Schubhaft überfordert
Herauszufinden, was richtig und was falsch ist, ist für junge Menschen praktisch unmöglich, weswegen viele aufhören, nach der Wahrheit zu suchen und sich dem typisch österreichischen “Wuuurscht” zuwenden. Warum? Ich möchte versuchen hier ein Beispiel zu geben:
Drei Blogartikel, drei Videos und 36 Gesetztesstellen. Und ein junger Mensch, der das richtige tun, sagen, machen will und keine Ahnung hat, wie er dazu kommen soll!
- “Heinz Patzelt zum Hungertod in Schubhaft” – klingt logisch, macht Sinn
- “Alev Korun im Schubhaftzentrum Wien” – klingt auch sinnvoll
- “Ist es also wirklich nur ein schlimmer Einzelfall, wenn „gesunde und muntere“ Flüchtlinge wie Gaganpreet Singh in einer Polizeizelle nach einer amtsärztlichen Kontrolle verhungern? Oder steckt dahinter nicht doch ein verrottetes System, das das Innenminsterium wider besseres Wissen seit Jahren duldet.” fragt Florian Klenk auf seinem Blog
Das alles macht Sinn, keine Frage, aber dann gibt es eben auch die anderen Stimmen, die irgendwie logisch klingen.
- Aber wenn Maria Fekter zum Beispiel sagt: “Wenn jemand negative Bescheide erster Instanz, negative Bescheide zweiter Instanz, negativ beim Asylgerichtshoft plus Ausweisebescheide, rechtskräftige Abweisebescheide in Händen hält, dann wird es ihm nichts helfen wenn er kurz vor dem Einsteigen in das Abschiebeflieger wieder Asyl sagt als Folgeantrag.” Und das macht Sinn, oder etwa nicht? Und die Zweifel beginnen. Ist das System verrottet?
- Wenn dann als zweites ein Blogger daherkommt, der zwar laufend Strittige, aber ehrlich-wirkende Artikel schreibt und im Suppenkaspar #1 und #2 in seinem Blog argumentiert, dass man den Haftentlassungsgrund “Haftunfähigkeit” streichen sollte, beginnen die Zweifel.
Es ist nicht leicht, das Richtige zu tun. Meistens sagt’s einem das Gewissen, aber was ist in solchen Fällen? Was soll man da tun? Aufgeben?
Du hast ganz recht, deswegen habe ich versucht, kurz und bündig (und ja, mit etwas Wut im Bauch) der Fekter/Suppenkaspar-Fraktion was entgegenzuhalten: http://farblos.net/2009/09/16/was-der-staat-nicht-darf/
Das grundlegende Problem ist doch, dass der Staat einfach niemanden umbringen darf. Wenn jemand unter der Aufsicht des Staates stirbt, dann müssen wir fordern, dass man das ganz genau untersucht. Immerhin müssen da ja Behörden gegen ihre Kollegen, also der Staat gegen sich selbst ermitteln: Da braucht es unbedingt eine kritische Öffentlichkeit, Leute wie Klenk, die differenziert aber ohne zu verharmlosen Missstände anprangern.
Allerdings ist die Schubhaft an sich wirklich eines der schwierigeren Probleme hierzulande. Unstrittig ist aber eigentlich schon, dass zumindest die Bedingungen der Schubhaft unter aller Kritik sind. Wer da auch noch die Abschaffung von Haftentlassungsgründen fordert – für solche Leute fallen mir keine zivilisierten Worte ein, tut mir leid ;)
Also: nicht aufgeben, versuchen die grundlegenden Probleme dingfest zu machen, lesen, diskutieren.
Danke Markus für den Link und dein Mut machen am Schluss (“nicht aufgeben, versuchen die grundlegenden Probleme dingfest zu machen, lesen, diskutieren.”)
Das alles tue ich ja. Und selbst mir, der ich mich parktisch rund um die Uhr versuche in alle Richtungen kritisch und selbstkritisch zu bilden, Ideen zu sammeln und zu hinterfragen, komme immer wieder an die Grenzen meiner Urteilungsgabe. Das war vielleicht ein blödes Beispiel (und es war ja nichts anderes als ein versuch eines Beispiels zu dem vorigen Blogpost “Überfordert zu Fragen” , ich hätte auch anhand von politischen Parteien, Religionen, der Frage nach dem Sinn des Lebens oder etwas ganz Banales wie die Überlegung ob ich eine neue Jeans brauche argumentieren können. Es geht darum, dass es zuviel gibt, der “Markt” an Information so groß ist, dass er vielen Menschen (besonders junge leiden darunter, zumindest ist das mein Gefühl! Diese Ohnmacht nicht zu wissen was richtig und was falsch ist und sich nicht in der Lage zu fühlen es herauszufinden) nicht Freiheit sondern Fesseln, Fesseln des vor allem Selbstvertrauen auferlegt!