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Ein Argument zu diesem Video

Posted by on Montag, 12 Oktober, 2009

Herr Strache liefert seit kurzem auf seinem Facebookprofil in der Sendereihe “HC Strache – Ohne Maulkorb” etwa zwei mal pro Woche seine Ansichten zu allen möglichen Themen. Viel habe ich auf Facebook schon über diese Videos diskutiert, mehrere Kommentare zu dem untersten Video haben das Fass zum Überlaufen gebracht.

ich will jz ned wieder als rechts extrem genannt werden aber kein mensch dieser welt könnte mir ein gültiges gegen argument zu diesem video sagen. Ich vertseh auch nicht was an diesem video so org is, das es so is kann keiner leugnen. Mag sein das sich die FPÖ in anderen sachen deppat verhält aber das was in diesem video vorkommt triffts ziemlich genau…

Hat da ein Freund auf Facebook unter das Video “Integration von HC Strache” geschrieben (facebook/youtube). Die Argumente will ich hier bringen. Ich weiß, dass ich Herrn Strache damit mehr Raum gebe, seine Ideen an den Mann/Frau zu bringen, aber ich kann nicht anders! Er macht Angst, er hetzt, er lügt. Das muss einmal eingehend belegt werden.

Eines noch. Ich sage nicht, dass Herr Strache ein Nazi ist, ich sage nicht, dass alle FPÖ-Wahler (oder Mandatare) Faschisten sind und ich sage auch nicht, dass die FPÖ grundsätzlich lügt. Ich schwinge nicht mit der Faschismuskeule sondern versuche zu zeigen, was alles falsch ist an dem, was in diesem Video gesagt wird.

“Wien ist eine der sichersten Städte der Welt” – richtig!

“Dieser Ruf ist ernsthaft in Gefahr, es vergeht kaum ein Tag an dem die großen Tagesmedien nicht von Einbrüchen, Überfällen und auch Mordanschlägen berichten” – Falsch! Geht man auf standard.at, diepresse.com, orf.at oder kurier.at (das sind, denke ich, die großen Tagesmedien) findet man auf den Startseiten genau 4 Artikel bzgl Sicherheit in Österreich (Wien: Polizei entfernt Hausbesetzer in Favoriten, Kriminalität: Aufklärung steigt kaum, Massenschlägerei in Traiskirchen und Österreich für Schlepper “goldenes Land”), einer davon hat etwas mit Wien zu tun, keiner mit Einbruch, Überfall oder gar Mordanschlag – schon gar nicht im Plural! Man kann auch auf news.google.at gehen und dort versuchen, Herrn Straches Aussagen zu verifizieren. Googelt man dort nach den Schlagwörtern Wien und Sicherheit und sucht nach Meldungen des letzten Monats, findet man 32 Artikel zu dem geplanten Ausbau des slowakischen Atomkraftwerks Mochove oder 24 Artikel zu Herrn Häupels Schweigetaktik. Artikel zu Überfällen, Einbrüchen und Mordanschlägen sucht man auch hier vergebens. Ja, die Zahl der Anzeigen steigt stetig in Wien (Die Gesamtanzahl der angezeigten Fälle stieg in Wien im Vergleich zum Vorjahr  von 157.553 auf 173.024 an. Dies bedeutet einen Anstieg um +9,82 % im Jahresvergleich zu Jänner bis September 2008) – um wieviel die Kriminalität steigt, kann man daraus nicht ablesen, kann auch sein, dass früher eben weniger angezeigt wurde.

“Ein besonderes Problem stellte in den vergangenen Monaten die extrem ansteigende Jugendkriminalität dar” -  Worauf diese Aussage beruht, weiß ich nicht. Jugendkriminalität ist nicht im Steigen, schon gar nicht extrem. Zumindest sagt das die Kinder- und Jungendanwalschaft Wien.  Die Aussage im ORF ist zwar schon etwas veraltet, ich hatte aber vor drei Wochen das Vergnügen mit besagtem Dr. Anton Schmid im Rahmen einer Podiumsdiskussion zu sprechen – dort hat er mir das bestätigt. Immer wieder betonte er auch im Zuge der Diskussion bezüglich den Vorfällen im Kremser Supermarkt, dass es keine Radikalisierung der Jugend gebe (weder Richtung “rechts” noch Richtung Gewaltbereitschaft). Claudia Smolik (Grüne Gemeinderätin in Wien) weist hingegen hier darauf hin, dass die Daten der Jugendkriminalität seit 2001 anders erhoben würden. In der monatliche Kriminalstatistik des Bundesministerium für Inneres für den September (Achtung: pdf) wird extra auf den österreichweiten Rückgang der Kinder- und Jugendkriminalität hingewiesen:

Rückgang der Kinder- und Jugendkriminalität setzt sich fort

Die Daten der Septemberstatistik zeigen auch weiterhin einen deutlichen Rückgang im Bereich der Kinder- und Jugendkriminalität. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres ist bei den 10- bis 14-Jährigen ein Minus von 15,1 Prozent und bei den Jugendlichen unter 18 Jahren ein Minus von 10,2 Prozent zu verzeichnen.

Tabelle 3: Statistik Kinder und Jugendkriminalität Vergleich Jänner bis September 2008*/2009²

10 bis unter 14 J.                5.091*                4.324²   -15,1%  (Rückgang)
14 bis unter 18 J.               26.631*               23.909²   -10,2% (Rückgang)

Zahlen für die Entwicklung der Jugendkriminalität in Wien konnte ich trotz intensiver Recherche NICHT finden! Herr Straches Aussage entbehrt jeglicher Grundlage!

“Hier zeigt sich ganz deutlich die verfehlte und aus allen Ufern laufende Zuwanderungsproblematik in Wien” - abgesehen davon, dass die Jugendkriminalität nicht steigt sondern massiv sinkt, halte ich die Verbindung von angeblicher Jugendkriminalität mit Zuwanderungsproblematik für bedenklich. Hier werden Vorurteile geschaffen, Ängste geschürt und Kriminalität mit Migration/Zuwanderung gleich gesetzt.

“Türkische, kurdische und tschetschenische Jugendbanden bekämpfen sich oft gegenseitig selbst!”- Es gibt Jugendbanden. Keine Frage. Aber Berichte wie dieser gehen selten auf Nationalitäten ein. Sucht man gezielt nach Jugendbande, Wien, Türkisch findet man sehr vereinzelt Berichte, teils Jahre zurück. Dasselbe gilt für Kurdische Jugendbanden (Wien), wie für Tschetschenische Banden. Liest man sich so die Schlagzeilen durch, sieht man sehr schnell, dass es sich in den wenigsten Fällen um tatsächliche Bandendelikte handelt. Schaut man sich die Googlenews Analyse für die Begriffe Jugendbande und Wien, Jugendbande oder Jugendkriminalität Wien an und vergleicht diese mit den tatsächlichen Zahlen des Innenministeriums, sieht man, dass die Berichterstattung deutlich stärker ansteigt als die tatsächliche Zahl der Anzeigen (um von Verurteilungen gar nicht erstzu sprechen).

2008 gab es vom Nationalratsabgeordneten Christian Hörbart (FPÖ) eine parlamentarische Anfrage bezüglich Jugendkriminalität an Innenministerin Fekter  (mit 12 sehr spannenden Fragen). Dank Auskunftspflicht antwortete die Innenministerin auch umgehend (hier die Antwort). Sehr spannend fand ich, dass “die soziale Herkunft der ermittelten Tatverdächtigen in der polizeilichen Kriminalstatistik nicht erfasst” wird. Die Behauptung, dass türkische, kurdische und tschetschenische Jugendbanden einander die Köpfe einschlagen würden, ist weder mit Medien noch mit Zahlen des Innenministeriums zu belegen! Herr Strache versucht Angst zu machen!

Ich weiß, ich bin erst bei Minute 1 angelangt. Es fehlen noch drei Minuten, aber meine Zeit ist abgelaufen. Aber da waren einfach zuviele Unwahrheiten drinnen.

Eines habe ich hoffentlich gezeigt: Die letzte Aussage des Videos “Daher aus für Häupl -  HC Strache kann es besser!” ist ebenso falsch wie die vorangehenden 4 Minuten.

Mercer-Studie zur Lebensqualitat 2009

Posted by on Sonntag, 2 August, 2009

Ich habe mich in den letzten zwei Tagen mit der Mercer-Studie zur Lebensqualität 2009 auseinandergesetzt und bin leider nicht sehr weit gekommen. Wien hat sich zwar um 0,6 Prozentpunkte verbessert und sich damit vor den Spitzenreiter der letzten sieben Jahre, Zürich, auf den ersten Platz geschummelt, im internationalen Vergleich landen wir bei der Infrastruktur aber nur auf dem enttäuschenden 18. Platz.  Bernhard Odehnal, Mitteleuropa-Korrespondent des Schweizer Tages-Anzeigers, hat im Falter-Leserbrief “Ist das gescheite Verkehrspolitik” (Nr. 30/09) darauf hingewiesen und Rudolf Schicker, Stadtrat für Stadtentwicklung und Verkehr, aufgefordert sich die Gründe bewusst zu machen und die Probleme gerade bei der Fahrradpolitik anzupacken. Auf der anderen Seite meint Renate Brauner, Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Finanzen im Standard: “Die Studie sei stark von der Meinung von Managern geprägt, und diese könnten sich darüber beschweren, dass es zu wenig internationale Flüge von und nach Wien gebe – was freilich außerhalb des Einflussbereiches der Stadt liege.”

Ich konnte leider in den zahlreichen sehr interessanten Zeitungsartikeln nicht nachprüfen, was hier tatsächlich stimmt bzw. wie die Einstufungen vorgenommen wurden. Auch auf den diversen Mercerseiten wurde ich nicht fündig. Deswegen habe ich jetzt ein Mail an diverse Mercerabteilungen geschickt, in dem ich – mehr oder weniger – um ein Gratisexemplar bitte, um genau diese Unklarheit zu klären:  Wo hinkt Wien der internationalen Spitze nach, was für Chancen hätten wir, Defizite zu sehen und ihnen Taten folgen zu lassen. Das Mail hängt an, mal schauen ob was zurück kommt. Interessant ist die Publikation sicher, viel lernen könnten wir – und vor allem Wiens Politiker, garantiert. Bleibt die Frage, wer sich wirklich damit auseinandersetzt und lernen will. Ich freu mich auf Kommentare.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Mit Freude habe ich Ihre diesjährige Mercer-Studie zur Lebensqualität aufgenommen und mich zuerst in den Medien (vor allem ORF, Standard und Züricher Tagesanzeiger) und dann auch auf Ihrer Website (hier, hier und hier) informiert. Als Wiener freue ich mich natürlich besonders darüber in der Stadt mit der weltweit höchsten Lebensqualität zu leben. Das nehme ich auch (im Vergleich zu den Städten in denen ich bisher gelebt bzw. die ich besucht habe) so wahr. Als sehr politikinteressierter junger Mensch, würde es mich aber ausgesprochen interessieren zu verstehen, warum Wien zwar “over-all” Nummer eins, gerade aber bei der Infrastruktur lediglich den 18. Platz erobern konnte. Mag. Renate Brauner (Vizebürgermeisterin, Stadträtin für Finanzen) meint dazu im Standard: “Die Studie sei stark von der Meinung von Managern geprägt, und diese könnten sich darüber beschweren, dass es zu wenig internationale Flüge von und nach Wien gebe – was freilich außerhalb des Einflussbereiches der Stadt liege.” Stimmt das? Nach welchen Kriterien werden wieviele Punkte vergeben? Wie setzen sich diese Auswertungen genau zusammen?  Ich würde das alles gerne nachlesen. Ihre Publikation scheint mir (dem “Sampel Report“  zufolge) hoch interessant und lesenswert. Als Schüler kann ich den Report für 390 Dollar aber unmöglich kaufen. Wollen Sie auch jungen interessierten Menschen wie mir, ohne dicke Brieftasche oder eigenes Unternehmen, ihre (wertvolle) Arbeit zugänglich machen? Ich denke es wäre eine Möglichkeit für Sie Öffentlichkeitsarbeit mal anders zu gestalten. Ich bin ein Replikator, trage meine Ideen, Meinungen und Vorstellungen in meinen Freundeskreis und meinen Blog (http://arminsoyka.at/) weiter und stehe erst am Anfang meines Lebens. “Mundpropaganda” ist wertvoll! Ich würde mich freuen, wenn Sie einen Lösungsvorschlag für mich hätten, ich bin sehr interessiert an dieser Arbeit.

Mit besten Grüßen,
freut sich auf Ihre Antwort,
Armin Soyka

Nebenbei bemerkt möchte ich hier auch die Aussage, dass Wiener Politik keinen Einfluss auf die Flugfrequenzen hätten, stark anzweifeln. Es mag sein, dass der Skylink mit Bundesgeldern gebaut und Schwechat außerhalb Wiens liegt, aber die überwiegende Mehrzahl der Passagiere die zum und vom “Vienna International Airport” fliegen verbringen Zeit in Wien. Steigt die Nachfrage nach Flügen nach/von Wien, weil Wien viele/viel mehr Menschen anzieht, steigt auch das Angebot, das ist bei dem mehr oder weniger freien Markt so. Nicht Opfer sondern Aufgabe!

Hier die Zeitungsartikel, die ich über die Mercer-Studie gefunden, gelesen und genossen habe:  http://wieninternational.at/, http://wien.orf.at/, “Warum Wien Zürich überholte” im Züricher Tages-Anzeiger und der oben schon verlinkte Standardartikel.

Hier die Informationen die Mercer auf ihren diversen Seiten veröffentlicht hat: hier auf Englisch ein umfassender Überblick, hier eine Zusammenfassung der Ergebnisse in einem acht-minütigen Video in englischer Sprache,  hier die deutsche Presseaussendung von Mercer Schweiz.