Der nicht mehr Grüne Pirat

This entry was posted by on Donnerstag, 5 November, 2009 at

Ich habe aufgehört die Stunden zu zählen. 50 sind es mindestens gewesen, die ich jetzt hier bin. Und #unsereruni brennt immer noch. Seit heute haben wir auch einen englischen Slogan: “Our Uni is still on fire.” Und ich brenne mit Feuer und Flamme mit. Die letzten zwei Nächte habe ich im zweitgrößten Hörsaal der Haupt Uni, dem C1 zugebracht. Das ist eine lange Zeit und das Schöne ist, dass man eine Menge Leute trifft und eine Menge Erfahrungen sammelt. Ich möchte hier nicht von aufmerksamen Abwäschern berichten. Ich möchte nicht von hilfreichen Technikern berichten. Ich möchte nicht hinweisen auf rücksichtsvolle Raucher, kreative Buttonstanzer, schlaflose Programmierer, auf köstlich Kochende, engagierte Arbeitsgruppendiskutierende, auf die gründlich Putzenden oder auf versammlungsfreudige Mitprotestierende. Ich möchte nicht von Medienerfahrungen, Putzeindrücken oder Basisdemokratie erzählen (dafür ist später hoffentlich noch viel Raum und Zeit) sondern über ein Gespräch berichten, das mich in einigen meiner Überlegungen bestärkt hat. Das ich sehr wichtig fand. Und das gezeigt hat, dass wir Grüne noch viel zu lernen haben.

Das, was wir – in meinen Augen – noch verbessern können, möchte ich gesondert in einem Blogbeitrag bearbeiten, den ich schon in Arbeit habe. Hier nur kurz zu den Eindrücken, die ich aus dem Gespräch mit einem aktiven österreichischen Piraten gewann. Von denen gibt es übrigens mittlerweile über 300 in ganz Österreich – tendenz stark steigend (verdreifacht in den letzten Monaten). Er war über 12 Jahre Grünwähler. Überzeugter und Überzeugender. Und jetzt ist er weg. Verloren. Als Wähler, als Aktivist, als Ideenliferant. Für uns, für die grüne Idee, und eine grüne Gesellschaft. Nur kurz die Gründe, die er nannte:

  1. “Seit Van der Bellen weg ist, kommt nichts mehr von den Grünen. Aber kann auch sein, dass ich einfach ein Sympathieproblem mit Eva Glawischnig habe.”
  2. “Seit über einem Jahr ist von den Grünen nichts mehr bezüglich Ökologie gekommen. Früher waren die Grünen wirklich grün. Das Gefühl habe ich einfach nicht mehr.”
  3. “Auch für die Grundrechte machen die Grünen kaum mehr was. Und dann passieren solche Dinge wie in Oberösterreich (Verleihung des Big Brother Awards) und niemand reagiert. Das geht so einfach nicht.” (Andreas Lindinger hat die Thematik hier gut erklärt, zusammengefasst und die Redaktion der Grünen kritisiert)
  4. “Gentechnik scheint aus der Agenda der Grünen verschwunden zu sein. Da waren die Grünen auch einmal Vorreiter.”

Alle vier Gründe schreien eine Message: “Macht euch verständlich! Erklärt euch! Kommt auf mich zu und erzählt mir von euren Ideen, weil ihr habt etwas zu bieten zu Ökologie und Umweltschutz, zu Menschen- und Grundrechten und zu Gentechnik und Gesundheit! Ich weiß, eure Vorstellungen sind durchdacht, aber ich muss sie sehen, um sie glauben zu können!” Wir müssen präsent sein. Wir müssen auf Menschen wie diesen jungen Piraten zugehen und ihn einbinden. Was und wie wir lernen sollten sollte dann im nächsten Blogpost stehen.


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