Dieser Artikel ist der erste Eintrag in meinem Lerntagebuchs zur Vorlesungsreihe “Nachhaltigkeit – Schlagwort oder zukunftsträchtiges Konzept oder” zum Block 2 – soziale Nachhaltigkeit.
Wer soziale Nachhaltigkeit konsequent denkt, landet bei zwei Komponenten, die gleichermaßen erfüllt werden müssen.
Es braucht eine faire Verteilung der vorhandenen Ressourcen auf und ansprechende Lebensmöglichkeiten für alle Menschen dieser Erde. Gleichzeitig dürfen unter unserer Nutzung der Erde nicht folgende Generationen leiden.
Diese Überlegungen sind naheliegend und nicht neu – dennoch tut sich wenig. Wir treiben Schindluder mit unserem Planeten, nutzen unsere Brüder und Schwestern – nicht nur die mit anderer Hautfarbe aus. Vor allem auf die revolutionären Veränderungen wartet man vergeblich.
Aber es scheitert nicht am Wollen. Jeder vernünftige Mensch teilt die Auffassung, dass es soziale Nachhaltigkeit braucht. Auf der Suche nach möglichen Gründen liefert Hans Rosling einen interessanten Input. Er macht Vorurteile zu einem Teil des Problems. Und hat mit seiner Software Gapminder eine bahnbrechende Antwort gegeben. Rosling ist schwedischer Professor für Internationale Gesundheit und war lange Zeit Berater der WHO, der UNICEF und mehrerer Hilfsorganisationen. In einer seiner großartigen Präsentationen auf TED (http://ted.com – Ideas worth spreading) erklärt er seine Überlegungen:
“Vor ungefähr 10 Jahren übernahm ich die Aufgabe, schwedischen Studenten im Grundstudium globale Entwicklung zu lehren. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich seit ca. 20 Jahren gemeinsam mit afrikanischen Organisationen Hunger in Afrika untersucht, sodass von mir erwartet wurde, dass ich ein wenig über die Welt Bescheid wusste. [..]
Ich habe zu Beginn einen Test gemacht. [..] „Welches Land hat die höchste Kindersterblichkeit innerhalb dieser fünf Paare?“ Ich hatte sie so ausgewählt, dass in jedem der Länderpaare, die Kindersterblichkeit eines Landes doppelt so hoch wie die des anderen war. Das bedeutet, dass der Unterschied deutlich größer als die Unsicherheit der Daten ist. [..] Ich habe ein Konfidenzinterval erhalten, das ziemlich eng ist: von fünf möglichen Antworten waren 1,8 richtig.
Eines Nachts, als ich den Bericht verfasste,wurde mir meine Entdeckung wirklich bewusst. Ich habe gezeigt, dass Schwedens beste Studenten, statistisch gesehen, wesentlich weniger über die Welt wussten als Schimpansen. Denn Schimpansen würden die Hälfte richtig auswählen, wenn ich ihnen zwei Bananen mit Sri Lanka und der Türkei geben würde. Sie würden in der Hälfte der Fälle richtig liegen.
Aber die Studenten taten dies nicht. Das Problem war meines Erachtens nicht Dummheit – es waren vorgefasste Meinungen.”
Als Reaktion auf diese Erkenntnis erfand Rosling Gapminder. „Fighting the most devastating myths by building a fact-based world view that everyone understands.“ ist das Ziel. Zu erreichen sucht er es über die Visualisierung von Daten. Er sagt: „Having the data is not enough – I have to show it in ways people both enjoy and understand.“
Ein Problem komplexer Vorgänge ist, dass sie schwierig zu erfassen sind. Vor allem sobald wir Zusammenhänge zwischen mehr als zwei Variablen abbilden möchten, können wir mit unserem ursprünglichen Koordinatensystemen nicht viel ausrichten.
Rosling hat es mit Gapminder geschafft Zusammenhänge zwischen fünf Variablen seinen Anforderungen systematisch und eingänglich entsprechend zu visualisieren.

Gapminder geht dabei folgendermaßen vor: Auf X und Y – Achse werden wie gewohnt verschiedene Daten (oft logarithmisch) aufgetragen – als Datensätze stehen hier sämtliche Statistiken der UNO zur Verfügung – die Punkte stehen für verschiedene Länder, Kontinente oder Provinzen, ihre Größe steht hierbei für die Population der Länder. Um die Trends anschaulich und nachvollziehbar darzustellen werden nun die Datensätze für ein gewisses Intervall an Jahren hintereinander gezeigt. So lassen sich zwei Eigenschaften beliebig vieler Länder über die Zeit hinweg miteinander vergleichen. Es entstehen Trends.
Gapminder ist ein Werkzeug um die Welt besser zu verstehen. Um Zusammenhänge nachzuvollziehen, die sonst untergehen würden. Und um Vorurteile zu widerlegen. Aber wirklich spannend wird es, wenn Hans Rosling sein Tool selbst verwendet. Der Enthusiasmus, die Freude und die Ernsthaftigkeit mit der er die Entwicklung der Welt kommentiert steht einem weltklasse Sportkommentator um nichts nach und so nimmt Rosling einen mit auf eine packende Reise durch 200 Jahre Weltgeschichte. Und so schaut das aus:


