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Des Kaiser neue Kleider

Posted by on Sonntag, 18 Oktober, 2009

Reinhard Mey singt im Lied Des Kaisers Neue Kleider von Glaubwürdigkeit, Demagogie und Perversion, aber im Grunde übt er Gesellschaftskritik. Er kritisiert die Art zu urteilen, so wie ich das auch in meinem Blogeintrag Wertungskrise vom 30. Mai 2009 getan habe. In der Ankündigung des Lieds verweist er auf das Märchen von Hans-Christian Andersen Des Kaisers Neue Kleider und meint: “Und wie das nun mal menschlich ist, wollen alle zu dieser geistigen Elite gehören und sie sehen natürlich alle die Kleider, die der Kaiser gar nicht anhat und finden, dass er unglaublich schmuck darin aussieht. Das geht solange gut, bis ein Kind des Weges kommt, das mit solchen Vorurteilen noch nichts zu tun hat und das stellt fest – Donnerwetter – der Kaiser hat ja gar keine Kleider an.” Dann singt er:

“Sie gleichen sich im Grunde wie ein Ei dem anderen gleicht und wir wollen, dass sie uns verkohlen – wir glauben ja so leicht, ein bisschen Skepsis ließe sie schon völlig bloß da stehen. Man müsste sich nur angewöhnen besser hinzusehen, und ruhig lachen, wenn was lächerlich ist, und zwar laut, und wenn man auch der einzige ist, der sich zu sagen traut: Was mich betrifft, ich hab die Faxen satt, sieht denn hier keiner, dass der Kaiser keine Kleider an hat. Seht doch mal richtig hin, der arme Kerl ist splitternackt.”

Ich glaube, dass die menschliche Entwicklung für jeden von uns in dem Stadium des Kindes beginnt (begann). Von der Gesellschaft werden wir langsam an eine Mischung Kind/Kaiser/Kaufmann(frau) herangeführt, wobei gesellschaftliche Normen, wie die individuellen Lebensbedingungen über die Ausprägungen des jeweiligen Individuums (mit)entscheiden.

Momentan herrscht eine enorme Übermacht des Kaiserteiles in uns, gut vermarktet von denen, die eine starke kaufmännische Ausprägung haben. Die Kinder in unserer Gesellschaft kommen aber zu kurz.

Reinhard Mey sagt: “Ich denke wir leben in einer Zeit, in der es größere Mengen von der Sorte Kaiser und größere Mengen von der Sorte Geschäftsleute gibt, aber ich denke, es fehlt uns ein wenig an den Kindern, die des Weges kommen und sagen, seht mal her, der ist doch splitternackt.” Kind-sein ist also (und da stimme ich überein) eine wichtige und starke Qualität und Qualifikation. Ich will “Kind sein”. Viele von euch vielleicht auch, aber wir müssen dorthin kommen, den Kindesanteil in jedem von uns zu stärken, sodass er groß genug ist (was immer wir uns da für einen Maßstab im politischen Diskurs setzen) um Scharlatanen, Demagogen und falschen Gurus mit Skepsis entgegentreten zu können und sie laut anzulachen.

Besonders gesellschaftliche Normen könn(t)en (gerade von der Politik) Richtung mehr Kinder und größerem Kinderanteil in jedem beeinflusst werden. Um diese gesellschaftlichen Normen umzustellen, müssten wir uns auf das reflexive Verb und den aktiven selbstbestimmten Vorgang des Sich-Bildens besinnen und unsere Jugend stärken.

Seien wir Kinder, fordern wir andere auf, es uns gleich zu tun!

Abschließend dieses köstliche Video: Des Kaisers neues Marketing

#2PoGri – Politisches Grillen

Posted by on Montag, 28 September, 2009

“Es wird Sommer, wir spüren es alle. Gestern beim Gartenfrühlingsputz ist mir eine Idee gekommen: Essen macht Spaß, Politik auch! Warum also nicht beides verbinden?
Alle, die gerne über politische Themen / Politik bei einem Salat, Steak, (vegetarischen?) Würstel, Kuchen oder Bier diskutieren wollen treffen sich in meinem Kleingarten (17. Bezirk, 10 Minuten zu Fuß von Endstation 43, 15 Minuten zu Fuß von Endstation 41). Jeder bringt sich selbst, gute Laune, Kritik, Konstruktivität und entweder einen kleinen Unkostenbeitrag oder Essen mit und wir diskutieren 3, 4 oder 5 Stunden über diverse Themen!”

So habe ich die Idee Anfang April 2009 in der Facebookgruppe Politisches Grillen vorgestellt und einige Freunde, die ich für interessiert hielt, eingeladen. Anscheinend kam die Idee gut an und es gibt eine Menge Menschen, die da ganz meiner Meinung waren: Essen macht Spaß, Politik auch! Warum also nicht beides verbinden? Binnen einer Woche traten der Gruppe 30 Interessentinnen und Interessenten bei, mittlerweile ist die Gruppe auf über 80 Mitglieder angewachsen und mit deiner Unterstützung werden es sicher bald ein paar mehr!

Anfang Juli hatte ich dann die Zeit, das Projekt weiter durchzuplanen, und schließlich fand das #1PoGri (Abkürzung für “Erstes Politisches Grillen” – hier der Link zu dem Facebookevent statt. Die Feuertaufe war bestanden, die Resonanz (hier der Link zum Blogeintrag zum Bericht über das #1PoGri!) gut und voller Tatendrang ging ich an die Planung des #2PoGri (Facebookevent #2). Dieses ging gestern über die Bühne. Wie beim ersten mal war das Wetter einfach wunderbar perfekt, anders war der Altersschnitt – der älteste Teilnehmer war 19 (letztes mal: 2x > 50 Jahre). Hier ein Bericht zweier Teilnehmerinnen (Lena und Kathi) – ein öffentlicher Dank sei euch beiden hiermit ausgesprochen!

Bericht vom #2PoGri:

Oft will man sich mit anderen Leuten über verschiedene Themen unterhalten, möchte über politische und philosophische Fragen ein bisschen mehr Klarheit bekommen. Oder man erfreut sich einfach an spannenden Diskussionen, denen man beiwohnen kann, ohne Angst haben zu müssen, dass das Gegenüber einen nach 2 Minuten gelangweilt anstarrt und meint “Hey, wusstest du schon, dass ein neues X-Box Spiel draußen ist?“

Deswegen fand am Sonntag das 2. Politische Grillen statt. Eingeladen waren alle, die kommen wollten, egal wie alt sie waren oder wo sie politisch angesiedelt waren.
Das Eis war schnell gebrochen und man kam ins Gespräch. Die erste Diskussion entstand durch die Frage: „Sollten Direktoren die Lehrer rauswerfen dürfen?“ worauf es weiter ging mit: „Was ist ein guter Lehrer?“

Nach einer längeren Essenspause gingen die Gespräche weiter. Diesmal in 2 Gruppen geteilt beschäftigte sich die eine Gruppe mit der Frage der Abtreibung. Obwohl wir uns eigentlich alle darüber einig waren, dass ein Verbot zu nichts führen würde, gingen die Meinungen doch teilweise stark auseinander. Währenddessen wurde in der anderen Gruppe über wählen ab 16, künstliche Befruchtung, Energiesparlampen und Designer-Babys diskutiert.

Nach den ersten Aufräumarbeiten ging das Debattieren als wiedervereinte Gruppe weiter. Bei Kerzenschein entstand trotz der Kälte eine gemütliche Atmosphäre. Diesmal wurde die Trennung von Staat und Religion ins Auge gefasst. Wann endet Religionsfreiheit und wann beginnt das staatliche Gesetz? Auch Glück wurde besprochen. Was macht glücklich? Wie erhält man sich den Zustand des Glücklichseins? Später wurde über Weinen als Schwäche gesprochen. Ist es wirklich eine Schwäche, oder ist es eine emotionale Stärke, vor anderen Trauer zu zeigen?

Schlussendlich haben wir noch alle zusammen aufgeräumt und eine Feedbackrunde gemacht. Dabei kam viel Positives heraus. besonders erwähnt wurden die Diskussionen, die verschiedenen Meinungen und die neuen Freundschaften. Es war ein wirklich spannender und interessanter Tag.

Weitere Politische Grillen sind geplant, ich suche immer UnterstützerInnen, KritikerInnen und MitdenkerInnen! Solange die Überlegungen noch keine konkrete Gestalt annehmen, bitte ich dich einfach der Facebookgruppe “Politisches Grillen” beizutreten – damit bekundest du Interesse an und Solidarität mit der Idee und wirst sobald ein neues Event vor der Tür steht mit einer fast ganz persönlichen Nachricht eingeladen zu unterstützen, teilzunehmen, mitzudenken und natürlich zu kritisieren! Achja und Freunde und Freundinnen einzuladen ist natürlich auch im Sinne der Idee!

PS: Der Untertitel für das #1PoGri war “…weil in unserer Demokratie jede_r etwas zu sagen hat!“. Das #2PoGri wurde mit “... weil wir unsere Stimmen austauschen wollen!“. Für #3PoGri wird noch nach einer Unterbetitelung gesucht. Gute Ideen werden gerne kopiert! Kommentieren!