In dem Blogbeitrag “Isabella erzählt” habe ich unter anderem angedacht, ob man die Lehrer – Schüler – Beziehung durch Duzen nicht verbessern könnte.
Hinterfragen wir den Umgang zwischen Lehrern und Schülern. Warum muss es einen mächtigen Lehrkörper und einen unwissenden Schüler geben? Warum steht nicht das gemeinsame lustvolle Lernen im Fordergrund (geleitet und moderiert von Pädagogen). Warum muss man Sie sagen? Warum wird der Respekt nicht erarbeitet sondern erzwungen? Führen durch Vorbild oder durch Angst, das sind denke ich die zwei Optionen!
Pia hat daraufhin kommentiert und gemeint, dass das doch in der Neulandschule schon gang und gebe sei.
Ich muss sagen, ich war ziemlich erschreckt, als ich das das erste mal miterlebt hab, irgendwie ungewohnt…hab aber leider keine Ahnung wie das die Schüler sehen, vll hast du ja mal die Gelegenheit einen Neulandschüler darüber auszufragen.
und mit ihrem Nachsatz sollte sie recht behalten!
was ich dir aber garantieren kann, ist, dass trotzdem genug Schüler Angst- und Hassgefühle gegenüber manchen Lehrern haben…
Heute erhielt ich ein Email mit einer Stellungnahme einer solchen Schülerin, ich möchte sie hier veröffentlichen. Sie ist wertvoll und sollte gelesen und diskutiert werden! Solche Impulse sind wertvoll! Die Autorin möchte lieber anonym bleiben, danken möchte ich ihr trotzdem, für die Zeit, die sie sich genommen hat und für die Ehrlichkeit, zu der sie sich durchgerungen hat!
Was eine Ex-Neuländern zu sagen hat…
Ich weiß nicht, ob es jemanden interessiert, was ich über die Neulandschule zu sagen habe, aber als ich gelesen habe, was Pia geschrieben hat… naja, da musste ich mich einfach melden.
An sich mache ich alles um die Jahre, die ich dort war zu vergessen, verdrängen und zu leugnen. Ich war dort nie. Ich hab mit denen nichts zu tun. Und doch. Ich war Schülerin dieser Anstalt und kann mich nicht davor verstecken. Hierzu möchte ich nur sagen, dass ich Gründe hatte Schule zu wechseln.
Unter anderem auch der fehlende Respekt zu den Lehrern. Beschimpfungen wie “du Arschloch” und “Schleich dich” gehörten zum Alltag. Der Direktor sah zu oder sah weg, gebot aber den Schülern keine Respektperson, “Ludwig” war einfach nur anwesend. Auch wenn es wirklich einmal so ausartete, dass jemand zum Direktor gebeten wurde, dann sah diese Aufforderung meist so aus: „Geh sofort zum Ludwig“ und war nicht wirklich hilfreich.
Zudem kam die schreckliche Unfähigkeit (vor allem auch menschlich) der Lehrer. Ich konnte nicht einmal diskutieren, wenn ich mit einer Beurteilung nicht zufrieden war. “Ich finde das von DIR nicht in Ordnung” bringe ich nicht über die Lippen. Die Lehrer hatten Möglichkeiten Schüler fertig zu machen, durch subtile Art und Weise wurde so mancher zum Durchfallen gezwungen. Eine Diskussion über die Fairness von Noten wurde meist im Keim erstickt, da jeder Schüler der in seiner Verzweiflung begann mit „Das können Sie doch nicht…“ oder „Aber Sie haben doch gesagt“ auf freundliche oder weniger freundliche Art hingewiesen wurde, Du zu sagen.
Wenn es um Projekte ging, und sich tatsächlich einmal ein Außenstehender in die Schule wagte, wurde dieser sofort auch geduzt, schließlich befand man sich ja in der Neulandschule. Ich kam damit nie klar. Mich irritiert es, einem stockfremden Erwachsenen „Du“ zu sagen. Ja ich hasse, wie viele Leute, die Unterteilung in „Du“ und „Sie“, durch die schon so manches Missverständnis entstanden ist. Dennoch: Die Deutsche Sprache unterteilt nunmal in „Du“ und „Sie“. Ich finde, wir sollten uns damit abfinden und nicht krampfhaft versuchen das „Du“ zu vereinheitlichen.
Vielleicht habe ich auch deshalb die Umstellung ins „Sie“, die mit meinem Schulwechsel verbunden war leicht geschafft. Vielleicht auch, weil ich mit der Schule nichts mehr zu tun haben wollte. Fakt ist, dass ich es lächerlich finde Schülern einen liebevollen Umgang mit Lehrern geben zu wollen, in dem man sie die Lehrer duzen lässt. Lehrer können Schüler fertig machen und zum Weinen bringen, auch wenn sie „Christa“ oder „Ruth“ heißen. Man heuchelt dadurch nur eine falsche Herzlichkeit, ein Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern, das es in Wirklichkeit nicht gibt. Herzlichkeit und Vertrauen kann man nicht erzwingen, es geht von der Persönlichkeit der Lehrer aus und nicht von deren Anrede.
Abschließend kann ich nur sagen, dass ich persönlich die Idee toll fand. Ich dachte, es würde wirklich nutzen, war überzeugt, dass dadurch keine Tyrannen unterrichteten. Nun, ich wurde eines besseren belehrt und aus Erfahrung und Überzeugung lehne ich daher ab, dass das „Sie“ zum „Du“ wird.