Beiträge mit dem Tag: Gesundheit

Pandemie der Geldg(e)ier

Verfasst von Armin Soyka am Sonntag, 8 November, 2009

Vorweg. Jetzt habe ich eine Zeit lang geschrieben, Argumente, Zahlen und Fakten gesammelt und mir graust’s. Ich habe verschiedene Punkte angesprochen. Lass sie auf dich wirken. Alle Dinge zusammen begründen den Titel. Pandemie der Profitg(e)ier. Egal ob Medien oder Medikamente, es geht um’s Geld.

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Ich hab’s mich ja schon mehrfach gefragt. Warum zum Teufel lassen wir uns von Medienberichten so dermaßen Manipulieren? Wir wissen doch genau, wie die Besitzverhältnisse sind. Wer profitiert und wer kontrolliert. Vor Augen geführt hat mir dies erst unlängst dieses Video


via chorherr

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Letztens habe ich auch über die zunehmende Berichterstattung von Schwerverbrechen in den USA gelesen, trotz zweistelliger Abnahme der Schwerkriminalität. (Den Link finde ich leider nicht mehr)

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Und heute bekomme ich dieses Mail:

Mexikanische Gedanken zur Schweinegrippe:
Pandemie der Profitg(e)ier

Aus der mexikanischen Tageszeitung “La Jornada

Auf der Erde sterben jedes Jahr 2 Mio. Menschen an der Malaria, die ganz einfach durch ein Moskitonetz geschützt werden könnten. Und den Nachrichten ist es keine Zeile wert.

Auf der Erde sterben jedes Jahr 2 Mio. Mädchen und Jungen an Durchfallerkrankungen, die mit einer isotonischen Salzlösung im Wert von ca. 25 Cent behandelt werden könnten. Und den Nachrichten ist es keine Zeile wert.

Die Masern, Lungenentzündungen und andere mit relativ preiswerten Impfstoffen heilbare Krankheiten haben jedes Jahr bei fast 10 Mio. Menschen den Tod zur Folge. Und den Nachrichten ist es keine Zeile wert.

Aber als vor einigen Jahren die famose “Vogelgrippe” ausbrach, überfluteten uns die globalen Informationssysteme mit Nachrichten. Mengen an Tinte wurden verbraucht und beängstigende Alarmsignale ausgegeben. Eine Epidemie, die gefährlichste von allen!

Eine Pandemie!

Die Rede von der schrecklichen Krankheit der Hühner ging um den Globus.

Und trotz alledem, durch die Vogelgrippe kamen weltweit “nur” 250 Menschen zu Tode. 250 Menschen in zehn Jahren, das sind im Durchschnitt 25 Menschen pro Jahr.

Die normale Grippe tötet jährlich weltweit ca. 500.000 Menschen. Eine halbe Million gegen 25 !

Einen Moment mal. Warum wird ein solcher Rummel um die Vogelgrippe veranstaltet?

Etwa, weil es hinter diesen Hühnern einen “Hahn” gibt, einen Hahn mit gefährlichen Spornen ?

Der transnationale Pharmariese Roche hat von seinem famosen Tamiflu zig Millionen Dosen alleine in den asiatischen Ländern verkauft. Obgleich Tamiflu von zweifelhafter Wirksamkeit ist, hat die britische Regierung 14 Mio. Dosen zur Vorsorge für die Bevölkerung gekauft. Die Vogelgrippe hat Roche und Relenza, den beiden Herstellern der antiviralen Produkte milliardenschwere Gewinne eingespült.

Zuerst mit den Hühnern, jetzt mit den Schweinen. Ja, jetzt beginnt die Hysterie um die Schweinegrippe. Und alle Nachrichtensender der Erde reden nur noch davon. Jetzt redet niemand mehr von der ökonomischen Krise, den sich wie Geschwüre ausbreitenden Kriegen oder den Gefolterten von Guantanamo.

Nur die Schweingrippe, die Grippe der Schweine?

Und ich frage mich …, wenn es hinter den Hühnern einen großen Hahn gab, gibt es hinter den Schweinen ein “großes Schwein”?

Was sagt ein Verantwortlicher der Roche dazu? “Wir sind sehr besorgt um diese Epidemie, soviel Leid …! Darum werden wir das wundervolle Tamiflu zum Verkauf anbieten.”

“Und zu welchem Preis verkaufen sie das wunderbare Tamiflu?” “OK, wir haben es gesehen. 50 US $ das Päckchen.” “50 US $ für dieses Schächtelchen Tabletten?” “Verstehen Sie doch, meine Dame, die Wunder werden teuer bezahlt.” “Das, was ich verstehe, ist, dass diese multinationalen Konzerne einen guten Gewinn mit dem Leid der Menschen machen.

Die nordamerikanische Firma Gilead Sciences hält das Patent für Tamiflu.

Der größte Aktionär dieser Firma ist niemand weniger als die verhängnisvolle Person, Donald Rumsfeld, der frühere Verteidigungsminister der US-Administration George W. Bushs, der Urheber des Irak-Krieges. Die Aktionäre von Roche und Relenza reiben sich die Hände, sie sind glücklich über die neuen Millionen-Gewinne mit dem zweifelhaften Tamiflu.

Die wirkliche Pandemie ist die Gier, die enormen Gewinne dieser “Gesundheitssöldner”.

Wir sind nicht gegen die zu treffenden Vorbeugemaßnahmen der Einzelnen Staaten. Aber wenn die Schweinegrippe eine so schreckliche Pandemie ist, wie sie von den Medien angekündigt wurde, wenn die Weltgesundheitsorganisation um diese Krankheit so besorgt ist, warum wird sie dann nicht zum Weltgesundheitsproblem erklärt und die Herstellung von Generika (billigere “no-name Medikamenten”) erlaubt, um sie zu bekämpfen? Das Aufheben der Patente von Roche und Relenza und die kostenlose Verteilung von Generika in allen Ländern, die sie benötigen, besonders in den ärmeren, wäre die beste Lösung.

Übermitteln Sie diese Nachricht nach allen Seiten, so wie es mit Impfstoffen gemacht wird, damit alle diese Seite der Realität dieser “Pandemie” erkennen.

Anmerkungen:

  • Ich habe natürlich versucht die Zahlen und den Artikel an sich kritisch zu hinterfragen.
  • Ich konnte den Artikel auf Spanisch nicht finden, er soll angeblich in der mexikanischen Tageszeitung “La Jornada” erschienen sein.
  • Wikipedia zu den Zahlen bzgl Malaria: “Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben weltweit jährlich knapp eine Million Menschen an Malaria, etwa die Hälfte von ihnen sind Kinder unter fünf Jahren. 90 % der Erkrankten leben auf dem afrikanischen Kontinent. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen wird auf 300.000-500.000 Fälle geschätzt. Insgesamt gab es 2006 247 Millionen Infizierte.”
  • Wikipedia zu Durchfall: “Bei andauerndem Durchfall können die Dehydratation und der Elektrolytverlust zum Tode führen.” Wieviele Menschen jährlich sterben konnte ich nicht feststellen. Die Ausführung legt aber nahe, dass dies leicht verhinderbar wäre. (Wasser und Elektrolyte sind nicht extrem teuer!)
  • Bezüglich Masern konnte ich zwar keine Zahlen finden, aber Wikipedia weiß etwas über die weltweite Situation. Die Aussage kann ich nicht belegen, sie klingt aber plausibel.
  • Wikipedia spricht von 262 gesicherten Todesfällen bezüglich der Vogelgrippe und kritisiert Zahlen verschiedener Länder.
  • Ich konnte nicht herausfinden, ob Rumsfeld größter Aktionär ist, fette Kohle macht er sehr wohl (Wikipedia oder Spiegel Online)
  • Ich habe nicht herausgefunden, ob es tatsächlich eine Möglichkeit gibt eine Krankheit zu einem Weltgesundheitsproblem zu erklären und damit die Patentrechte auszusetzen und Generikaproduktion zu erlauben.

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Und weil’s so schön ist noch zwei Dinge, die mir letztens über den Weg gelaufen sind.

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“Werbung hat gegenüber Forschung und Entwicklung deutlich Vorrang” schreibt die Süddeutsche Zeitung und berichtet, dass Pharmakonzerne in den USA doppelt soviel Geld für Werbung ausgeben als für Forschung, in Europa “nur” zwischen 30 und 50 Prozent ihrer Einnahmen.

Trotzdem sehen sich die Unternehmen häufig mit dem Vorwurf konfrontiert, es ginge ihnen nicht um die Linderung von Leid, sondern lediglich um den Profit. Und das nicht ohne Grund.

Eigentlich ist das ja richtig blöd, denn wir können die Medikamente nicht kaufen. Warum es (in dieser Verblödeten Konsumgesellschaft, die sich einbildet “frei” zu sein) doch Sinn macht, erklärt Barry Schwartz hier, entweder ab min 3:42 oder 4:37. (Das ganze Video ist eine Sehempfehlung)

In dem Zusammenhang möchte ich auf meinen Blogartikel “Antibiotika, Gerechtigkeit und Politik” in dem ich argumentiert habe, warum der Konsum von (und auch die Anfälligkeit auf Werbung für) Medikamente mit der politischen Reife eines Landes zusammen hängt.

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Und auf das letzte Schmankerl der Perversität hat mich Volker Pisper vor einiger Zeit hingewiesen. In einem dieser Videos sagt er:

Als Südafrika, ein Land, in dem jedes Jahr eine Million Menschen an AIDS sterben, den Westen bat, auf die Rechte aus Patentschutz zu verzichten, um die südafrikanische Bevölkerung (und nur die!) mit  Medikamenten zu versorgen, die die Leiden lindern und die Krankheit der Infizierten um viele Jahre hinauszögern könnten, die Südafrikaner also alles selbst gemacht hätten und von den westlichen Pharmafirmen nur die Erlaubnis brauchten, es zu tun, da sagten die USA in Person ihres Präsidenten Bush, dass die kostenlose Versorgung mit Medikamenten den Prinzipien des freien Marktes widerspräche.

Als in den USA die Milzbrandbriefe kursierten und fünf US-Bürger betroffen waren, da war die deutsche Firma Bayer als einzige in der Lage, ein Medikament zu liefern, und versprach sich von der Panik-Bevorratung ein Riesengeschäft. Da deuteten die USA nur zart an, dass sie sich um das Bayer-Patent einen Dreck scheren würden. Grund: “nationaler Notstand”. Schon musste Bayer sein Milzbrand-Medikament zum halben Preis liefern.

Die Welt hat unter anderem 2001 über diese Perversität berichtet.

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Ich finde, dass es so nicht weitergehen soll. Wenige haben viel, viele verhungern. Das sind nicht die Zustände, die ich haben will und ich bin überzeugt, die wenigsten von euch. Die Frage stellt sich: Was kann ich tun? Und die Antwort ist ganz simpel. Nachdenken und Mitmachen. Jeder hat gute Ideen, jeder hat eine Stimme. Erheb sie. Egal ob in einer Partei, einer Organisation (Greenpeace, ATTAC, Innitiative Zivilgesellschaft) oder im Freundeskreis. Informier dich. Ließ Zeitung, hör Radio und vor allem stell Fragen!

Schließen möchte ich mit einem Zitat: “Viele kleine Leute, die in vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.

Antibiotika, Gerechtigkeit und Politik

Verfasst von Armin Soyka am Donnerstag, 22 Oktober, 2009

Heute war ich bei der Schulärztin. Ist zwar eine nervige Sache mit dem Nebeneffekt einer verpassten Philosophiestunde, aber großartig, wenn man bedenkt, dass 1,4 Millionen SchülerInnen so jährlich ein oder zwei mal (grob) vorsorgeuntersucht werden. Das ist wichtig für die Gesundheit „unserer Kleinen“ und die Nachhaltigkeit unseres Versicherungssystems. Soweit sogut. Was mir aber sehr sauer aufstieß, war eine Äußerung der Schulärztin. Die wollte, dass ein Klassenkollege sich wegen einer simplen Infektion ein Antibiotikum verschreiben lässt – vorsichtshalber. Was Antibiotika mit Menschen machen, weiß kaum jemand. Von systematischer Zerstörung der Darmflora über die gezielte Schwächung des Immunsystems als Nebenwirkung bis hin zu möglichen allergischen Reaktionen – um nur einige der Gefahrenpotenziale zu nennen. Außerdem gewöhnt sich der Körper bei zu oftmaliger Nutzung an die Wirkstoffe der Antibiotika und wird resistent. Keine Frage, Antibiotika sind wichtige Medikamente, aber wir haben “bei der Auswahl darauf zu achten, dass ältere wirksame Standardtherapeutika den Vorzug vor Reserveantibiotika erhalten.” Als ich das der Schulärztin sagte, war sie zwar meiner Meinung, entgegnete aber:

“Wenn Menschen mit 39 Grad Fieber zu mir in die Ordination kommen und sagen: Frau Doktor ich kann nicht krank werden, ich werde gefeuert. Dann muss ich diesen Menschen eine Alternative bieten.”

Da war ich erst mal baff. Ihr Nachsatz ging in meinen Überlegungen fast unter.

“Das ist aber nicht erst seit der Krise so, das wird die letzten drei Jahre immer schlimmer. Besonders bei älteren Menschen. Älter heißt ab 50 circa.”

Seitdem denke ich nach. Was sagt der Antibiotikakonsum über ein Land aus? Er sagt doch so einiges über die Stabilität in einem Land aus. Auch Politik-ScienceBlogger Ali Arbia argumentiert den Zusammenhang zwischen politischer Situation und Tablettenkonsum sehr treffend. In seinem Artikel Globalisierung und der Konsum von Antibiotika berichtet er über den Zusammenhang, den er sieht:

“Die Logik wäre folgendermassen: Wer Schwierigkeiten hat, mit Unsicherheit klar zu kommen, wird einerseits eine isolationistische Handelspolitik unterstützen (Jobsicherheit, weniger externe Schocks) obwohl diese ökonomisch sinnvoll wäre. Diese Personen werden aber auch eine Tendenz haben, Antibiotika sozusagen präventiv zu verlangen, auch bei harmloseren Krankheiten oder wie im Artikel beschrieben, gar bei viralen Infektionen. Als Indiz für diese These zitiert Charlemagne Eurobarometer-Daten zu Zukunftssorgen in den den einzelnen Ländern (ich habe die Zahlen nicht rausgesucht, ich glaube ihm einfach mal, dass es wirklich etwas gibt, dass nach Korrelation aussieht).”

Die These scheint logisch. Laut den Daten von 2006 sind wir (Österreich) (noch) ganz gut aufgestellt. Vergleichsdaten konnte ich leider nicht finden. Wäre wohl interessant.

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Von 1.000 Einwohner nehmen täglich zwischen 9 und 30 Einwohnern ein Antibiotikum.

Interessant fand ich auch den Aufsatz zu dem Thema “Antibiotika: Solange sie noch wirken …” von vier deutschen Wissenschaftlern. In einer sehr einfachen und auch für Laien verständlichen Sprache erklären sie, was die Probleme von überhöhtem Antibiotikakonsum sind und wie die Situation in Deutschland und Europa ausschaut. Hier eine Kurzdarstellung des Artikels:

Einst galten Antibiotika als Wunderwaffe gegen Infektionen. Doch ihr großzügiger Einsatz hat viele Erreger resistent gemacht.  Der vorliegende Beitrag beschreibt Chancen und Risiken der Antibiotikatherapie nach jetzigem Erkenntnisstand und stellt diese dem faktischen Verschreibungsverhalten der Kassenärzte gegenüber. Damit soll zu einer sachlichen und differenzierten Diskussion über den Antibiotikagebrauch in Deutschland beigetragen werden. Damit Antibiotika auch zukünftig noch wirken, müssen sie indikationsgerecht eingesetzt werden und es muss bei der Auswahl darauf geachtet werden, dass ältere wirksame Standardtherapeutika den Vorzug vor Reserveantibiotika erhalten.

Klar ist, dass wir ein Problem haben. Wenn eine Ärztin berichtet, dass Menschen zu ihr kommen und Angst um ihre Lebensgrundlage haben, dann muss sich etwas ändern. Und nicht bei der Ärztin. Die kann nämlich weder etwas dafür noch dagegen.

Wir als Zivilgesellschaft sind gefragt, uns demokratisch einzubringen. Wir müssen in der Politik Druck erzeugen und ja, wir müssen uns Gedanken darüber machen, wie gerechte Verteilung der Güter aussieht. Ein paar Fakten aus dem letztjährigen Sozialbericht:

Das reichste Prozent der Haushalte hält 27 Prozent des gesamten Geldvermögens. Das oberste Promille (0,1%) besitzt über 8% des gesamten Geldvermögens. Dieser Wert wird von der gesamten unteren Hälfte der Haushalte erreicht, die ebenfalls über 8% des gesamten Geldvermögens verfügt. (Seite 279, 18.2.2. Markante Konzentration des Geldvermögens in Österreich)

In der Stichprobe der OeNB finden sich 0,4% Prozent Geldvermögensmillionäre. Ihr Anteil am gesamten Vermögen beträgt 13%. (Seite 279, 18.2.2. Markante Konzentration des Geldvermögens in Österreich)

Der reichste Haushalt in der OeNB-Vermögensbefragung besitzt mehr an Geldvermögen als die untersten 29%. (Seite 279, 18.2.2. Markante Konzentration des Geldvermögens in Österreich)

Gemäß der Zeitschrift Trend gibt es auch in Österreich 25 Milliardäre (siehe Trend 2008). (Seite 279, 18.2.2. Markante Konzentration des Geldvermögens in Österreich)

Es kann nicht sein, dass 1 Mensch soviel hat wie 500 Menschen zusammen. Sind dann noch alle Menschen gleichwertig, in einer Welt, die alles in Geld misst?

Bin ich psychisch gestört?

Verfasst von Armin Soyka am Mittwoch, 30 September, 2009

Am 16. Oktober wäre es ein Jahr gewesen – heute habe ich meine seit damals andauernde Psychotherapie vorerst beendet. Warum ich das in die Öffentlichkeit poste? Ich möchte Mauern abbauen. Mauern, die längst nicht mehr Schutz sind sondern längst schon als Gefängnis wirken. Außerdem möchte ich Bewusstsein schaffen für einen wichtigen Aspekt der Gesundheit – den seelischen Faktor!

Was ist Psychotherapie?

Auf Wikipedia (Psychotherapie – Wikipedia) ist jeder herzlich eingeladen viel darüber zu lesen. Der erste wikiped’sche Satz fasst es aber richtig und gut zusammen:

Die Bezeichnung Psychotherapie (griech. psycho – Seele und therapía – Heilen) steht als Oberbegriff für alle Formen psychologischer Verfahren, die ohne Einsatz medikamentöser Mittel auf die Behandlung psychischer und psychosomatischer Krankheiten, Leidenszustände oder Verhaltensstörungen abzielen.

Ich merke in persönlichen Gesprächen immer wieder, dass Psychotherapie als etwas für geisteskranke Menschen gesehen wird. Dem ist nicht so.  Es geht vor allem darum Leidenszustände zu beenden. Jeder von uns hat seine eigenen kleinen Kämpfe – zuviel Schokolade, Probleme mit den geschiedenen Eltern, die Frage nach dem Sinn im Leben, Ärger in der Schule, Überforderung in der Arbeit oder Stress im Studium. Ich kenne keinen Menschen, der nicht irgendwo seine großen und kleinen Problemchen hat. Viele davon kann jeder für sich lösen. Oft ist man auch dankbar für die Zeit eines guten Freundes oder das Ohr einer vertrauten Freundin. Vieles kann ein persönliches Umfeld auffangen und oft heilt die Zeit ja doch alle Wunden – aber manchmal fehlt es an der Person um über Trennungsschmerz, Beziehungskrise, Midlife-Crisis oder Zukunftsfragen zu sprechen. Das Thema lässt sich mit Freunden nicht erörtern, Familie versteht einen einfach nicht oder – und das ist legitim – die Vertrautheit ist einfach nicht gegeben. Hier könnten Therapeuten in’s Spiel kommen – sofern es nicht Mauern gibt, die einen davon abhalten. Ein Psychologe analysiert weder dein Hirn, noch muss er ein personifizierter Freud sein. Sie sprechen nicht alle reinstes Hochdeutsch oder haben lange weiße Bärte und nicht nur geistig verwirrte Menschen suchen bei ihnen Hilfe (oder werden gar gezwungen) sondern Menschen wie du – oder eben ich.

Was ist falsch mit mir?

Mit mir ist und war nichts falsch – und trotzdem verspürte ich das Bedürfnis mich in therapeutische Behandlung zu begeben. Einmal in der Woche traf ich mich regelmäßig mit einer rund 45-jährigen Frau – nur um zu reden. Über Gott und die Welt, aber eigentlich hatte ich zwei große Fragen – die mir großes Leid und Kopfzerbrechen bereiteten:

  1. Wie soll ich, der kleine Armin von nebenan – ohne jegliche besonderen Merkmale, ohne besonderes Wissen oder Spezialgebiet, in dem ich brillieren könnte – zwischen all den potenten und großen Persönlichkeiten meines Umfelds genug Aufmerksamkeit und Wertschätzung bekommen?
  2. Habe ich den Tod meines Vaters (er verunglückte im August 2005 tödlich) verarbeitet? Oder verdängt? Die Art meiner Trauer war ganz und gar unnormal – ich habe ihm kaum eine Träne nachgeweint. Und das bei einem Menschen, den ich von ganzem Herzen lieb(t)e. Kann das normal sein? Kann das nachhaltig gesund sein?

Diese zwei Punkte zogen mich emotional und auch physisch total runter und machten mich absolut fertig. Ich machte mir viele Gedanken und kam zu dem Schluss, dass ich an einem Punkt angelangt war, an dem ich externe Hilfe bräuchte. Denn Freunde und Familie konnten mir mangels Erfahrung (1) und Verständnis (2) nicht weiterhelfen. Ich machte also den Schritt und rief beim dem Verein für ambulante Psychotherapie an. Freundlich und bereitwillig gab man mir (absolut diskret) Auskunft über meine Möglichkeiten und ließ mir eine Liste von TherapeutInnen in meiner Umgebung (9, 17, 18, 19 Bezirk) zukommen. Ich rief eine nach der anderen an und erkundigte mich nach Therapiestunden auf Krankenschein. “Kein Interesse” war die erste Antwort – ganz schön frustrierend! Und das von einem Psychoarzt! “Kein Platz” war die zweite Reaktion, “melden sie sich in 2 Monaten wieder” die Dritte. Bei Nummer vier passte alles. Zwar war auch da Platz knapp, aber die Sympathie stimmte von Anfang an – und das ist bei Therapien das wichtigste – wie soll ich mich einem unsympathischen Menschen öffnen? Also Nummer vier wurde es.

Wie läuft so eine Therapie ab?

Man hat einen Leidenszustand (oben habe ich schon Beispiele angeführt, nocheinmal, das hat nichts muss nichts mit Krankheiten oder Abnormalitäten zu tun haben, ein Streit in einer Beziehung, der Tod eines Freundes oder die Kündigung in der Arbeit reicht oft schon um einen seelisch ordentlich durcheinander zu bringen!) und fühlt sich selbst nicht in der Lage sich aus diesem Zustand zu befreien. Nachdem Zahlungsmodalitäten (auf die ich später noch eingehen werde) und terminliche Fragen geklärt sind, trifft man sich 1 – 2 mal wöchentlich alleine (Einzeltherapie – am häufigsten) oder in einer Gruppe (Gruppentherapien sind selten, aber manchmal hilfreich!) mit einer Therapeutin /  einem Therapeuten und redet über seine Probleme. Genaugenommen muss man nicht reden. Man hat 45 Minuten Zeit in denen du tun kannst, was du willst. Dein Therapeut ist einfach für dich da. Er nimmt sich Zeit für dich um dir zu helfen. Wenn du etwas erzählen willst, hört er dir aufmerksam zu. Er stellt Fragen und hilft dir die Ursache deines Problems zu finden. Oft sind die Probleme gar nicht das Problem, sondern die Ursachen. Die gilt es zu lokalisieren und dann zu ändern. Das zweite ist meistens ganz einfach, das erste nicht – da habe auch ich dringend Hilfe gebraucht.

Am Beispiel Armin – was hat’s gebracht?

Was hat sich im letzten Jahr für mich geändernt? Einiges und das ist der Grund warum ich heute die Therapie (einvernehmlich) beendet habe :

Aus zwei Gründen begann ich meine Therapie – ad 1.)

  • Ich bin ein rund-um glücklicher Mensch. Ich fühle mich zu 99,5 Prozent umwerfend – an dem halben Prozent arbeite ich
  • Ich bekomme genug Aufmerksamkeit und Wertschätzung und weiß worin ich gut bin.
  • Über die (intensive) Beschäftigung mit mir selbst habe ich mich besser kennen gelernt.
  • Ich bin (mir) deswegen Selbst-bewusster
  • Ich habe deswegen ein ungeheures Selbstvertrauen aufgebaut.
  • Weil ich blind in meine Fähigkeiten vertrauen kann, bin ich sehr selbstsicher
  • Diese Selbstsicherheit schenkt mir Tag für Tag einen unerschöpflichen Vorrat an Selbstwertgefühl
  • Ich bin also selbstbewusster, was dazu führt, dass ich Selbstvertrauen habe, das mir Selbstsicherheit gibt und fühle und strahle meinen Selbstwert aus (oder?)

ad 2.)

  • Ich habe ein Jahr lang intensiv versucht meine Trauer zu analysieren.
  • Ich habe viel über mich selbst gelernt und bin zu dem Schluss gekommen: Sollte ich etwas verdrängen ist das in Ordnung, wenn ich es sogut (vor mir selbst) verstecken kann, muss es passen!

Und welchen Anteil hatte meine Psychologin daran? Das ist unmöglich zu sagen. Jeden Tag werde ich bombardiert mit neuen Impulsen. Jeden Moment denke ich an irgendetwas – aber nur ein 168tel meiner Woche sitze ich bei meiner Therapeutin. Natürlich sind diese Erfolge, die ich über das letzte Jahr eingefahren habe nicht nur ihr verdienst: Genau genommen praktisch gar nicht. Denn während den Sitzungen habe hauptsächlich ich geredet – sie hat eine sehr passive Rolle eingenommen und hauptsächlich beobachtet – aber im entscheidenden Moment eine Frage gestellt, die mich immer wieder zu erstaunlichen Ergebnissen und Gedanken gebracht hat! Also natürlich nicht nur ihr Verdienst – Psychotherapie ist kein Wundermittel, aber sicher auch kein Placebo!

Jeder hat sein Problemchen – nimm es ernst!

Nicht jeder verliert seinen Vater mit 15 – Gott sei Dank! Nicht alle Eltern trennen sich – Gott sei Dank! Nicht jeder wird vergewaltigt oder misshandelt – Gott sei Dank! Aber jeder von uns hat seine kleinen Wunden. Die Verletzungen, die man gerne wegwischt und verdrängt. Eine Trennung, ein Professor, eine Schwäche oder eine Stärke mit der man nicht umgehen kann. Laut Weltgesundheitsorgansation (WHO) ist Gesundheit (PDF) „ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.” Nicht nur ein gebrochenes Bein oder eine geprellte Rippe gehört geheilt, auch seelischer Schmerz ist schädlich für deine Gesundheit, aber wichtiger noch: dein Wohlergehen!

Geholfen wird nur wer um Hilfe bittet!

Wir leben in einem Land in dem man kostenlos – auf Krankenschein – eine Psychotherapie machen kann. Mein Appell soll sein: Nimm diese Möglichkeit, vielmehr diese Chance wahr – wenn du dich außer Stande fühlst dir selbst zu helfen! Diese Hilflosigkeit ist zwar schade, aber zu akzeptieren, dir muss geholfen werden. Du darfst nicht verdrängen – denn dann schiebst du nur auf! Achte nicht nur auf deine körperliche sondern auch deine seelische Ausgeglichenheit! Eine Therapie zu machen hat nichts mit Geisteskrankheit oder Schwäche zu tun sondern vielmehr mit verantwortungsbewusstem Handeln dir und deinem Körper gegenüber!

Sollte es irgendwelche Fragen geben, stehe ich gerne bereit sie zu beantworten – zögere nicht mir eine eMail (armin.soykaATgmx.at) zu schreiben oder dich per Facebook bei mir zu melden! Ich helfe gerne und mit Freude – und ich kann Dinge für mich behalten.

Rauchen verbieten?

Verfasst von Armin Soyka am Montag, 21 September, 2009

Gerade habe ich eine interessante Diskussion mit dem Schulfotografen geführt, den ich soeben an unserer Schule “beaufsichtige” und dafür sorge, dass immer Nachschub an SchülerInnen besteht. Naja, er meinte auf jedenfall, man sollte im dritten Stock unserer Schule (wir machen die Fotos im Zeichensaal, der eben im dritten Stock liegt) ein Raucherkammerl einrichten. Daraufhin meine mehr oder weniger geschockte Reaktion: “Sicher nicht, rauchen kann man vor der Tür, aber bitte einige Meter vom Eingang entfernt”. Schließlich hat jeder Erwachsene eine Vorbildwirkung und Rauchen ist kein Verhalten, das man weitergeben sollte. Es ist zwar verständlich, dass Menschen rauchen, erwünschtes Verhalten ist es auf jedenfall nicht. Meine momentanen Überlegungen gingen in die Richtung, zu sagen, rauchen darf man unter drei Bedingungen:

  • im Freien (damit der Stirbstängelduft schnell verschwindet)
  • alleine (damit kein Gruppenzwang entstehen kann, der “schwächere” Individuen zum Rauchen zwingt)
  • und wenn man höhere Sozialabgaben zahlt (als Kompensation für das bewusste und gewollte Risikoverhalten)

Der Fotograf, der ein coole Typ zu sein scheint, und selbst Raucher ist, meinte darauf ganz gelassen: “Warum nicht gleich verbieten?! Entweder es ist so gesundheitsschädigend, dass es nicht akzeptiert wird, oder es wird erlaubt. Ich kann mir ja auch nicht einfach einen Joint drehen. Dann gibt’s halt keine Zigaretten zu kaufen, dann tue ich’s auch nicht.”

Interessanter Ansatz, nicht bedacht ist natürlich, dass es erstrebenswert wäre, dass Menschen sich nicht selber schaden wollen. Verbieten will und kann ich das ja nicht. Außerdem würde sich dann einfach ein riesiger Zigarettenschwarzmarkt bilden, die Polizei hätte sich mit Rauchern herumzuschlagen und Sucht (die Mitleid verdient) wird kriminalisiert. Was bei Verboten passiert weiß jeder, der Kinder beobachtet hat (Volker Pisper forderte in einem seiner köstlichen Vorträge einmal, das Zähneputzen zu verbieten!). Auch hat man in den 30ern in den Vereinigten Staaten gesehen, wohin Verbote führen. Leute sollten nicht rauchen wollen. Verbieten kann ich ihnen nur, anderen nicht zu schaden. Aber da sind wir wieder bei (zu?) hohen Erwartungen an die Menschen…

Ein Lehrer, von dem ich sehr viel halte, meinte darauf, als ich ihn in die Diskussion einband (ja es gibt Lehrer, die so etwas mit Schülern diskutieren!), dass das ein großer Eingriff in die Rechte der Menschen wäre, dass sowas in den Privatbereich fiele und die Öffentlichkeit nichts angehe. Viel sinnvoller wäre es, wieder zur Monopolisierung (und Verstaatlichung) der Zigarettenindustrie zurückzukehren, so würde der Staat doppelt verdienen: Steuern + Gewinn. “Über’s Rauchen diskutiere ich wieder, wenn die Autos vor meiner Tür verboten werden!” … Womit er einen Nagel auf den Kopf trifft. Ja, auch darüber sollte man nachdenken. Die Mobilität der Zukunft kann kaum etwas mit den Autos von heute zu tun haben. Um Christoph Chorherr zu zitieren:

In naher Zukunft wird es schlicht undenkbar sein, zum Transport einer Person mit knapp 80 kg ein bis zwei Tonnen Rohstoffe, soviel wiegen heute Autos, zu beanspruchen, sowie mit Fremdenergie zu bewegen.

Da bin ich ja voll seiner Meinung. Aber zurück zu seinem Statement: Bei der gesamten Debatte handelt es sich um eine verschleierte Faschistuierung der Gesellschaft, von Leuten, die sonst nichts mehr zu sagen hätten. “Ich will nicht wissen, was für Giftstoffe die Flugzeuge, die mittlerweile in Griffnähe über mein Grundstück fliegen, da runterrieseln lassen. Und wird mir das dann angerechnet mit dem CO2-Ausstoß? Ich habe kein Auto.” Geschlossen hat er mit “Im Vergleich was sonst so los ist, wenn ich nach Vorarlberg schaue, sind das alles Marginalien”.

Ich habe wieder einige neue Impulse für meinen Raucherstandpunkt gewinnen können. Im Großen und Ganzen bleibe ich aber dabei: Wer sich schaden will, soll das tun, bekommt dafür auch gerne mein Mitleid und meine Unterstützung aufzuhören, sofern er das will, er darf aber nicht anderen schaden. Da hat die Gesellschaft einzugreifen. Unfreiwilliges Passivrauchen geht einfach gar nicht. Und das Argument “du kannst ja weg gehen” zieht nicht, denn es steht mir, als Staatsbürger, zu, mich an jedem öffentlich-zugänglichen Ort aufzuhalten, ohne vergiftet zu werden. Und Passivrauchen ist nun mal mit Vergiftung gleichzusetzen und steht nicht in Relation zu (einem!) Flugzeug, das über mein Grundstück fliegt oder einem Auto, das an mir vorbei fährt.