise, den sich wie Geschwüre ausbreitenden Kriegen oder den Gefolterten von Guantanamo.

Nur die Schweingrippe, die Grippe der Schweine?

Und ich frage mich …, wenn es hinter den Hühnern einen großen Hahn gab, gibt es hinter den Schweinen ein “großes Schwein”?

Was sagt ein Verantwortlicher der Roche dazu? “Wir sind sehr besorgt um diese Epidemie, soviel Leid …! Darum werden wir das wundervolle Tamiflu zum Verkauf anbieten.”

“Und zu welchem Preis verkaufen sie das wunderbare Tamiflu?” “OK, wir haben es gesehen. 50 US $ das Päckchen.” “50 US $ für dieses Schächtelchen Tabletten?” “Verstehen Sie doch, meine Dame, die Wunder werden teuer bezahlt.” “Das, was ich verstehe, ist, dass diese multinationalen Konzerne einen guten Gewinn mit dem Leid der Menschen machen.

Die nordamerikanische Firma Gilead Sciences hält das Patent für Tamiflu.

Der größte Aktionär dieser Firma ist niemand weniger als die verhängnisvolle Person, Donald Rumsfeld, der frühere Verteidigungsminister der US-Administration George W. Bushs, der Urheber des Irak-Krieges. Die Aktionäre von Roche und Relenza reiben sich die Hände, sie sind glücklich über die neuen Millionen-Gewinne mit dem zweifelhaften Tamiflu.

Die wirkliche Pandemie ist die Gier, die enormen Gewinne dieser “Gesundheitssöldner”.

Wir sind nicht gegen die zu treffenden Vorbeugemaßnahmen der Einzelnen Staaten. Aber wenn die Schweinegrippe eine so schreckliche Pandemie ist, wie sie von den Medien angekündigt wurde, wenn die Weltgesundheitsorganisation um diese Krankheit so besorgt ist, warum wird sie dann nicht zum Weltgesundheitsproblem erklärt und die Herstellung von Generika (billigere “no-name Medikamenten”) erlaubt, um sie zu bekämpfen? Das Aufheben der Patente von Roche und Relenza und die kostenlose Verteilung von Generika in allen Ländern, die sie benötigen, besonders in den ärmeren, wäre die beste Lösung.

Übermitteln Sie diese Nachricht nach allen Seiten, so wie es mit Impfstoffen gemacht wird, damit alle diese Seite der Realität dieser “Pandemie” erkennen.

Anmerkungen:

  • Ich habe natürlich versucht die Zahlen und den Artikel an sich kritisch zu hinterfragen.
  • Ich konnte den Artikel auf Spanisch nicht finden, er soll angeblich in der mexikanischen Tageszeitung “La Jornada” erschienen sein.
  • Wikipedia zu den Zahlen bzgl Malaria: “Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben weltweit jährlich knapp eine Million Menschen an Malaria, etwa die Hälfte von ihnen sind Kinder unter fünf Jahren. 90 % der Erkrankten leben auf dem afrikanischen Kontinent. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen wird auf 300.000-500.000 Fälle geschätzt. Insgesamt gab es 2006 247 Millionen Infizierte.”
  • Wikipedia zu Durchfall: “Bei andauerndem Durchfall können die Dehydratation und der Elektrolytverlust zum Tode führen.” Wieviele Menschen jährlich sterben konnte ich nicht feststellen. Die Ausführung legt aber nahe, dass dies leicht verhinderbar wäre. (Wasser und Elektrolyte sind nicht extrem teuer!)
  • Bezüglich Masern konnte ich zwar keine Zahlen finden, aber Wikipedia weiß etwas über die weltweite Situation. Die Aussage kann ich nicht belegen, sie klingt aber plausibel.
  • Wikipedia spricht von 262 gesicherten Todesfällen bezüglich der Vogelgrippe und kritisiert Zahlen verschiedener Länder.
  • Ich konnte nicht herausfinden, ob Rumsfeld größter Aktionär ist, fette Kohle macht er sehr wohl (Wikipedia oder Spiegel Online)
  • Ich habe nicht herausgefunden, ob es tatsächlich eine Möglichkeit gibt eine Krankheit zu einem Weltgesundheitsproblem zu erklären und damit die Patentrechte auszusetzen und Generikaproduktion zu erlauben.

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Und weil’s so schön ist noch zwei Dinge, die mir letztens über den Weg gelaufen sind.

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“Werbung hat gegenüber Forschung und Entwicklung deutlich Vorrang” schreibt die Süddeutsche Zeitung und berichtet, dass Pharmakonzerne in den USA doppelt soviel Geld für Werbung ausgeben als für Forschung, in Europa “nur” zwischen 30 und 50 Prozent ihrer Einnahmen.

Trotzdem sehen sich die Unternehmen häufig mit dem Vorwurf konfrontiert, es ginge ihnen nicht um die Linderung von Leid, sondern lediglich um den Profit. Und das nicht ohne Grund.

Eigentlich ist das ja richtig blöd, denn wir können die Medikamente nicht kaufen. Warum es (in dieser Verblödeten Konsumgesellschaft, die sich einbildet “frei” zu sein) doch Sinn macht, erklärt Barry Schwartz hier, entweder ab min 3:42 oder 4:37. (Das ganze Video ist eine Sehempfehlung)

In dem Zusammenhang möchte ich auf meinen Blogartikel “Antibiotika, Gerechtigkeit und Politik” in dem ich argumentiert habe, warum der Konsum von (und auch die Anfälligkeit auf Werbung für) Medikamente mit der politischen Reife eines Landes zusammen hängt.

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Und auf das letzte Schmankerl der Perversität hat mich Volker Pisper vor einiger Zeit hingewiesen. In einem dieser Videos sagt er:

Als Südafrika, ein Land, in dem jedes Jahr eine Million Menschen an AIDS sterben, den Westen bat, auf die Rechte aus Patentschutz zu verzichten, um die südafrikanische Bevölkerung (und nur die!) mit  Medikamenten zu versorgen, die die Leiden lindern und die Krankheit der Infizierten um viele Jahre hinauszögern könnten, die Südafrikaner also alles selbst gemacht hätten und von den westlichen Pharmafirmen nur die Erlaubnis brauchten, es zu tun, da sagten die USA in Person ihres Präsidenten Bush, dass die kostenlose Versorgung mit Medikamenten den Prinzipien des freien Marktes widerspräche.

Als in den USA die Milzbrandbriefe kursierten und fünf US-Bürger betroffen waren, da war die deutsche Firma Bayer als einzige in der Lage, ein Medikament zu liefern, und versprach sich von der Panik-Bevorratung ein Riesengeschäft. Da deuteten die USA nur zart an, dass sie sich um das Bayer-Patent einen Dreck scheren würden. Grund: “nationaler Notstand”. Schon musste Bayer sein Milzbrand-Medikament zum halben Preis liefern.

Die Welt hat unter anderem 2001 über diese Perversität berichtet.

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Ich finde, dass es so nicht weitergehen soll. Wenige haben viel, viele verhungern. Das sind nicht die Zustände, die ich haben will und ich bin überzeugt, die wenigsten von euch. Die Frage stellt sich: Was kann ich tun? Und die Antwort ist ganz simpel. Nachdenken und Mitmachen. Jeder hat gute Ideen, jeder hat eine Stimme. Erheb sie. Egal ob in einer Partei, einer Organisation (Greenpeace, ATTAC, Innitiative Zivilgesellschaft) oder im Freundeskreis. Informier dich. Ließ Zeitung, hör Radio und vor allem stell Fragen!

Schließen möchte ich mit einem Zitat: “Viele kleine Leute, die in vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.

Grüner Konvent

Posted by on Montag, 19 Oktober, 2009

Gestern fand der Grüne Konvent statt. In der Einladung hieß es, es gehe darum, “Partizipationsmöglichkeiten in Parteien und demokratischen Systemen” zu erkunden und weiterzuentwickeln.

Die Erwartung war für mich, viele neue Grüne FunktionäreInnen, SympathisantInnen, VorwählerInnen und AktivistInnen kennen zu lernen, meine Impulse für ein offenes, partizipativeres, stärkeres und fröhlicheres Grün einbringen und diskutieren zu können und selbst von neuen Ideen anderer inspiriert zu werden.

Der Event. Beim Eingang wurde in drei Gruppen unterteilt. Grün (FunktionärInnen), Rot (AktivistInnen) und Gelb (Interessenten). Zu sechst nahm man an einem Tisch Platz, wobei darauf zu achten war, dass sich 2 pro Farbe  und einander möglichst unbekannte an einem Tisch zusammenfünden. Nach einer Einführung durch die Moderatorin (Name vergessen…) und der Begrüßung durch Maria Vassilakou, begann das Programm mit dem ersten 20-minütigen Impulsreferat von Monika Mokre (Politikwissenschaftlerin), die uns Fragen der Demokratie und Partizipation von einer relativ theoretischen (aber hoch interessanten) Seite näher brachte. Die Präsentation sollte hier eingebunden sein.

Anschließend gab es eine 20-minütige Diskussion. Spannende Ideen sind da aufgekommen, obwohl die Zeit zum Diskutieren leider viel zu knapp bemessen war.

Unser Tisch beschäftigte sich vor allem mit der Frage: Wie kann man Partizipation zwischen den (Vor-) Wahlen ermöglichen und auch neue Gesichter erreichen. Unsere Antworten: Spaß – ich sollte mit Motivation, Freude und Elan offen sein für neue Menschen und Ideen. Netzwerke – wir müssen die vorhandenen Netzwerke (Bezirksgruppen, Teilorganisationen, Grüne Vorwahlen?) nutzen und ständig ausbauen. Kommunikation – die Kommunikation Innen wie Außen muss besser klappen. Kleine Gruppen – das geht besonders, wenn die Gruppen, die zusammenarbeiten, kleiner sind. Rausgehen – Um neue Leute in die Partei integrieren zu können, müssen wir im Straßenbild präsenter sein.

Nach 10 Minuten Pause (die Nusskipferln waren köstlich!) ging es weiter mit dem zweiten Impulsreferat. Die Tische wurden gewechselt. Silvia Nossek, Landessprecherin der Wiener Grünen, erzählte von ihrem grünen Werdegang. Sie lieferte ihre 8 Thesen zu Politik und Gesellschaft, über die Markus Ratmayr schon gebloggt hat und ich livegetwittet habe. Hier die Präsentation:

Sehr bewegend fand ich ihre Erzählung, wie sie dazu gekommen ist, Politik zu machen / sich zu engagieren. Sie hatte wohl ihre Großeltern gefragt, was die damals (unter diktatorischen Umständen) gegen das Regime gemacht hätten. Wie sie dafür gesorgt hätten, dass diese Schreckensherrschaft beendet würde. Und sie bekam keine Antwort. Irgendwann stellte sie sich die Frage, was sie wohl ihren Enkeln erzählen würde, was sie getan hätte, damit sich die Zustände wie sie sind verändern. Ein guter Impuls wie ich denke. Besonders spannend finde ich These 6: “Parteien brauchen sowohl inneren Zusammenhalt wie äußere Irritation”.

Es wurde wieder 20 Minuten diskutiert. Allerdings musste ich während der Diskussion gehen. Ich bekam also weder das dritte Impulsreferat von Doron Rabinovici mit, noch die nachfolgende Diskussion.

Der Rückblick. Es war ein sehr spannendes Event. Meine Erwartungen haben sich erfüllt, wobei ich das Gefühl hatte, es waren sehr wenige Grüne VorwählerInnen da. Verständlich, dass einige sehr verärgert sind, aber ändern wird sich nur, was verändert wird. Überrascht war ich von der positiven und offenen Stimmung. Die im Netz vielfach gepriesenen “Betonierer” durfte ich (noch?) nicht kennen lernen. Im Gegenteil. “Alle Grünen VorwählerInnen, die ich bis jetzt getroffen habe, waren mit tiefgrüner Wolle gewaschen. Ich geniere mich dafür, was da gelaufen ist. Ich würde den Landesvorstand am Liebsten abwählen und ich bin nicht alleine.” war eine Aussage bezüglich der VorwählerInnen. Von allen Seiten hörte ich Stimmen, die es bedauerten, dass nicht mehr VorwählerInnen aufgenommen wurden. Maria Vassilakou hob in der Einführung hervor, dass immerhin über 200 neue UnterstützerInnen aufgenommen wurden und mit ihnen (hoffentlich) am 15. November das erste Mal die Tausendermarke an Wahlberechtigten überschritten wird.

Overall. Ein spannendes Event, mit brennend aktuellen Themen und einem klar visionären Blickwinkel. Was sich aus den Protokollen der einzelnen Diskussionen, den Ideen, die auf einer Pinnwand veröffentlicht und bewertet werden konnten, dem Videomitschnitt und den Eindrücken in den Köpfen der Anwesenden entwickeln wird, kann niemand sagen, die Zukunft wird es weisen. Ich bin optimistisch – weil grün größer werden muss.

Des Kaiser neue Kleider

Posted by on Sonntag, 18 Oktober, 2009

Reinhard Mey singt im Lied Des Kaisers Neue Kleider von Glaubwürdigkeit, Demagogie und Perversion, aber im Grunde übt er Gesellschaftskritik. Er kritisiert die Art zu urteilen, so wie ich das auch in meinem Blogeintrag Wertungskrise vom 30. Mai 2009 getan habe. In der Ankündigung des Lieds verweist er auf das Märchen von Hans-Christian Andersen Des Kaisers Neue Kleider und meint: “Und wie das nun mal menschlich ist, wollen alle zu dieser geistigen Elite gehören und sie sehen natürlich alle die Kleider, die der Kaiser gar nicht anhat und finden, dass er unglaublich schmuck darin aussieht. Das geht solange gut, bis ein Kind des Weges kommt, das mit solchen Vorurteilen noch nichts zu tun hat und das stellt fest – Donnerwetter – der Kaiser hat ja gar keine Kleider an.” Dann singt er:

“Sie gleichen sich im Grunde wie ein Ei dem anderen gleicht und wir wollen, dass sie uns verkohlen – wir glauben ja so leicht, ein bisschen Skepsis ließe sie schon völlig bloß da stehen. Man müsste sich nur angewöhnen besser hinzusehen, und ruhig lachen, wenn was lächerlich ist, und zwar laut, und wenn man auch der einzige ist, der sich zu sagen traut: Was mich betrifft, ich hab die Faxen satt, sieht denn hier keiner, dass der Kaiser keine Kleider an hat. Seht doch mal richtig hin, der arme Kerl ist splitternackt.”

Ich glaube, dass die menschliche Entwicklung für jeden von uns in dem Stadium des Kindes beginnt (begann). Von der Gesellschaft werden wir langsam an eine Mischung Kind/Kaiser/Kaufmann(frau) herangeführt, wobei gesellschaftliche Normen, wie die individuellen Lebensbedingungen über die Ausprägungen des jeweiligen Individuums (mit)entscheiden.

Momentan herrscht eine enorme Übermacht des Kaiserteiles in uns, gut vermarktet von denen, die eine starke kaufmännische Ausprägung haben. Die Kinder in unserer Gesellschaft kommen aber zu kurz.

Reinhard Mey sagt: “Ich denke wir leben in einer Zeit, in der es größere Mengen von der Sorte Kaiser und größere Mengen von der Sorte Geschäftsleute gibt, aber ich denke, es fehlt uns ein wenig an den Kindern, die des Weges kommen und sagen, seht mal her, der ist doch splitternackt.” Kind-sein ist also (und da stimme ich überein) eine wichtige und starke Qualität und Qualifikation. Ich will “Kind sein”. Viele von euch vielleicht auch, aber wir müssen dorthin kommen, den Kindesanteil in jedem von uns zu stärken, sodass er groß genug ist (was immer wir uns da für einen Maßstab im politischen Diskurs setzen) um Scharlatanen, Demagogen und falschen Gurus mit Skepsis entgegentreten zu können und sie laut anzulachen.

Besonders gesellschaftliche Normen könn(t)en (gerade von der Politik) Richtung mehr Kinder und größerem Kinderanteil in jedem beeinflusst werden. Um diese gesellschaftlichen Normen umzustellen, müssten wir uns auf das reflexive Verb und den aktiven selbstbestimmten Vorgang des Sich-Bildens besinnen und unsere Jugend stärken.

Seien wir Kinder, fordern wir andere auf, es uns gleich zu tun!

Abschließend dieses köstliche Video: Des Kaisers neues Marketing

Nick Vujicic: Ja, ich bin glücklich!

Posted by on Mittwoch, 14 Oktober, 2009

“Ich heiße Nick Vujicic. Ich liebe es zu reisen, fischen, golfen und zu schwimmen. Ich liebe es zu leben. Ja, ICH bin glücklich

So beginnt eines der vielen Videos über Nick Vujicic, einem der wohl lebensfrohesten Menschen der Welt. Dann zoomt die Kamera weg. Nick hat keine Arme und keine Beine.

Auf seinem Weg von „Man with no limbs“ (Mann ohne Gliedmaßen) zu „Man with no limits“ (Mann ohne Grenzen) hatte auch er so einige Niederlagen zu überwinden – nicht zuletzt den Tod 3 seiner Familienangehörigen 2005.

Dennoch ist er überzeugt: „I wouldn’t change it“ Ohne seine Behinderung wäre es ihm nicht möglich vor Tausenden von Menschen zu reden und ihnen zu zeigen, dass selbst diese Hürde meisterbar ist.

Die Ärzte sagten, er würde niemals stehen können – geschweige denn gehen. Doch Nick machte sich nichts daraus, er beschloss sein Leben selbst zu leben und das Beste daraus zu machen. „You don’t have to believe others opinions!

Nick kann nicht nur vor großem Publikum reden und zigtausend Menschen Hoffnung geben, sondern auch ein eigenes Leben führen. Humorvoll erzählt er von seinem „Everyday life“ – schwimmen, golfen und neue Leute zu treffen stellen für ihn kein Hindernis dar. Nick kann surfen, er kann telefonieren und vor allem: Er kann etwas aus seinem Leben machen. “This is only the beginning, I mean, I’m only 23

Seinen Reden zuzuhören ist ein Erlebnis, das wohl kaum in Worten fassenbar gemacht werden  kann. Nick verurteilt sich nicht dafür in dem einen oder anderen Augenblick an sich gezweifelt zu haben, sein Leben verflucht oder sich gewünscht zu haben jemand anderes zu sein. Er bejammert nicht sein eigenes Leben, verurteilt nicht, wer ihn einst verspottete. Er versucht zu erklären, dass man etwas aus sich machen kann, dass jedes Leben lebenswert ist. Das einzige das einen behindert ist die eigene Vorstellungskraft.Don’t ask yourself and see what you don’t have- see what you do have! “ Nick versucht klarzumachen, dass man sich nicht an den Sachen festlegen soll, die einem fehlen – sieh dein Potential und mach etwas daraus ist seine wichtigste Botschaft.

Weiterführende Links: Nicks Webseite “Life without limbs”, Wikipediaeintrag auf Englisch, einige Youtubeplaylists

Der Artikel wurde von Kathi geschrieben, der ich ganz herzlich danken möchte!

Man kam mir zuvor!

Posted by on Dienstag, 6 Oktober, 2009

Eigentlich wollte ich über ein spannendes Gespräch zwischen einem Blau-, einem Schwarz- und einem Grünwähler schreiben. Eigentlich wollte ich zeigen, wie falsch die Prognosen sind, die man so hört – von wegen Rechtsruck, von wegen Ideenlosigkeit, von wegen politischem Desinteresse, von wegen Faulheit, von wegen all dem, von dem die (für meine Generation) Alten in Redaktionen und Parteizentralen schreiben, denken und schreien. Ich wollte hier berichten, wie falsch sie alle liegen, wie weit weg sie von der politischen Realität der jungen Menschen sind und wie Unrecht sie uns, uns unter 20 jährigen tun. Ich wollte präzise kritisieren und versuchen zu erklären, wie es zu dieser Missinterpretation kommt und ich wollte Wege aufzeigen, wie man klare, direkte und ehrliche Kommunikation zwischen Jung und Alt schaffen könnte. Und dann ausgerechnet als ich mich hinsetzte um zu schreiben, kam man mir zuvor. Es war eine Alte. Genaugenommen weiß ich nicht wie alt sie ist und das ist auch vollkommen egal. Der Inhalt zählt.

In einem Interview mit der Falterjournalistin Ingrid Brodnig stellt sie (Beate Großegger, Kommunikationswissenschaftlerin)  so einiges richtig. Hier nur ein paar Auszüge:

  • Sie (Jugendlichen) versuchen, in einer Gesellschaft, die sie nicht zu 100 Prozent gutheißen, mitzumachen. Wir beobachten, dass sich Jugendliche erstaunlich stark selbst disziplinieren.
  • Jugendliche leiden unter Leistungsdruck, sie fühlen sich oft überfordert. Sie lehnen sich aber nicht dagegen auf. Aussteigen ist heute kein Thema mehr, außer punktuell am Wochenende.
  • Jugendliche haben auch das Gefühl, dass sie von ihrem Umfeld nur dann geliebt werden, wenn sie die entsprechende Leistung bringen.
  • Die Politik dockt nicht an ihrer Lebenswelt an.
  • Es ist kurzsichtig, sämtliche jungen Blauwähler als rechte Deppen zu stigmatisieren. Für sie ist die FPÖ das kleinere Übel. Wir sehen, dass junge Blauwähler und Blauwählerinnen nicht die Weltanschauung, sondern die politische Performance wählen.
  • Wer will, dass Jugendliche nicht Blau wählen, muss ein besseres Angebot machen.
  • Viele Jugendliche, die heute die FPÖ wählen, sind weltanschaulich nicht rechts. Das ist das Gute an der Sache: Sie wären für etwas anderes zu gewinnen, wenn es ein entsprechendes Angebot gäbe.
  • In den letzten Jahrzehnten waren immer die Bildungs­eliten diejenigen, die sich (politisch) engagierten. Sie konnten sich diesen Luxus leisten, die anderen rackerten sich in ihrem Alltag ab.
  • Heute können sich auch die Bildungseliten das immer weniger leisten. [...] Denn die Bildungselite soll in Mindeststudienzeit mit Auslandspraktika und Fremdsprachen  studieren. Und dann schnell einen Job finden.

Hier kann das ganze Interview “Ein wenig Spaß statt Visionen” nachgelesen werden. Eines ist (für mich) klar. Die angesprochenen Punkte haben viel Wahres und sollten auf welchen Wegen auch immer schleunigst  den Weg in die Köpfe derer finden, die immer und immer wieder ihre Befriedigung daher holen “die Jugend” per se zu denunzieren, schlecht zu machen und von der Faulheit der Schüler zu sprechen. Meine Arbeitswoche beträgt 32 Schulstunden – ohne Hausaufgaben, Vokabel lernen, Referat vorbereiten, Unterricht nachbereiten, administrativen Tätigkeiten oder lernen für Tests. Alles in allem komme ich weit über die 40 Stunden! Und ich bin damit nicht alleine! Wir haben 1,4 Millionen Schüler in Österreich!

Wenn Zivilcourage tödlich ist

Posted by on Freitag, 18 September, 2009

Ich habe soeben einen Artikel im Kurier gelesen, der mich zutiefst erschüttert, erschreckt und nachdenklich gemacht hat. Hier erstmal der Link. Er berichtet von einem Mann, der einschritt, als Kinder angegangen wurden und dafür mit seinem Leben bezahlen musste. Er wurde ermordet. Kaltblütig und unreflektiert. Aus Wut, Rache oder welchen niederträchtigen Motiven auch immer.

Der Artikel hat mir einmal mehr vor Augen geführ, in was für einer degenerierten Welt wir leben, wie fehlgeleitet unsere Werte sind. Andy, von dem ich sonst sehr viel halte, schreibt über “Gier oder Neid” und nicht über Selbstverwirklichung, nach der wir zumindest laut Maslows Bedürfnispyramide (die wissenschaftlich anerkannt ist!) streben. Materielle Werte werden hochgehalten, “Reichtum für alle die sich’s verdienen” schreien die einen. Die wenigen, die eh schon mehr haben, als sie jemals essen (ja nichteinmal ausgeben!) können. Die anderen würden auch gerne schreien – nur, wie? Niemand hört sie. Wie verblendet unsere Medien Fakten interpretieren hat die News/Death-Ration (via Chorherr) eindrucksvoll bewiesen. Wer weitere Beispiele sucht, kann auch einfach auf Wikipedia unter Armut nachlesen: “Die reichsten 1% der Weltbevölkerung kontrollieren 40 % des Weltvermögens. Die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung besitzt weniger als 1 % des Weltvermögens.” Man könnte auch Konstantin Wecker zuhören (und sehen) wie er in seiner unglaublich berührenden Geschichte mit Willy mit jedem teilt, der sie hören will. Aber er redet von den anderen. Wir und die anderen. Weit weg, das kann man übersehen. Aber wir können auch in den österreichischen Sozialbericht schauen. Da findet man das Selbe:

Das reichste Prozent der Haushalte hält 27 Prozent des gesamten Geldvermögens. Das oberste Promille (0,1%) besitzt über 8% des gesamten Geldvermögens. Dieser Wert wird von der gesamten unteren Hälfte der Haushalte erreicht, die ebenfalls über 8% des gesamten Geldvermögens verfügt. (Auszug aus dem Sozialbericht 2007 – 2008 Seite 279, 18.2.2. Markante Konzentration des Geldvermögens in Österreich)

Wir gehen in die falsche Richtung – und die Menschen stöhnen. Und alle verlieren, selbst die, die Milliarden dabei abschöpfen.Volker Pisper hat das sehr schlüssig argumentiert (ich finde das Video gerade nicht!): Was bringt mir eine Gesellschaft in der ich bedingungslos reich werden kann, wenn neben mir einer Hunger hat und beschließt, mir meine Uhr wegzunehmen, weil er sie verkaufen und dann etwas essen kann? Wenn das arm/reich-Gefälle zu weit auseinander klafft, gibt es soziale Spannungen. Lange kann man sie unterdrücken, aber Menschen lassen sich nicht gerne verarschen und wer 40 Stunden die Woche arbeitet und trotzdem kein Einkommen zum Auskommen hat, wird nicht lange mitansehen, wie andere sich für’s nichts tun den Bauch voll schlagen. Die sozialen Spannungen werden eskalieren.

Es braucht sozialen Ausgleich. Die Frage wieviel ich verdienen kann (moralisch) ist zu diskutieren und der Mensch ist wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Die Wirtschaft ist nicht mehr als ein Mittel zum Zweck! Wir brauchen viel Zivilcourage! Natürlich. Wer sich daneben benimmt und andere schädigt gehört gestraft. Aber wir dürfen uns nicht auf die offensichtlichen Täter beschränken, sie sind meist nur die kleinen Gauner, der Hund liegt im System begraben. Brecht hat dazu einmal gesagt: “Was ist das Ausrauben einer Bank, gegen ihre Gründung?”

Soziale Gerechtigkeit ist die Vorraussetzung für Wohlstand, dessen Kirche nicht auf dem Stein der Ausbeutung gebaut ist. Wie wenn nicht mit selbstkritischer progressiver Politik? Wo, wenn nicht in offenen, autonomen und öffentlichen (!) Schulen? Wann, wenn nicht jetzt wollen wir diese Diskurse führen? Tun wir etwas, bewegen wir etwas. Zeigen wir Zivilcourage. Zeigen wir sie immer! In der Wahlkabine, bei der Wahl unserer Bank, in der Schule, im Job, in der Familie und auch in der S-Bahn!

Das Richtige zu tun muss das Leben wert sein!

PS: Und an alle, die mir jetzt Opfer-Täter-Umkehr vorwerfen wollen. Bitte überlegt es euch zweimal. Denke darüber nach, ob es nicht eine automatisierte, konditionierte, eingeübte Verdrehung von Tatsachen ist, die dich davor schützen soll, dich selbst zu hinterfragen! Und überlege dir auch, ob du eigentlich auf der Gewinner oder der Verliererseite stehst! Und wenn du drauf kommst, dass es eine Verliererseite gibt, dann realisiere, dass das System falsch ist! In allen Bereichen gibt es win-win Situationen, im Großen wie im Kleinen! Arbeiten wir daran die lose-Situationen aus unserem mathematischen Verständnis zu entfernen! Wann, wenn nicht jetzt! Wer, wenn nicht wir!

Mein Geburtstagswunsch an dich!

Posted by on Donnerstag, 17 September, 2009

Morgen habe ich Geburtstag. Vor mittlerweils (fast) genau 19 Jahren wurde ich geboren. Eine lange Zeit. Fast 7000 Tage, oder über 10 Millionen Minuten. Tick tack tick tack – die Zeit vergeht. Sie schreitet voran und lässt sich nicht aufhalten. Niemals.

Die Frage ist, was wir mit unserer Zeit tun. Was bewegen wir in unserer Lebenszeit und wozu entscheiden wir uns. Was sind unsere Motivationen, was unsere Wünsche, unsere Visionen. Irgendwann werde ich es schaffen, hier genauer darüber zu schreiben, was mir am Herzen liegt, denn es ist mir wichtig, meine Ansichten zu diskutieren und zur Diskussion zu stellen. Bis dahin wird aber wohl noch ein wenig Zeit vergehen.

Jetzt aber möchte ich eines tun. Ich möchte euch etwas bitten. Dich etwas bitten. Ich weiß, die meisten von euch, die hier mitlesen (wieviele seid “ihr” überhaupt – es ist schon komisch, so in die Dunkelheit zu posten) würden mich niemals fragen, was ich mir zu meinem Geburtstag wünsche, aber vielleicht interessiert euch mein Wunsch ja trotzdem und unter Umständen seid ihr sogar (gerne) bereit ihn mir zu erfüllen.

Ich habe dieses Jahr nur einen Wunsch, einen einzigen. Kein Kuchen, kein Geld, nichts Materielles, davon habe ich mehr als ich jemals brauche(n würde). Ich wünsche mir mehr Freude in der Welt. Mehr lächeln, mehr grinsen, mehr lachen, mehr schmunzeln, mehr Humor, mehr Solidarität, mehr Vertrauen, mehr Hoffnung, mehr Optimismus, mehr von all den Dingen, die wir selber entscheiden können zu haben und zu tun, gegen die wir uns aber aus unerfindlichen, aber stets masochistischen Gründen entscheiden. Mehr davon.

Ich weiß, nicht immer fällt es leicht, nicht jedem liegt es, einfach mal den Kopf hoch zu reißen und die Welt im Moment zu genießen, losgelöst von all den Sorgen der Welt, aber mit ein bisschen Übung funktioniert es – das ist die entscheidende Erkenntnis in meinem neunzehnten Lebensjahr gewesen, das morgen zu Ende geht.

Es wäre das schönste Geschenk, das mir jeder von euch machen könnte: Lächle einfach mal jemanden an, der schlecht drauf ist, hilf jemandem, der Hilfe braucht, frag jemanden nach seinem Befinden, nimm dir Zeit für jemanden! An allen Ecken und Enden fehlt es uns an Menschen, die mit offenen Augen, Ohren und einem geöffneten Herzen durch ihre Welt maschieren. Aber wir brauchen sie mehr denn je. Leid zu sehen tut mir weh. Es frustriert mich nicht, aber es schmerzt!

Hilf mir, Menschen zu helfen, oder genaugenommen, hilf dir selber! Denn wer Gutes tut bekommt es meist vielfach zurück! (Videoempfehlung zu dem Thema) Das ist mein Wunsch!

Danke, für jedes Endorphin, dass du ausstößt und hervorrufst, es macht einen Unterschied!

9h Schule?

Posted by on Montag, 7 September, 2009

Ich wurde soeben von einer Klassenkollegin gefragt, was ich von der Forderung halte, die Schule erst um 9h beginnen zu lassen (der ORF berichtet).

Meine Antwort, finde ich, ich ist gut gelungen, ich bitte um Kommentare!

Dass es tiefgehende Reformen unseres Bildungssystemes braucht ist wohl indiskutabel. Die grundlegende Entscheidung ist meiner Meinung nach aber nicht, ob die Schule um 9 oder 10 oder 5 beginnt, sondern ob Schule beginnt zu bilden statt auszubilden, also ob sie den Menschen in den Mittelpunkt stellt oder die Wirtschaft. Es ist die simple und doch komplexe Frage: “Wenn es der Wirtschft gut geht, geht’s den Menschen gut” oder “Wenn’s den Menschen gut geht, geht’s der Wirtschaft gut”.
Mir schwebt ein System vor, dass die Menschen in den Mittelpunkt stellt. Das sie fordert und fördert, sie groß macht. Nicht sie niedermacht und kleinhält. Ich habe es heute schon zitiert. Goethe hat gesagt: “Eltern soll ihren Kindern 2 Dinge geben. Flügen und Wurzeln.” Einer der besten schwedischen Lehrer (ich finde den Link jetzt nicht!) hat einmal in einem Interview gesagt: “Es fühlt sich nicht so an als wären die Schüler Schüler, sondern mehr wie meine Kidner.” Zwischen Pädagogen und Lernlingen braucht es ein persönliches wohlwollen, ein Vertauen, eine “Liebe”.

Sehr empfehlen kann ich in diesem Zusammenhang einen Lehrer, der einen tollen Blog führt http://teacher.twoday.net/, er schreibt dort über all die kleinen Dinge, die er so komisch findet. Unterhaltsam und wahr, aber zurück zu der Frage: Wirtschaft oder Mensch? Momentan orientiert sich unser Bildungssystem an den Wirtschaftlichen Interessen. Das ist logisch, alle europäischen Bildungssystem sind in der Industrialisierung entstanden, da gab es weder Interesse noch Kapazitäten Menschen groß zu machen, ihnen Flügel zu geben. Heute aber – dank technologischem Fortschritt – hätten wir diese Möglichkeiten. Ich bin überzeugt, dass, würden wir Menschen ins Zentrum stellen, Bildungsangebot ihnen anpassen (da gehört 9h-Schule evt dazu muss man sich genau anschauen) anstatt ihnen Dinge aufzuzwingen, auch große Wirtschaftliche Vorteile hätte, alleine wenn ich mir überlege wieviele Menschen in unserer Klasse unterfordert sind (Patrick, Lisa, Thomas, Conni,..) was es da an Fähigkeiten und gesellscahftlicehm Wert zu “lukrieren” gäbe – sagenhaft!
In diesem ted-talk (Why Schools kill creativity) argumentiert Ken Robinson, warum Schule Kreativität zum aussterben bringt. Ich habe es jetzt auf dem Minilager wieder gesehen und auch mehrfach darüber gebloggt! Die Kinder sind wahnsinnig originiell, haben tolle Ideen, aber kaum einmal werden sie dafür gelobt!

Kreativität ist aber die Währung der Zukunft, es wird nur mehr um gute Ideen, gepaart mit Umsetzungskraft gehen. Das ist der Erfolg von morgen (und heute übrigens auch schon!) und den wollen wir doch alle haben!?

Aber das ging weit weg von der Frage, ob ich die Forderung um 9h Schule zu haben unterstütze, ich weiß es nicht, ich bin weder Psychologe, noch habe ich mich eingehend mit der Frage befasst, klar ist aber, dass nur wenn wir das System umstellen und die Interessen der Kinder den Interessen der Wirtschaft vorstellen wir uns über soetwas überhaupt Gedanken machen werden können – in diesem Sinne gute Nacht, schlaf gut, bis morgen!

Gesellschaftliche Verantwortung, eine Email

Posted by on Montag, 7 September, 2009

Heute habe ich via Twitter erfahren, dass die Strabag sich 200 km von Wien an der Errichtung zweier Blöcke für das Atomkraftwerk Mochovce beteiligen möchte.

Der österreichische Baukonzern STRABAG hat sich darum beworben die Blöcke 3 und 4 des umstrittenen slowakischen Atomkraftwerks Mochovce zu bauen. Als eindeutiger Billigstbieter stehen die Chancen auch äußerst gut den Zuschlag zu erhalten.

Greenpeace hat dazu hier eine Protestaktion gestartet und bittet um Unterschriften.

Bitte teilen Sie dem STRABAG Geschäftsführer Hans Peter Haselsteiner mit, dass veraltete Risiko-Atomreaktoren, nur 150 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt, unerwünscht sind.

Bitte helfen Sie mit, ihn zu überzeugen, dass seine Firma von diesem Angebot zurücktreten soll.

Das ist mir zu blöd, sowas will ich selber schreiben. Gesagt, getan, hier was raus gekommen ist:

Sehr geehrter Herr Dr. Haselsteiner!

Ich möchte Sie dringlichst bitten, in sich zu gehen und sich genau zu überlegen, ob ihr Verstand und ihr Gewissen es ihnen erlaubt, den Ausbau von Atomkraftwerken, die ein enormes Gefahrenpotenzial darstellen, gleichzeitig wirtschaftlich (bei Kostenwahrheit) kaum rentabel sind und für deren hochgiftigen Abfälle es keine zufriedenstellende (Lagerungs)Lösung gibt, wirklich unterstützen wollen.

Wirtschaft hat eine große Verantwortung der Gesellschaft gegenüber, sie hat das Zusammenleben aller Menschen zu regeln. Große Unternehmen, wie die Strabag, spielen hierbei eine zentrale Rolle und ihre Geschäftsführer sind die Persönlichkeiten, die am Ende zu der Verantwortlichkeit gezogen werden (sollten). Zum Glück haben Sie das ja schon erkannt, auf ihrer Webseite sprechen sie von “Verantwortung gegenüber allen unseren Interessenvertretern (Aktionären, Kunden, Mitarbeitern, Nachunternehmern, Behörden, Mitbewerber, Medien, der Gesellschaft als Ganzes)”. Froh bin ich, dass Sie, wie ich dem Vorwort des Strabag Nachhaltigkeitsbericht 2005 – 2007 entnehme “Ihre Verantwortung, die über Ihre unternehmerische Tätigkeit hinausgeht, seit Jahren sehr ernst nehmen” und möchte sie daher bitten: Ninehmen Sie sie weiterhin ernst, sehen sie vom Ausbau des slowakischen Atomkraftwerks Mochovce ab und investieren Sie in zukunftsträchtige Sparten.

Es gibt große und wichtige Themengebiete in denen Bauunternehmen wie die Strabag gerade heute zukunftsweisende Projekte mitgestalten könnten. Nachhaltige Infrastruktur und erneuerbare Energie sind sicher zwei davon. Tunnelbau für Zugfernverkehr zum Beispiel oder der Ubahnbau in Dehli wären hier zu nennen.

Ich bin überzeugt, dass Sie als Mensch, Politiker und Industrieller genau wissen, dass es richtige und falsche Entscheidungen gibt; innovative, zukunftsweisende und feige, rückschrittliche, bitte treffen Sie die Richtige, damit Sie und ich mit reinem Gewissen schlafen können und keine Angst vor Reaktorunfällen haben brauchen!

Danke & beste Grüße,
Armin Soyka

Eine Empfehlung an jeden und jede sich auch die Zeit zu nehmen so einen Text zu schreiben und abzuschicken, nur wenn wir alle unsere gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen und aufstehen für und gegen die Dinge die uns passen oder eben auch gar nicht, funktioniert Demokratie und aktive Teilnahme aller daran.

PS: Neben dem Greenpeaceformular habe ich meine Mail auch über die Kontaktseite von strabag.at geschickt. Doppelt hält besser

PPS: Kommentare sind ausdrücklich erwünscht!

Lasst uns miteinander 3/3

Posted by on Montag, 31 August, 2009

Beim Friedensgruß schließlich hatte ich einen unangenehm desillusionierten Dialog mit dem Jakob:

Ich: “Der Friede sei mit dir”

Pause

Er: “Eigentlich müsse man ja sagen, der Friede des Todes sei jetzt noch nicht mit dir.”

Ich: “Aber es gibt doch auch Friede im Leben, oder?”

Er: “Ja, aber in Afghanistan momentan leider weniger”

Stille

Ich: “Stimmt, auch in anderen Ländern” – Denkpause – “Aber ich bin überzeugt, dass jeder von uns einen Beitrag zum Frieden leisten kann”

Unterbrechung

Er: “Ja aber der absolute Weltfriede wird immer eine Illusion bleiben”

Ich: “Aber denkst du nicht, dass, indem du das sagst, verhinderst, dass er passiert?”

Pause

Er: “Ja natürlich kann man es versuchen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass es passiert ist sehr unwahrscheinlich, Menschen sind einfach zu streitsam und machtgierig”

Weise Worte und ein weiterer eindrucksvoller Beweis wie viel junge Menschen nachdenken und zu was für Schlüssen sie kommen. Jakob ist 12 Jahre alt, seine Überlegungen sind komplex, haben Hand und Fuß, sind aber sehr pessimistisch (hoffnungslos?). Hier braucht es einen Wandel! Schnell! Junge Menschen, mit solchen Kapazitäten brauchen Hoffnung, brauchen Visionen, brauchen Träume – geben wir, als “die Alten” (älteren) ihnen die Möglichkeit sie zu entwickeln!  Machen wir sie nicht fertig, bauen wir sie auf. Reden wir ihnen Utopien nicht aus sondern fördern sie. Utopie ist nichts anderes als ein “Nicht-Ort” (von dem griechischen utopos). Aber was nocht nicht ist, kann ja noch werden! Geben wir alle unser bestes, dann wird der Wandel kommen!
“Change happens when you live your visions, dreams and desires!”