
Ficken!? Endlich Klartext reden!
Sexualität ist etwas sehr persönliches. Mit ihr kommt viel Verantwortung. Sie ist aber auch ein wichtiger Teil jedes Menschen. Gefahren wie Krankheiten und ungewollte Schwangerschaft stehen Chancen wie persönlichkeitsstabilisierende, gesundheitsfördernde und befriedigende Faktoren gegenüber. Die Verantwortung zu tragen ist nicht immer leicht. Schon gar nicht, wenn man nicht (oder kaum) darauf vorbereitet ist (wird?). Daher bin ich sehr froh, dass die AKS (Aktion Kritischer SchülerInnen, Gegenspieler der (schwarzen) Schüler Union) und (rote) die SJ (Sozialisitische Jugend) sich das Projekt “Ficken!? Endlich Klartext reden!!!” einfallen haben lassen. Die Forderung nach einer Überarbeitung des Aufklärungsunterrichts in der Schule ist richtig wie wichtig und eine tiefgreifende öffentliche Debatte steht dringend an. Denn, wie Iris Schwarzenbacher, eine der Mitinitiatorinen, in diesem Interview ganz richtig sagt: “Jugendliche gehen ganz anders mit Sexualität um als das in der Schule thematisiert wird.” Hier muss dringend überdacht werden, was von wem wann wo unterrichtet wird. Aufklärung auf Bravo – Niveau ist zwar momentan wohl mehrheitliche Realität, kann aber nicht das anzustrebende Ziel sein. Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der ein offener, ehrlicher Umgang mit Sexualität herrscht. Ich schließe mich damit diesen Forderungen der AKS und SJ an:
- Sexkoffer neu – moderne und neue Lehrmaterialien für den Sexualkundeunterricht.
- Pflichtgegenstand “Sexualpädagogik” – mit externen speziell ausgebildeten TrainerInnen
- Lehrstuhl für Sexualpädagogik an Unis und in der LehrerInnenausbildung
- eine Sexualität ohne frauenverachtende Pornobilder
- die Thematisierung von Homo-, Bi- und Transsexualität im Unterricht
- das Tabuthema Sexualität durchbrechen
Einen Punkt nehme ich aus, weil ich ihn für falsch und nicht zielführend halte (“Kondome gratis in Schulen und die Pille danach flächendeckend und rezeptfrei!“).
Weitere Infos zu der Forderung gibt es übrigens:
Super Aktion, aber was mich extrem stört ist die Aussage in dem Flyer, den ich heute auf meinem Sitzplatz vorfand (oben abgebildet):
Anstatt wie Kirche oder ÖVP dafür zu beten, das (sic! Rechtschreibfehler!) Jugendliche keinen Sex vor der Ehe haben, braucht es…
Ich kenne keinen einzigen ÖVP’ler, der dafür betet, dass Jugendliche keinen Sex haben. Das ist billigstes Schlechtmachen des politischen Gegners auf der tiefsten Ebene. Ihm zuerst Überzeugungen in den Mund zu legen (die ÖVP will nicht, dass Jugendliche Sex vor der Ehe haben) und diese unwahre Behauptung dann zynisch lächerlich zu machen (wie lächerlich, die beten dafür!) so frei nach dem Motto: “Die glauben womöglich sogar noch an etwas!” ist echt daneben. Man kann ja auch bei der desillusionierten Politik der SPÖ nicht gerade glauben, dass die an ihre Werte glauben!
Ich sage nicht, dass ich große Sympatien für die ÖVP hege. Ich bin mit vielem, was gemacht wird, nicht einverstanden und auch die grundlegenden Ideale der ÖVP sagen mir deutlich weniger zu als die anderer Parteien. Trotzdem. Im Grundsatzprogramm (hier Link zum PDF) der Schwarzen steht zum Beispiel:
Wir bejahen Familienplanung im Sinn verantworteter Elternschaft und fordern rechtzeitige und umfassende Erziehung dazu und Beratung darüber. (Seite 19, 7.1. Schutz des Lebens, Punkt 2)
Genauso lassen sich dort Aussagen finden wie:
Junge Menschen sollen ihre Lebensbereiche eigenverantwortlich gestalten.
Das sind nicht die einzigen vielversprechenden Aussagen. Davon gibt es mehrere. Mit der ÖVP könnte man hier einen Partner, einen Mitstreiter und eine absolute Mehrheit im Parlament gewinnen, um diese wichtigen Forderungen umzusetzen. Anstattdessen macht man sich lustig und verbreitet Unwahrheiten! Schade, dumm, kontraproduktiv ist das in meinen Augen!
Diese Idee hat es nicht nötig, andere schlecht zu machen. Sie strahlt nicht nur, wenn andere mit Schmutz bespritzt wurden, sie hat auch so absolut Anspruch gehört zu werden!
Ich hoffe hier ändert sich noch etwas.
PS: In die rechte obere Ecke des Bildes hat sich die Sommerticket Werbung der ÖBB verirrt, weil sie einander so ähneln =)
PPS: Ja ich bin mir bewusst, das der Titel dieser Kampagne und des Blogbeitrags sehr plakativ ist. Und ich bin mir auch nicht sicher, ob das gut so ist. Ob es nicht besser wäre mit irgend einem langweiligen, faden Titel aufzuscheinen, der bei niemandem die Alarmglöcken läuten lässt. Wenn du Meinungen dazu hast poste sie, ich bin offen dafür und freue mich darüber!
EDIT:// Nachtrag: “In einer Studie der Universität Koblenz-Landau wurde im Jahr 2000 bekannt, dass 82 Prozent aller Katholiken und 81 aller Protestanten den Geschlechtsverkehr als wichtig ansehen.” – http://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechtsverkehr