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Wochenende.

Posted by on Montag, 19 Oktober, 2009

Dieses Wochenende war hochproduktiv. Vom einen zum anderen und zwischendrin auch vieles erledigt. Hier eine “kurze” Zusammenfassung der Highlights: Die Tante, Herr Lehrer, Consulting Agent, Psychotante, ichkandidiere, arminsoyka, #grünerkonvent, Schülerin und Maslow.

Die Tante. Aus Kindergarten Zeiten werden sich die meisten noch erinnern. Da gab’s immer diese netten Tanten. Die waren total lieb, außer wenn sie was verboten haben. Am Freitag hatte ich die Chance mit so einer “Tante” zu reden. Mittlerweile gibt es übrigens keine Tanten mehr. Die heißen jetzt KleinkindpädagogInnen. Und ab und zu gibt es sogar männliche Exemplare, die heißen dann Kleinkindpädagogen. Die hatte so einiges zu berichten. Sie verdient in etwa 1200 Euro netto. Das ist nicht mehr als man beim Billa kassiert. Genaugenommen weniger. Die Anstrengung wird wohl in etwa gleich sein. Beim Billa arbeitet man erfahrungsgemäß wohl eher etwas über 40 Stunden, dafür hat man keinen durchschnittlichen Lärmpegel von 60 dB. Schaut man sich aber die Verantwortung an, die so eine Kleinkindpädagogin trägt, ist die Entlohnung eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Die ersten drei Jahre sind die prägendsten für ein Kind und legen den Grundstein für seine weitere Entwicklung. Die folgenden drei sind in etwa nochmal so wichtig. Die meisten Kinder gehen im Alter von 3 – 6, einige schon früher, in den Kindergarten. Hier kann man sehr vieles falsch machen, aber auch vieles richtig. Für das Geld von 1200 Euro monatlich wird man (trotz jeder Begeisterung für Kinder und Erziehung) nur wenige junge Menschen für diesen anstrengenden Beruf begeistern. Dazu kommt die unzureichende Ausbildung. Ja, in der Kindergartenschule hat man Didaktik. Und auch Pädagogik. Man macht Praktika und überhaupt viel mehr als Volksschullehrer oder gar Gymnasiallehrer. Auf die Frage, ob man auf 13 Kinder vorbereitet ist, wenn man aus der Schule kommt, gibt es eine klare Antwort: Nein. Neben der schlechten, ja lächerlichen Entlohnung sind auch die Arbeitsbedingungen einfach schlecht. Zu viele Kinder auf zu wenige PädagogInnen und schlechte Ausbildung motiviert nur wenige sich diese Hacken anzutun. Ein Beispiel kann ich auch noch bringen: Die Interviewte hatte zu zweit mit einer Praktikantin 23 Kinder zu betreuen – davon 2 ohne jegliche Deutschkenntnisse (einmal Russisch, einmal Türkisch) und drei Kinder mit Wahrnehmungsstörungen (können nicht alleine Essen, spielen drei Spiele gleichzeitig…). Zur Ausbildung ließe sich noch so einiges sagen. Aber ich belasse es bei diesem Input: “In Schweden beispielsweise sehen sich Erzieher als Lehrer. Das Personal hat Abitur, die meisten auch ein Lehramtsstudium mit dem Schwerpunkt Kindergarten/Vorschule.” “Für Kindergärten in Finnland gilt beispielsweise folgendes: Die leitenden ErzieherInnen haben Abitur und ein Hochschulstudium.” “Kindergartenpädagogik in Ungarn ist seit Jahrzehnten ein Hochschulstudium.” Wir haben in Österreich flächendeckende 15 Pädagogische Hochschulen – warum lassen wir unsere KleinkindpädagogInnen nicht dort ausbilden (nachdem wir sichergestellt haben, dass die Lehrinhalte passen), zusammen mit Volks-, Haupt- und SonderschullehrerInnen? Sind uns unsere Kinder und unsere Zukunft das nicht wert?

Herr Lehrer. Die heißen auch immer noch so. Und auch so einen habe ich am Freitagabend getroffen und ausgefragt. Er geht auf die Kirchliche Pädagogische Hochschule der Diözese St. Pölten in Krems und lässt sich dort zum Volksschullehrer ausbilden. Impuls, den er hatte: Von etwa (wenn ich mich recht erinnere) 200 Studierenden sind in etwa 4 – 10 männlich. Scheint als ob wir es noch immer nicht schaffen für mehr (50 Prozent?) attraktive Angebote zu machen.  Auf die Frage, warum Männer anscheinend nicht zu begeistern sind, antwortete er: “Männern geht es mehr ums Geld. Die wollen die Karriereleiter hinaufsteigen und Ruhm und Ehre.” Was steht dahinter? Unsere gesellschaftlichen Werte! Was vermitteln wir? Was ist uns wichtig? Und wem geben wir Anerkennung? Den karriere-, macht- und geldgeilen Papas, die nie zuhause sind? (Und was wollen die Söhne dann werden?) Oder wollen wir Sozialberufe anerkennend loben und den Dienst am, für und mit dem Menschen in das Zentrum stellen. Das sind Fragen, die die Politik zu klären hat. Tut sie aber nicht! Eins ist klar: Auch Jungen im Volksschulalter brauchen (männliche) Vorbilder. Die Frage ist, welche geben wir ihnen?

Consulting Agent. Die Krise ist vorbei (bevor sie richtig begonnen hat). Optimistische Stimmen regen sich. Spannende Gegenstimmen (eigentlich Singular) durfte ich den Aussagen eines Firmenberaters, mit dem ich am selben Abend sprechen durfte, entnehmen. Er macht regelmäßig 300.000 Euro Projekte und fliegt durch ganz Europa. Als Gegenleistung spricht er mit Firmenvorständen und schwört sie auf harte Zeiten ein. “Vergesst was die so genannten Experten sagen, vergesst was die Politik sagt. Was passiert, wenn ihr nächstes Jahr 30 Prozent Umsatzeinbußen habt?” Die Frage hat er in den letzten Monaten mehrfach gestellt. Und herunterfallende Kiefer und schiefgelegte Köpfe gesehen. Damit rechnet keiner. Die Krise ist – seiner Meinung nach – aber noch lange nicht vorbei. Sie hat noch nicht mal richtig begonnen. Da ist Sparen angesagt (!?!) (nachdem die Milliarden für Bankenrettungssysteme aufgewendet wurden).

Psychotante. Auch mit einer solchen durfte ich mich unterhalten. Mit ihr habe ich über Maslows Bedürfnispyramide gesprochen. Interessiert hat mich das, weil ich diese Woche wieder mit der Argumentation zu kämpfen hatte, dass es einfach Menschen gäbe, die einfach faul seien und keine Lust hätten zu arbeiten / etwas zu tun / etwas anderes zu tun als vor dem Fernseher herum zu gammeln.  Herr Malsows Theorie, habe ich weiter unten ausgeführt, außerdem ist die Ausführung von glücksarchiv.de sehr verständlich, auch Wikipedia ist gewohnt interessant. Die Frage, die ich in meinem Gespräch klären durfte: Gilt die Theorie immer noch?  Die Antwort fiel sehr eindeutig aus. Ja, sie ist nach wie vor eine der grundlegendsten Theorien in der Psychologie. Sie wurde in den letzten Jahren von verschiedenen Richtungen (Wirtschaftspsychologie, Entwicklunspsychologie) aufgefasst und erweitert (genauere Unterteilungen usw.), nicht aber grundlegend verändert. Warum es Menschen gibt, die trotzdem “nichts aus sich machen”? Zwei mögliche Antworten: 1.) Erlernte Hilflosigkeit (bitte lesen, hoch spannend und einfach erklärt!), 2.) Sie machen eh etwas aus sich, nur nicht in meiner/deiner Wertungsskala. Ersteres ist eine Aufforderung an Politik wie Gesellschaft Rahmenbedingungen (in Schule, Beruf wie Freizeit) zu schaffen, die das Erlernen von Hilflosigkeit erschweren. Hier gibt es sehr viel zu tun. Schule zum Beispiel lehrt vieles Wichtige nicht, dafür Hilf- und Machtlosigkeit. Generell hat unsere Gesellschaft hier viel zu tun. Stichwort Depressionen.

ichkandidiere. Der Samstag brachte viele Stunden vor dem Computer mit sich. Ich habe endlich meine Kandidaturseite auf ichkandidiere.at fertiggestellt. Ich freue mich dort auf Fragen! (ganz leicht via facebook, openid oder gruene.at)

arminsoyka.at – Auch meine Webseite ist endlich fertig. Überschlagsmäßig sind 150 Stunden mindestens hineingeflossen. Das Ergebnis kann sich meiner Einschätzung nach sehen lassen. Diese Erkenntnis deckt sich mit erstem Feedback. Hiermit also eine weitere Aufforderung, zu kommentieren und kritisieren. Der Feedbackbutton funktioniert! Über beides habe ich auch schon gebloggt.

#gruenerkonvent. Am Sonntag war ich beim Grünen Konvent. Ich habe von dort 13 Livetweets abgesetzt und werde auch noch weiter darüber bloggen. Mein Eindruck war sehr sehr positiv. Auch wenn die Diskussionsrunden mit 20 Minuten leider zu kurz waren, waren viele interessante Leute da. Themen gab es genug. Hervorzuheben ist meiner Meinung nach die Wärme und Offenheit, die alle ausgestrahlt haben, mit denen ich zu tun hatte. Nichts von der über #gruenevw oft kommunizierten Kälte, Ablehnung oder Vorurteilen.

Schülerin. Ein hochspannendes Gespräch durfte ich gestern Abend mit einer Freundin führen. “Sag mal Armin, du bist doch gerade dabei in die Politik zu gehen. Hast du nicht Lust mir das zu erklären?” “Ja, was denn?” – “Na alles!”. So begann das Gespräch, das extrem interessant und eine gute Wiederholung meines Wissen über unsere Staatsfunktionen war. Wir haben uns von der Verfassung als Urregelwerk zu den fünf Staatsprinzipien (Demokratie, Republik, Bundesstattlichkeit, Gewaltentrennung und das letzt vergesse ich immer), zu den drei Ästen der Verwaltung (Exekutive, Legislative, Judikative), zu den Kontrollinstanzen und -möglichkeiten gearbeitet. Haben über Kompetenzverteilung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden gesprochen und haben Probleme, wie das Verschwimmen der Grenzen zwischen Exekutive und Legislative (Klubzwang, EU) angerissen. Weiter sind wir nicht gekommen. Wahlrecht (aktives, passives, mehrheits, relatives,…), EU, Menschenrechte, Erlässe und vieles, vieles mehr haben wir nicht angerissen. Dazu fehlte die Zeit. Aber das war auch gar nicht, obwohl sehr spannend, das Wichtige. Wichtig war es einmal mehr zu sehen:

  1. Es gibt ein Problem: Viele junge (und auch ältere) Menschen wissen nicht, wie unser politisches System funktioniert.
  2. Anstatt, wie sie, nachzufragen, behaupten viele, es würde sie nicht interessieren.

Diese zwei Probleme müssen wir, wenn uns unsere Demokratie etwas wert ist, lösen. Und hier geht es in keinster Weise um Schuldzuweisungen! Es gibt ein Problem. Das Problem muss gelöst werden. Schnell! Junge Menschen müssen für Politik begeistert werden. Nicht (nur) weil die Demokratie auf der Partizipation aufbaut und wer sagt “Politik interessiert mich nicht”, damit unser System kaputt macht. Sondern weil es spannend ist! Weil es wichtig ist! Weil es lehrreich ist!  Also ein Lockruf an all jene, die meinen, sie seien nicht in der Lage etwas zu bewegen: das stimmt nicht. Veränderung passiert in dem Moment, in dem man etwas tut! “Because change happens if you live your visions dreams & desires!” Ein Aufruf an all jene, die meinen, das System sei zu komplex: Trau dich fragen. Informier dich. Halt dich am Laufenden. Nerv deine Lehrer. Deine Freunde. Deine Bekannten. Es gibt zahlreiche Quellen, sich ein Bild zu machen! Ein Zuruf denen, die das System heute machen: Wir brauchen mehr Politische Bildung in der Schule. Wir brauchen projektorientiertes Arbeiten. Wir brauchen Lehrer, die sich mit den Themen auskennen! Ein Aufruf an all jene, die das politische Bild prägen, an die PolitikerInnen und Partein: Geht auf Menschen zu. Bindet sie ein. Seid offen. Fordert Unterstützung ein. Diskutiert. Argumentiert. Und hört auf, Volksverarsche zu betreiben. Lasst eure politischen Spielchen sein. Macht partizipative, zukunftsorientierte Politik – egal welche Farbe! Und ein Ruf den Eltern entgegen: Bringt euren Kindern Fragen bei. Ja, das ist anstrengend. Aber wie, wie sollen sie es lernen, wenn sie es nicht früh üben?

Maslow. Herr Maslow hat 1962, vor über 45 Jahren, eine Theorie aufgestellt. Er meinte, dass Menschen verschiedene Schichten von Bedürfnissen hätten. Die unterste und elementarste Stufe sind die Körperlichen Bedürfnisse wie Durst, Hunger, Sexualität, Schlaf, Bedürfnis nach Bewegung / Anregung / Erregung / Ruhe, Schutz vor Witterung. Maslow meinte, dass wenn jeweils eine Stufe der Bedürfnisse befriedigt sei, wende sich der Mensch der Nächsten zu. Die zweite Stufe sah Maslow in den Sicherheitsbedürfnissen. Menschen wollen Dinge wie Stabilität, Zuverlässigkeit, Regeln, Ordnung, Gesetze und Grenzen, Freiheit von Angst / Bedrohung / Chaos, Schutz der Existenz, des Arbeitsplatzes und Eigentums, Altersvorsorge, Gesundheit. Ist auch das sichergestellt legt ein gesunder Mensch sich Maslow zufolge aber nicht vor den Fernseher. Er möchte mehr. Er versucht Soziale Bedürfnisse zu befriedigen. Er möchte Zuneigung, Kommunikation, Kontakt, sucht nach Akzeptanz der eigenen Person, will Liebe, Geborgenheit und “dazu gehören”. Er hat eine Abneigung gegen Einsamkeit / Ablehnung / Fehlen von Freunden und versucht solche Zustände zu beenden. Aber auch dann – so Maslow – lehnt sich das berechenbare Wesen Mensch nicht zurück. Es will mehr. Denn es hat ein Bedürfnis nach Achtung. Stärke, Erfolg, Tüchtigkeit, Macht und Wissen, Anerkennung, Prestige, Status, Aufmerksamkeit, Bedeutung, Respekt, Selbstbestätigung, „differenziert sein von anderen” ist das nächste Ziel, das er anstrebt. Hat man diese vier Grundstufen an Bedürfnissen befriedigt, könnte man meinen, der Mensch hat alles erreicht, was es so zu erreichen gibt. Man ist reich, stark, individuell und eigenständig. Hat Essen, Sex und ein Dach über dem Kopf. Ist abgesichert für die Zukunft und hat ein (starkes) soziales Netz. Aber Maslow sagte nein, da gibt es noch etwas anderes. Dieses “mehr” nennt sich Selbstverwirklichung: Volle Ausschöpfung und Entfaltung des im Menschen angelegten Potentials und das Ausleben der Einzigartigkeit. Weltverständnis, Spontanität, Natürlichkeit, Zielorientiertheit, Wunsch nach Alleinsein, Autonomie, Aufgeschlossenheit, Gemeinschaftsgefühl, Kreativität, Individualität, Selbstentfaltung, Selbstwertgefühl, Gestaltung des eigenen Lebens und der Umwelt, Ausschöpfung des eigenen Potentials. Für mich klingt dieses Modell soweit nachvollziehbar, logisch und richtig. Maslow bringt die verschiedenen Bedürfnisse in eine hierarchische Anordnung (die Maslowsche “Bedürfnispyramide”). Die höheren Bedürfnisse innerhalb der Hierarchie werden erst dann wichtig bzw. verhaltenswirksam, wenn die darunterliegenden Bedürfnisse befriedigt sind. Die physiologischen und Sicherheitsbedürfnisse (auf den untersten beiden Stufen der Bedürfnis-Hierarchie) haben Priorität und höchste Motivationskraft, solange sie unbefriedigt bleiben. Die Bedürfnisse einer höheren Ebene können nicht motivieren, solange Bedürfnisse der unteren Schichten nicht angemessen befriedigt sind. Soweit zu Maslows Theorie. (Ich habe mich bei der Auformulierung der Ausführung von glücksarchiv.de bedient, die überhaupt eine sehr empfehlenswerte Seite ist, auch Wikipedia hat nicht wesentlich mehr zu dem Thema zu bieten.)

Ficken!? Endlich Klartext reden!!!

Posted by on Donnerstag, 24 September, 2009

Ficken!? Endlich Klartext Reden!

Ficken!? Endlich Klartext reden!

Sexualität ist etwas sehr persönliches. Mit ihr kommt viel Verantwortung. Sie ist aber auch ein wichtiger Teil jedes Menschen. Gefahren wie Krankheiten und ungewollte Schwangerschaft stehen Chancen wie persönlichkeitsstabilisierende, gesundheitsfördernde und befriedigende Faktoren gegenüber. Die Verantwortung zu tragen ist nicht immer leicht. Schon gar nicht, wenn man nicht (oder kaum) darauf vorbereitet ist (wird?). Daher bin ich sehr froh, dass die AKS (Aktion Kritischer SchülerInnen, Gegenspieler der (schwarzen) Schüler Union) und (rote) die SJ (Sozialisitische Jugend) sich das Projekt “Ficken!? Endlich Klartext reden!!!” einfallen haben lassen. Die Forderung nach einer Überarbeitung des Aufklärungsunterrichts in der Schule ist richtig wie wichtig und eine tiefgreifende öffentliche Debatte steht dringend an. Denn, wie Iris Schwarzenbacher, eine der Mitinitiatorinen, in diesem Interview ganz richtig sagt: “Jugendliche gehen ganz anders mit Sexualität um als das in der Schule thematisiert wird.” Hier muss dringend überdacht werden, was von wem wann wo unterrichtet wird. Aufklärung auf Bravo – Niveau ist zwar momentan wohl mehrheitliche Realität, kann aber nicht das anzustrebende Ziel sein. Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der ein offener, ehrlicher Umgang mit Sexualität herrscht. Ich schließe mich damit diesen Forderungen der AKS und SJ an:

  1. Sexkoffer neu – moderne und neue Lehrmaterialien für den Sexualkundeunterricht.
  2. Pflichtgegenstand “Sexualpädagogik” – mit externen speziell ausgebildeten TrainerInnen
  3. Lehrstuhl für Sexualpädagogik an Unis und in der LehrerInnenausbildung
  4. eine Sexualität ohne frauenverachtende Pornobilder
  5. die Thematisierung von Homo-, Bi- und Transsexualität im Unterricht
  6. das Tabuthema Sexualität durchbrechen

Einen Punkt nehme ich aus, weil ich ihn für falsch und nicht zielführend halte (“Kondome gratis in Schulen und die Pille danach flächendeckend und rezeptfrei!“).

Weitere Infos zu der Forderung gibt es übrigens:

Super Aktion, aber was mich extrem stört ist die Aussage in dem Flyer, den ich heute auf meinem Sitzplatz vorfand (oben abgebildet):

Anstatt wie Kirche oder ÖVP dafür zu beten, das (sic! Rechtschreibfehler!) Jugendliche keinen Sex vor der Ehe haben, braucht es…

Ich kenne keinen einzigen ÖVP’ler, der dafür betet, dass Jugendliche keinen Sex haben. Das ist billigstes Schlechtmachen des politischen Gegners auf der tiefsten Ebene. Ihm zuerst Überzeugungen in den Mund zu legen (die ÖVP will nicht, dass Jugendliche Sex vor der Ehe haben) und diese unwahre Behauptung dann zynisch lächerlich zu machen (wie lächerlich, die beten dafür!) so frei nach dem Motto: “Die glauben womöglich sogar noch an etwas!” ist echt daneben. Man kann ja auch bei der desillusionierten Politik der SPÖ nicht gerade glauben, dass die an ihre Werte glauben!

Ich sage nicht, dass ich große Sympatien für die ÖVP hege. Ich bin mit vielem, was gemacht wird, nicht einverstanden und auch die grundlegenden Ideale der ÖVP sagen mir deutlich weniger zu als die anderer Parteien. Trotzdem. Im Grundsatzprogramm (hier Link zum PDF) der Schwarzen steht zum Beispiel:

Wir bejahen Familienplanung im Sinn verantworteter Elternschaft und fordern rechtzeitige und umfassende Erziehung dazu und Beratung darüber. (Seite 19, 7.1. Schutz des Lebens, Punkt 2)

Genauso lassen sich dort Aussagen finden wie:

Junge Menschen sollen ihre Lebensbereiche eigenverantwortlich gestalten.

Das sind nicht die einzigen vielversprechenden Aussagen. Davon gibt es mehrere. Mit der ÖVP könnte man hier einen Partner, einen Mitstreiter und eine absolute Mehrheit im Parlament gewinnen, um diese wichtigen Forderungen umzusetzen. Anstattdessen macht man sich lustig und verbreitet Unwahrheiten! Schade, dumm, kontraproduktiv ist das in meinen Augen!

Diese Idee hat es nicht nötig, andere schlecht zu machen. Sie strahlt nicht nur, wenn andere mit Schmutz bespritzt wurden, sie hat auch so absolut Anspruch gehört zu werden!

Ich hoffe hier ändert sich noch etwas.

PS: In die rechte obere Ecke des Bildes hat sich die Sommerticket Werbung der ÖBB verirrt, weil sie einander so ähneln =)

PPS: Ja ich bin mir bewusst, das der Titel dieser Kampagne und des Blogbeitrags sehr plakativ ist. Und ich bin mir auch nicht sicher, ob das gut so ist. Ob es nicht besser wäre mit irgend einem langweiligen, faden Titel aufzuscheinen, der bei niemandem die Alarmglöcken läuten lässt. Wenn du Meinungen dazu hast poste sie, ich bin offen dafür und freue mich darüber!

EDIT:// Nachtrag: “In einer Studie der Universität Koblenz-Landau wurde im Jahr 2000 bekannt, dass 82 Prozent aller Katholiken und 81 aller Protestanten den Geschlechtsverkehr als wichtig ansehen.” – http://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechtsverkehr

Eindrücke aus dem öffentlichen Raum

Posted by on Donnerstag, 10 September, 2009

Heute wieder, ich habe ja schon zwei mal über solche Begebenheiten geschrieben, habe ich interessante Menschen kennen gelernt. Einfach so – also weil ich auf meine Umwelt eingegangen bin.

Zuerst, direkt nach der Schule, bei der Straßenbahnstation. Ein Mädel hält die Staßenbahn auf, eine Mitt-60-erin beginnt undeutlich zu fluchen. Ich frag’ nach, was sie so aufregt, sie meint, da die deppaten Kinder. Können doch nicht die Straßenbahn aufhalten. Nagut denk ich mir, ist in Ordnung. Und wirklich, die Straßenbahn hatte die Grünphase, sie sie ohne das motivierte Kind, noch erwischt – war nicht richtig, war nicht toll, ob man sich darüber so aufregen muss oder nicht, darüber lässt sich streiten, Schwamm drüber. Aber die nächste Aussage, die hat mich wirklich zum Grübeln gebracht. “Sollen zu Fuß gehn, die Deppaten” “Bitte was?” “Na die soll’n zu Fuß gehen die Kinder, sind alle faul!” Grobe Verallgemeinerung, nicht zulässig, aber der Spaß geht weiter. “Als ich Jung war, gab’s auch keine Straßenbahnen, da bin ich ein-einhalb Stunden zur Fuß gegangen. In der Nachkriegszeit gab’s das alles nicht. Da hatten wir nichts.”

Bei dieser Argumentation dachte ich mir dann nicht mehr Schwamm drüber. Da wollte ich was erwiedern und das tat ich auch, mit dem Resultat, dass sie noch zweimal beteuerte, dass sie immer noch kilometerweit zur Fuß ginge und dass die heutige Jugend einfach nur zum Vergessen sei und sich dann von der Bank erhob und weg ging, undeutlich gestikulierend und mit finsterer Mine. Schade eigentlich, dass Menschen so verbittert sein können. Dass ihr Leben ihnen so unfair mitspielen kann, dass sie so knausrig werden. Und so uneinsichtig, dass nichteinmal das beste und logischste Argument sie zum Nachdenken bringt. Mein Argument war wirklich simpel: “Sollten, weil vor 2000 Jahren die Menschen mit 40, 50 gestorben sind, auch heute alle Menschen in diesem Alter sterben? Oder sollten wir dankbar sein für die technischen, hygenischen, praktischen Entwicklungen, die wir Menschen über die letzten Jahrtausende, Jahrhunderte, Jahrzehnte, selbst Jahre gemacht haben? Sollen, weil Sie in Armut aufwachsen mussten, alle Kinder in Armut aufwachsen müssen? Oder können sie stolz sein, dass dem jetzt nicht mehr so ist?”

Schade.

Die andere Begebenheit war eine sehr andere, sehr positive. Ich stehe bei der Straßenbahnstation Gersthof und von einer jungen, fröhlich-freundlich-sympatischen Dame nach einer Apfelsaftpresse (Saftladen) gefragt. Komische Frage eigentlich, nicht alltäglich, aber ich erinnere mich: da gibt’s so eine, die ist aber sehr kleine und alte – vier Straßen weiter, da haben wir immer unseren Apfelsaft gepresst. Fallobst hin, Apfelsaft zurück – Kindheitserinnerung halt. “Aber die hat seit diesem Jahr zu,” sagt ich und beginne zu erzählen von den 40 kg Äpfeln, die ich dieses Jahr hinbringen wollte und vor verschlossenen Toren stand.

Wir kommen ins Gespräch – es ist nett, lockere Stimmung. Sie sucht eine Wohnung, die Apfelpresse ist nur eine Orientierungshilfe. Sie war ein Jahr in New York, Au Pair vermute ich, oder Studium. Ist ja auch egal. Sie kommt aus Graz, also genaugenommen einem Kaff gleich daneben meint sie. Und jetzt will sie in Wien studieren. Dafür braucht sie eine Wohnung, die will sie besichtigen. Eine gleich bei mir um die Ecke – und ich beginne ihr über die Umgebung zu erzählen. Schließlich wohne ich seit 18 Jahren hier und liebe meinen Bezirk, mein Grätzl. Der Pötzipark, der Türkenschanzpark, die perfekte öffentliche Anbindung (40er, 41er, 9er, S45, 10A, N41), die ruhige Lage, der Wienerwald, der nur 20 rad-minuten enfernt ist, das Schafbergbad, einfach all die netten Dinge, die ich so an Gersthof schätze.

Wir finden die Wohnung gemeinsam, ich biete ihr meine Nummer an, falls sie Fragen hat kann sie mich ja anrufen, ich erzähle gerne weiter von meinem Grätzl. Ich frage nicht nach ihrer, ich will mich nicht aufdrängen. Die 10 Minuten waren sympatisch, wenn wir uns wiedersehen freu ich mich, aber ich erzwinge es nicht. Wir verabschieden uns, gehen getrennte Wege. Vielleicht sehen wir uns nie wieder, aber die Zeit war gut investiert, sie hat meinen Tag verschönert. Und die zehn Minuten fehlen mir nicht wirklich, das Preis/Leistungs oder Zeit/Motivations-Verhältnis passt.

Dieser Blogpost soll ein paar Dinge, ich spreche sie einfach an. Er soll zum nachdenken anregen: Welche persönliche Interaktion will ich mit den Menschen in meiner Umgebung? Wie offen will ich für (Wild)Fremde sein? Will ich mich mit Stöpseln im Ohr hinter meiner Zeitung verstecken? Oder doch lieber neue Dinge sehen. Egal ob Knausrigkeit oder Sympatie?

Er soll auch Freude machen. Ich hoffe ich kann mit meinen Zeilen, mit der Begeisterung mit der ich diese Situationen (beide) erlebt habe, dir als Leser meine Motivation rüber bringen und das “Feuer überspringen” lassen.

Die restlichen fallen mir gerade nicht ein, aber da gab’s noch mehr, was ich erreichen wollte. Aja, vielleicht wollte ich auch ein bisschen manipulieren, diese Fragen so zu beantworten wie ich es für richtig halte, aber das ist dann vielleicht schon wieder zuviel der Ehrlichkeit…