Beiträge mit dem Tag: Lehrer

Ihr daoben, Wacht auf!

Verfasst von Armin Soyka am Mittwoch, 9 Dezember, 2009

GeographieHeute ein weiterer Lichtblick. Ab und zu schaue ich in den ersten Klassen vorbei, weil ich es wichtig finde, dass die sich wohl fühlen. Da erzählt mir eine Zwölfjährige, dass sie nach Buenos Aires übersiedelt, weil ihre Mutter dort einen Job gefunden hat. Und bevor ich noch beginnen kann, Fragen zu stellen, schreit eine Mitschülerin auf: »Ist das in Albanien?« Und die Schnatterei beginnt. »Nein, das ist in Argentinien.« »Woher soll ich das denn wissen?« »Wo liegt Argentinien?« Die Spannung ist da. Weiterlesen »

Wochenende.

Verfasst von Armin Soyka am Montag, 19 Oktober, 2009

Dieses Wochenende war hochproduktiv. Vom einen zum anderen und zwischendrin auch vieles erledigt. Hier eine “kurze” Zusammenfassung der Highlights: Die Tante, Herr Lehrer, Consulting Agent, Psychotante, ichkandidiere, arminsoyka, #grünerkonvent, Schülerin und Maslow.

Die Tante. Aus Kindergarten Zeiten werden sich die meisten noch erinnern. Da gab’s immer diese netten Tanten. Die waren total lieb, außer wenn sie was verboten haben. Am Freitag hatte ich die Chance mit so einer “Tante” zu reden. Mittlerweile gibt es übrigens keine Tanten mehr. Die heißen jetzt KleinkindpädagogInnen. Und ab und zu gibt es sogar männliche Exemplare, die heißen dann Kleinkindpädagogen. Die hatte so einiges zu berichten. Sie verdient in etwa 1200 Euro netto. Das ist nicht mehr als man beim Billa kassiert. Genaugenommen weniger. Die Anstrengung wird wohl in etwa gleich sein. Beim Billa arbeitet man erfahrungsgemäß wohl eher etwas über 40 Stunden, dafür hat man keinen durchschnittlichen Lärmpegel von 60 dB. Schaut man sich aber die Verantwortung an, die so eine Kleinkindpädagogin trägt, ist die Entlohnung eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Die ersten drei Jahre sind die prägendsten für ein Kind und legen den Grundstein für seine weitere Entwicklung. Die folgenden drei sind in etwa nochmal so wichtig. Die meisten Kinder gehen im Alter von 3 – 6, einige schon früher, in den Kindergarten. Hier kann man sehr vieles falsch machen, aber auch vieles richtig. Für das Geld von 1200 Euro monatlich wird man (trotz jeder Begeisterung für Kinder und Erziehung) nur wenige junge Menschen für diesen anstrengenden Beruf begeistern. Dazu kommt die unzureichende Ausbildung. Ja, in der Kindergartenschule hat man Didaktik. Und auch Pädagogik. Man macht Praktika und überhaupt viel mehr als Volksschullehrer oder gar Gymnasiallehrer. Auf die Frage, ob man auf 13 Kinder vorbereitet ist, wenn man aus der Schule kommt, gibt es eine klare Antwort: Nein. Neben der schlechten, ja lächerlichen Entlohnung sind auch die Arbeitsbedingungen einfach schlecht. Zu viele Kinder auf zu wenige PädagogInnen und schlechte Ausbildung motiviert nur wenige sich diese Hacken anzutun. Ein Beispiel kann ich auch noch bringen: Die Interviewte hatte zu zweit mit einer Praktikantin 23 Kinder zu betreuen – davon 2 ohne jegliche Deutschkenntnisse (einmal Russisch, einmal Türkisch) und drei Kinder mit Wahrnehmungsstörungen (können nicht alleine Essen, spielen drei Spiele gleichzeitig…). Zur Ausbildung ließe sich noch so einiges sagen. Aber ich belasse es bei diesem Input: “In Schweden beispielsweise sehen sich Erzieher als Lehrer. Das Personal hat Abitur, die meisten auch ein Lehramtsstudium mit dem Schwerpunkt Kindergarten/Vorschule.” “Für Kindergärten in Finnland gilt beispielsweise folgendes: Die leitenden ErzieherInnen haben Abitur und ein Hochschulstudium.” “Kindergartenpädagogik in Ungarn ist seit Jahrzehnten ein Hochschulstudium.” Wir haben in Österreich flächendeckende 15 Pädagogische Hochschulen – warum lassen wir unsere KleinkindpädagogInnen nicht dort ausbilden (nachdem wir sichergestellt haben, dass die Lehrinhalte passen), zusammen mit Volks-, Haupt- und SonderschullehrerInnen? Sind uns unsere Kinder und unsere Zukunft das nicht wert?

Herr Lehrer. Die heißen auch immer noch so. Und auch so einen habe ich am Freitagabend getroffen und ausgefragt. Er geht auf die Kirchliche Pädagogische Hochschule der Diözese St. Pölten in Krems und lässt sich dort zum Volksschullehrer ausbilden. Impuls, den er hatte: Von etwa (wenn ich mich recht erinnere) 200 Studierenden sind in etwa 4 – 10 männlich. Scheint als ob wir es noch immer nicht schaffen für mehr (50 Prozent?) attraktive Angebote zu machen.  Auf die Frage, warum Männer anscheinend nicht zu begeistern sind, antwortete er: “Männern geht es mehr ums Geld. Die wollen die Karriereleiter hinaufsteigen und Ruhm und Ehre.” Was steht dahinter? Unsere gesellschaftlichen Werte! Was vermitteln wir? Was ist uns wichtig? Und wem geben wir Anerkennung? Den karriere-, macht- und geldgeilen Papas, die nie zuhause sind? (Und was wollen die Söhne dann werden?) Oder wollen wir Sozialberufe anerkennend loben und den Dienst am, für und mit dem Menschen in das Zentrum stellen. Das sind Fragen, die die Politik zu klären hat. Tut sie aber nicht! Eins ist klar: Auch Jungen im Volksschulalter brauchen (männliche) Vorbilder. Die Frage ist, welche geben wir ihnen?

Consulting Agent. Die Krise ist vorbei (bevor sie richtig begonnen hat). Optimistische Stimmen regen sich. Spannende Gegenstimmen (eigentlich Singular) durfte ich den Aussagen eines Firmenberaters, mit dem ich am selben Abend sprechen durfte, entnehmen. Er macht regelmäßig 300.000 Euro Projekte und fliegt durch ganz Europa. Als Gegenleistung spricht er mit Firmenvorständen und schwört sie auf harte Zeiten ein. “Vergesst was die so genannten Experten sagen, vergesst was die Politik sagt. Was passiert, wenn ihr nächstes Jahr 30 Prozent Umsatzeinbußen habt?” Die Frage hat er in den letzten Monaten mehrfach gestellt. Und herunterfallende Kiefer und schiefgelegte Köpfe gesehen. Damit rechnet keiner. Die Krise ist – seiner Meinung nach – aber noch lange nicht vorbei. Sie hat noch nicht mal richtig begonnen. Da ist Sparen angesagt (!?!) (nachdem die Milliarden für Bankenrettungssysteme aufgewendet wurden).

Psychotante. Auch mit einer solchen durfte ich mich unterhalten. Mit ihr habe ich über Maslows Bedürfnispyramide gesprochen. Interessiert hat mich das, weil ich diese Woche wieder mit der Argumentation zu kämpfen hatte, dass es einfach Menschen gäbe, die einfach faul seien und keine Lust hätten zu arbeiten / etwas zu tun / etwas anderes zu tun als vor dem Fernseher herum zu gammeln.  Herr Malsows Theorie, habe ich weiter unten ausgeführt, außerdem ist die Ausführung von glücksarchiv.de sehr verständlich, auch Wikipedia ist gewohnt interessant. Die Frage, die ich in meinem Gespräch klären durfte: Gilt die Theorie immer noch?  Die Antwort fiel sehr eindeutig aus. Ja, sie ist nach wie vor eine der grundlegendsten Theorien in der Psychologie. Sie wurde in den letzten Jahren von verschiedenen Richtungen (Wirtschaftspsychologie, Entwicklunspsychologie) aufgefasst und erweitert (genauere Unterteilungen usw.), nicht aber grundlegend verändert. Warum es Menschen gibt, die trotzdem “nichts aus sich machen”? Zwei mögliche Antworten: 1.) Erlernte Hilflosigkeit (bitte lesen, hoch spannend und einfach erklärt!), 2.) Sie machen eh etwas aus sich, nur nicht in meiner/deiner Wertungsskala. Ersteres ist eine Aufforderung an Politik wie Gesellschaft Rahmenbedingungen (in Schule, Beruf wie Freizeit) zu schaffen, die das Erlernen von Hilflosigkeit erschweren. Hier gibt es sehr viel zu tun. Schule zum Beispiel lehrt vieles Wichtige nicht, dafür Hilf- und Machtlosigkeit. Generell hat unsere Gesellschaft hier viel zu tun. Stichwort Depressionen.

ichkandidiere. Der Samstag brachte viele Stunden vor dem Computer mit sich. Ich habe endlich meine Kandidaturseite auf ichkandidiere.at fertiggestellt. Ich freue mich dort auf Fragen! (ganz leicht via facebook, openid oder gruene.at)

arminsoyka.at – Auch meine Webseite ist endlich fertig. Überschlagsmäßig sind 150 Stunden mindestens hineingeflossen. Das Ergebnis kann sich meiner Einschätzung nach sehen lassen. Diese Erkenntnis deckt sich mit erstem Feedback. Hiermit also eine weitere Aufforderung, zu kommentieren und kritisieren. Der Feedbackbutton funktioniert! Über beides habe ich auch schon gebloggt.

#gruenerkonvent. Am Sonntag war ich beim Grünen Konvent. Ich habe von dort 13 Livetweets abgesetzt und werde auch noch weiter darüber bloggen. Mein Eindruck war sehr sehr positiv. Auch wenn die Diskussionsrunden mit 20 Minuten leider zu kurz waren, waren viele interessante Leute da. Themen gab es genug. Hervorzuheben ist meiner Meinung nach die Wärme und Offenheit, die alle ausgestrahlt haben, mit denen ich zu tun hatte. Nichts von der über #gruenevw oft kommunizierten Kälte, Ablehnung oder Vorurteilen.

Schülerin. Ein hochspannendes Gespräch durfte ich gestern Abend mit einer Freundin führen. “Sag mal Armin, du bist doch gerade dabei in die Politik zu gehen. Hast du nicht Lust mir das zu erklären?” “Ja, was denn?” – “Na alles!”. So begann das Gespräch, das extrem interessant und eine gute Wiederholung meines Wissen über unsere Staatsfunktionen war. Wir haben uns von der Verfassung als Urregelwerk zu den fünf Staatsprinzipien (Demokratie, Republik, Bundesstattlichkeit, Gewaltentrennung und das letzt vergesse ich immer), zu den drei Ästen der Verwaltung (Exekutive, Legislative, Judikative), zu den Kontrollinstanzen und -möglichkeiten gearbeitet. Haben über Kompetenzverteilung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden gesprochen und haben Probleme, wie das Verschwimmen der Grenzen zwischen Exekutive und Legislative (Klubzwang, EU) angerissen. Weiter sind wir nicht gekommen. Wahlrecht (aktives, passives, mehrheits, relatives,…), EU, Menschenrechte, Erlässe und vieles, vieles mehr haben wir nicht angerissen. Dazu fehlte die Zeit. Aber das war auch gar nicht, obwohl sehr spannend, das Wichtige. Wichtig war es einmal mehr zu sehen:

  1. Es gibt ein Problem: Viele junge (und auch ältere) Menschen wissen nicht, wie unser politisches System funktioniert.
  2. Anstatt, wie sie, nachzufragen, behaupten viele, es würde sie nicht interessieren.

Diese zwei Probleme müssen wir, wenn uns unsere Demokratie etwas wert ist, lösen. Und hier geht es in keinster Weise um Schuldzuweisungen! Es gibt ein Problem. Das Problem muss gelöst werden. Schnell! Junge Menschen müssen für Politik begeistert werden. Nicht (nur) weil die Demokratie auf der Partizipation aufbaut und wer sagt “Politik interessiert mich nicht”, damit unser System kaputt macht. Sondern weil es spannend ist! Weil es wichtig ist! Weil es lehrreich ist!  Also ein Lockruf an all jene, die meinen, sie seien nicht in der Lage etwas zu bewegen: das stimmt nicht. Veränderung passiert in dem Moment, in dem man etwas tut! “Because change happens if you live your visions dreams & desires!” Ein Aufruf an all jene, die meinen, das System sei zu komplex: Trau dich fragen. Informier dich. Halt dich am Laufenden. Nerv deine Lehrer. Deine Freunde. Deine Bekannten. Es gibt zahlreiche Quellen, sich ein Bild zu machen! Ein Zuruf denen, die das System heute machen: Wir brauchen mehr Politische Bildung in der Schule. Wir brauchen projektorientiertes Arbeiten. Wir brauchen Lehrer, die sich mit den Themen auskennen! Ein Aufruf an all jene, die das politische Bild prägen, an die PolitikerInnen und Partein: Geht auf Menschen zu. Bindet sie ein. Seid offen. Fordert Unterstützung ein. Diskutiert. Argumentiert. Und hört auf, Volksverarsche zu betreiben. Lasst eure politischen Spielchen sein. Macht partizipative, zukunftsorientierte Politik – egal welche Farbe! Und ein Ruf den Eltern entgegen: Bringt euren Kindern Fragen bei. Ja, das ist anstrengend. Aber wie, wie sollen sie es lernen, wenn sie es nicht früh üben?

Maslow. Herr Maslow hat 1962, vor über 45 Jahren, eine Theorie aufgestellt. Er meinte, dass Menschen verschiedene Schichten von Bedürfnissen hätten. Die unterste und elementarste Stufe sind die Körperlichen Bedürfnisse wie Durst, Hunger, Sexualität, Schlaf, Bedürfnis nach Bewegung / Anregung / Erregung / Ruhe, Schutz vor Witterung. Maslow meinte, dass wenn jeweils eine Stufe der Bedürfnisse befriedigt sei, wende sich der Mensch der Nächsten zu. Die zweite Stufe sah Maslow in den Sicherheitsbedürfnissen. Menschen wollen Dinge wie Stabilität, Zuverlässigkeit, Regeln, Ordnung, Gesetze und Grenzen, Freiheit von Angst / Bedrohung / Chaos, Schutz der Existenz, des Arbeitsplatzes und Eigentums, Altersvorsorge, Gesundheit. Ist auch das sichergestellt legt ein gesunder Mensch sich Maslow zufolge aber nicht vor den Fernseher. Er möchte mehr. Er versucht Soziale Bedürfnisse zu befriedigen. Er möchte Zuneigung, Kommunikation, Kontakt, sucht nach Akzeptanz der eigenen Person, will Liebe, Geborgenheit und “dazu gehören”. Er hat eine Abneigung gegen Einsamkeit / Ablehnung / Fehlen von Freunden und versucht solche Zustände zu beenden. Aber auch dann – so Maslow – lehnt sich das berechenbare Wesen Mensch nicht zurück. Es will mehr. Denn es hat ein Bedürfnis nach Achtung. Stärke, Erfolg, Tüchtigkeit, Macht und Wissen, Anerkennung, Prestige, Status, Aufmerksamkeit, Bedeutung, Respekt, Selbstbestätigung, „differenziert sein von anderen” ist das nächste Ziel, das er anstrebt. Hat man diese vier Grundstufen an Bedürfnissen befriedigt, könnte man meinen, der Mensch hat alles erreicht, was es so zu erreichen gibt. Man ist reich, stark, individuell und eigenständig. Hat Essen, Sex und ein Dach über dem Kopf. Ist abgesichert für die Zukunft und hat ein (starkes) soziales Netz. Aber Maslow sagte nein, da gibt es noch etwas anderes. Dieses “mehr” nennt sich Selbstverwirklichung: Volle Ausschöpfung und Entfaltung des im Menschen angelegten Potentials und das Ausleben der Einzigartigkeit. Weltverständnis, Spontanität, Natürlichkeit, Zielorientiertheit, Wunsch nach Alleinsein, Autonomie, Aufgeschlossenheit, Gemeinschaftsgefühl, Kreativität, Individualität, Selbstentfaltung, Selbstwertgefühl, Gestaltung des eigenen Lebens und der Umwelt, Ausschöpfung des eigenen Potentials. Für mich klingt dieses Modell soweit nachvollziehbar, logisch und richtig. Maslow bringt die verschiedenen Bedürfnisse in eine hierarchische Anordnung (die Maslowsche “Bedürfnispyramide”). Die höheren Bedürfnisse innerhalb der Hierarchie werden erst dann wichtig bzw. verhaltenswirksam, wenn die darunterliegenden Bedürfnisse befriedigt sind. Die physiologischen und Sicherheitsbedürfnisse (auf den untersten beiden Stufen der Bedürfnis-Hierarchie) haben Priorität und höchste Motivationskraft, solange sie unbefriedigt bleiben. Die Bedürfnisse einer höheren Ebene können nicht motivieren, solange Bedürfnisse der unteren Schichten nicht angemessen befriedigt sind. Soweit zu Maslows Theorie. (Ich habe mich bei der Auformulierung der Ausführung von glücksarchiv.de bedient, die überhaupt eine sehr empfehlenswerte Seite ist, auch Wikipedia hat nicht wesentlich mehr zu dem Thema zu bieten.)

Was eine Ex-Neuländern zu sagen hat…

Verfasst von Armin Soyka am Mittwoch, 16 September, 2009

In dem Blogbeitrag “Isabella erzählt” habe ich unter anderem angedacht, ob man die Lehrer – Schüler – Beziehung durch Duzen nicht verbessern könnte.

Hinterfragen wir den Umgang zwischen Lehrern und Schülern. Warum muss es einen mächtigen Lehrkörper und einen unwissenden Schüler geben? Warum steht nicht das gemeinsame lustvolle Lernen im Fordergrund (geleitet und moderiert von Pädagogen). Warum muss man Sie sagen? Warum wird der Respekt nicht erarbeitet sondern erzwungen? Führen durch Vorbild oder durch Angst, das sind denke ich die zwei Optionen!

Pia hat daraufhin kommentiert und gemeint, dass das doch in der Neulandschule schon gang und gebe sei.

Ich muss sagen, ich war ziemlich erschreckt, als ich das das erste mal miterlebt hab, irgendwie ungewohnt…hab aber leider keine Ahnung wie das die Schüler sehen, vll hast du ja mal die Gelegenheit einen Neulandschüler darüber auszufragen.

und mit ihrem Nachsatz sollte sie recht behalten!

was ich dir aber garantieren kann, ist, dass trotzdem genug Schüler Angst- und Hassgefühle gegenüber manchen Lehrern haben…

Heute erhielt ich ein Email mit einer Stellungnahme einer solchen Schülerin, ich möchte sie hier veröffentlichen. Sie ist wertvoll und sollte gelesen und diskutiert werden! Solche Impulse sind wertvoll! Die Autorin möchte lieber anonym bleiben, danken möchte ich ihr trotzdem, für die Zeit, die sie sich genommen hat und für die Ehrlichkeit, zu der sie sich durchgerungen hat!

Was eine Ex-Neuländern zu sagen hat…

Ich weiß nicht, ob es jemanden interessiert, was ich über die Neulandschule zu sagen habe, aber als ich gelesen habe, was Pia geschrieben hat… naja, da musste ich mich einfach melden.

An sich mache ich alles um die Jahre, die ich dort war zu vergessen, verdrängen und zu leugnen. Ich war dort nie. Ich hab mit denen nichts zu tun. Und doch. Ich war Schülerin dieser Anstalt und kann mich nicht davor verstecken. Hierzu möchte ich nur sagen, dass ich Gründe hatte Schule zu wechseln.

Unter anderem auch der fehlende Respekt zu den Lehrern. Beschimpfungen wie “du Arschloch” und “Schleich dich” gehörten zum Alltag. Der Direktor sah zu oder sah weg, gebot aber den Schülern keine Respektperson, “Ludwig” war einfach nur anwesend. Auch wenn es wirklich einmal so ausartete, dass jemand zum Direktor gebeten wurde, dann sah diese Aufforderung meist so aus: „Geh sofort zum Ludwig“ und war nicht wirklich hilfreich.

Zudem kam die schreckliche Unfähigkeit (vor allem auch menschlich) der Lehrer. Ich konnte nicht einmal diskutieren, wenn ich mit einer Beurteilung nicht zufrieden war. “Ich finde das von DIR nicht in Ordnung” bringe ich nicht über die Lippen. Die Lehrer hatten Möglichkeiten Schüler fertig zu machen, durch subtile Art und Weise wurde so mancher zum Durchfallen gezwungen. Eine Diskussion über die Fairness von Noten wurde meist im Keim erstickt, da jeder Schüler der in seiner Verzweiflung begann mit „Das können Sie doch nicht…“ oder „Aber Sie haben doch gesagt“ auf freundliche oder weniger freundliche Art hingewiesen wurde, Du zu sagen.

Wenn es um Projekte ging, und sich tatsächlich einmal ein Außenstehender in die Schule wagte, wurde dieser sofort auch geduzt, schließlich befand man sich ja in der Neulandschule. Ich kam damit nie klar. Mich irritiert es, einem stockfremden Erwachsenen „Du“ zu sagen. Ja ich hasse, wie viele Leute, die Unterteilung in „Du“ und „Sie“, durch die schon so manches Missverständnis entstanden ist. Dennoch: Die Deutsche Sprache unterteilt nunmal in „Du“ und „Sie“. Ich finde, wir sollten uns damit abfinden und nicht krampfhaft versuchen das „Du“ zu vereinheitlichen.

Vielleicht habe ich auch deshalb die Umstellung ins „Sie“, die mit meinem Schulwechsel verbunden war leicht geschafft. Vielleicht auch, weil ich mit der Schule nichts mehr zu tun haben wollte. Fakt ist, dass ich es lächerlich finde Schülern einen liebevollen Umgang mit Lehrern geben zu wollen, in dem man sie die Lehrer duzen lässt. Lehrer können Schüler fertig machen und zum Weinen bringen, auch wenn sie „Christa“ oder „Ruth“ heißen. Man heuchelt dadurch nur eine falsche Herzlichkeit, ein Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern, das es in Wirklichkeit nicht gibt. Herzlichkeit und Vertrauen kann man nicht erzwingen, es geht von der Persönlichkeit der Lehrer aus und nicht von deren Anrede.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich persönlich die Idee toll fand. Ich dachte, es würde wirklich nutzen, war überzeugt, dass dadurch keine Tyrannen unterrichteten. Nun, ich wurde eines besseren belehrt und aus Erfahrung und Überzeugung lehne ich daher ab, dass das „Sie“ zum „Du“ wird.

Isabella erzählt

Verfasst von Armin Soyka am Montag, 14 September, 2009

Ich bin wieder zurück in meinem Beruf. 32 Stunde pro Woche drücke ich die Schulbank. Zum 12 mal bin ich nach 2-monatiger Pause meine Ausbildungsstätte(, die leider nur sehr teilweise auch als Bildungsstätte fungiert) zurückgekehrt und wie jedes Jahr habe ich wichtige und tolle neue Vorsätze mitgenommen. Seit 8 Tagen beobachte ich den Unterricht und alles was sonst noch in dem Lehr- (leider kaum Lern- und Lebens-) Raum vorgeht sehr genau. Und es brennt mir schon ganz gehörig unter den Fingernägeln. Mindestens 10 verschiedene Dinge, die mir auffallen wollen dokumentiert, kritisiert und anschließend hoffentlich (via Kommentare) diskutiert werden.

Also ich habe vor dieses, mein letztes Schuljahr kritischer als sonst zu betrachten und regelmäßig und oft darüber zu bloggen. Aber die Zeit. Ja, die macht einem leider öfter einen Strich durch die Rechnung, aber daraus lasse ich mir keinen Strick drehen und beginne jetzt einfach.

Und zwar mit der Isabella. Sie habe ich heute beim Nachhausefahren mit der Straßenbahn interviewed. Wie ihr die neue Schule gefällt? Was es auszusetzen gibt. Wo man etwas verbessern könnte und wie das denn vielleicht ginge.

Es waren nur ein paar Sätze, die wir gewechselt haben, aber die sind umso wertvoller. Wie’s ihr gefällt? Na gut natürlich, es ist schon spannend. Alles neu, alles anders, alles interessant. Kurzum, sie freut sich über die Herausforderung, ja sogar die Hausaufgaben, die die meisten (etwas) älteren Schüler und Schülerinnen als nervige Pflicht sehen. Auf die Frage, was ihr nicht sogut gefällt denkt sie etwas nach und antwortet dann aber bestimmt, mit einem schmunzelnden, verschmitzten Grinser, der etwas von Scheu, etwas von Angst, etwas von Verlegenheit hatte und sehr viel über die Art des Umgangs mit Kritik in unserer Gesellschaft aussagt: “Die Lehrer”

Warum denn? Was sei denn falsch mit denen? “Naja, die könnten schon etwas freundlicher sein!”

Über die genauen Umstände kann ich nur Vermutungen anstellen, aber anscheinend fühlt sie sich nicht (wert)geschätzt, nicht geliebt, nicht unterstützt oder zumindest nicht genug von alle dem. Anscheinend fehlt ihr Vertrautheit (die in 8 Tagen zugegebener Maßen schwer aufzubauen ist).  Anscheinend fehlt etwas, das fragt man Hirnwissenschaftler für das Lernen durch Spaß statt Angst grundlegend ist: die Sympathie.

Nur über den Religionslehrer hat sie sich positiv geäußert. “An dem hab’ ich eh nichts auszusetzten.”

Was will ich bezwecken mit diesem Post?

  • hinterfragen wir dem Umgang mit Kritik! Sie ist Voraussetzung für persönliche und gesellschaftliche Weiterentwicklung und nicht nerviges Geschwatz von Menschen, die keine Ahnung haben. Dieses 10 Jährige Mädchen beobachtet. Ganz genau. Die ist sowas von blitzgescheid. Die Frage ist: Nutzen wir dieses Potenzial oder lassen wir es vertrocknen.
  • hinterfragen wir den Umgang zwischen Lehrern und Schülern. Warum muss es einen mächtigen Lehrkörper und einen unwissenden Schüler geben? Warum steht nicht das gemeinsame lustvolle Lernen im Fordergrund (geleitet und moderiert von Pädagogen). Warum muss man Sie sagen? Warum wird der Respekt nicht erarbeitet sondern erzwungen? Führen durch Vorbild oder durch Angst, das sind denke ich die zwei Optionen!
  • denken wir nach, sind wir selber (selbst)kritisch, hinterfragen wir uns und machen das was richtig ist, nicht das was andere von uns erwarten
  • hören wir einander zu, anstatt einander zu überbrüllen

Die Zukunft (der Jugend) ist zu wichtig um sie zu verschlafen oder zu überhören!