Nix brennt in unserer Uni!

Geschrieben von Armin Soyka am Montag, 26 Oktober, 2009 um 5:43

Unsere Uni

Gibt es etwas anderes als lächelnde Menschen? Menschen, die sich gebraucht und gewollt, nützlich und stark fühlen? Menschen, die an etwas glauben und dafür einstehen, ihre Ideen einbringen und gehört werden? Gibt es etwas Schöneres als eine große Vision? Gibt es etwas Schöneres, als wenn alle mithelfen? Gibt es etwas Schöneres als eine Audimaxbesetzung? Ich habe die letzten 9 Stunden im Audimax zugebracht und kann gar nicht zusammenfassen, was ich heute alles erlebt habe.

Aber hier ist etwas im Entstehen. Etwas Großes. Optimismus, Aktivismus und Engagement greifen um sich, das System wächst schnell. Das Chaos strukturiert sich. Es wird diskutiert. Es wird analysiert. Und es wird gelernt. Die Entwicklung, die sich in dieser Unternehmung in den letzten 100 Stunden abgespielt hat, ist unbeschreiblich. Das Erfolgsgeheimnis? Hier wird gelächelt. Hier fühlt sich jeder wohl. Es gibt ein Ziel. Und die Gruppe hält zusammen. Sie steht für einander ein und arbeitet hart, um ihre Ziele zu erreichen. Um die armen verwirrten Schafe, die noch immer denken, es ginge um Vandalismus oder Blockaden, aufzuklären, hier der letzter Stand der Forderungen:

1)   Bildung statt Ausbildung
Bildung für eine mündige Gesellschaft und nicht bloße Ausbildung nach wirschaftlicher Verwertbarkeit! Unser Ziel ist die Möglichkeit eines freien, selbstbestimmten Studiums für Alle! Wir wollen keine Verschulung der Studienpläne! Daher fordern wir eine grundlegende Überarbeitung des BA/MA Systems.

Wir fordern:

  • Schluss mit den STEPs als versteckte Zugangsbeschränkungen. Die STEP als eine tatsächliche Orientierungsphase statt als Selektionsinstrument durch Knock-Out Prüfungen.
  • Freie Gestaltung des Studiums – Schluss mit der unnötigen Verzögerung durch Voraussetzungsketten
  • Freie Wahlfächer statt Erweiterungscurricula
  • Weg mit den intransparenten Anmeldesystemen
  • Freie Master und PhD Zugänge
  • Gewährleistung der Beendigung des begonnenen Studienplans (z.B. Diplom). Dazu bedarf es eines entsprechenden Lehrangebots und fixer Äquivalenzlisten sowie der bestehenden Übergangsfristen.
  • Aufrechterhaltung der noch bestehenden Diplomstudiengänge
  • Gewährleistung der Anrechenbarkeit von LVs und Abschlüssen im In- und Ausland

2)   Freier Hochschulzugang
Freie Studienplätze für Alle und Abschaffung der Studiengebühren, auch für nicht-EU-BürgerInnen und Langzeitstudierende. Die Sicherstellung eines angemessenen Lehrangebots und die Qualität der Lehre darf nicht durch Zugangsbeschränkungen erwirkt werden. Freier Hochschulzugang und qualitativ hochwertige Lehre sind kein Widerspruch! Es gibt nicht zu viele Studierende sondern nur zu wenige Studienplätze!

3)   Demokratisierung der Universitäten
Unser Ziel ist die demokratische Organisation der Universitäten. Dazu gehört eine Demokratisierung der Verwaltung in einer Form, die ProfessorInnen, Studierende, das wissenschaftliche und das nicht wissenschaftliche Personal gleichberechtigt an der Entscheidungsbildung beteiligt.

Wir fordern:

  • Neuverteilung der Stimmrechte im Senat mit dem Ziel einer echten Demokratisierung zum Beispiel nach dem Prinzip der Viertel-Parität
  • Keine Studienplanänderungen ohne Mitbestimmung der Studierenden
  • Einführung demokratischer Entscheidungsstrukturen auf allen Ebenen
  • Transparente Entscheidungsfindungsprozesse müssen auf allen Ebenen etabliert werden
  • Anti-Diskriminierung als Grundkonsens in allen universitären Bereichen
  • Ersatzlose Abschaffung des Universitätsrates
  • Auflösung des Top-Down Prinzips
  • Rücknahme der ÖH Wahlrechtsreform 2004 – Wiedereinführung des Direktwahlmodus bei ÖH Wahlen
  • Studentische Räume müssen geschützt werden

4)   Ausfinanzierung der Universitäten

  • Transparenz bei der Finanzierung von Forschung und Lehre
  • Mitbestimmung bei der Mittelverwendung an Universitäten
  • Abschaffung aller noch bestehenden Studiengebühren, auch für nicht-EU-BürgerInnen und Langzeitstudierende
  • Finanzielle Absicherung der Studierenden
  • Wiedereinführung der StudentInnenfreifahrt
  • Aufhebung aller finanziellen Zugangsbarrieren im Bildungsbereich

Dass etwas weitergeht, kann man spüren. Aber man kann es auch sehen. Mittlerweile gibt es 48 Arbeitsgruppen zu allen relevanten Themen: von Presse, Abendgestaltung und Moderation über SchülerInnen, Technik und Resourcen, zu Volksküche, Forderungen und Rechtsinformation, in denen über 400 Menschen Tag für Tag (stundenlang) diskutieren und ihre Resultate im Plenum vorstellen, diskutieren und abstimmen. Webseite und Livestream wurden binnen Stunden auf die Beine gestellt und erfreuen sich großer Beliebtheit (die Webseite wurde innerhalb von 20 Stunden über 30.000 mal besucht, im Livestream folgen etwa 1.000 (!!!) Menschen dem Geschehen). Auch in Twitter dominiert das Thema: #unibrennt und #audimax sind auf Platz 1 und 2 der deutschen Twittercharts.  Auch die Facebookgruppe wird wohl heute Nacht noch die 8.000 Mitgliedermarke knacken. Eine spannende und soweit ich beurteilen kann wichtige und richtige Analyse liefert Philipp Sonderegger.

Hier noch eine Kostprobe, wie es um Stimmung und Motivation bestellt ist.

Hier ist etwas im Entstehen und ich bin nicht sicher, ob ich die nächste Woche nicht lieber auf der Uni anstatt in Venedig verbringen würde. Ganz ehrlich!

Jetzt muss ich schnell ins Bett, damit ich morgen für das Plenum um 11 Uhr fit bin! Gute Nacht!

Achja, und alle die nicht kommen sind ganz ehrlich selber schuld. Pech gehabt. Flaschenpost vorbeigeschwommen.

10 Kommentare zu dem Artikel “Nix brennt in unserer Uni!”

  1. Constantin Schirmer

    Bei allem Respekt vor der grundsätzlich guten Forderungen. WIE zur Hölle soll das denn finanzierbar sein? Hier (nicht unbedingt in deinem Blog, aber bei der ganzen Veranstaltung) wird so getan als sei a) alles ohne Probleme finanzierbar b) jeder für die Uni gemacht.
    Ich möchte hier noch anmerken dass ich wenig Ahnung von Universitäten habe da ich selber (noch) nicht studiere und mir im wesentlichen auch nur übers hören-sagen, medien und bekannte meine bescheidenen Informationen zusammenklaube ;)

    zu a)

    Das ist doch Blödsinn, glaubt irgendjemand ernsthaft die Politik wäre nicht an guten, leistungsfähigen und effizienten Unis interessiert?
    Das kann alles nicht gutgehen solange nicht die EU als ganzes ein einheitliches System hat, Deutschland zieht strikte Beschränkungen in vielen Fächern durch und schiebt die, die es bei ihnen nicht schaffen zu uns ab. Und dann wird protestiert? Konstruktiv ist anders in meinen Augen!
    Wenn ich sowas lese hab ich oft das Gefühl als würden viele denken der Staat hat geheime 300 Milliarden in einem geheimen Tresor (oder in einer Stiftung :P) und ist nur zu bürgerfeindlich sie rauszurücken.
    Jedes Geld das in irgendein öffentliches Projekt fließt fehlt woanders das ist halt so. Wo würden diese Studenten den Rotstift ansetzen? (Ich will jetzt keine Reichensteuer o.ä hören, sondern wo genau eingespart werden soll im öffentlichen bereich). Bevor das Argument kommt in Bildung investieren zahlt sich immer aus: stimmt, zumind. großteils. Trotzdem muss das Geld irgendwo herkommen ganz einfach.
    Ich finds wahnsinnig dreist soviel zu fordern ohne irgendwelche (konkreten) Konzepte vorzulegen sondern nur nach “mehr besser günstiger” zu schreien!Sollte es eben diese konkreten finanziellen Pläne geben entschuldige ich mich und vergiss den letzten Satz ;)

    zu b)

    Ich lese hier es gibt zu wenig Studienplätze. Stimmt schon, nur woran liegts?
    Erstens dass sich in unserem Land sowieso jeder einbildet er müsse studieren, wurscht ob Potenzial oder nicht, und dass eine Ausbildung ohne Studium nix wert sei. Ich will garnicht wissen wieviele Studenten ich schon getroffen hab und mir gedacht hab “Jessas…und sowas sitzt an der Uni …”!
    Es hat schlichtweg nicht jeder die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium.
    Ich bin gegen Studiengebühren, dass das klar ist. Aber: Warum soll unser System Tausende studierende aus fremden Ländern mitfinanzieren weil deren Regierungen was-weiß-ich-für-einen-Blödsinn aufführen? Ich bin stark dafür Menschen mit Potenzial hier eine gute Ausbildung genießen zu lassen, evtl sogar kostenfrei. Aber ganz bestimmt nicht jedem!
    Eu Bürger oder nicht es ist nicht die heilige Pflicht Österreichs Auffangbecken zu spielen und das hat für mich rein garnichts mit Diskrimierung zu tun – sondern mit der Tatsache dass wir es schlicht nicht schaffen (können)! Ich würd gern jedem Menschen der Welt seine Sorgen nehmen, ihm eine Ausbildung verschaffen und eine Unterkunft aber ich kann es halt einfach nicht! Das muss man leider vorerst so akzeptieren

    (In Klammer jetzt noch meine ganz persönliche Meinung, brauchst auch nicht darauf eingehen, aber wer hat eigentlich das Recht in einer Ausbildung Mitspracherecht zu fordern bzw direkte Demokratie? Soweit ich weiß gibt es Uni/Lehrkörper –> autorität und dann mich/studierende –> “untergestellter”. Ich kann mir nicht vorstellen dass zuviel selbstbestimmung in der Uni gutgeht, da ich fürchte das beinahe jeder auf seinen Vorteil bedacht sein wird. Ich lasse mich aber gern eines besseren belehren! :-)

    Und da ich gerade in Tipplaune bin: ich bezweifel dass überhaupt der großteil der studenten mit diesen Forderungen/bestzungen übereinstimmt.
    Und ich gebe auch zu dass das ganze für mich einen viel zu (partei(politischen beigeschmack hat wenn zB ein Peter Pilz vorbeischaut.

    Fühl dich nicht angegriffen (davon geh ich aber auch nicht aus, weshalb auch ;-))

    lg Co

    • Constantin Schirmer

      vorletzten Absatz hab ich nochmal überdacht, ich bitte dich über den erstmal hinwegzusehen bzw nicht darauf einzugehen.
      Meine Ansicht erscheint mir da doch ein bisschen (zu) radikal und auch nicht richtig formuliert um das auszudrücken was ich gemeint habe ;)

      lg Co

    • lieber konsti. komm doch einfach vorbei. ja du hast recht. die finanzierung ist eine große frage. überhaupt die frage nach verteilung und sozialer gerechtigkeit ist zu stellen. und da komme ich weiter zu deinem zweiten punkt. wen ausbilden? wen bilden? natürlich nur die, die das potenzial haben. jeder so wie ers braucht. momentan aber werden die gefördert, die (durch zufall) in reiche familien hereingeboren werden. die kinder der nationalmanschaft spielen in der nationalmanschaft der nächsten generation und nicht die, die die besten fußballerInnen sind. geld ist da. wir sind das 6 reichste land der welt. die frage, wie verteilen wir es.
      wie du richtig sagst, du hast keine wirkliche ahnung was hier wie und warum abgeht. bitte, ich bitte dich wirklich inständigst, komm her. diskutier mit den leuten. stell fragen – dafür ist raum. und auch kritik ist wirklich gerne gesehen (und wertgeschätzt!) bring dich ein. sag was du denkst und vor allem schau dir dieses riesige demokratieexperiment an. bitte komm her! wenn du nicht länger kannst nur für 5 minuten!

      nachtrag: bzgl parteipolitik. hier ist NICHTS parteipolitisch angehaucht. es kann kommen und reden wer möchte, solange er sich ordentlich verhält. es gibt regelmäßig openmic (offenes mikrofon) und wenn persönlichkeiten des öffentlichen interesses etwas zu sagen habem, sich mit unseren zielen einverstanden erklären wollen, warum sollte es da probleme geben? auch herr hahn ist somit offiziell (glaub ich) eingeladen (plenumsbeschluss, wenn ichs recht verstanden hab)

      KOMM HER!

    • Tobias

      Was ist gegen eine Reichensteuer einzuwenden? Nur weil es unpopulär ist, ist es keine schlechte Idee! Hätten wir das (Steuer-)Niveau der frühen 90er Jahre, würde Österreich (Krise beiseite) mit Budget-Überschuss (!!) dastehen.

      Nachzulesen in Christian Felber’s “50 Vorschläge für eine gerechtere Welt” – ein übrigens auch sonst höchst empfehlenswertes Buch.

      PS: wie ich soeben gelesen habe, haben sich 29 “Reiche” in Deutschland zusammengetan, die für die nächsten 2 Jahre zur Überwindung der Krise eine 5%-ige Vermögenssteuer auf Vermögen über 500.000 EUR fordern, danach soll sie 1%-ig weiterlaufen. Schön, dass es auch einige “Betroffene” einsehen.

      Ein Sparpaket, welches mal “die andere Seite” trifft fände ich wirklich nicht die schlechteste Idee!!!

  2. Katia Ledoux

    “Achja, und alle die nicht kommen sind ganz ehrlich selber Schuld. Pech gehabt.”

    Solche Kommentare finde ich diskriminierend und unfair… Alle die nicht kommen sind selber Schuld… oder halt allergisch auf Rauch… oder haben halt irgendeine Krankheit, die in Kombination mit Rauch vielleicht nicht ganz toll wäre!

    Ich habe es so satt NICHTS mitbestimmen zu können und dann auch noch als “selber schuld!” bezeichnet zu werden!!!

    Österreich ist in Sache Rauchfreiheit noch so dämlich weit hinten… eine echte Schande für das Land und noch mehr für diese Bewegung, die “Anti-Diskriminierung als Grundkonsens in allen universitären Bereichen” fordert und bei der es nicht mal möglich ist barrierefrei mitzubestimmen! :(

    • hey katia,
      tut mir leid. war unüberlegt. ich war müde, ich war ko und überarbeitet. hätte ich mir sparen können. ich weiß nicht wie anfällig du bist auf zigarettenrauch, im plenum wird mittlerweile wirklich nicht mehr geraucht. die luft ist (finde ich) wirklich gut.

  3. Constantin Schirmer

    Ich “muss” gleich essen daher nur ganz kurz ;)

    ich würd glatt vorbeikommen allerdings muss ich in 3 stunden am bahnhof stehen und noch alles herrichten :-/

    zum Geld ist da: Das problem ist doch, genau das sagt JEDER der etwas fordert. Die Wissenschaft sagt “Geld ist da!” die Unis sagen “Geld ist da!” die Sportförderung sagt “Geld ist da!”. Das Argument bringt einfach jeder und irgendwo ist jedes Ansinnen auch berechtigt, aber wie gesagt solange ich kein durchstrukturiertes finanzierungskonzept sehe reicht mir “Geld ist da” halt nicht.

    So muss los essen, mahlzeit! :D

    • die haben auch alle recht. geld ist da. schau dir den sozialbericht an. überleg dir halt wer, wo, wieiviel geld hat. die frage ist, hören unsere repräsentanten was wir wollen oder sehen sie über unseren willen hinweg. bis jetzt wurden besonders die interessen der studierenden (und auch der schülerInnen!) sträflich vernachlässigt. erst das nährt den boden für solche protestaktionen. mal schauen was sich hier entwickelt. wie gesagt. es wird laufend (intern) diskutiert. es ist eine sehr offene bewegung, die erst dabei ist herauszufinden, was sie eigentlich will. das ist nämlich gar nicht so leicht! neue forderungen kann man übrigens hier einbringen: http://is.gd/4DbIr

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