Während in Wien, nach einer wochenlangen Dürreperiode, bei frühlinghaften vier Grad plus die Vögel von den Dächern zwitschern, steigt Kanada aus dem Kyotoprotokoll aus. Statt die CO2 Emissionen um sechs Prozent zu reduzieren hat Kanada zwischen 17 und 26 Prozent zugelegt. Jetzt entzieht Kanada sich den Strafzahlungen und zeigt all jenen Ländern, die ernsthafte Anstrengungen und vor allem Investitionen in diese Richtung unternommen haben, den Stinkefinger. Rechtlich möglich, moralisch eine bodenlose Frechheit und ein Gesichtsverlust sondergleichen. Besonders die Schwellenländern werden hier einmal mehr übers Ohr gehauen. Von ihnen verlangt man, dass sie auf (unnachhaltiges) Wachstum verzichten, das auf Kosten der Umwelt gehen würde, während die westlichen Länder weiter emmitieren, was sie wollen. Und dann die Skrupellosigkeit besitzen zu sagen: “Kyoto hat keine Zukunft, deswegen bemühen wir uns nicht und zahlen auch nix für unsere Versäumnisse.”
In Durban wird währenddessen ein Klimaschutzabkommen unterzeichnet, das überhaupt erst in Kraft tritt, wenn sich das historische Zeitfenster, zur Minimierung der Klimaerwärmung schon wieder geschlossen hat. Und Minister Berlakovic spricht von einem großen Erfolg.
Gleichzeitig verdichten sich die Verschwörungstheorien, den Klimawandel gebe es gar nicht. Die Tatsache, dass sich tausende Wissenschaftler zusammen auf eine (grobe) These einigen konnten, interessiert immer weniger Menschen, solange es ein paar Forscher und viele Lobbyisten und (gekaufte?) Politiker gibt, die die bequeme Wahrheit propagieren und von der Klimalüge quasseln.
Aber so geht nichts weiter, so fahren wir nur mit Vollgas an die Wand. Jedes Jahr fließen 12 Mrd Euro an Energiekosten aus Österreich ins Ausland. An unsere Lieblingsländer Saudi Arabien, Iran oder Russland. Diese 12 Milliarden könnten wir gut brauchen um in Österreich nachhaltige, dezentrale, umweltfreundliche und souveräne Energiepolitik zu machen. Es gibt eine Unmenge an Konzepten, wie wir sehr schnell, sehr sehr viel von diesem Geld in Wertschöpfung in unserem Land ummünzen können. Da braucht es eine Kraftwerksoffensive – Dörfer mit eigenen Biomassekraftwerke. Das bringt Unabhängigkeit vom Gaspreis, schafft Arbeitsplätze, spart CO2 und hält Wertschöpfung im regionalen Umfeld. Da braucht es eine Dämmoffensive – das spart nicht nur den BewohnerInnen Energiekosten, sondern bringt auch der Bauwirtschaft Beschäftigung. Da braucht es noch viel viel mehr Forschung in erneuerbare Energien, da braucht es ein neues Energieeinspeisegesetz, da braucht es Aufklärung in Schulen und Betrieben über Energieeffiziens und ja, da braucht es auch andere Mobilitätskonzepte. Die heilige Sau, das Auto – gerade im urbanen Bereich – ist ein gefährliches, unfaires, lärmendes, stinkendes Beförderungsmittel und muss Platz machen für Öffis, Rad- und Fußverkehr.
In Wien kommen hier gerade ein paar Sachen ins Rollen. Aber auch hier mahlen die politischen Mühlen langsam. Es geht schon was weiter (großes Passivhaus, Öffis billiger, Radverkehrsausbau, Parkraumbewirtschaftung, T30, Schluss mit Glastürmen,..). Revolutionär wird es vor einer grünen Absoluten vermutlich nicht so schnell werden. ÖVP und (große Teile der) SPÖ stehen hier nicht auf der Bremse, sie haben das Problem überhaupt noch nicht erfasst. Deswegen meine These: Aus der Krise kann uns nur eine mutige, freche und verständliche grüne Partei führen. Wir sind die einzigen, die vor allem die Chancen für Lebensqualität und Wirtschaft die sich aus Klimawandel und Peak Oil ergeben erfasst haben, Konzepte zu deren Nutzung haben und auch (soweit es die politischen Rahmenbedingungen irgendwie zulassen) Ernst machen mit ihrer Umsetzung.
Über die Alternativen singt Culcha Candela in Schöne neue Welt. Oder seht ihr noch weitere? So geht’s jedenfalls nicht.



