Gesellschaftliche Verantwortung, eine Email
Heute habe ich via Twitter erfahren, dass die Strabag sich 200 km von Wien an der Errichtung zweier Blöcke für das Atomkraftwerk Mochovce beteiligen möchte.
Der österreichische Baukonzern STRABAG hat sich darum beworben die Blöcke 3 und 4 des umstrittenen slowakischen Atomkraftwerks Mochovce zu bauen. Als eindeutiger Billigstbieter stehen die Chancen auch äußerst gut den Zuschlag zu erhalten.
Greenpeace hat dazu hier eine Protestaktion gestartet und bittet um Unterschriften.
Bitte teilen Sie dem STRABAG Geschäftsführer Hans Peter Haselsteiner mit, dass veraltete Risiko-Atomreaktoren, nur 150 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt, unerwünscht sind.
Bitte helfen Sie mit, ihn zu überzeugen, dass seine Firma von diesem Angebot zurücktreten soll.
Das ist mir zu blöd, sowas will ich selber schreiben. Gesagt, getan, hier was raus gekommen ist:
Sehr geehrter Herr Dr. Haselsteiner!
Ich möchte Sie dringlichst bitten, in sich zu gehen und sich genau zu überlegen, ob ihr Verstand und ihr Gewissen es ihnen erlaubt, den Ausbau von Atomkraftwerken, die ein enormes Gefahrenpotenzial darstellen, gleichzeitig wirtschaftlich (bei Kostenwahrheit) kaum rentabel sind und für deren hochgiftigen Abfälle es keine zufriedenstellende (Lagerungs)Lösung gibt, wirklich unterstützen wollen.
Wirtschaft hat eine große Verantwortung der Gesellschaft gegenüber, sie hat das Zusammenleben aller Menschen zu regeln. Große Unternehmen, wie die Strabag, spielen hierbei eine zentrale Rolle und ihre Geschäftsführer sind die Persönlichkeiten, die am Ende zu der Verantwortlichkeit gezogen werden (sollten). Zum Glück haben Sie das ja schon erkannt, auf ihrer Webseite sprechen sie von “Verantwortung gegenüber allen unseren Interessenvertretern (Aktionären, Kunden, Mitarbeitern, Nachunternehmern, Behörden, Mitbewerber, Medien, der Gesellschaft als Ganzes)”. Froh bin ich, dass Sie, wie ich dem Vorwort des Strabag Nachhaltigkeitsbericht 2005 – 2007 entnehme “Ihre Verantwortung, die über Ihre unternehmerische Tätigkeit hinausgeht, seit Jahren sehr ernst nehmen” und möchte sie daher bitten: Ninehmen Sie sie weiterhin ernst, sehen sie vom Ausbau des slowakischen Atomkraftwerks Mochovce ab und investieren Sie in zukunftsträchtige Sparten.
Es gibt große und wichtige Themengebiete in denen Bauunternehmen wie die Strabag gerade heute zukunftsweisende Projekte mitgestalten könnten. Nachhaltige Infrastruktur und erneuerbare Energie sind sicher zwei davon. Tunnelbau für Zugfernverkehr zum Beispiel oder der Ubahnbau in Dehli wären hier zu nennen.
Ich bin überzeugt, dass Sie als Mensch, Politiker und Industrieller genau wissen, dass es richtige und falsche Entscheidungen gibt; innovative, zukunftsweisende und feige, rückschrittliche, bitte treffen Sie die Richtige, damit Sie und ich mit reinem Gewissen schlafen können und keine Angst vor Reaktorunfällen haben brauchen!
Danke & beste Grüße,
Armin Soyka
Eine Empfehlung an jeden und jede sich auch die Zeit zu nehmen so einen Text zu schreiben und abzuschicken, nur wenn wir alle unsere gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen und aufstehen für und gegen die Dinge die uns passen oder eben auch gar nicht, funktioniert Demokratie und aktive Teilnahme aller daran.
PS: Neben dem Greenpeaceformular habe ich meine Mail auch über die Kontaktseite von strabag.at geschickt. Doppelt hält besser
PPS: Kommentare sind ausdrücklich erwünscht!
Dein Text hat mir so gut gefallen, dass ich ihn auch an Dr. Hasselsteiner geschickt habe.
schön, danke!