Spannendes 2012!
2011 ist vorrüber. Das meiste lief nach Plan und doch ist wenig gelaufen so wie ich mir das gewünscht hätte.
Politisch gesehen habe ich meine ersten Gehversuche als Mandatsträger gemacht. Anträge eingebracht. Redebeiträge geliefert. Lösungen gesucht. Ideen gehabt. Viel gelernt. Greifbares Ergebnis aus einem Jahr Arbeit: Eine Tempo 30 Tafel. Unbefriedigend.
Bis März habe ich meinen Präsenzdienst hinter mich gebracht. Vor genau einem Jahr war ich noch Leibeigener. Unterdrückt, beschimpft und ausgenutzt. Vermutlich die schwierigste Zeit meines Lebens bisher. Hinein gegangen bin ich als mündiger, glücklicher und politischer Mensch. Herausgekommen als geprügelter Hund ohne Mut. Die Wunden heilen. Langsam.
Ich habe begonnen zu studieren. Volkswirtschaftslehre und Philosophie. Musste bald merken, wie unkonkret, teilweise oberflächlich und an machen Ecken auch nutzlos die Inhalte – zumindest bisher – waren und blieben. Mit Philosophie werde ich nächstes Semester wieder aufhören. Die Erwartungen wurden enttäuscht.
Und dann gibt es noch mein privates Privatleben. Zusammenziehen. Mit einer Frau, die man von Herzen liebt. Kämpfen um eine Wohnung – als Student, ohne nennenswerte Einkünfte ein Graus, fündig werden, einziehen, einrichten, heimelig machen. Und dann die bittere Erkenntnis – allen Bemühungen zum Trotz, es will einfach nicht passen. Verzweiflung. Trennung. Trauer. Unsicherheit. Schmerz. Durch den Tag kommen. Aufraffen. Neue Wohnung suchen. Finden. Verhandeln. Umbauen. Dreck und Schweiß.
2011 ist vorrüber. Es war kein gutes Jahr. Es war ein spannendes.
Mein Jahr war geprägt von Verlust, Enttäuschungen, Angst und Unsicherheit. Dem gegenüber steht nichts andere als die drastische Veränderung. Nichts bläst so kontinuierlich durch mein Leben wie der Wind des Wandles. Jede Veränderung stößt mich in unentdecktes Terrain. Die ersten Schritte tun immer weh. Und wir gewöhnen uns niemals, an dieses eigenartige Gefühl des Unwohlseins. Ein Gefühl, das wir instinktiv als ungut bezeichnen würden. Und doch bringt es uns weiter, dieses Gefühl. Es zwingt uns zu lernen, zu lösen und letztlich zu wachsen. Wir erkämpfen uns neues Territorium. Mal für mal. Und am Ende sind wir größer.
2011 ist vorüber. Es war ein spannendes Jahr. Das ist gut so.
Ich will keine gutes Jahr. Ich will ein spannendes Jahr. Ich will Herausforderungen. Ich will Neuland erkunden. Und als Mensch wachsen. Das bedingt, dass man auch mal versagt und versagt – es ist die Kehrseite der Medaille. Es ist der Preis, den man zahlt für ein spannendes Leben. Ich bin gerne bereit ihn zu zahlen.
Mir, mir wünsch ich ein bisschen mehr Spannung als im letzten Jahr und euch, euch wünsch ich das auch. Weil ein Leben, in dem was passiert, befriedigender ist, als eines in dem alles gut ist.