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Rauchen verbieten?

Posted by on Montag, 21 September, 2009

Gerade habe ich eine interessante Diskussion mit dem Schulfotografen geführt, den ich soeben an unserer Schule “beaufsichtige” und dafür sorge, dass immer Nachschub an SchülerInnen besteht. Naja, er meinte auf jedenfall, man sollte im dritten Stock unserer Schule (wir machen die Fotos im Zeichensaal, der eben im dritten Stock liegt) ein Raucherkammerl einrichten. Daraufhin meine mehr oder weniger geschockte Reaktion: “Sicher nicht, rauchen kann man vor der Tür, aber bitte einige Meter vom Eingang entfernt”. Schließlich hat jeder Erwachsene eine Vorbildwirkung und Rauchen ist kein Verhalten, das man weitergeben sollte. Es ist zwar verständlich, dass Menschen rauchen, erwünschtes Verhalten ist es auf jedenfall nicht. Meine momentanen Überlegungen gingen in die Richtung, zu sagen, rauchen darf man unter drei Bedingungen:

  • im Freien (damit der Stirbstängelduft schnell verschwindet)
  • alleine (damit kein Gruppenzwang entstehen kann, der “schwächere” Individuen zum Rauchen zwingt)
  • und wenn man höhere Sozialabgaben zahlt (als Kompensation für das bewusste und gewollte Risikoverhalten)

Der Fotograf, der ein coole Typ zu sein scheint, und selbst Raucher ist, meinte darauf ganz gelassen: “Warum nicht gleich verbieten?! Entweder es ist so gesundheitsschädigend, dass es nicht akzeptiert wird, oder es wird erlaubt. Ich kann mir ja auch nicht einfach einen Joint drehen. Dann gibt’s halt keine Zigaretten zu kaufen, dann tue ich’s auch nicht.”

Interessanter Ansatz, nicht bedacht ist natürlich, dass es erstrebenswert wäre, dass Menschen sich nicht selber schaden wollen. Verbieten will und kann ich das ja nicht. Außerdem würde sich dann einfach ein riesiger Zigarettenschwarzmarkt bilden, die Polizei hätte sich mit Rauchern herumzuschlagen und Sucht (die Mitleid verdient) wird kriminalisiert. Was bei Verboten passiert weiß jeder, der Kinder beobachtet hat (Volker Pisper forderte in einem seiner köstlichen Vorträge einmal, das Zähneputzen zu verbieten!). Auch hat man in den 30ern in den Vereinigten Staaten gesehen, wohin Verbote führen. Leute sollten nicht rauchen wollen. Verbieten kann ich ihnen nur, anderen nicht zu schaden. Aber da sind wir wieder bei (zu?) hohen Erwartungen an die Menschen…

Ein Lehrer, von dem ich sehr viel halte, meinte darauf, als ich ihn in die Diskussion einband (ja es gibt Lehrer, die so etwas mit Schülern diskutieren!), dass das ein großer Eingriff in die Rechte der Menschen wäre, dass sowas in den Privatbereich fiele und die Öffentlichkeit nichts angehe. Viel sinnvoller wäre es, wieder zur Monopolisierung (und Verstaatlichung) der Zigarettenindustrie zurückzukehren, so würde der Staat doppelt verdienen: Steuern + Gewinn. “Über’s Rauchen diskutiere ich wieder, wenn die Autos vor meiner Tür verboten werden!” … Womit er einen Nagel auf den Kopf trifft. Ja, auch darüber sollte man nachdenken. Die Mobilität der Zukunft kann kaum etwas mit den Autos von heute zu tun haben. Um Christoph Chorherr zu zitieren:

In naher Zukunft wird es schlicht undenkbar sein, zum Transport einer Person mit knapp 80 kg ein bis zwei Tonnen Rohstoffe, soviel wiegen heute Autos, zu beanspruchen, sowie mit Fremdenergie zu bewegen.

Da bin ich ja voll seiner Meinung. Aber zurück zu seinem Statement: Bei der gesamten Debatte handelt es sich um eine verschleierte Faschistuierung der Gesellschaft, von Leuten, die sonst nichts mehr zu sagen hätten. “Ich will nicht wissen, was für Giftstoffe die Flugzeuge, die mittlerweile in Griffnähe über mein Grundstück fliegen, da runterrieseln lassen. Und wird mir das dann angerechnet mit dem CO2-Ausstoß? Ich habe kein Auto.” Geschlossen hat er mit “Im Vergleich was sonst so los ist, wenn ich nach Vorarlberg schaue, sind das alles Marginalien”.

Ich habe wieder einige neue Impulse für meinen Raucherstandpunkt gewinnen können. Im Großen und Ganzen bleibe ich aber dabei: Wer sich schaden will, soll das tun, bekommt dafür auch gerne mein Mitleid und meine Unterstützung aufzuhören, sofern er das will, er darf aber nicht anderen schaden. Da hat die Gesellschaft einzugreifen. Unfreiwilliges Passivrauchen geht einfach gar nicht. Und das Argument “du kannst ja weg gehen” zieht nicht, denn es steht mir, als Staatsbürger, zu, mich an jedem öffentlich-zugänglichen Ort aufzuhalten, ohne vergiftet zu werden. Und Passivrauchen ist nun mal mit Vergiftung gleichzusetzen und steht nicht in Relation zu (einem!) Flugzeug, das über mein Grundstück fliegt oder einem Auto, das an mir vorbei fährt.