Die Jugend von heute
was ich kurz notiert wissen möchte:
Heute nach dem Homoprojekt (von dem ich nachher noch mehr schreiben werde – wenn ich nicht einschlafe!) habe ich alleine all die vielen Sessel und Tische verrücken müssen, weil niemand daran gedacht hat mir zu helfen – und ich natürlich auch nicht gefragt habe, weil ich zu beschäftigt war, egal. 3 junge Damen kamen zu mir (Drittklässlerinnen, 12 Jahre alt) und haben mir unaufgefordert geholfen, so einfach: “Können wir dir helfen?” Sie waren übrigens wirklich eine Hilfe. Lustig zu werden begann es als sie Hikmets Plakate zu “Respekt für Liebe” sahen, auf denen gleichgeschlechtliche, küssende Paare abgebildet sind. (Hier der Link zu dem Bild: http://www.homophobie.at/liebeverdientrespekt/header.gif). Sie begannen zu lachen und fragten nach, was das denn sei und warum die sich küssten. Eigentlich fragten sie weniger mich, als sich selber und sie beantworteten sich die Frage(n) auch sehr selbstständig. “Das ist wenn ein Mann einen Mann liebt”, nein, das ist nicht Homosexualität, das ist schwul!” “Aber schwul und homosexuelle ist doch das Selbe!!!”
Ich habe phasziniert gelauscht und mich an dem Gesichtsausdruck, der Freude, dem Interesse dieser jungen Menschen erfreut. Ihre Ausstrahlung war phenomenal, sie haben gelernt! Aber nicht so wie wir das heute verstehen – auswendig lernen, nerviges büffeln, sie haben gelernt über den Dialog, den Polylog, sie haben sich gegenseitig das beigebracht was sie wussten. Sie haben durcheinander, voneinander und miteinander gelernt. Und sie hatten Spaß dabei – das ist das eine was ich gesagt wissen möchte.
Das zweite war, dass sie wirklich offen für jegliche Art von Andersheit. Sie fanden es nicht grauslich, dass Männer Männer lieben können, oder Frauen Frauen. Das passte wunderbar in ihr Weltbild. Das war nichts schlechtes, schlimmes oder verwerfliches. Mir fällt in solchen Momenten immer wieder ein:
“Why did we make it so hard ?
This life is so complicated
Until we see it through the eyes of a child!”
Also das zweite ist: Lass uns die Welt manchmal durch Kinderaugen sehen. Kindern gehts um 2 Dinge: Dass es ihnen gut geht und dass es den anderen gut geht! Und dafür sind sie gerne bereit Opfer zu bringen. Sie helfen wann immer sie können, sie hinterfragen die Anderen und sich selbst und manchmal, manchmal sind sie richtige Arschlöcher.
Das Dritte was ich gesagt haben möchte bezieht sich auf die Fähigkeit junger Jugendlicher (sprich 10 – 15 jährige) sinnvolles zu unserer Gesellschaft beizutragen, sowohl körperlich als auch geistlich. Diese 3 jungen Damen haben nicht nur einem Krüppel (http://is.gd/12Cey) geholfen seine Arbeit zu erledigen, sie haben sich ernsthaft mit dem Thema Homosexualität, Sexualität generell, Hunger, Friede auseinandergesetzt. Ich habe ihnen meine Aufmerksamkeit geschenkt und sie haben sie gerne genommen. Wir haben uns auf einem Level unterhalten, den ich mir bei vielen 17, 18 jährigen ersehne. Beim Hunger haben wir festgestellt es gibt genug Essen für 11 Milliarden. Wir sind auch drauf gekommen, dass es 300 Millionen Amerikaner gibt und 8 Millionen Österreicher, schließlich haben sie auf 7 Milliarden Menschen weltweit getippt (nicht so weit daneben). Die Frage die dann natürlich kam war: “Warum verhungern dann aber immer noch Menschen?” und die prompte Antwort: “Na weil das Essen nicht fair verteilt ist – das ist genau so wie Regen und Liebe”. Andere Aussage (ohne, dass ich davon gesprochen habe): “Wenn jeder ein bisschen etwas ändern würde, dann wäre die Welt so anders” – das hat ein 13 jähriges Mädl, einfach so gesagt. Ich könnte hier weiter aufzählen… Wir haben herausgefunden was sexuelle Identität ist, oder warum die Burschen in ihrer Klasse immer lachen wenn im Biounterricht über Sexualität gesprochen wird. Kurz um: Ich bin begeistert! Diese 20, vll 30 Minuten haben mir sehr viel gegeben. Und ihnen auch. Wir haben soviel gelernt voneinander und miteinander. Und gerade das zeigt mir wieder, wie falsch es ist Jugendlichen einen Freibrief zum Danebenverhalten gibt (#pupertät) (http://teacher.twoday.net/stories/5728456/), anstatt sie zu fordern, ihnen Aufgaben zu übertragen, sie einzubinden, denn sie sind fähig. Nur unser Verhalten macht Jugendliche zu dem was sie sind – Stickwort Komasaufen, Stichwort Drogenmissbrauch, Stichwort Neonazi, Stichwort Kriminalität, Stichwort Stichwort Stichwort. Diese Worte sind so abgedroschen, dass sie nicht mehr Stechen! Deswegen mein Appell – nehmt die Jungen ernst, gebt ihnen Aufmerksamkeit und lasst sie mit und an eurer Zeit, Aufmerksamkeit und Liebe wachsen – das ist der Weg den ich für meine Zukunft gehen möchte, dass ist der Wandel, den ich in der Gesellschaft sehen möchte, das ist die Welt in der ich leben möchte: Liebe, Zuversicht, Vertrauen, Hoffnung!
Auch veröffentlicht auf Facebook (http://www.facebook.com/note.php?note_id=99208586274)
Wieder ein beeindruckender und motivierender Text, Armin! Gemeinsam mit dem letzten Text “Beim Arzt” zeigst du sehr gut, wie das Potenzial junger Menschen leider von weiten Teilen der Gesellschaft immer wieder systematisch unterschätzt wird. Das fängt beim oftmaligen “Das kannst du noch nicht” in den ersten Lebensjahren an, geht über das hier skizzierte Unterschätzen der Fähigkeiten zur Auseinandersetzung junger Menschen mit komplexen Themen (obwohl diese dieses Themen oft intuitiver angehen als Erwachsene) und reicht bis zum generellen Unterschätzen des Potenzials der aktuellen Generation Jugendlicher.
Politische Entscheidungen, von der unsere Generation und später unsere Kinder und Kindeskinder am meisten betroffen sind (Klimawandel, Energie, Pensionen, etc.), werden von 60jährigen Männern getroffen anstatt jener Generation die Verantwortung zu geben, die in Zukunft mit den Folgen dieser Entscheidungen leben muss und die aufgrund ihres Aufwachsens in einer globalisierten und vernetzten Welt ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse von Menschen in anderen Teilen dieser Welt hat! Es liegt an uns, dies zu ändern und den jungen Menschen jene Stimme zu geben, die sie für eine gerechte und zukunftsgerichtete Gestaltung dieser Welt benötigen. Jene Stimme, die – das sollten wir bedenken – sich diese Generation vor allem auch selbst geben muss!