Differenzierte Lösungsansätze

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Heute hatte ich beim Frühstück eine sehr spannende Konversation mit meinem Großvater (“Ex”-Ökonom, hat für die Deutsche- und Weltbank, im deutschen Wirtschaftsministerium und als Diplomat gearbeitet (Währungs- und Entwicklungswirtschaft)). Wir sprachen über Afrika und Fairtradeprodukte (Ich brauche neue Socken, will aber “nachhaltige” Produkte kaufen, die sind aber schwer zu finden ;-)). Davon kamen wir bald ab und sprachen ein wenig über Entwicklungspolitik und ich meinte: “Wenn wir nicht in einer menschlichen und ökologischen Katastrophe enden wollen brauchen wir schnell differenzierte Lösungsansätze.” Und er fragte daraufhin, was ich unter “differenzierten Lösungsansätzen” verstehe, für ihn sei das nicht klar.

Stille!

Ups, mal wieder Phrasen gedroschen, obwohl ich mir doch so sehr vorgenommen hatte, das nicht mehr zu tun.

“Lass mich kurz nachdenken wie ich das am besten formulieren kann.”

Stille!

Mein Herz begann deutlich vom durchschnittlichen Morgenpuls abzuweichen (nach oben!) und mein Hirn ratterte auf Hochtouren um etwas Sinnvolles zu produzieren und nicht bloßgestellt zu werden. Es sind Momente wie diese, in denen einem die genialsten Gedanken in den Kopf schießen, in denen Querverbindungen logisch werden, über die man sonst nicht im Traume nachgedacht hätte. Und da fügte sich das Puzzle, an dem ich seit Wochen arbeite in Sekundenschnelle zusammen: Verantwortung! Wir brauchen Verantwortung, genaugenommen Verantwortungsbewusstsein, oder noch genauer: verantwortungsbewusstes Verhalten.

An allen Ecken und Enden wird Verantwortung weggeschoben – bin ich nicht zuständig, geht mich nichts an. Egal ob der Penner an der Ecke, die Kindersoldaten im Kongo, die gefolterten Männer und Frauen in Tschetschenien, die hungernden Mädchen im Vietnam oder die unterdrückten Roma in Ungarn, die geschlagenen Frauen in Österreich oder Drogenabhängige in Afghanistan, die Kinder, die hier für Ikea und da für Nike arbeiten – sie alle wollen wir nicht sehen. Es ist aber unsere Aufgabe, unsere Verantwortung. Wenn wir versuchen, so weiter zu machen, werden wir die Rechnung präsentiert bekommen. Beginnen wir endlich hinzuschauen, beginnen wir endlich den Schmerz der Welt zu sehen, anstatt uns hinter Scheinwelten (Konsum, Drogen) zu verstecken und doch unweigerlich von ihm eingeholt zu werden. Wappnen wir uns und kämpfen wir gegen Ungerechtigkeit anstatt wegzusehen. Wehren wir uns gegen Ausbeutung, anstatt sie zu ignorieren. Verteidigen wir uns und vor allem die, die es nicht selber können, gegen Misshandlung, statt sie zu übersehen. Rüsten wir uns mit den Waffen der Ehrlichkeit, der Verantwortung, der Hoffnung! Wir können einen Unterschied machen, aber nur wenn wir hinschauen.

Das ist der differenzierte Lösungsansatz den wir brauchen: Hinschauen statt wegschauen und handeln statt verdrängen!

One Response to “Differenzierte Lösungsansätze”

  1. Freiheit ist ohne Verantwortung nicht haltbar – sowas wie ein PAL (Problem anderer Leute) gibt es eigentlich gar nicht. Diese Weisheit ist allerdings schon mindestens 2000 Jahre alt. Vielleicht sind wir ja nach und nach auf dem Weg, unsere eigenen Erkenntnisse zu verstehen und anzuwenden. Wenn jeder Mensch nur einen einzigen an der Hand nimmt, ist keiner mehr alleine.


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