Schlechte Verkehrsplanung führt zu Toten auf den Straßen, die wir durch vorausschauendes Managen des Verkehrs beseitigen müssen. Ich hätte heute zum Beispiel fast dran geglaubt. Nicht sehr witzig. Der Schrecken sitzt mir in allen Knochen. Die Täter sind auf der Flucht.
Der Radweg der zweier Linie ist Radlern ein Begriff. Ein sehr eng bemessenes Pfädchen (1,5 Meter? Weniger?) direkt neben einer Teils zwei, Teils drei-spurigen Autobahn (je Fahrtrichtung). Wer nicht gut im Slalom fahren ist, sollte diese Strecke besser nicht befahren – mehrfach stehen unmotiviert Laternenmäste oder Verkehrsschilder im Weg denen man gekonnt zweimal links, einmal rechts ausweichen muss. Alles in Allem: Einer der gefährlichsten Radwege und gleichzeitig eine der wichtigeren Radverbindungen.
Eine Ironie des Schicksals – ich kam aus dem 18. von einer Sitzung wo wir uns die Radfahrstruktur im Bezirk angeschaut hatten und begonnen haben einen Radwegemasterplan für Währing zu entwerfen. Um Mitternacht zirka bog ich in die Landesgerichtsstraße ein. Zwischen Felderstraße und Tulpengasse hatten sich zwei Fußgänger auf meinen Radweg verirrt. Das passiert öfters. Vor allem Nachts, wenn PassantInnen versuchen ein Taxi zu erwischen. Ich beginne zu klingeln. Keine Reaktion. Nach vier oder fünf Versuchen wurden sie auf mich aufmerksam, ich war mittlerweile recht nahe und begann abzubremsen – normalerweise ist das nicht nötig. So nicht bei diesen Menschen. Ich komme immer näher und sie weichen nicht aus. Ich rufe ihnen zu sie sollen mir Platz machen. Langsam beginnen sie sich zu bewegen. Soweit keine Gefahr. Weder ich bin ihnen mit meinen 20, vielleicht auch weniger km/h gefährlich, noch sie mir.
Und dann passiert das unfassbare. Ich bin bereits halb vorbei (den halben Radweg haben sie mir frei gemacht), da packt mich einer von den Beiden am Arm (während ich mit 10, 15 km/h an ihnen vorbei rolle) und gibt mir einen ordentlichen Stoß. Ich verliere das Gleichgewicht – kann von meinem Rad abspringen und es trotz Gepäck im Gleichgewicht halten, lande aber auf der Straße. Zur Erinnerung – auf der zweispurigen Rennstrecke Landesgerichtsstraße, sofern es um die Zeit Verkehr gibt, ist dieser mit mindestens 60, eher 70 km/h unterwegs. Die Überlebenschance bei dieser Aufprallgeschwindigkeit liegt beinahe Null. Mein Leben verdanke ich dem Zufall – unsere Sitzung hat lang genug gedauert, die Ampelschaltung war richtig, oder irgend ein anderer banaler Grund.
Ich springe zitternd so schnell ich kann auf den Radweg zurück und fasse es einfach nicht. Er hat mich einfach auf die Straße gestoßen – wäre die Ampel anders gegangen wäre das ein sicheres Todesurteil gewesen.
Ich bin selten mit Situationen überfordert. Aber da wusste ich einfach nicht mehr was tun. Zur Rede stellen? Auf ihn stürzen? Weg fahren so schnell ich kann? Solche Menschen gehören aus dem Verkehr gezogen. In meiner Panik entfernte ich mich und rief ich bei der Polizei an. Sie wollten einen Wagen vorbei schicken.
Das ganze stellte sich als witzlos heraus. Die beiden kümmerten sich nicht weiter um mich und winkten weiter vorbeifahrenden Taxis nach. Als ich sie konfrontierte meinten sie ich sei ihnen über die Zechen gefahren. Keine Ahnung wie das funktionieren soll, ohne ihnen den Lenker in den Magen zu rammen. Mittlerweile hoffe ich, dass die beiden betrunken waren – was keines Wegs mildernde Umstände bedeuten würde, aber zumindest hieße, dass sie nicht per se eine Gefahr für ihre Mitmenschen darstellen.
Aber weg von dem Einzelfall, hin zu der Regel: Verkehrsplanung ist dafür verantwortlich dafür, dass solche Sachen nicht passieren. Das heißt konkret:
- Radwege nicht nur durch eine Bordkante baulich von (so großen) Straßen trennen, sondern entweder auf die Straße verlegen oder mit Sicherheitsabstand von der Straße führen!
- Radwege weg von Gehsteigen, auf die Straße. Wenn das nicht anders geht, ruhig indem man der zweier Linie auf beiden Seiten eine Spur abzwackt und als Radstreifen umwidmet! Es kann nicht sein, dass FußgängerInnen gegen RadfahrerInnen ausgespielt werden!
- Radwegebenützungspflicht endlich kippen – routinierte Radfahrer (wie ich) gehören auf die Straße und nicht auf enge Radwege, da kommen wir schneller voran und bereiten die autofahrende Bevölkerung auf den steigenden Anteil des Radverkehrs vor,
- keine Radwege unter zwei Meter,
- und noch einige andere Maßnahmen (Rechtsvorrang, große Teile der Ampeln abschaffen,…)
