Nachbetrachtung: Ja, grün is’ es!
Ich komme zurück vom Zukunftskongress und bin überwältigt. Ich bin erfüllt mit Zuversicht, Hoffnung und Tatendrang. Und nein, ich bin nicht alleine! Diese rund 12 Stunden intensive Auseinandersetzung mit den Grünen, den Ideen und den vielen neuen Gesichtern vor Ort haben mir Kraft gegeben und endgültig JEDEN Zweifel zerstreut. Meine Energie ist hier gut angelegt. Heute ging es den Grünen, die aus ganz Österreich nach Wien strömten, darum die Zukunft zu diskutieren. Im monatelangen Prozess wurden 30 Zukunftsthesen gesammelt, intern diskutiert, formuliert und dann präsentiert:
Die Zukunft braucht neue Antworten. Vielleicht auch alte Antworten, aber neu bedacht. Die GRÜNEN stellen sich im Zuge eines Zukunftskongresses am 22. November 2009 und darüber hinaus den Fragen der weiteren Entwicklung unserer Gesellschaft und den kommenden bzw. aktuellen Herausforderungen der Politik.
Der Zukunftskongress ist eine Einladung. Ein Angebot an all jene, die sich – in Sorge um aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen – an neuen Ideen zur Zukunftsgestaltung beteiligen wollen. Eine Einladung an all jene, die mit Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft blicken und schon heute darüber nachdenken, was morgen oder übermorgen Wirklichkeit werden kann.
Auf zukunftskongress.at wurde jede dieser Thesen ausgiebig diskutiert, dann in einem Folder (als PDF oder auf der Webseite) abgedruckt und heute weiterdiskutiert. Rund 600 Menschen erschienen. In kleinen Diskussionsrunden und großen mit-mach-Podiumsdiskussionen wurden die Thesen weitergedacht und gebrainstormt. Ich habe viele neue Leute kennen gelernt, viele, die ich aus dem Netz schon kenne, in Person getroffen. Vernetzung war ein wichtiger Aspekt des heutigen Tages und das Einschwören auf eine neue Zeit. “Grün macht Zukunft” war das Thema und ja, wenn’s so weiter geht, dann wird’s bald nicht mehr nur an der Kreuzung heißen: “Grün is’ es”
Dieser Kongress war ein Schritt in die richtige Richtung. Jetzt müssen viele weitere folgen. Was für Verbesserungsvorschläge ich für die nächsten Schritte habe, habe ich schon aufgezeigt. Wie die nächsten Schritte aussehen müssen, möchte ich jetzt versuchen zu erklären.
Wir Grünen brauchen uns nicht zu verstecken. Das hat Eva Glawischnig auch in ihrer Rede gesagt. Wir müssen uns nicht vor Wahlen, WählerInnen oder Umfragewerten fürchten. Wir müssen den Dialog nicht scheuen. Unsere Inhalte sind gut, nein, nicht nur gut, sie sind bombastisch. Das weiß jeder, der schon einmal in das grüne Grundsatzprogamm hineingelesen hat. Das haben einmal mehr die 30 Zukunftsthesen gezeigt. Und wer heute da war oder letzte Woche bei der Listenerstellung der Wiener Grünen vorbeigeschaut hat, der hat es gefühlt. Das Fieber, das kommt, wenn die Diskussionen los gehen.
Der erste Schritt war ein Guter. Er hat mir Sicherheit gegeben: “Das ist grün, das wollen wir” und er hat mich motiviert. Aber von vornherein war für mich klar, dass es bei uns nicht am was scheitert. Die grünen Inhalte sind außergewöhnlich und einzigartig. Aber wenn man als Partei erfolgreich sein möchte, dann reicht es eben nicht die besten Inhalte zu haben. Da gehört mehr dazu. Ich habe versucht, das in einem meiner letzten Blogposts zu erklären. Wir müssen lernen präsent zu sein. Aber ich gebe zu, mein Text ist etwas lang und undurchsichtig. Ich erlaube mir deswegen, mich zu wiederholen, meine Inhalte aber in eine andere Hülle zu füllen. Ein Freund hat zum heutigen Anlass seine Thesen zur Erneuerung und Öffnung der Grünen definiert. Seine Hüllen möchte ich mir ausborgen, denn sie sind kurz, prägnant und sehr gut verständlich. Zusammenfassen kann man sie in einen Satz: Wir brauchen eine andere, eine neue, eine bessere Kommunikation unserer, guten, wertvollen, bombastischen, überzeugenden und in Österreich einmaligen Inhalte!
- Macht Positiv-Politik und begeistert dadurch die Menschen. Wer nicht Teil der Lösung ist, ist Teil des Problems.
- Glaubt nicht, dass ihr zu gut für Kritik seid. Pflegt Selbstreflexion und macht es euch nicht so leicht, KritikerInnen gleich durch eure schwarz-”grün” Schema zu vernichten.
- Macht euch nützlich. Begegnet den Menschen mit der Einstellung: “Was kann ich für dich / Sie tun?” Und kooperiert praktisch und konkret! Dann werdet ihr nicht mehr als abgehobene, etablierte Menschen wahrgenommen werden, die Gutes fordern, aber nicht konkretes Gutes tun.
- Verbindet Kollektivismus und Individualismus. Ihr dürft auch alle großartige Persönlichkeiten sein.
- Kommuniziert für die Menschen, die euch verstehen sollen und nicht für euch selber.
- Holt euch soviel Feedback wie möglich und nutzt die kollektive Intelligenz für euer Engagement.
- Gesteht euch selber ein, dass auch Grüne Menschen sind, geht ehrlich und ernsthaft mir euren Fehlern um, aber auch mit Humor und nicht zu tragisch.
Unser nächster Schritt muss sein, aus diesen sieben Thesen, die eine gewisse Antithese zum jetzt-Zustand darstellen, eine Synthese zu bilden. Wir müssen lernen unsere stärksten Asse zu spielen und mit unseren Inhalten zu punkten, indem wir gut kommunizieren.
Außerdem haben wir einige offene Baustellen, auf deren Baugrund die Weltwunder der Grünen Politik entstehen können und werden. Wir müssen uns ihrer annehmen, sie ernst nehmen und mit dem Bauprozess dazulernen.
- die Initiative der Grünen Vorwahlen in Wien stellt wohl unser größtes Pulverfass dar. Jetzt müssen wir die Sprengkraft nützen und es zu ja keiner unkontrollierten Sprengung kommen lassen. Die Ideen muss weitergetragen werden. Die Ideen der unkonventionellen Beteiligung, des simplen Mitmachens, der kritischen Partizipation und der offenen Basisdemokratie sind unsere ureigensten Werte. Nicht nur, damit in 5 Jahren Tatsächlich über 1000 grünaffine Leute über die Liste in Wien abstimmen, sondern vor allem, damit die Idee über Wien hinauswächst, müssen wir die Flamme der Begeisterung am Leben erhalten, ihr neue Kraft geben. Denn dieses mächtige Instrument kann jede Gemeinde und jeder Bezirk für sich nutzen. Deswegen bin ich für ein BarCamp im Jänner, um offene Wunden zu heilen, kritisch zu hinterfragen, was falsch gelaufen ist und herauszufinden, was man in Zukunft besser machen kann. Dieses BarCamp muss ein GEMEINSAM aus Grünen und Grünen VorwählerInnen sein. Warum nicht im Grünen Haus – als Geste der Vereinigung?
- wir müssen jetzt beginnen eine Ortsgruppen nach der anderen zu gründen. Die ÖVP ist am Land so stark, weil sie präsent ist. Egal ob JVP, Bauernbund oder einfach der Bürgermeisterstammtisch, hier müssen wir Alternativen anbieten. (Siehe Oberösterreich: Meine grüne Analyse Unterpunkte: DAS ANGEBOT AN DIE JUGEND und DIE GEMEINDEARBEIT). Die Grünen Themen sind prädestiniert für’s Land, unser Potenzial ist hier gigantisch. Vernetzen wir die Ortsgruppen miteinander und setzen wir dabei auf Skypekonferenzen, Wikis und Emails. Das Internet beißt nicht – im Gegenteil, es macht soviel Spaß, Neues und neue Leute kennen zu lernen.
- Arbeiten wir die Erkenntnisse des Zukunftkongresses auf und machen wir aus diesen Impulsen schnellstmöglich konkrete, erlebbare Projekte, die uns den Lohn für unsere Arbeit bringen: Die Anerkennung der Bürgerinnen und Bürger.
- setzen wir einen Schwerpunkt, was Netzpolitik angeht. Im Internet wird entschieden, wie und ob unsere Bürgerrechte in den nächsten 20 Jahren bleiben oder gehen. Mit Eva Lichtenberger haben wir hier eine absolute Topfrau. Nutzen wir nicht nur ihr Know-How, sondern vor allem das, der Netzcommunity in Österreich. Die Blogossphäre kann uns ebensoviel geben wie wir ihr. Wir dürfen nur keine Angst haben – wieder, das Internet beißt nicht, im Gegenteil. Hämmern wir an der Türen der Blogs, seien wir offen für Neues, erneuern wir uns.
- einen zweiten Schwerpunkt müssen wir auf “die Jugend” setzen. Ich erlebe Tag für Tag, wie junge Menschen ein Bedürfnis haben mitzureden. Ein Bedürfnis haben ernst genommen zu werden. Ein Bedürfnis haben gehört zu werden. Wenn wir wollen, dass die Zukunft grün ist, dann muss in grün Platz für Jugend sein. Weil wir, die Jugend, sind die Zukunft. Bildung löst all die Probleme dieser Welt. Aber Bildung heißt nicht Ausbildung, Bildung heißt nicht Wissensvermittlung, Bildung heißt auch nicht auswendig-lernen. Bildung heißt Menschwerdung. Bildung heißt Raum und Zeit haben sich selbst kennen zu lernen. Sich an die Wahrheit heranzutasten. Bildung ist selbstbestimmt. ICH bestimme, was ich lerne, wann ich es lerne und warum ich es lerne. Und Bildung ist nur dann Bildung, wenn es ein reflexiver Vorgang ist. Niemand kann mich bilden. Ich kann das nur selber tun. ICH bilde mich selbst. Und für diesen Vorgang, des sich selbst Bildens muss es einen Raum geben. Dieser Raum muss Schule heißen. Wir müssen eine Schule machen, in der Jugendliche sich wohl fühlen. In der Jugendliche Raum und Zeit haben. Wir müssen eine Schule machen, in die man gerne geht. Ansätze haben wir dazu genug.
- wir sind eine tolerante Partei, Respekt ist uns wichtig. Nehmen wir es nicht zu genau mit dem Gendern. Wir dürfen uns nicht zu schade sein auch Worte wie Ausländer in den Mund zu nehmen. Hören wir auf Fremdwörter zu nutzen wo immer es geht. Und wenn jemand einmal nicht gendert, dann können wir auch das ertragen. Unsere Message ist zu wichtig um vor zugeknallten Türen zu stehen. Öffnen wir die Herzen der Menschen, sprechen wir eine Sprache, die sie verstehen. Gehen wir auf sie zu, gehen wir auf sie ein – und das viel!
Diese zweiten, dritten und vierten Schritte sind als Diskussionsgrundlagen zu sehen und nicht als Befehl. Was stellst du dir vor? Wohin denkst du? Und vor allem, wo willst DU dich einbringen?
Grün wird’s!
Lieber Armin,
ich erlebe dich stark brennend als ein (auch für mich) wertvolles “Licht der Hoffnung”, aber BTTE schütte dieses Licht nicht selber mit zuvielen Worten zu! Du hast doch noch soviel Zeit zur Verfügung. Vertrauen braucht diese ZEIT, keine Worte. Fritz