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SENECAS “EPISTULAE MORALES” – Epistula LVII

Posted by on Donnerstag, 1 Oktober, 2009

Stunden, ja Tage lang kann man argumentieren, ob Lateinunterricht an Allgemeinbildenden Schulen noch zeitgemäß ist. Argumente gibt es für und wider – das steht außer Frage. Klar ist für mich auch, dass ich dieses lästige Fach weder los werde noch länger genießen darf, denn dies ist mein letztes Schuljahr. Das akzeptiere ich, das ist gut so. Jetzt möchte ich das Beste daraus machen. Letztens zum Beispiel wurde ich im Lateinunterricht mit einem sehr spannenden Text konfrontiert – den zu übersetzen eine Hölle war, im nachhinein das Lesen der Übersetzung aber Spaß macht und mich zum Nachdenken bringt. Ich halte es für wichtig, sich diese Überlegungen Senecas regelmäßig in Gedanken zu rufen. Gerade in einer Zeit in der Solidarität, Gerechtigkeit und verantwortungsbewusstes Handeln uncooler denn je sind.

Lieber Lucilius,

erfreut höre ich von Menschen, die von Dir kommen, wie freundschaftlich Du mit Deinen Sklaven zusammenlebst: Das entspricht Deiner Klugheit und Deiner Bildung. Wenn wir es recht bedenken, sind wir doch alle Sklaven auf Erden: Jederzeit kann das Schicksal auch uns niederwerfen. Daher lache ich über jene, die es für unwürdig halten, zusammen mit ihren Sklaven zu speisen. Denn wenn sie sich gierig über ihre Delikatessen hermachen, sind sie von Sklaven umringt, die ihnen stehend und hungernd dabei zuschauen. Wie ich hörte, sind den Sklaven in einigen Patrizierfamilien in Rom auch die leisesten Geräusche untersagt. Sogar Husten, Niesen und Schluckauf werden mit einem Tag Fasten, wenn nicht gar Peitschenhieben bestraft. Und dann hört man vielleicht dieselben Patrizier mit betrübeter Miene seufzen: “Ach, die Sklaven sind meine größte Sorge. Besitzt du viele Sklaven, umlagern dich auch viele Feinde.” Dabei vergesssen sie vollkommen, dass eben sie, die freien Männer, es waren, die sie sich zu Feinden machten. Ich sah Sklaven, die man beim Gastmahl zwang, den Auswurf der Gäste wegzuwischen, andere, die faulige Hinterlassenschaft der Trunkenen zu beseitigen, wieder andere fungierten als Mundschenk, in Mädchenkleider gewandet, um dann, des Nachts, Knabengewänder anzulegen, um die Gelüste ihres Herrn zu befriedigen.

Mir ist nun nicht daran gelegen, wieder einmal die alte Frage zu erörtern, ob es moralisch oder unmoralisch sei, sich Sklaven zu halten. Dennoch möchte ich Dir einen einfachen Rat geben, der Dir im Leben nützlich sein kann: Behandle Deinen Untergebenen so, wie Du von Deinem Vorgesetzten behandelt werden möchtest. Denk daran, dass jener, den Du Sklave nennst, von Deiner Art ist. Er atmet wie Du, lebt wie Du, leidet wie Du, stirbt wie Du und genießt denselben Himmel wie du. Wenn du ihn gut behandelst, wird auch er Dich gut behandeln, sollte das Schicksal einmal, die Verhältnisse umkehren. Nun könntest Du erwidern, Du seist schon zu alt, um noch einmal in Ketten zu enden. Aber das ist nicht gesagt. Denke nur daran, was Hekuba geschah, Kroisos, Dareius, Diogenes oder auch Platon.

Such Dir Deine Freunde nicht nur auf dem Forum. Auch in Deinem eigenen Haus kannst Du einen Freund finden. Versuche es, vielleicht entdeckst Du in einem Wesen, das Du tagein, tagaus siehst, einen Menschen, der Dich wirklich liebt. Töricht ist jener, der ein Pferd kauft und dazu nur Zügel und Zaumzeug prüft. Und ebenso töricht ist der, der einen Menschen alleine nach seinem Äußeren und seinem gesellschaftlichen Rang beurteilt. Und hält Dir jemand entgegen: “Aber das ist doch ein Sklave”, so antworte: “Kannst du mir einen Menschen zeigen, der das nicht ist?” Der eine ist Sklave eines Herrn, ein anderer der seiner Leidenschaften, wieder ein anderer seines Geizes oder seines Ehrgeizes, und alle, wirklich alle, sind Sklaven der Angst vor dem Tod. Leb wohl.

Dein Lucius Annaeus(Seneca, Brief 47)

Der Brief hat für mich eine brennende Aktualität. Menschen gehen miteinander um in einer Art, dass man mehr kotzen möchte als man essen kann. Gegenseitig versucht man sich fertig zu machen und einander auf dem Kopf herum zu trampeln. Die Schere zwischen Reich und Arm in Österreich und auf der ganzen Welt klafft weiter und weiter auseinander, die Erwerbsarbeitsabhängigkeit verwandelt sich mancherorts schon fast in sklavische Zustände.

Der Brief soll ein Credo sein für einen menschlichen Umgang miteinander – über alle (von Menschen geschaffenen) Grenzen wie Hautfarbe, Religion, Nationalität, Ethnie, Sexueller Identität,… hinweg. Er soll eine kleine Erinnerung daran sein, dass es keinen Unterschied zwischen Arm und Reich gibt, außer ein paar Nullen auf dem Bankkonto oder der Menge an Kupfer-Nickel-Messing-Legierung im Hosensack!

NACHTRAG// Ich bin heute auf einen weiteren netten Aspekt gekommen.

Im alten Rom hat ein Senator vorgeschlagen, man sollte alle Sklaven mit einem weissen Armband versehen, um sie besser erkennen zu können. „Nein“, sagte ein weiser Senator, „Wenn sie sehen wie viele sie sind, dann gibt es einen Aufstand gegen uns.“

Wird es auch uns irgendwann so ergehen? Wird die Spanne zwischen Arm und Reich, zwischen Recht erzwingen und Recht erdulden, zwischen Tätern und Opfern irgendwann so groß, dass es zu Aufständen kommen wird? Ist das erstrebenswert? Und wird jemand auf die Idee kommen, dass wirtschaftlich versklavte Präkariat (das ist der neue Ausdruck für Unterschicht/Proletariat, damit sie nicht überreißen, dass von ihnen die Rede ist!) zu markieren? Wird es zu Ausschreitungen kommen, die über Paris (2005) oder Athen (2008) hinausgehen? Perspektivenlosigkeit war bei beiden Ausschreitungen die Ursache. Im Nationalsozialismus wurden Juden markiert. Damals stellten sie eine absolute Minderheit dar (nur 0,75 Prozent der deutschen Bevölkerung waren 1933 Juden), weswegen es wohl zu keinen erheblichen Aufständen kam.

Inspiration for the day

Posted by on Samstag, 26 September, 2009

It’s still dark outside. It’s 25 past 6 and it’s cold and I’m deeply moved and inspired for the day to accomplish big things. I got up at 10 past 5 because I wanted to use my day. Make something out of it. I was fighting to get up. It wasn’t easy but it worked. I dressed, and five minutes later I was out on the streets. Running. I like to go out for a run when it’s dark and cold. You always observe new things and meet new people – and still you are by yourself. Time for you to do what you want to do. No obstacles. It was a good decision.

When I go on a run, I sometimes feel like taking my iPod, sometimes not. Today I did feel like taking it. When I take it I usually watch ted-podcasts.

TED is a small nonprofit devoted to Ideas Worth Spreading. It started out (in 1984) as a conference bringing together people from three worlds: Technology, Entertainment, Design.

Our mission: Spreading ideas.
We believe passionately in the power of ideas to change attitudes, lives and ultimately, the world. So we’re building here a clearinghouse that offers free knowledge and inspiration from the world’s most inspired thinkers, and also a community of curious souls to engage with ideas and each other.

To learn more about TED just go to it’s website http://ted.com.

So today I went out for a run and I listend to another amazing ted talk. There are so many, but this one was so impressive, I got to share it!

It was held by a guy named Bill Strickland – probably non of you will know him. And he told his story. Who he is, where he came from and where he is going. He decided to build a school. A school in the poorest part of Pittsburg. His concept:  “If you get kids flowers, if you give ‘em food, and get them sunshine and enthusiasm you can bring them right back to life!” He says it’s all about appreciation. It’s about caring about others and believing in them so they can learn to believe in themselves. It’s an important message. But it wasn’t the only one. He said so many amazingly inspiring things that I urge each one of you: Listen to this guy. Take 30 Minutes of your lifetime to listen to a man who made a difference, who is willing to show everyone who wants to see how to make a difference yourself. It is one of these messages we need. It is so impressive to see how one man can make this kind of a difference.

To convince you, I copied some quotes from the speech:

  • “There is nothing wrong with the (poor) kids – On average I get 80% of them to college, when 4 years ago they couldn’t read.”
  • “If you treat kids like a human being, they are very likely to behave like one”
  • Showing a beautiful artwork: “Children, who the entire world has given up on – thats what they did!
  • “…and there are no differences between white and black mothers! Mothers will come where their child is celebrated!”
  • “You have the way people think of themselves before you can change how they behave…”
  • “The only thing that is wrong with poor kids, is that they don’t have any money – but that’s something we can change!”
  • “I believe that the world is a place that’s worth living in. You have to tell them: I believe in you! I belive in your hopes and your dreams, I believe in your intelligence and in your enthusiams.”
  • “We won’t make it as a country unless we can turn this (education, poverty) thing around!”
  • “In Pennsylvania it costs about 60 thousand dollars to keep people in jail, but it’s only 40,000 dollars to send them to medical school! It’s actually 20,000 dollars cheaper to send people to university, than keep them in prison!”
  • “We can build these centers all over the country, in every city and village, for less money than we spend on prison!”
  • And he closes his speech with a revolutionary idea: “The solution to the depression is to make a friend in every town – then you’ll never be alone. I hope that I met some tonight!”

This is one of the best ted-talks I have ever seen and it inspired me to spread this idea. If you like it copy the video’s URL, send it to your friends, twitter it, facebook it, talk about it and think about what he said, and how you can make a difference in your world!

The direct link to the video is http://ted.com/index.php/talks/bill_strickland_makes_change_with_a_slide_show.html

On his webseite (bill-strickland.org) he asks “Can one entrepreneur save the world?” and the title of his book answers it: “Make the impossible possible”

By the way, by now it is 10 past 7, the sun is shining and even some birds are singing! What a wonderful world!