
Jung, Grün, Kompetent, Mandat. Das ist Gebi Mair. Er ist 27. Seit 4 Jahren grüner Landtagsabgeordneter in Tirol. Davor war er zwei Jahre Gemeinderat in Innsbruck. Ein junger Mensch mit großer politischer Erfahrung und noch größerem Potenzial. Macht euch alle ein Bild von ihm, schaut euch seinen Blog genau an. Und schätzt ihn selber ein. In meinen Augen, ist er einer, der es schafft die Message rüber zu bringen.
Diesmal ist das ihm das aber nicht optimal gelungen. Er hat heute Früh ein Interview gegeben, das es nur als Zusammenfassung zu lesen gibt, in dem er einige Dinge sagt, die ich nicht nachvollziehen kann. Für diese Aussagen wurde er von allen Seiten kritisiert und hat einiges auch in einem Folgeinterview im Standard zurechtgerückt. Übrig bleibt für mich, dass er viel von Georg Willi hält. Das ist schön, kann ich nicht beurteilen und ist mir auch wurscht.
Der Punkt ist, und das spricht er ebenfalls ausführlich an – und das ist sicherlich keine heiße Luft: Wir, die Grünen Österreich, sind heute nicht gut genug aufgestellt. Wir haben die besten Konzepte – das ist (fast) unbestritten, wir haben eine peinlich schwache Regierung – das ist unbestritten, und wir haben nicht Hochkonjunktur. Leute, wir machen unsere Arbeit nicht gut genug. Wir müssten explodieren – auf 20 Prozent und mehr. Nachhaltig. Aber wir tun es nicht.
Und da müssen wir uns ehrlich fragen: Warum wachsen wir in Umfragen nur drei Prozent? Warum nicht mehr? Wieso setzen wir unsere gigantische inhaltliche Kompetenz nicht in Themenführerschaft um? Oder fällt euch eines, ein einziges Thema ein, auf das wir unbestritten Themenführerschaft hätten – nicht in grünen Kreisen, sondern da draußen? Radfahren – noch etwas? Wir erzählen die Geschichte einer grünen Welt nicht gut genug. Da gibt es Bilder, die wir zeichnen müssten. In Japan fliegt ein Kraftwerk in die Luft und wir müssten beginnen zu erzählen:
Warum dezentrale Energieversorgung so großartig ist. Weil die Gemeinden plötzlich Spielräume bekommen. Günstiger Strom da ist. Unternehmen sich ansiedeln wollen. Arbeitsplätze geschaffen werden. Pendeln nicht mehr notwendig ist. Irgendwann kann man Fernwärme anbieten. Heizkosten sinken. Und Investitionen in die Infrastruktur kurbeln die lokale Wirtschaft wieder an. Der Kindergarten kann gratis werden. Vielleicht ein Erlebnispark gebaut werden. Oder ein Hallenbad. Die Bevölkerung identifiziert sich mit “ihrer Energie”. Geht bewusster damit um. Regionale Bauern können wieder Leben. Weil die Kaufkraft der Bevölkerung steigt. Es gibt Raum für Kunst und Kultur. Soziale Sicherheit und Zusammenhalt. Es beginnen Touristen zu kommen. Dienstleistungen. Und das Rädchen dreht sich weiter und weiter. Investitionen werden möglich. Und alles nur, weil eine Gemeinde einen mutigen Weg geht. Ein Kraftwerk hin stellt. Biomasse zum Beispiel. Und dass das gut für’s Klima ist und wir weder Atomstrom importieren müssen noch Russlands Gas für’s heizen brauchen, kann man ja ruhig in einem Nebensatz erwähnen. Aber der Punkt ist – Grüne Konzepte verbessern die Lebensqualität. Schaffen Sicherheit wo Unsicherheit herrscht. Sind verlässlich, erprobt und durchdacht. Pragmatisch umsetzbar und sinnvoll.
Und diese Geschichte gibt es nicht nur zur Energie zu erzählen, sondern auch zur Bildung, zur Gesundheit, zur Mobilität, zur Verwaltung. Wir machen Menschen nicht genug Lust auf dieses andere Österreich, dass in all unseren Köpfen existiert. Eine Pressekonferenz zu machen, zu sagen “Wir wollen Raus aus Öl und Gas” und ein Konzept mit 1582 Worten dazu zu heften, das noch dazu hauptsächlich aus Zahlen besteht, ist einfach zu wenig. Viel zu wenig.
So falsch es ist diese Debatte mit Personalfragen zu beginnen – so recht hat Gebi doch an vielen Ecken. Diese Aussagen beispielsweise unterschreibe ich sofort.
Es gibt in diesem Land eine “Obezahrer-Stimmung”, die von der Regierungsspitze verantwortet wird. Es muss uns Grünen gelingen, eine Aufbruchsstimmung zu erzeugen, dass wir nicht in diesen “Obezahrer-Strudel” mit hineingezogen werden. Wir haben damit nichts zu tun, und es muss uns gelingen, durch überzeugende Leute und emotionale, ansprechende Themen die Menschen zu erreichen und ihnen zu zeigen, dass es auch anders geht. - Standard
Trotzdem glaube ich, dass man diese Partei zu einer bunteren, fröhlicheren und lustbetonteren Partei machen kann, die Leute fasziniert. Das fehlt uns. - Standard
Der Zustand der Bundespartei sei derzeit nicht erfreulich, betont Mair, der klare Konturen bei den Grünen vermisst. „Wen außer Peter Pilz oder Eva Glawischnig kennt man in Österreich?“ Als größten Mangel ortet der Tiroler Landtagsabgeordnete derzeit die fehlende Persönlichkeitsentwicklung bei den Grünen. – tt.com
Wir sind parlamentarische Streber. Wir glauben, dass uns angesichts von Faymann und Spindelegger die Wähler nachlaufen, aber das machen sie nicht von selbst.“ Es brauche eine andere, auch aktionistischere Politik, mit der man die Themen den Menschen lebensnäher vermitteln könne. – diepresse.com
Ja, Gebi hat mit seinem Interview in den Gatsch gegriffen. An Evas Sessel zu sägen ist ungerechtfertigt, kontraproduktiv und wider der eigenen Aussage. Er hat dafür einige ordentliche Detschn kassiert. Aber er hat auch provoziert – und damit Aufmerksamkeit geschaffen für ein reales Problem. Unsere Performance ist einfach nicht gut genug. Nutzen wir das Potenzial, das in dieser Debatte liegt und beginnen wir uns zu überlegen, was konkret sich ändern muss. Wo es strategische, wo strukturelle und wo personelle Defizite gibt. Und lösen wir sie. Ich tue das in meinem Umfeld. Versuche Maßnahmen zu ergreifen, von denen ich glaube, dass sie uns, das Grüne Projekt weiter bringen.
Für mich ist klar, dass wir verdammt gut aufpassen müssen, dass wir nicht weiter überaltern und langweilig(er) werden.
2013 ist die nächste Nationalratswahl. Dieses Jahr (2012) werden wir unsere Listen dafür wählen. Bis dahin muss klar sein, was wir – als Grüne Basis – von unseren Nationalratsabgeordneten, von unseren SpitzenkandidatInnen und von uns selbst erwarten. Damit wir am Ende stärker da stehen als heute. Um die Bilder in unseren Köpfen Realität werden zu lassen. Bald!










