Beiträge mit dem Tag: Werte

Alles bewegt diese Jugend!

Verfasst von Armin Soyka am Montag, 30 November, 2009

Jugend_bewegt_Politik

In einer Demokratie haben alle Menschen eine Stimme. Zumindest im übertragenen Sinne. Anscheinend gibt es aber wieder und wieder Kommunikationsschwierigkeiten und viele vergessen, dass jeder Teil unserer Gesellschaft etwas Wichtiges zu sagen hat.

Besonders die Jugend wird oft missverstanden. Unpolitisch, faul, visionslos, konsumorientiert, wertelos, unmoralisch, drogenabhängig und immer in Party laune Weiterlesen »

Des Kaiser neue Kleider

Verfasst von Armin Soyka am Sonntag, 18 Oktober, 2009

Reinhard Mey singt im Lied Des Kaisers Neue Kleider von Glaubwürdigkeit, Demagogie und Perversion, aber im Grunde übt er Gesellschaftskritik. Er kritisiert die Art zu urteilen, so wie ich das auch in meinem Blogeintrag Wertungskrise vom 30. Mai 2009 getan habe. In der Ankündigung des Lieds verweist er auf das Märchen von Hans-Christian Andersen Des Kaisers Neue Kleider und meint: “Und wie das nun mal menschlich ist, wollen alle zu dieser geistigen Elite gehören und sie sehen natürlich alle die Kleider, die der Kaiser gar nicht anhat und finden, dass er unglaublich schmuck darin aussieht. Das geht solange gut, bis ein Kind des Weges kommt, das mit solchen Vorurteilen noch nichts zu tun hat und das stellt fest – Donnerwetter – der Kaiser hat ja gar keine Kleider an.” Dann singt er:

“Sie gleichen sich im Grunde wie ein Ei dem anderen gleicht und wir wollen, dass sie uns verkohlen – wir glauben ja so leicht, ein bisschen Skepsis ließe sie schon völlig bloß da stehen. Man müsste sich nur angewöhnen besser hinzusehen, und ruhig lachen, wenn was lächerlich ist, und zwar laut, und wenn man auch der einzige ist, der sich zu sagen traut: Was mich betrifft, ich hab die Faxen satt, sieht denn hier keiner, dass der Kaiser keine Kleider an hat. Seht doch mal richtig hin, der arme Kerl ist splitternackt.”

Ich glaube, dass die menschliche Entwicklung für jeden von uns in dem Stadium des Kindes beginnt (begann). Von der Gesellschaft werden wir langsam an eine Mischung Kind/Kaiser/Kaufmann(frau) herangeführt, wobei gesellschaftliche Normen, wie die individuellen Lebensbedingungen über die Ausprägungen des jeweiligen Individuums (mit)entscheiden.

Momentan herrscht eine enorme Übermacht des Kaiserteiles in uns, gut vermarktet von denen, die eine starke kaufmännische Ausprägung haben. Die Kinder in unserer Gesellschaft kommen aber zu kurz.

Reinhard Mey sagt: “Ich denke wir leben in einer Zeit, in der es größere Mengen von der Sorte Kaiser und größere Mengen von der Sorte Geschäftsleute gibt, aber ich denke, es fehlt uns ein wenig an den Kindern, die des Weges kommen und sagen, seht mal her, der ist doch splitternackt.” Kind-sein ist also (und da stimme ich überein) eine wichtige und starke Qualität und Qualifikation. Ich will “Kind sein”. Viele von euch vielleicht auch, aber wir müssen dorthin kommen, den Kindesanteil in jedem von uns zu stärken, sodass er groß genug ist (was immer wir uns da für einen Maßstab im politischen Diskurs setzen) um Scharlatanen, Demagogen und falschen Gurus mit Skepsis entgegentreten zu können und sie laut anzulachen.

Besonders gesellschaftliche Normen könn(t)en (gerade von der Politik) Richtung mehr Kinder und größerem Kinderanteil in jedem beeinflusst werden. Um diese gesellschaftlichen Normen umzustellen, müssten wir uns auf das reflexive Verb und den aktiven selbstbestimmten Vorgang des Sich-Bildens besinnen und unsere Jugend stärken.

Seien wir Kinder, fordern wir andere auf, es uns gleich zu tun!

Abschließend dieses köstliche Video: Des Kaisers neues Marketing

Sand sein, nicht Öl im Getriebe.

Verfasst von Armin Soyka am Montag, 5 Oktober, 2009

Zum Hals hängt es mir raus, mir anhören zu müssen, die Jugend von heute sei unpolitisch, faul und falsch. Zum Hals hängt es mir raus. Hier ein weiteres eindrucksvolles Beispiel, was junge Menschen schaffen, worüber sie nachdenken und was sie für Vorsätze und Visionen haben… das hat meine Schwester gestern produziert. Mit ihrer Erlaubnis publiziere ich hier ihre Deutschhausaufgabe. Ein lesenswertes Stück Text mit wichtigem Inhalt!

Chapeau!” Ein Ausruf des Respekts, der Bewunderung wäre hier angebracht – anstelle von unreflektiertem und gehaltlosem Jugendbashing!

Sand sein, nicht Öl im Getriebe…

Dieser sehr bekannte Satz stammt aus dem Hörspiel „Träume“ des seinerzeit sehr berühmten Lyrikers und Hörspielautors Günter Eich. Geboren 1907 im Osten Deutschlands, brach er 1932 sein Ökonomie- und Sinologiestudium ab und arbeitete zunächst als freier Autor. 1943 wurden durch die Bombardierung seiner Wohnung in Berlin fast alle seiner Manuskripte zerstört. Vieles war für immer verloren. 1945 geriet er als Unteroffizier in amerikanische Kriegsgefangenschaft und war 1947 Mitbegründer der „Gruppe 47“, einer Gemeinschaft verschiedener Autoren. Sie trafen sich, um sich gegenseitig durch Kritik zu unterstützen und um junge, noch unbekannte Autoren zu fördern. Durch demokratische Abstimmungen ermittelten sie die Gewinner des „Preis der Gruppe 47“, welcher sich für viele die ihn erhielten als Sprungbrett in ihre spätere literarische Karriere erwies. Eich selbst war der erste, der mit diesem Preis ausgezeichnet wurde. 1953 heiratete er Ilse Aichinger, eine österreichische Autorin, welche eine sehr bedeutende Repräsentantin der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur ist. Nach vielerlei gemeinsamer Wohnungswechsel fanden die beiden in Salzburg schließlich ein dauerhaftes zu Hause. Im Jahre 1959 gewann Günter Eich den Georg Büchner Preis und auch in der damaligen Dankesrede kam sein Aufruf gegen die Angepasstheit.

„Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind!
Seid misstrauisch gegen die Macht, die sie vorgeben für euch erwerben zu müssen!
Wacht darüber, dass eure Herzen nicht leer sind, wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird.
Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet!
Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!”
Träume, 1951

1972 starb er in Salzburg an einer Herzerkrankung und ist seitdem trotz seines zeitweiligen Ruhms sehr in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht, wie viele meinen. War er doch einer der Wenigen gewesen, die immer wieder versucht hatten die Menschheit wachzurütteln – wachrütteln aus den Gewohnheiten ihres Alltags, bei denen sie sich über nichts mehr Gedanken machten, sondern einfach nur die Ideale anderer Menschen nach lebten.

Im zeitlichen Hintergrund Eichs Aussage steht um 1950 herum die Angst vor einem Dritten Weltkrieg. Er befürchtete, dass die Bevölkerung durch permanentes Wegschauen nicht einmal mitbekommen würde, was um sie herum geschähe; sie die Möglichkeit „Nein“ zu sagen einfach so verstreichen lassen würde.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, ein Satz der angeblich von dem russischen Politiker Lenin stammt. Ich finde, er drückt sehr gut aus, was auch Eich damals mit seinen etwas dramatischeren Worten gemeint haben könnte. Und zwar, dass wir nicht einfach darauf vertrauen dürfen, dass die Machthabenden immer nur unser Bestes wollen, sondern dass wir auch darauf achten müssen, dass sie die ihnen gegebene Macht nicht ausnutzen. Demokratie wird erst möglich, wenn wir alle dahinter stehen. Aber das tun wir nicht. Offengestanden habe ich selbst keine Ahnung von Politik. Ich habe immer in dem Glauben gelebt, dass es mich nicht zu interessieren braucht, dass meine eine Stimme doch sowieso keine Rolle spielt, aber langsam beginne ich zu verstehen, wie falsch ich gelegen habe. Meine Stimme mag nicht in der Lage sein Großartiges zu verändern – aber was wenn alle so denken? Was wenn alle sich ihrer Verantwortung auf diese Art und Weise zu entsagen suchen. Natürlich kann man jetzt wieder sagen: tun sie aber nicht. Und, natürlich wird es immer einen gewissen Prozentsatz an Menschen geben, die sich für ihre Überzeugungen einsetzen, aber die Frage ist: Will ich es wirklich diesen wenigen überlassen, über richtig und falsch, und über die Zukunft meines Landes zu urteilen?

Luxus macht denkfaul, und ich denke wir wissen alle, wie leicht es ist sich dazu hinreißen zu lassen, sich einfach der Mehrheit anzuschließen, aber wenn es eines gibt, dessen ich mir zu hundert Prozent sicher bin, dann ist es, dass dies die falsche Lösung ist. Man kann an so vielen Stellen der Sand sein, wenn man sich nur einmal darüber bewusst wird. Und so denke ich auch, dass es für jeden etwas Verschiedenes bedeutet, der Sand zu sein, der verhindert, dass das Getriebe „wie geschmiert“ funktioniert. Für die einen mag es heißen auf Demonstrationen zu gehen, für den nächsten Unterschriften gegen Atomkraft zu sammeln und wieder für den nächsten einfach einmal ungeschminkt vor die Türe zu treten.

Nehmen wir zum Beispiel einmal den Schönheitswahn her. Trauriger Weise leben wir in einer Welt, in der uns schon im kleinsten Kindesalter eingetrichtert wird was schön ist, und was nicht. Uns wird gelehrt, dass man perfekt – eben diesem vorgegebenen Ideal entsprechend – sein muss um es in dieser Gesellschaft zu etwas zu bringen. Uns wird glauben gemacht, dass man nur durch sogenannte Schönheit wahres Glück erfahren kann – aber was daran ist wirklich wahr?

Im Endeffekt ist es doch alles nur eine große Lüge. Nur der winzigste Prozentsatz aller Frauen haben, dem Idealbild entsprechend, niedriges Gewicht, große Brüste und perfekte Zähne und dennoch wird uns eingeredet, dass es normal sei, diesen Vorstellungen zu entsprechen. Dreht man den Fernseher auf, so kann man sich relativ sicher sein, dass in einem Film, die perfekte, schlanke, großbusige Frau die Glückliche ist, während die andere, nicht minder schöne, aber eben auch nicht dem Ideal entsprechende Frau die Unglückliche. Wenn man eine Zeitschrift durchblättert, so ist darin kein einziges Bild, das nicht von Profis in stundenlanger Kleinstarbeit nachbearbeitet wurde.

Wir werden also darauf abgerichtet unglücklich zu sein, denn das Ideal zu erreichen ist für den Großteil der Frauenwelt und in anderen Bereichen auch Männerwelt schlicht unmöglich. Davon wie seelisch belastend es sein muss, ein Leben lang etwas nachzueifern, das man auf natürlichem Wege sowieso kaum erreichen kann, ganz zu schweigen.

Sand sein, heißt für mich also die zu sein, die ich wirklich bin. Dafür einzustehen was ich glaube und mich nicht manipulieren zu lassen, von dem Schönheitsidealismus, der die heutige Zeit prägt. Die Fähigkeit auch Nein zu sagen, wenn mir etwas nicht gefällt, verlangt nach viel Selbstsicherheit. Sie wird einem von dem Streben nach Perfektion ausgetrieben, denn man kann niemals erreichen, was man erreichen will. Das perfekt durchdachte Wirtschaftssystem zwingt einen dazu den Glauben an sich selbst zu verlieren. Dem kann man nur entgegenwirken indem man sich kennt. Sand sein heißt sich selbst kennen, wissen was man kann, davon überzeugt sein, sich dessen sicher sein. Sich selbst bewusst sein.

Alles Blödsinn. Rechtstaatlichkeit? …von wegen!

Verfasst von Armin Soyka am Freitag, 10 Juli, 2009

Die Frage nach der Gerechtigkeit…

… ist ja schon ein große. Gerne wird in Österreich ja über die bösen Kriminellen geredet, geschrieben und auch oft gehetzt. Folgt man den Medien aufmerksam (besonders hervorzuheben sind hier die Qualitätsblätter „Österreich“ und „Krone“ sowie die Bildungszeitschrift „der blaue Planet“) merkt man, es gibt in Österreich drei große Gruppen von Verbrechern.

Da gibt es die Ausländer. Wenn von diesen Ausländern die Rede ist, dann sind meistens Türken gemeint. Ausländer sind sie deswegen, weil ihre Familie vor zwei, drei oder vier Generationen mal im Ausland gelebt hat! Sie sind übrigens meistens arbeitslos. Die zweite Gruppe umfasst die Asylanten. Sie sind meist SAs. Das steht für Schwarzafrikaner und ist, wie Florian Klenk hier (Wenn der „SA“ zuerst wegduckt und dann aufbegehrt) berichtet, die bei der Wiener Polizei gängige Abkürzung. Das man das als Identitätsdiebstahl sehen könnte scheint egal. Diese SAs kommen zwar meistens aus Konfliktgebieten (Kongo,…), “missbrauchen” die UN-Flüchtlingskonvention trotzdem fast ausschließlich um sich einen persönlichen (wirtschaftlichen) Vorteil zu verschaffen – von Flucht kann bei diesen SAs keine Rede sein, „die sind ja nur zu faul sich selber was aufzubauen“! Auch sie sind neben ihren kriminellen Tätigkeiten arbeitslos, denn sie dürfen zum Glück (noch) nicht arbeiten. Und dann gibt es noch die Einbrecherbanden, Trickdiebe und Bettelmafias. Sie kommen, treiben ihr Unwesen und fahren wieder heim. Ihre Heimat ist in der Regel entweder Polen, Bulgarien oder Rumänien. Dazu fällt mir gleich ein Witz ein: „Was ist ein polnischer Triathlon?“ – „Zu Fuß zur (österreichischen) Grenze, mit dem Rad nach Wien, mit dem Auto zurück.“ Oder ein anderer – Werbung für Polen: „Machen Sie Urlaub in Polen… ihr Auto ist auch schon da!“. Man kann sie durchaus als Kriminaltouristen bezeichnen.

Was sie tun ist unfair, was sie tun ist stehlen. Sie nehmen von uns fleißigen Österreichern und behalten es sich. Einfach so!

Aber zum Glück gibt es die österreichische Rechtsstaatlichkeit. Eine Exekutive, die Verbrechen aufklärt. Und zum Glück gibt es eine Jurisdikative, die die Exekutive kontrolliert. Und zum Glück gibt es eine demokratisch gewählte Legislative (Parlament), die die Gesetze richtungsweisend progressiv im Sinne seiner BürgerInnen ändert. Alles Blödsinn. Die Grenzen zwischen Legislative und Exekutive verschwimmen weiter, die Grenzen zwischen Jurisdikative und Exekutive auch. Der Bundeskanzler entscheidet – dank Klubzwang und Koalitionsabkommen hat die Demokratie Sommerpause – seit Jahrzehnten. Der/die JustizministerIn kann nervige Staatsanwälte abberufen, das Anfüttern von Parlamentariern ist weiter erlaubt (oder zumindest nicht verboten). Resultat? Politikverdrossenheit und jedeR Fünfte wünscht sich die Diktatur (zurück). Gewaltentrennung? Direktdemokratie? Partizipation? Alles Blödsinn – und trotzdem. Uns geht es gut. Wenn die bösen Bulgaren kommen, dann stellen wir zwei oder drei Soldaten an die burgenländische Grenze, verärgern die Ungarn, steigern dafür aber das „subjektive Sicherheitsgefühl“ der Österreicher. Bei uns funktioniert die Rechtsstaatlichkeit mehr oder weniger, aber eben nur in kleinem Rahmen.

Betrachten wir das ganze doch mal im größeren Kontext. Wo ist die Rechtsstaatlichkeit, wenn Shell im Kongo für Krieg sorgt, damit sie weiter Erdöl schlürfen können? Wo ist die Rechtsstaatlichkeit, wenn die WTO wieder gegen kleine, unabhängige Länder Handelsembargos erlässt? Wo ist die Rechtsstaatlichkeit, wenn die Weltbank dringend benötigte Kredite für bedürftige Länder an schreckliche Bedingungen knüpft? Wo ist die Rechtsstaatlichkeit, wenn Deutschland sich China in Sachen Internetpolitik zum Vorbild nimmt und die freie Meinungsäußerung zu untergraben beginnt? Wo ist die Rechtsstaatlichkeit, wenn die USA ohne UNO Mandat einen Krieg beginnen? Wo ist die Rechtsstaatlichkeit, wenn die grenzenlose Globalisierung Jahr um Jahr mehr Menschen in die Armut reißt, wenn unser westlicher Konsum Kinder in die Kinderarbeit zwingt, wenn unsere Nachfrage bezahlt wird mit dem Leben anderer. Wir subventionieren unser Getreide, damit wir es am afrikanischen Markt zu Dumpingpreisen verkaufen können… und damit unweigerlich jeden eigenständigen afrikanischen Binnenmarkt im Kein ersticken. Wir erklären uns zum Export(überschuss)weltmeister und sind tatsächlich stolz darauf, an den Merkantilimus Ludwig des XVI anzuschließen. Wo ist die Rechtsstaatlichkeit, oder zumindest Ansätze daran, wenn wir mit unserer Klimapolitik 10 Prozent der Weltbevölkerung in ihrer Existenz gefährden? Wo ist sie? Ich kann sie nicht sehen. Siehst du sie?

Ich weiß, dass Menschen Rechte haben. Ich weiß auch, wann diese festgeschrieben wurden. Nach dem zweiten Weltkrieg. Ein Krieg der 60.000.000 Menschen das Leben gekostet hat. So viele verhungern jetzt weltweit in zwei Jahren (die Zahl hab ich im Kopf und sie kann falsch sein, aber wenn man ein bisschen googlet findet man Infos: http://www.wfp.org/, http://www.fao.org/, hier, hier). Wie groß muss also der nächste Krieg sein, wie tief der Schock sitzen, wie Schmerzhaft die Erfahrung sein, bis wir realisieren, dass Menschen nicht nur Rechte haben, sondern dass es dem Individum – dir und mir – auf Dauer, nachhaltig nur gut gehen kann, wenn (fast) alle diese Rechte auch einfordern (können)?

Wir regen uns auf über Kriminaltouristen, dabei ist es erst wieviele Jahre her, dass Frankreich seine letzte Kolonie aufgegeben hat? Die USA ist immer noch der weltweit größte Kriminaltourist!

„It’s easy to point fingers“ hat Obama gesagt – oh wie verdammt recht hat dieser Mann. Die Moslems, die Türken, die Polen, dir Rumänen, die SAs… und immer waren’s die anderen. Beginnen wir doch mal nachzudenken. Nachzudenken in einem größeren Rahmen. Beginnen wir zu sehen, was wir nur mit unserer Konsumgeilheit anrichten, wem wir schaden und wie effektiv wir groß von Menschenrechten reden und original nichts tun, um sie auch weltweit umzusetzen. Peinlich ist das. Peinlich, traurig, deprimierend, schmerzhaft, widerlich, unmenschlich und uns unwürdig! Schauen wir hin – bevor es zu einem dritten Weltkrieg kommt, bevor es zu einer Klimakatastrophe kommt! Wir haben noch Zeit. Ich weiß nicht ob drei, fünf oder zwanzig Jahre, aber ich will lieber gestern anfangen als heute!

Der erste, kleinste Ansatz, Anfang, den jedeR von uns leisten kann ist nachzudenken bevor wir konsumieren. Jedes mal wenn du etwas kaufst, wenn ich etwas kaufe, ist es eine Aufforderung an den Produzenten das Produkt genau so wieder zu produzieren. Genau so! Achte auf Nachhaltigkeit, achte auf Energieeffizienz, achten wir auf regional&sessional, achten wir auf wenig Verpackung, achten wir auf Bio, achten wir auf fairtrade, achten wir auf fairwork – es ist so leicht geworden. Mit geringem Aufwand kann jedeR von uns beginnen beizutragen! So easy!

http://www.bread.org/learn/hunger-basics/hunger-facts-international.html

Es muss nicht so schwer sein

Verfasst von Armin Soyka am Donnerstag, 9 Juli, 2009

Dies ist der zweite Teil zu diesem Blogeintrag (Bloghistory/Potenzial und die nötige Wertschätzung)

Der zweite Teil des einprägsamen Abends fand von 1:33 bis 3:54 des nächsten Morgens statt. Ich kam ins Gespräch mit einer jungen Dame (Alter ist ja immer relativ, sie war 22). Ins Gespräch kamen wir, weil mir höflicherweise ein Bier angeboten wurde. Dass mich die Aussicht auf ein gratis Heineken nicht erregte und ich keine Anstalten machte das Angebot anzunehmen, schien sie nachdenklich zu stimmen. Nach ein paar Minuten fragte sie: „So you don’t drink?“ – „No.“ Stille. Wenig später: „So do you smoke?“ – „No.“ Stille. Irgendwann brach das Eis und wir begannen über Vor- und vor allem Nachteile von Sucht, Drogen und Alkohol zu diskutieren. Aber in Wirklichkeit lief das Gespräch in eine ganz andere Richtung. Über die Frage, woher kommt eigentlich das Bedürfnis nach Drogen und danach, sich selber vergessen zu wollen, kamen wir sehr schnell von Drogen weg, hin zu der Frage „Wer bin ich?“. Die Frage nach dem „Wo ist mein Platz in der Welt?“. Diese Frage, die jeden mal quält und die nur von den wenigsten wirklich nach einer lebenslangen, eingehenden Suche beantwortet wird.

Lange Rede kurzer Sinn. Warum mir der Abend in Erinnerung bleiben wird:

  • Ich habe ein weiteres Mal gesehen, wie sensibel, verletzlich und desorientiert ein junger Mensch durch die visionsleere Sphaere schweben kann und gesehen wie wichtig Visionen, Ideen, Wünsche, Träume, Hoffnungen und das Vertrauen auf und Wissen um die Erfüllung eben dieser ist.
  • Ich habe ein weiteres Mal gesehen, wie Gesellschafts- sowie harte Drogen als Lösung angesehen werden und auf den Schneepflugeffekt (= vor dir herschieben) vergessen wird.
  • Ich habe ein weiteres Mal gesehen, wie schwierig es machen Menschen fällt, trotz besserem Wissen aus diesem Teufelskreis des Selbstbetrugs auszubrechen und sich auf die Suche nach dem eigenen Platz zu machen, anstatt die Frage weiterhin zu verdrängen.
  • Ich habe ein weiteres Mal gesehen, wie groß die Angst mancher Menschen vor sich selbst, vor ihrer Selbsfindung ist. Ich habe ein weiteres Mal gesehen, wie meine Ideen zur Erleichterung dieses Schrittes zur Selbstfindung zwar als gut – sogar großartig – befunden wurden,
  • ich habe aber auch ein weiteres Mal gesehen, wie mir die Umsetzung dieser Ideen aber nicht zugetraut wird.
  • Ich habe ein weiteres Mal gesehen, wie dringend es Vorbilder braucht, die bereit sind die Hand zu reichen, wo eine Hand von Nöten ist und offen, verständnisvoll und einfühlsam vorzugehen und neue Wege gemeinsam zu beschreiten.

Aus diesen zwei Stunden nehme ich vieles mit. Aber vor allem: Ich möchte versuchen ein solches Vorbild zu sein. Ich möchte den Mut aufbringen, neue Wege zu beschreiten und den Menschen in meiner Umgebung, wo immer ich sie finden kann, meine Hand entgegenzustrecken und Halt zu geben und natürlich auch selbst Halt zu finden. Visionen zu haben und sie nicht nur zu träumen, sondern zu leben. Nicht blind Ideen nachlaufen, sondern klug auch mich selbst regelmäßig hinterfragen und prüfen, ob meine Wünsche noch wünschenswert sind. Ich möchte all jene, die mir nicht zutrauen, dass ich meine Ziele erreiche, beweisen, dass „change happens“ – Veränderung passiert.

When I die, I will have changed the world.
Because change happens if you live your visions, dreams & desires!
I have visions, I have dreams and I have desires – they will have come true!
What about yours?

Für die, die sich jetzt fragen, was diese Ideen sind, wie man es (jungen) Menschen leichter machen kann, sich selbst zu finden, hier kurz ein paar skizziert (vielleicht in einem späteren Blogpost eingehender):

  • Es braucht einen gesellschaftlichen Wandel dahingehend, dass Fehler endlich als das anerkannt werden, was sie sind: Unsere größten Lehrmeister, unsere Chancen zu sehen, was wir besser machen können. Fehler müssen gemacht werden, eine makellos fehlerfreie Gesellschaft, oder eine, die danach strebt, ist ein Fehler in sich (Stichwort 90-60-90, Stichwort Six-pack,…).
  • Es braucht einen Wandel zu einer Gesellschaft, die kritisches Denken und Handeln fordert und fördert, damit alte Krustzustände aufgebrochen und kritisiert werden (können).
  • Es braucht einen gesellschaftlichen Wandel dahingehend, dass man wieder träumen darf. Träumen tut man aber nur, wenn man auf sich selbst vertraut, deshalb:
  • Es braucht einen gesellschaftlichen Wandel dahingehend, dass man als junger Durchschnittsmensch stolz auf sich sein und ein gesundes Selbstvertrauen entwickeln kann. In unserer autoritären Top-to-Bottom Gesellschaft ist das leider nur schwer möglich. Wenn Jugendliche in 18 Jahren über 150.000 mal hören, dass sie etwas nicht können, dann ist es logisch, dass junge Menschen auch nicht auf sich selbst und ihren individuellen Weg vertrauen – sondern ihre tollen Fähigkeiten darauf verwenden, sich dem Diskurs, welches denn nun ihre Fähigkeiten sind, verwehren.
  • Es braucht einen gesellschaftlichen Wandel dahingehend, dass Verantwortung wieder Spaß macht, weil sie gesellschaftlich gutiert, anerkannt und gelobt wird und damit wieder (?) als wertvolles Ziel gesehen wird. Damit Gemeinwohl auch im Kopf des Einzelnen Platz findet. Denn Gemeinschaft ist was unser aller Leben bestimmt. Wir leben in einer Fremdversorgergesellschaft in der jeder für den anderen arbeitet und jeder damit auch eine große Verantwortung übernehmen muss.

Wenn es uns gelingt, diese Werte in unserer Gesellschaft zu installieren bzw. zu stärken bin ich überzeugt, dass vielen (jungen) Menschen eine Menge Leid erspart bleiben wird. Und das ist ein Ziel, für das ich finde, dass es sich zu arbeiten lohnt!

Die Jugend von heute

Verfasst von Administrator am Montag, 15 Juni, 2009

was ich kurz notiert wissen möchte:

Heute nach dem Homoprojekt (von dem ich nachher noch mehr schreiben werde – wenn ich nicht einschlafe!) habe ich alleine all die vielen Sessel und Tische verrücken müssen, weil niemand daran gedacht hat mir zu helfen – und ich natürlich auch nicht gefragt habe, weil ich zu beschäftigt war, egal. 3 junge Damen kamen zu mir (Drittklässlerinnen, 12 Jahre alt) und haben mir unaufgefordert geholfen, so einfach: “Können wir dir helfen?” Sie waren übrigens wirklich eine Hilfe. Lustig zu werden begann es als sie Hikmets Plakate zu “Respekt für Liebe” sahen, auf denen gleichgeschlechtliche, küssende Paare abgebildet sind. (Hier der Link zu dem Bild: http://www.homophobie.at/liebeverdientrespekt/header.gif). Sie begannen zu lachen und fragten nach, was das denn sei und warum die sich küssten. Eigentlich fragten sie weniger mich, als sich selber und sie beantworteten sich die Frage(n) auch sehr selbstständig. “Das ist wenn ein Mann einen Mann liebt”, nein, das ist nicht Homosexualität, das ist schwul!” “Aber schwul und homosexuelle ist doch das Selbe!!!”
Ich habe phasziniert gelauscht und mich an dem Gesichtsausdruck, der Freude, dem Interesse dieser jungen Menschen erfreut. Ihre Ausstrahlung war phenomenal, sie haben gelernt! Aber nicht so wie wir das heute verstehen – auswendig lernen, nerviges büffeln, sie haben gelernt über den Dialog, den Polylog, sie haben sich gegenseitig das beigebracht was sie wussten. Sie haben durcheinander, voneinander und miteinander gelernt. Und sie hatten Spaß dabei – das ist das eine was ich gesagt wissen möchte.
Das zweite war, dass sie wirklich offen für jegliche Art von Andersheit. Sie fanden es nicht grauslich, dass Männer Männer lieben können, oder Frauen Frauen. Das passte wunderbar in ihr Weltbild. Das war nichts schlechtes, schlimmes oder verwerfliches. Mir fällt in solchen Momenten immer wieder ein:

“Why did we make it so hard ?
This life is so complicated
Until we see it through the eyes of a child!”

Also das zweite ist: Lass uns die Welt manchmal durch Kinderaugen sehen. Kindern gehts um 2 Dinge: Dass es ihnen gut geht und dass es den anderen gut geht! Und dafür sind sie gerne bereit Opfer zu bringen. Sie helfen wann immer sie können, sie hinterfragen die Anderen und sich selbst und manchmal, manchmal sind sie richtige Arschlöcher.
Das Dritte was ich gesagt haben möchte bezieht sich auf die Fähigkeit junger Jugendlicher (sprich 10 – 15 jährige) sinnvolles zu unserer Gesellschaft beizutragen, sowohl körperlich als auch geistlich. Diese 3 jungen Damen haben nicht nur einem Krüppel (http://is.gd/12Cey) geholfen seine Arbeit zu erledigen, sie haben sich ernsthaft mit dem Thema Homosexualität, Sexualität generell, Hunger, Friede auseinandergesetzt. Ich habe ihnen meine Aufmerksamkeit geschenkt und sie haben sie gerne genommen. Wir haben uns auf einem Level unterhalten, den ich mir bei vielen 17, 18 jährigen ersehne. Beim Hunger haben wir festgestellt es gibt genug Essen für 11 Milliarden. Wir sind auch drauf gekommen, dass es 300 Millionen Amerikaner gibt und 8 Millionen Österreicher, schließlich haben sie auf 7 Milliarden Menschen weltweit getippt (nicht so weit daneben). Die Frage die dann natürlich kam war: “Warum verhungern dann aber immer noch Menschen?” und die prompte Antwort: “Na weil das Essen nicht fair verteilt ist – das ist genau so wie Regen und Liebe”. Andere Aussage (ohne, dass ich davon gesprochen habe): “Wenn jeder ein bisschen etwas ändern würde, dann wäre die Welt so anders” – das hat ein 13 jähriges Mädl, einfach so gesagt. Ich könnte hier weiter aufzählen… Wir haben herausgefunden was sexuelle Identität ist, oder warum die Burschen in ihrer Klasse immer lachen wenn im Biounterricht über Sexualität gesprochen wird. Kurz um: Ich bin begeistert! Diese 20, vll 30 Minuten haben mir sehr viel gegeben. Und ihnen auch. Wir haben soviel gelernt voneinander und miteinander. Und gerade das zeigt mir wieder, wie falsch es ist Jugendlichen einen Freibrief zum Danebenverhalten gibt (#pupertät) (http://teacher.twoday.net/stories/5728456/), anstatt sie zu fordern, ihnen Aufgaben zu übertragen, sie einzubinden, denn sie sind fähig. Nur unser Verhalten macht Jugendliche zu dem was sie sind – Stickwort Komasaufen, Stichwort Drogenmissbrauch, Stichwort Neonazi, Stichwort Kriminalität, Stichwort Stichwort Stichwort. Diese Worte sind so abgedroschen, dass sie nicht mehr Stechen! Deswegen mein Appell – nehmt die Jungen ernst, gebt ihnen Aufmerksamkeit und lasst sie mit und an eurer Zeit, Aufmerksamkeit und Liebe wachsen – das ist der Weg den ich für meine Zukunft gehen möchte, dass ist der Wandel, den ich in der Gesellschaft sehen möchte, das ist die Welt in der ich leben möchte: Liebe, Zuversicht, Vertrauen, Hoffnung!

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