Eine echte Schweinerei – der wirtschaftliche & grundsätzliche Teil (2/2)
Nun aber noch zu einem anderen Aspekt der im letzten Blogpost dargestellten echten Schweinerei. Der wirtschaftliche & grundsätzliche Teil.
Interessant war für mich wirklich, dass der Bauer diese Ferkel mit 30 kg kauft, in 105 Tagen auf 116 kg anfüttert und dann mit etwa 5 Euro (abhängig vom Getreidepreis) Gewinn (vor Steuern!) verkauft. Natürlich, bei 1400 Tierchen drei mal im Jahr macht das immer noch 21’000 Euro Gewinn pro Jahr, viel ist das aber trotzdem nicht. Ich hab’ dann nicht genau nachgefragt, aber viel mehr als 13’000 Euro können netto bei Sozialversicherung und Steuer eigentlich nicht rausschauen. Ein gerechneter Monatslohn von knapp 900 Euro bei 14 Gehältern also, nicht gerade viel. Klar, das ist kein Fulltimejob (er hat auch noch 70 Hektar Land zu bewirtschaften, den Hof in Stand zu halten, jeden Sommer 200 ha Land zu dreschen und nebenbei fährt er auch noch LKW). Ich habe nicht nachgefragt, aber schätzte so in etwa 20 – 30 Stunden pro Woche werden es schon sein. Ich konnte nicht verstehen, wie es möglich ist, dass nur 5 Euro pro Tier überbleiben, also hat er es mir aufgeschlüsselt: Er kauft das 50 Tage alte und 30 kg schwere Tier von einer Ferkelzucht, dafür zahlt er 45 Euro pro Tier. Dann mästet er 105 Tage. Dabei kommt er unter Berücksichtigung von Futter, Heizung, Reinigung und Instandhaltung der Gebäude auf etwa 150 Euro pro Tier, was ihm bei einem Verkaufspreis von 190 Euro eine Gewinnspanne von 5, manchmal mehr, manchmal weniger Euro bringt.
Bald ging die Information in eine Diskussion über, die sehr grundsätzliche und wirtschaftsphilosophische Fragen stellte: Warum sind die Gewinnmargen (von 5 Euro) so klein? Wo geht das Geld hin? Ist es unfair verteilt? Wie kann man es fairer verteilen? Viele spannende Fragen, deren Antworten mich nur im Ansatz zufriedenstellen konnten, lehrreich war es allemal. Hier ein kurze Zusammenfassung: Die Preisbestimmung beginnt beim Endverkäufer (Einzelhändler wie Billa, Aldi, Spar). Der setzt fest, wieviel er für dieses und jenes ausgeben will und beauftragt einen Einkäufer, dieses Fleisch zu kaufen. Der wiederum geht zum (Groß-)Schlachter und sagt: “Ich geb dir X € für X kg machst du das?” Diese Preise dürften sehr knapp kalkuliert sein. Der Schlachter hat teilweise schon keine Wahl, will er sein Fleisch loswerden. In weiterer Folge geht der Fleischer zum Mäster, sagt, ich nehm dir deine Schweine (die der loswerden will und muss, weil sie sonst zu alt werden) um diesen Preis ab – wieder knapp kalkuliert, so dass der Schlächter noch irgendwie mit Gewinn aussteigt. Der sagt (teils gezwungen) bei schlechten Konditionen zu und zieht weiter zum Ferkelzüchter und sagt ich kann dir soviel für dein Ferkel geben. Da bleiben dann eben einfach nicht größere Margen übrig. Punkt.
Ist das fair? Wie könnte man es ändern? Darüber haben wir leider nur kurz gesprochen, er meinte aber, dass es für ihn als “kleinen” (wir erinnern uns: 200’000kg pro Jahr!) Mastbetrieb kann er keinen Druck machen oder Forderungen nach höheren Preisen stellen. Unsere Sprache kam auch auf die Milchbauern, die im Mai (?) europaweit versucht hatten höhere Milchpreise durchzusetzen, weil für sie eben kaum mehr etwas (im Centbereich) herausschaut. Sie haben begonnen die Milch einfach wegzuschütten für ein paar Tage. Was war die Reaktion der Nahrungsmittelkonzerne? Sie kauften Milch aus Neuseeland. Ein Schuss in’s Bein also für die Milchbauern.
Mein Vorschlag war die Märkte wieder zu verkleinern, verstärkt auf regionale Produktion und Konsum zu setzen in Verbindung mit schonungsloser Kostenwahrheit. Aber das führt zu weit, vielleicht dazu irgendwann mehr. Jetzt habe ich hier über zwei Aspekte einer echten Schweinerei berichtet und dir hoffentlich die Möglichkeit gegeben dich zu bilden. Ich freue mich über Kommentare, wie immer, am wichtigsten wäre mir aber, dass du dir Gedanken machst und reflektierst – für dich, damit du eine Meinung zu Dingen hast. Das ist nämlich wichtig in einer Demokratie!
Die Supermarktketten haben irrsinnig viel Macht! Ich weiß wovon ich rede, ich habe jahrelang in dieser Branche gearbeitet. Wenn du willst erkundige ich mich und sag dir dann bescheid wieviel Marge der Supermarkt noch draufhaut aufs Fleisch… Dann weißt du wo das Geld hingeht.
wäre sicher spannend. wobei der bauer gemeint hat, dass die da kaum einen spielraum lassen (auch für sich nicht), weil sie beim fleisch den besten preis haben wollen (große konkurezen) weil man mit fleisch kunden ins geschäft lockt!
Gratulation zu deinem Beitrag!
kleine Anmerkung: Die 70 ha Land, Ich weiß zwar nicht, was dieser Bauer auf seinen Feldern anbaut. Aber vieles ist auch für die Schweinemast. (Körnermais etc.) . und da muss man auch noch die Kosten mit beeinrechnen Preis für Saatgut, und Pflege (Agrardiesel, Reperaturkosten etc.)
Ich komm selber von einem Bauernhof. Zu den Milchbauern möchte ich sagen, dass das auch Milchbauern als Schuss ins eigene Knie sehen, so wie mein Vater. Die IG Milch (die den Lieferboykott startete) ist in Wirklichkeit nicht so tief verankert in der Landwirtschaft wie Medien es vermitteln. Das Wegschütten der Milch könnte den Anschein erwecken, sie ist eh nix wert. http://weltbeobachterin.blog.de/2008/05/30/milchstreik-in-osterreich-keine-spur-4247898/
Du hast recht, es soll mehr wieder auf Regionalität geachtet werden. und z.B. Milch und Fleisch (und andere Grundnahrungsmittel) wirklich von der nächsten Umgebung verkauft werden. Z.B. bei speziellen Delikatessen finde ich es aber gut, wenn sie auch anderswo bekannt werden. z.B. eine spezielle Wurstsorte oder Käsesorte.
Nur, die Leute sollte man aufklären. Und ab und zu ist die Macht der Konsumenten auch auf die Seite der Landwirtschaft. Billa hatte z.B. die holländischen Heidi Milchprodukte wie Schlagobers und Butter wieder aus dem Programm genommen, weil die Leute sie einfach nicht kauften.
Ich esse gern Fleisch, aber nur gute Qualität.
Doch das Drama ist, die Leute wollen gute Qualität, und höchste Tierschutzstandards, gentechnikfrei etc. aber es soll so billig wie möglichst sein. Entweder oder. Da hilft nur Aufklärung.