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Über das Leben eines Heterojungen mit schwulen Eltern.

Posted by on Montag, 12 Dezember, 2011

Ich kenne die verschiedenen Modelle zur Bestimmung der eigenen sexuellen Identität. Ich kenne sie nicht gut, aber ich weiß ungefähr was es gibt. Ich kenne auch mich halbwegs. Mittlerweile. Früher war das anders. Da war mir der Begriff “sexuelle Identität” noch kein Begriff.  Worauf ich stehe, im Bett, aber auch im Leben, war eh klar. Das stand ja auch nie zur Diskussion. Ich konnte immer ganz gut mit dem, was normal war, leben. Und solange du normal sein kannst, ohne dass dir was fehlt, gibt’s ja auch wenig Grund zu reflektieren. Außer das System – die Schule, oder die Eltern sehen es vor. Tat es aber nicht.

Ich war ein kleines Heterobubi, ohne ernst zu nehmende sexuelle Erfahrung und ohne jegliche Reflexion über meine eigene sexuelle Identität, als ich mit siebzehneinhalb Jahren plötzlich schwule Eltern hatte. Kelly und Glenn gaben mir ein Zuhause. Für fünf Monate und 11 Tage lebte ich unter ihrem Dach, spielte nach ihren Regeln und wurde von ihnen geliebt und liebte sie.

Eine spannende Zeit brach an für mich. Was war passiert? Ich wurde Austauschschüler. Am 27 Dezember 2007 ging alles los. Eine Gastfamilie sei gefunden worden für mich, lies man mich wissen – immerhin, drei Wochen vor Abflug war das höchste Zeit. Alle anderen hatten ihre Familien schon seit Monaten. Die kurze Vorlaufzeit würde nicht das einzige bleiben, das meine Erfahrung von denen meiner fellow sendees unterscheiden würde. Ich kann mich genau an das Gespräch erinnern. Es gebe ein lesbisches Paar in Tucson, Arizona, das mich gerne aufnehmen würde. Aber natürlich könnte ich das Placement ablehnen.

Und da begannen die Rädlein in meinem Kopf zu rattern. Lesben. Homosexualität. Fragezeichen. Weiter kam ich nicht. Ich war immer ein umtriebiger Kerl gewesen. Verschiedene Schulen, Turnverein, Ministranten, große Verwandtschaft. Eine outgoing person. Ich kannte viele Leute. So geschätzt 3’000 hätte ich gesagt. Und ich hätte keinen einzigen benennen können, der schwul ist, keine einzige, die lesbisch wäre. Das machte mich baff.  Ich hatte nie Probleme mit Schwulen gehabt. Wie auch – es gab sie ja in meine Leben auch nicht.

Nach ein wenig Recherche stellte sich heraus, dass es sich um zwei Männer handelte, keine Frauen. Ein Fehler in der Kommunikation. Beides studierte Psychologen. Sie hatten schon sechs mal vor mir gehostet und klangen am Telefon und per Mail ausgesprochen aufgeschlossen und liebenswert.

Ich traf eine der Entscheidungen. Sie würde mein Leben auf den Kopf stellen. Ich sagte ja.

Und so landete ich drei Wochen später, am 11. Jänner 2008, bei 18 Grad Außentemperatur am Tucson International Airport. In der Ankunftshalle warteten sie auf mich. Das Bild werde ich nie vergessen. Kelly in ockerfarbenen Trenchcoat, neben im Glenn in Shorts, kurzem Hemd, Crocs und Starbucks Trinkbecher in der Hand – beide strahlen sie mich an. Immer wieder wandern diese Bilder durch meinen Kopf. Das Wohlwollen, die Ruhe und gleichzeitig die Vorfreude. In ihren Gesichtern war es alles abzulesen. Nicht oft haben Neugeborene – und das war ich in ihren Augen – die Möglichkeit diese Momente zu reflektieren. Erster Eindruck einer liebenden Kraft. Bedingungslos.

Es folgten Heimfahrt, Hundeschnuppern, Abendessen, eingewöhnen. Die Tage zogen dahin. Bald waren Monate um. Mein persönlicher Schatz wuchs. So viele Erfahrungen. So viele Eindrücke. Freunde, AFS, Schule, Reisen, aber vor allem Persönlichkeitsentwicklung. Viele Dinge änderten sich kurzer Zeit. Heute bin ich dankbar für jeden Tagebucheintrag, der den ungeheuren Wandel in mir dokumentiert und belegt wie schnell Menschen wachsen können, wenn die Umstände nur herausfordernd genug sind.

Und gefordert war ich. Begleitet haben mich meine Eltern. Ich nannte sie niemals Dads. Und trotzdem waren sie es. Sie kamen zu meinen Schulaufführungen und Track Meets, fuhren mich zur Soccer Practice und verboten mir auf Partys zu gehen. Aber das ist es nicht, was gute Väter ausmacht. Sie waren vor allem eines: Emotionally involved. Wie ein roter Faden ziehen sich unsere intensiven und intimen Gespräche durch meinen Aufenthalt. Sie haben mich gelehrt zu reflektieren. Mein Vater starb als ich 15 war. Die Pupertät hat mir zugesetzt. I had some issues. Sie haben sich auf mich und meine Macken eingelassen, mit mir gearbeitet. Immer wieder meinte Kelly “You are an angry little boy!” und mit der Zeit lernte ich verstehen was er damit meinte. Als ich zurück kam war ich anders. Ein Stückchen gereift.

Die Geschichte die ich hier erzähle ist die eine der bedingungslosen Liebe. Die Beziehung zu meinen Eltern war intensiv. Wir hatten es nicht immer leicht. Ich war ein schwieriger Kerl, und gerade mit Kelly gab es große Konflikte. Es liefen einige unschöne Sachen. Aber – und das beeindruckt mich immer wieder – es gab Platz für all diese Erfahrungen und Gefühle. Wut, Trauer, manchmal sogar Hass. Und dann wieder klärende Gespräche und Vergebung. Geprägt war dieses stetige Auf und Ab von einer umsichtigen Hingabe, die ich bei wenigen Menschen bisher erleben durfte.

Ich erinnere mich an einen Abend, nach Stunden der Diskussion saß ich mit Glenn im Wohnzimmer. Kelly war wütend und genervt zu Bett gegangen. Beide hatten wir Tränen in den Augen. Wir hatten lange und ausführlich über unsere eigenen Fehler gesprochen. Versucht zu erklären. Und waren bis zum Verständnis vorgedrungen. Es war einer dieser Momente vollendeter Trauer und Schönheit, die dich unglaublich berühren und mit einem Menschen verbinden. Solche Erfahrung durfte ich mit meinem leiblichen Vater nicht machen. Aber ich konnte sie nachholen. Weil zwei emotional unglaubliche fähige Menschen beschlossen hatten mich aufzunehmen und mich bedingungslos zu lieben, stärker zu machen und aufzubauen.

Erfahrungen wie diese sind es, die ein Leben für immer ändern. Erfahrungen wie diese sind es, die so unaussprechlich vielen jungen Menschen nicht angeboten werden. Die sie aber so dringend bräuchten, als Proviant für den Weg zum ganzen Menschen.

Und so dankbar wie ich bin für die Zeit, die ich mit meinen zwei Vätern verbringen durfte, sosehr widert es mich an, wenn ich immer und immer wieder erklären muss, warum homosexuelle Menschen natürlich Kinder adoptieren dürfen müssen. Immer und immer wieder kotzen Menschen ohne Hirn oder ohne Seele zu diesem Thema etwas in die Öffentlichkeit. Da wird unreflektiert und dumm argumentiert, ohne zu sehen, wie viele heterosexuelle Eltern Tag ein Tag aus versagen. Dabei liegen die Fakten auf dem Tisch, die Realität ist längst eine andere. Längst lassen sich homosexuelle Partner das Recht auf Familie nicht mehr absprechen. Männer trennen sich von ihren Frauen, outen sich und nehmen ihre Kinder mit zum neuen Partner. Schwule und lesbische Paare bekommen zusammen Kinder, ziehen sie zusammen auf. Frauen adoptieren Kinder als Einzelperson, aufwachsen tun die Kinder aber mit zwei Müttern. Und das ganze funktioniert so gut, dass es nicht einmal auffällt. Niemandem. Regenbogenfamilien sind längst Realität, in allen nur denkbaren Konstellationen. Die Kontroversen die geführt werden sind Scheindebatten rechter Rattenfänger. Das einzige was sie bringen ist eine Verzerrung der Wirklichkeit auf Kosten derer, die eh schon mit Rechtsunsicherheit leben müssen. Zach Wahls, Sohn zweier Mütter, hat zu dem Thema in Wirklichkeit schon alles gesagt, was es zu dem Thema zu sagen gibt. “The sexual orientation of my parents has had zero effect on the content of my character.” Seine bewegende Rede vor dem Iowa House of Representatives hat mich zu diesem sehr persönlichen Artikel bewegt. Obwohl die Situation so offensichtlich ist, haben wir noch immer einen weiten Weg zu gehen, bis es endlich selbstverständlich ist, dass wer Liebe geben kann, dies ganz selbstverständlich auch darf. Durch Menschen wie mich und Zach kommen wir riesen Schritte voran. Wir sind der lebende Beweis, dass Liebe keine Grenzen kennt und homosexuelle Menschen selbstverständlich gute, wenn nicht bessere Eltern sein können.

“If you’ve got space in your heart to love someone, do it, because you get so much more out of it then you could possibly put in.” sagt Kelly.

Und das haben sie beide gelebt. Meine Dankbarkeit kennt keine Grenzen. Danke Kelly, Danke Glenn.

Würden wir doch gehörter.

Posted by on Montag, 7 Dezember, 2009

politikverdrossenejugend

Heute hatte ich die Ehre den obrigen Tweet zu retweeten. Ja, da haben’s ein paar kapiert. Und ja, das ist auch gut so. Dass ich optimistisch in meine und unsere Zukunft blicke, das habe ich schon mehrfach durchblicken lassen, sage es laufend. Dass ich damit anscheinend ansteckend bin, das freut mich ungemein. Und dass es dann sogar ein paar große einsehen (ob wegen mir oder nicht, das ist ja ganz egal) freut mich ganz ungemein. Read the rest of this entry »

AFS and CouchSurfing

Posted by on Samstag, 20 Juni, 2009
I want to change the world – I know, deep in my hear, and also my brain I can make this world go round a little more smoothly! This note will show you one way of how I want to accomplish (and am accomplishing!) this goal.
These are the countries germany is hosting to!
AFS – is a non-governmental-organisation (NGO) and it’s a non-profit-organisation (NPO). AFS’s highest goal is it to accomplish world peace. This is it’s statement of purpose:
AFS is an international, voluntary, non-governmental, non-profit organization that provides intercultural learning opportunities to help people develop the knowledge, skills and understanding needed to create a more just and peaceful world. AFS enables people to act as responsible global citizens working for peace and understanding in a diverse world. It acknowledges that peace is a dynamic concept threatened by injustice, inequity and intolerance. AFS seeks to affirm faith in the dignity and worth of every human being and of all nations and cultures. It encourages respect for human rights and fundamental freedoms without distinction as to race, sex, language, religion or social status. AFS activities are based on our core values of dignity, respect for differences, harmony, sensitivity and tolerance.

also in german – Das AFS Leitbild: AFS ist eine international tätige, unabhängige und gemeinnützige Freiwilligenorganisation. AFS Interkulturelle Bildungsprogramme unterstützen Menschen in der Entwicklung ihres Verständnisses, ihres Wissens und jener Fähigkeiten, die erforderlich sind, um zu einer gerechteren und friedvolleren Welt beizutragen. AFS will Menschen befähigen, sich verantwortungsbewusst für den Frieden, für ein besseres Verständnis der Völker untereinander sowie für einen besseren Umgang mit einer sich verändernden Welt einzusetzen. AFS ist überzeugt, dass die Entwicklung des Friedens ein dynamischer Prozess ist, der durch Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Intoleranz gefährdet wird. AFS setzt sich ein für die Würde des Menschen, für den Wert jedes einzelnen Menschenlebens, für alle Völker und Kulturen. AFS fördert die Achtung der Menschen- und Grundrechte ohne Diskriminierung von ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht, Sprache, Religion oder gesellschaftlicher Stellung.AFS gestaltet seine Programme basierend auf seinen Grundwerten: Würde, Achtung der Vielfalt, Harmonie, Einfühlungsvermögen und Toleranz.

Following countries are participating in AFS Intercultural Programm:
Egypt, Argentina, Australia, Belgium, Bolivia, Bosnia, Brazil, Bulgaria, Chile, People’s Republic of China, Costa Rica, Denmark, Germany, Dominican Republic, Ecuador, Estonia, Faroe Islands, Finland, France, Ghana, Greece, Greenland, United Kingdom , Guatemala, Honduras, Hong Kong, India, Indonesia, Ireland, Iceland, Italy, Japan, Canada, Colombia, Croatia, Latvia, Liechtenstein, Lithuania, Luxembourg, Malaysia, Malta, Mexico, Netherlands, New Zealand, Norway, Panama, Paraguay , Peru, Poland, Portugal, Philippines, Romania, Russia, Sweden, Switzerland, Slovakia, Slovenia, Spain, South Africa, Thailand, Turkey, Tunisia, Hungary, USA, Venezuela, Cyprus – there are more then 100.000 volontiers world wide and each year about 13.000 young kids are sent abroad and hosted in another countrie – since 1919 when AFS started about 370.000 people have stayed abroad and changed the world a little bit!

I participated in an AFS semester programm and went to Tucson, Arizona, USA from Jan. to July 2008. I did open my mind, I see things diffrently now, I understand different cultures better now and I realized how much we can learn of each other!
check out more information on AFS here:
http://www.afs.org/ (english) – http://www.afs.at/ (german)
http://en.wikipedia.org/wiki/AFS_Intercultural_Programs (english) – http://de.wikipedia.org/wiki/American_Field_Service (german)
http://www.flog.in/stories/4698839/ (blog entrence about afs in german)

Couchsurfers around the world! Impressive!
Another thing I am about to start is CouchSurfing. It’s an online platform you can register for (for free). And people will just let you stay with them (on their couch) for several days/weeks (whatever you want) and you let people stay on your couch (if you want to!)

It’s decleration of intention says:
“CouchSurfing seeks to internationally network people and places, create educational exchanges, raise collective consciousness, spread tolerance, and facilitate cultural understanding.”
As a community we strive to do our individual and collective parts to make the world a better place, and we believe that the surfing of couches is a means to accomplish this goal. CouchSurfing isn’t about the furniture- it’s not just about finding free accommodations around the world- it’s about participating in creating a better world. We strive to make a better world by opening our homes, our hearts, and our lives. We open our minds and welcome the knowledge that cultural exchange makes available. We create deep and meaningful connections that cross oceans, continents and cultures. CouchSurfing wants to change not only the way we travel, but how we relate to the world!”

There might be people who say: That’s too dangerous, that’s too doubtfull or it’s just not convinient enough. For these people I have some numbers here: Right now there are 1,195,950 CouchSurfers, 1,188,586 surfs or host experiences were made, 1,376,801 friendships were created and last but not least - there were 2,206,925 Positive Experiences made! Couchsurfing is represented in 232 countries and 60,373 cities in the world. I think thats amazing! I probably will participate the first time this summer to stay in Paris for a couple of days! Im very excited – and positive to just go another step torwds a better, more peace- and respectfull world!

I believe in Change! Do you?

Also published on Facebook (http://www.facebook.com/note.php?note_id=101083541274)