Prävention statt Angst und Hetze
Der Kriminaltourismus wird immer öfter als riesiges Sicherheitsproblem, als Ursache allen Übels dargestellt. Das ist zwar nur teilweise richtig, „to point fingers“ ist aber angenehmer, als Reformen in Angriff zu nehmen. Wie auch immer, es wird schon stimmen, dass es diese bulgarischen, polnischen und rumänischen Banden gibt, die Österreich mit Aldi verwechseln. Mir ist jetzt eine Idee gekommen, wie man diese Verwechslung aufkären und die Verbrecherbanden stoppen oder reduzieren könnte:
Wenn solche Banden kommen, kommen sie meistens aus einer Region, oft einem Dorf, und in den meisten Fällen kommen sie (denke ich zumindest), weil sie keine Entwicklungschancen in ihrer Heimat sehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Arbeitslosigkeit in diesen Gebieten, Kriminalität und Aussichtslosigkeit (?) etwas sehr Alltägliches sind. Jetzt ist es logisch, dass all diese Punkte eng mit dem Faktor Bildung zusammenhängen. Je mehr Bildung, desto weniger Kriminalität, je mehr Bildung, desto mehr Kreativität, desto mehr Jobs, je mehr Jobs desto weniger Aussichtslosigkeit (kannst du folgen?).
Was wäre jetzt, wenn man diesen Gemeinden anbieten würde, eng mit ihnen zu kooperieren – „Entwicklungshilfe“ zu leisten. Man könnte Schulen bauen (Christoph Chorherr hat mit seinem Projekt Ithuba gezeigt, wie großartig das mit Lowbudget geht!), Kredite nicht nur an Großunternehmen, sondern an Familien, Bauern, Selbstständige (Mikrokreditsystem) ausgeben, Erwachsenenbildung fördern und Tourismuskompetenzen entwickeln. Wir könnten Schüleraustausch betreiben und Werbung machen, dorthin auf Urlaub zu fahren (ja, die Idee hab ich von hier geklaut!). Wir könnten etwas von unserem österreichischen Know-How exportieren und das würde sich sogar auszahlen, weil unsere Lehrer, Professoren und „Entwicklungshelfer“ dadurch selbst natürlich auch verwertbare Informationen sammeln würden.
Ich bin überzeugt, dass keiner von diesen Menschen von Grund auf böse ist. Fehlt ihnen der Grund als “Langfinger” zu kommen, werden sie das auch nicht mehr tun. Was denkst du? Könnte das klappen? Ist das eine Idee, die es wert ist weitergedacht und geführt zu werden?
Natürlich müsste man sich genau die Zahlen anschauen: wer kommt von wo, wie sind dort die wirtschaftlichen Bedingungen, was könnten wir wirklich verbessern und so weiter. Das hier ist nur die rohe Idee, die mir gesern Abend beim Verfassen dieses (Bloghistory/ Alles Blödsinn. Rechtstaatlichkeit? …von wegen!) Beitrags gekommen ist.
Bitte kommentiert fleißig, damit ich (wir?) weitere Schritte setzen können, falls ihr die Idee für gut haltet (ich freu mich auch über kritische Rückmeldungen – nur so kann ich heraus finden, wenn die Idee schlecht ist!).
Die Frage nach der Gerechtigkei
Hi :)
Deinen Ansatz dass Kriminaltourismus bzw Kriminalität allgemein mit Perspektivenlosigkeite bzw. mangelnder Bildung zusammenhängt ist ohne wenn und aber richtig.
Ich würde mich zwar nicht trauen zu sagen dass es niemanden auf dieser Welt (egal ob Österreich, Rumänien, Thailand oder sonstwo) gibt der von Grund auf bzw aus einer Laune heraus “böse” ist, aber bestimmt ist dieser Anteil verschwindend gering.
Zur Problemlösung: Ich glaube nicht dass das ganze über Mikrokredite finanzierbar ist (glaube – ich hab wirtschaftlich wenig Ahnung), wichtiger finde ich den ohnehin bereits in Gang seienden Kampf gegen Korruption in eben diesen Ländern zu fokusieren. Diese Staaten bekommen – zumind. teilweise – bereits beachtliche Subventionen, freilich dürfen es gerne noch mehr sein, allerdings MUSS sichergestellt werden dass diese Förderungen auch sinnvoll ankommen.
Es ist doch so, ist transparent wohin unser Geld fließt sind wir bereit mehr zu geben, egal ob in kleinem Stil auf der straße (ich würd auch Bettlern öfter was geben wenn ich nicht im Hinterkopf hätte dass eben vieles organisierte Kriminalität ist, und ja ich hab das öfter selber gesehen) oder eben bei Finanzspritzen für Staaten.
Da sollte die EU, die Wirtschaftsaufsichten und was weiß ich wer (wie gesagt Wirtschaft, nicht mit mir ;)) den Hebel ansetzen.
Ich kenne mich nicht gut genug damit aus um fundierte Fakten zu liefern, aber ich bezweifel dass eben jene “Kriminaltouristen” aus BESTIMMTEN Dörfern, Familien, was auch immer kommen. Ich denke dieses Problem gibt es in fast jeder Gemeinde/Provinz/Stadt in jedem weniger wohlhabenden Staat der Welt (alles ist relativ, im Vergleich zu den Menschen im Kongo gehts auch den Rumänen gut…). Es ist nicht möglich über einzelne Projekte wie zB schüleraustausch alle diese Dörfer u.ä soweit bildungsmäßig zu stabilisieren. Das wäre ein Tropfen auf dem heißen Stein.
lg Co
PS: Nix gegen Rumänien ansich, es war mir nur zu blöd jedes mal 10 staaten als Beispiele aufzuzählen..
Natürlich, auch das von mir genannte Projekt http://www.ithuba.org ist nur ein Tropfen auf dem heißen, sehr sehr heißen Stein. Wie heiß dieser Stein ist, kann man an den Wohnunseinbrüchen in Wien, in den Aufständen im Iran, bei den Selbstmordanschlägen im Irak, bei den Piratenangriffen in Somalien, bei den Auseinandersetzungen in Tschetschenien, den im Mittelmehr ertrunkenen Afrikanern, dem Armutsbricht, Sozialbericht und Wertestudie in Österreich und und und und und und und sehen.
Der Stein ist heiß. Er glüht schon fast. Überall auf der Welt sind Krisenherde. Überall brodelt es. Egal ob Sri Lanka, Mexico, Kongo, Tschetschenien,…….. Dringend Zeit für Menschen die ihren Tropfen auf den heißen, fast schon explodierenen Stein spritzen. Dringend Zeit, dass jeder von uns, die wir die Kapazitäten dazu haben (!!!!), ihren Teil beitragen, dringend Zeit, dass wir unser Verhalten ändern und den Stein Tropfen für Tropfen abkühlen, statt “more of the same”, weiterzuhetzen und zu denken, mit härteren Asylauflagen und innerEUlicher Grenzsicherung wäre das Problem zumindest für zwei, drei weitere Legislaturperioden aufgeschoben! Dringend Zeit, denkst du nicht?
Ich weiß nich, ob Mikrokredite, Bankenhilfsprogramme oder Menschenrechtsaktivisten das sind was wir mehr brauchen. Ich weiß nur wir müssen es GEMEINSAM BALD rausfinden, sonst beginnt der Stein zu glühen und dass wird, wie der zweite weltkieg für alle erdlinge unangenehm, dank technologischen Fortschritt sogar wohl schlimmer!
Dringend Zeit!
Selbstverständlich muss etwas getan werden. Der Tropfen auf dem heißen Stein ist trotzdem nicht zielführend, er verdampft, vertrocknet oder was auch immer. Um bei Metaphern zu bleiben: wir müssen einen Fluss über dieses Steinfeld führen.
Dass Sicherheitsverschärfungen nicht der langfristige Weg zum Ziel sondern kurzfristige Placebos sind ist wieder richtig.
Ich kann es nur noch einmal sagen: du kannst dem “normalen”, wenig denkenden (ja ich habe über Menschen allgemein keine ganz positive Einstellung, zumind. einem nicht geringen Anteil gegenüber…) Menschen schwer klar machen wieso wir noch mehr Geld in andere Länder pumpen sollten wenn die damit “doch eh nix anfangen”. Und das ist leider die gängige Meinung in sogut wie ALLEN wohlhabenden Staaten.
Die Lösung wäre in meinen Augen außer strengere Aufsichten wo diese Geldmittel hinfließen einmal am sozialen Gewissen zu rütteln. Und ich rede nicht von Privaten wie Karlheinz Böhm oder vereinzelten Organisationen, der Staat ansich muss sich durchringen und überwinden.
Das sagt sich jetzt selbstverständlich sehr leicht daher und ist in der Realität ein Meilenstein, aber es ist machbar wenn endlich persönliche Bestrebungen diverser Politiker diverser Parteien (ich mag mich da nicht festlegen) in mehreren Staaten hinten angestellt werden.
Beinahe ein Ding der Unmöglichkeit, aber nur beinahe.
Das Problem ist doch dass jede vermeintliche “Schwachstelle” (zB partei X fordert mehr förderung für Land XYZ, Partei Y wirft partei X vor die eigene Bevölkerung zu übergehen und so weiter) direkt und gewissenlos ausgenutzt wird.
Ich kann da leider Gottes auch kein Universalrezept anbieten wie man diversen Staaten bestmöglich auf die Beine hilft, wenn ich eines hätte gäbe es weniger Not auf der Welt und ich wäre stinkreich :P (natürlich würde ich mein tolles Rezept auch gratis bereistellen, allerdings bekomme ich nach meinem Gewinn des Friedensnobelpreises für jedes Interview 100.000 Euro + nacktfotos von Obama von The daily news o.a zeitschriften zugesteckt =))
Ergo: Viel zu denken, viel zu schreiben, viel zu tun und doch so wenig handfestes.
lg Co
Fleißig kommentieren?? gg – na gut, also dann …
Ich hab mir tatsächlich die Mühe gemacht und einen Großteil des Blogs gelesen – bei vielen Dingen kann ich zustimmen, bei anderen wieder nicht. Aber das ist eigentlich egal. Jedenfalls strahlen deine Artikel sehr viel Enthusiasmus und Interesse an den Menschen aus. Und darauf kommt es doch im Endeffekt an.