Herzlich willkommen in uns’rer schönen neuen Welt!
Musik ist Kunst. Darüber herrscht kein Zweifel. Trotzdem. Das eine mehr, das andere weniger – zumindest für mich. Liedtexte wie “Hit me baby one more time” (besonders, wenn ins Deutsche übersetzt, wie hier) geben mir einfach wenig. Für manche mag das optische im Vordergrund stehen und, ja, stimmt schon auch der Aspekt hat was mit Kunst und Kultur zu tun…
Aber eigentlich wollte ich ja von etwas ernsteren Dingen berichten, zur Musik komme ich weiter unten nocheinmal! Am Freitag ist der World Overshoot Day. Der World Overshoot Day heißt auf deutsch Welterschöpfungstag und stellt den Punkt dar, an dem wir als Menschheit alle Resourcen, die die Erde uns liebenswürdigerweise jedes Jahr auf’s neue zur Verfügung stellt verbraucht haben. An einem Beispiel erklärt wäre das also, wenn jedes Jahr in einem Wald in Summe 2000 Tonnen Holz nachwachsen. Die stellt der Wald jedes Jahr zur Verfügung, die können wir herausnehmen, ohne dem Wald zu schaden. Über-über-morgen werden wir (auf die Welt umgelegt) an diesem Tag angekommen sein. Dann werden wir 2000 Tonnen Holz geschlägert haben. Eigentlich müssten wir dann die Waldarbeiter auf Urlaub schicken und stoppen. Das Problem ist: Wir werden auch nach dem 25. September weiterabholzen. Vielleicht noch 10, vielleicht noch 1000 Tonnen. Und das tuen wir seit Jahren! In dem letztjährigen Geburtstagswunsch des SERI (Sustainable Europe Research Institute) – Blogs schreibt stefanie:
“Logisch Denkende könnten sich die Frage stellen, wer denn für die anfallenden Zinsen und Zinseszinsen aufkommen soll, wenn wir unser Darlehen jedes Jahr aufs Neue erhöhen, ohne offene Schulden aus der Vergangenheit auch nur ansatzweise zurück zu zahlen. Es sollen ja sogar schon Weltbanksysteme zusammengebrochen sein, weil nix mehr da war, was man ausgeben kann…”
Und auch dir wird klar sein, dass es langfristig nicht funktionieren kann mehr aus dem System herauszunehmen, als nachwächst. Das ist ganz einfach unnachhaltig, hält nachher einfach nicht mehr. Das global footprint network (welches sowohl den ökologische Fußabdruck, als auch den Welterschöpfungstag erfunden hat) berichtet in der Presseaussendung (PDF in Englisch) dazu:
“We all know nature doesn’t do bailouts. Yet, on Sept. 25th , humanity will have demanded all the ecological services – from filtering CO2 to producing the raw materials for food – that nature can produce this year, according to data from Global Footprint Network, a research organization that measures how much nature we have, how much we use, and who uses what. From now until the end of the year, we will meet our ecological demand by depleting resource stocks and accumulating greenhouse gases in the atmosphere.”
Der glocalist.com, eine Onlinetageszeitung, die sich mit den Themen CRS & Wirtschaftsethik, Nachhaltigkeit & soziale Verantwortung beschäftigt, macht in seiner gestrigen Ausgabe Hoffnung auf Besserung.
“Zum ersten Mal seit 1986 findet der Tag der ökologischen Überschuldung dieses Jahr im Vergleich zum Vorjahr später statt. Trotz der globalen Wirtschaftskrise wurden Rohstoffverbrauch und Umweltverschmutzung nur um zwei Tage gebremst. Immerhin. Wenn es in dem Tempo weitergeht, dann hat man in rund 60 Jahre endlich den Verbrauch erreicht, den die Erde tragen kann.”
Der World Overshoot Day fällt dieses Jahr auf den 25. September 2009! Aber es ist zu leicht zu sagen, der fällt halt dahin, was soll ich tun, ist halt so. Ich geh’ ja nicht in den Walt, hol’ mir ja kein Holz. Das ist verwerflich, das halte ich für falsch. Jeder von uns hat die Verantwortung sein Leben so zu gestallten, das es nachhaltig ist. Spaß haben ja, aber nicht auf Kosten der anderen und auch nicht auf kosten von wannanders! Ein erster Schritt wäre es wohl den eigenen ökologischen Fußabdruck herauszufinden. Was der ökologische Fußabruck ist wird auf Wikipedia (wo sonst?) eingehend erklärt, vereinfacht lässt sich aber sagen:
Durch unseren Konsum und unsere Handlungsweise verbrauchen wir Rohstoffe. Damit sie nachwachsen können und der Abfall abgebaut werden kann, ist Platz auf unserer Erde nötig. Der “ökologische Fußabdruck”, auch Footprint genannt, hilft, diese benötigte Fläche abzuschätzen.
Es gibt viele verschiedene Fußabdruckrechner im Internet, den von www.mein-fussabruck.at finde ich am besten. Anschließend gibt es auch Vorschläge und Impulse was man an der eigenen Lebensweise ändern könnte – damit es nicht 60 Jahre braucht, bis wir nicht mehr Holz schlägern als nachwächst! Haufenweise gute Tips gibt auch Greenpeace in seinem Marketcheck!
Das größte Problem ist die Ignoranz. Ja wir haben große Probleme. Aber Ignoranz und Verdrängung ist keine Antwort! Deswegen nehmen wir das neue Lied von Culcha Candela – Schöne Neue Welt als Impuls. Lassen wir uns zeigen in welche Richtung wir gehen – und lenken wir gegen! Jetzt und jeder für sich! Veränderung kann immer dort entstehen, wo der Glaube daran existiert – oder um es mit den Worten eines Freundes auszudrücken: “Es gibt nur eine Sache die einen Menschen daran hindern kann sich selbst und die Welt zu verändern: seine Zweifel.”
Culcha Candela – Schöne Neue Welt:
Die Welt geht unter, doch bei uns ist Party, Halli Galli,
alles im Eimer doch wir hüpfen wie bei Dalli Dalli.
Jeder sagt das Klima is ‘ne riesen Katastrophe
doch bald brauchen wir nur noch Bikini und ‘ne Badehose.
Ich will mehr Fastfood fressen, wer braucht schon Regenwald?
Solang mein Konto voll ist und für mich noch Luft zum Leben bleibt.
Alle sind Hamma drauf, keiner braucht mehr Angst zu haben,
keiner wird mehr krank, weil wir eh schon jede Krankheit haben,
und fliegt das Kraftwerk in die Luft fängt jeder an zu strahlen!
Herzlich Willkommen, herzlich Willkommen,
in unsrer schönen neuen Welt,
ab heute bleibt nichts wie es war,
alles wird auf den Kopf gestellt!
Herzlich Willkommen, herzlich Willkommen,
in unsrer schönen neuen Welt,
was morgen wird, ist scheißegal-
Wir feiern!… bis alles zerfällt.
Überall sind Kameras, was für ‘ne Riesenshow,
egal wer meine Daten hat, ich hab mein eigenes Video!
Dank Überwachsungsstaat kann ich jetzt seelig schlafen,
jeder hat ‘nen Chip im Kopf, liegt im Bettchen, zählt die Schaafe.
Alle sind fröhlich, ham ihr Botox-Lächeln aufgesetzt,
Fett abgesaugt und weg, die Nase sitzt jetzt auch perfekt.
Wir können so viel aus uns machen, auch für kleines Geld,
Brust raus, Bauch rein, schön wie aus dem Ei gepellt,
aufgestellt in Reih und Glied, ein Hoch auf unsre heile Welt!
Herzlich Willkommen, herzlich Willkommen,
in unsrer schönen neuen Welt,
ab heute bleibt nichts wie es war,
alles wird auf den Kopf gestellt!
Herzlich Willkommen, herzlich Willkommen,
in unsrer schönen neuen Welt,
was morgen wird, ist scheißegal-
Wir feiern!… bis alles zerfällt.
Uns geht es blendend, alles Lüge was die Zeitung sagt,
ich betreibe Klimaschutz, mein Auto fährt mit Treibhausgas!
Von wegen Öl geht aus, die lügen doch die Ölstaaten,
es gibt genug, wenn sogar Enten schon in Öl baden!
Die Erde füllt sich weiter und es geht immer schneller,
halb so wild, zum Glück ham wir ‘ne zweite Welt im Keller.
Wozu den Kopf zerbrechen? Es kann so einfach sein!
Lasst uns einfach mit Computerspielen unsre Zeit vertreiben!
Herzlich Willkommen, hier bei Jubel-Trubel-Heiterkeit!
Herzlich Willkommen, herzlich Willkommen,
in unsrer schönen neuen Welt,
ab heute bleibt nichts wie es war,
alles wird auf den Kopf gestellt!
Herzlich Willkommen, herzlich Willkommen,
in unsrer schönen neuen Welt,
was morgen wird, ist scheißegal-
Wir feiern!… bis alles zerfällt.
Sorgen wir dafür, dass ein anderer Freund von mir nicht Recht hatte, als er über “Klimawandel etc” meinte:
“Der Mensch merkt davon ja nichts. Erst wenn er spürt wirklich spürt oder zu Schaden kommt, dann tut er erst was. Bis dahin wird nichts passieren. Ich meine schau dir den Himmel an: blau und die Sonne scheint – alles normal und super toll – es stört uns nichts.”
Ich glaube daran!