Archiv für Kategorie Fremde Stimmen

Fremde Stimme: Warum die Grünen nicht wählbar sind.

Verfasst von Armin Soyka am Freitag, 12 Februar, 2010

Viele Menschen haben etwas zu sagen. Viele davon werden nicht gehört. Gestern saß ich mit einem Freund zusammen. Er hatte was zu sagen. Er schrieb es mir auf. Hier sein Gastkommentar:

Ich werde die Grünen nicht wählen, weil sie zu aktuellen Themen nix sagen und für nix stehen. Weiterlesen »

Hüten Sie sich vor den leeren Schlagworten

Verfasst von Armin Soyka am Freitag, 18 Dezember, 2009

fremdestimmenlogoWie ihr vielleicht gemerkt habt, habe ich meinen Blog vor einiger Zeit ein neues Gesicht verpasst. Ich habe mir auch ein paar Gedanken über verschiedene Kategorien gemacht, in denen ich bloggen möchte. Eine davon (diese!) heißt “Fremde Stimmen” und bietet Raum für Gastkommentare. Dies ist der erst Post in der Kategorie und soll ein eMail zitieren, dass ich als Antwort auf mein Interview im Standard erhielt. Weiterlesen »

Nick Vujicic: Ja, ich bin glücklich!

Verfasst von Armin Soyka am Mittwoch, 14 Oktober, 2009

“Ich heiße Nick Vujicic. Ich liebe es zu reisen, fischen, golfen und zu schwimmen. Ich liebe es zu leben. Ja, ICH bin glücklich

So beginnt eines der vielen Videos über Nick Vujicic, einem der wohl lebensfrohesten Menschen der Welt. Dann zoomt die Kamera weg. Nick hat keine Arme und keine Beine.

Auf seinem Weg von „Man with no limbs“ (Mann ohne Gliedmaßen) zu „Man with no limits“ (Mann ohne Grenzen) hatte auch er so einige Niederlagen zu überwinden – nicht zuletzt den Tod 3 seiner Familienangehörigen 2005.

Dennoch ist er überzeugt: „I wouldn’t change it“ Ohne seine Behinderung wäre es ihm nicht möglich vor Tausenden von Menschen zu reden und ihnen zu zeigen, dass selbst diese Hürde meisterbar ist.

Die Ärzte sagten, er würde niemals stehen können – geschweige denn gehen. Doch Nick machte sich nichts daraus, er beschloss sein Leben selbst zu leben und das Beste daraus zu machen. „You don’t have to believe others opinions!

Nick kann nicht nur vor großem Publikum reden und zigtausend Menschen Hoffnung geben, sondern auch ein eigenes Leben führen. Humorvoll erzählt er von seinem „Everyday life“ – schwimmen, golfen und neue Leute zu treffen stellen für ihn kein Hindernis dar. Nick kann surfen, er kann telefonieren und vor allem: Er kann etwas aus seinem Leben machen. “This is only the beginning, I mean, I’m only 23

Seinen Reden zuzuhören ist ein Erlebnis, das wohl kaum in Worten fassenbar gemacht werden  kann. Nick verurteilt sich nicht dafür in dem einen oder anderen Augenblick an sich gezweifelt zu haben, sein Leben verflucht oder sich gewünscht zu haben jemand anderes zu sein. Er bejammert nicht sein eigenes Leben, verurteilt nicht, wer ihn einst verspottete. Er versucht zu erklären, dass man etwas aus sich machen kann, dass jedes Leben lebenswert ist. Das einzige das einen behindert ist die eigene Vorstellungskraft.Don’t ask yourself and see what you don’t have- see what you do have! “ Nick versucht klarzumachen, dass man sich nicht an den Sachen festlegen soll, die einem fehlen – sieh dein Potential und mach etwas daraus ist seine wichtigste Botschaft.

Weiterführende Links: Nicks Webseite “Life without limbs”, Wikipediaeintrag auf Englisch, einige Youtubeplaylists

Der Artikel wurde von Kathi geschrieben, der ich ganz herzlich danken möchte!

Sand sein, nicht Öl im Getriebe.

Verfasst von Armin Soyka am Montag, 5 Oktober, 2009

Zum Hals hängt es mir raus, mir anhören zu müssen, die Jugend von heute sei unpolitisch, faul und falsch. Zum Hals hängt es mir raus. Hier ein weiteres eindrucksvolles Beispiel, was junge Menschen schaffen, worüber sie nachdenken und was sie für Vorsätze und Visionen haben… das hat meine Schwester gestern produziert. Mit ihrer Erlaubnis publiziere ich hier ihre Deutschhausaufgabe. Ein lesenswertes Stück Text mit wichtigem Inhalt!

Chapeau!” Ein Ausruf des Respekts, der Bewunderung wäre hier angebracht – anstelle von unreflektiertem und gehaltlosem Jugendbashing!

Sand sein, nicht Öl im Getriebe…

Dieser sehr bekannte Satz stammt aus dem Hörspiel „Träume“ des seinerzeit sehr berühmten Lyrikers und Hörspielautors Günter Eich. Geboren 1907 im Osten Deutschlands, brach er 1932 sein Ökonomie- und Sinologiestudium ab und arbeitete zunächst als freier Autor. 1943 wurden durch die Bombardierung seiner Wohnung in Berlin fast alle seiner Manuskripte zerstört. Vieles war für immer verloren. 1945 geriet er als Unteroffizier in amerikanische Kriegsgefangenschaft und war 1947 Mitbegründer der „Gruppe 47“, einer Gemeinschaft verschiedener Autoren. Sie trafen sich, um sich gegenseitig durch Kritik zu unterstützen und um junge, noch unbekannte Autoren zu fördern. Durch demokratische Abstimmungen ermittelten sie die Gewinner des „Preis der Gruppe 47“, welcher sich für viele die ihn erhielten als Sprungbrett in ihre spätere literarische Karriere erwies. Eich selbst war der erste, der mit diesem Preis ausgezeichnet wurde. 1953 heiratete er Ilse Aichinger, eine österreichische Autorin, welche eine sehr bedeutende Repräsentantin der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur ist. Nach vielerlei gemeinsamer Wohnungswechsel fanden die beiden in Salzburg schließlich ein dauerhaftes zu Hause. Im Jahre 1959 gewann Günter Eich den Georg Büchner Preis und auch in der damaligen Dankesrede kam sein Aufruf gegen die Angepasstheit.

„Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind!
Seid misstrauisch gegen die Macht, die sie vorgeben für euch erwerben zu müssen!
Wacht darüber, dass eure Herzen nicht leer sind, wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird.
Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet!
Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!”
Träume, 1951

1972 starb er in Salzburg an einer Herzerkrankung und ist seitdem trotz seines zeitweiligen Ruhms sehr in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht, wie viele meinen. War er doch einer der Wenigen gewesen, die immer wieder versucht hatten die Menschheit wachzurütteln – wachrütteln aus den Gewohnheiten ihres Alltags, bei denen sie sich über nichts mehr Gedanken machten, sondern einfach nur die Ideale anderer Menschen nach lebten.

Im zeitlichen Hintergrund Eichs Aussage steht um 1950 herum die Angst vor einem Dritten Weltkrieg. Er befürchtete, dass die Bevölkerung durch permanentes Wegschauen nicht einmal mitbekommen würde, was um sie herum geschähe; sie die Möglichkeit „Nein“ zu sagen einfach so verstreichen lassen würde.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, ein Satz der angeblich von dem russischen Politiker Lenin stammt. Ich finde, er drückt sehr gut aus, was auch Eich damals mit seinen etwas dramatischeren Worten gemeint haben könnte. Und zwar, dass wir nicht einfach darauf vertrauen dürfen, dass die Machthabenden immer nur unser Bestes wollen, sondern dass wir auch darauf achten müssen, dass sie die ihnen gegebene Macht nicht ausnutzen. Demokratie wird erst möglich, wenn wir alle dahinter stehen. Aber das tun wir nicht. Offengestanden habe ich selbst keine Ahnung von Politik. Ich habe immer in dem Glauben gelebt, dass es mich nicht zu interessieren braucht, dass meine eine Stimme doch sowieso keine Rolle spielt, aber langsam beginne ich zu verstehen, wie falsch ich gelegen habe. Meine Stimme mag nicht in der Lage sein Großartiges zu verändern – aber was wenn alle so denken? Was wenn alle sich ihrer Verantwortung auf diese Art und Weise zu entsagen suchen. Natürlich kann man jetzt wieder sagen: tun sie aber nicht. Und, natürlich wird es immer einen gewissen Prozentsatz an Menschen geben, die sich für ihre Überzeugungen einsetzen, aber die Frage ist: Will ich es wirklich diesen wenigen überlassen, über richtig und falsch, und über die Zukunft meines Landes zu urteilen?

Luxus macht denkfaul, und ich denke wir wissen alle, wie leicht es ist sich dazu hinreißen zu lassen, sich einfach der Mehrheit anzuschließen, aber wenn es eines gibt, dessen ich mir zu hundert Prozent sicher bin, dann ist es, dass dies die falsche Lösung ist. Man kann an so vielen Stellen der Sand sein, wenn man sich nur einmal darüber bewusst wird. Und so denke ich auch, dass es für jeden etwas Verschiedenes bedeutet, der Sand zu sein, der verhindert, dass das Getriebe „wie geschmiert“ funktioniert. Für die einen mag es heißen auf Demonstrationen zu gehen, für den nächsten Unterschriften gegen Atomkraft zu sammeln und wieder für den nächsten einfach einmal ungeschminkt vor die Türe zu treten.

Nehmen wir zum Beispiel einmal den Schönheitswahn her. Trauriger Weise leben wir in einer Welt, in der uns schon im kleinsten Kindesalter eingetrichtert wird was schön ist, und was nicht. Uns wird gelehrt, dass man perfekt – eben diesem vorgegebenen Ideal entsprechend – sein muss um es in dieser Gesellschaft zu etwas zu bringen. Uns wird glauben gemacht, dass man nur durch sogenannte Schönheit wahres Glück erfahren kann – aber was daran ist wirklich wahr?

Im Endeffekt ist es doch alles nur eine große Lüge. Nur der winzigste Prozentsatz aller Frauen haben, dem Idealbild entsprechend, niedriges Gewicht, große Brüste und perfekte Zähne und dennoch wird uns eingeredet, dass es normal sei, diesen Vorstellungen zu entsprechen. Dreht man den Fernseher auf, so kann man sich relativ sicher sein, dass in einem Film, die perfekte, schlanke, großbusige Frau die Glückliche ist, während die andere, nicht minder schöne, aber eben auch nicht dem Ideal entsprechende Frau die Unglückliche. Wenn man eine Zeitschrift durchblättert, so ist darin kein einziges Bild, das nicht von Profis in stundenlanger Kleinstarbeit nachbearbeitet wurde.

Wir werden also darauf abgerichtet unglücklich zu sein, denn das Ideal zu erreichen ist für den Großteil der Frauenwelt und in anderen Bereichen auch Männerwelt schlicht unmöglich. Davon wie seelisch belastend es sein muss, ein Leben lang etwas nachzueifern, das man auf natürlichem Wege sowieso kaum erreichen kann, ganz zu schweigen.

Sand sein, heißt für mich also die zu sein, die ich wirklich bin. Dafür einzustehen was ich glaube und mich nicht manipulieren zu lassen, von dem Schönheitsidealismus, der die heutige Zeit prägt. Die Fähigkeit auch Nein zu sagen, wenn mir etwas nicht gefällt, verlangt nach viel Selbstsicherheit. Sie wird einem von dem Streben nach Perfektion ausgetrieben, denn man kann niemals erreichen, was man erreichen will. Das perfekt durchdachte Wirtschaftssystem zwingt einen dazu den Glauben an sich selbst zu verlieren. Dem kann man nur entgegenwirken indem man sich kennt. Sand sein heißt sich selbst kennen, wissen was man kann, davon überzeugt sein, sich dessen sicher sein. Sich selbst bewusst sein.

France – little boy

Verfasst von Armin Soyka am Freitag, 2 Oktober, 2009

Yesterday a friend told me a story. It moved me deeply and I was stunned, that things like that really happen. I grew up in a very – let’s say diligent – setting. I was hardly ever confronted with things like violence, abuse or outraging and ignorant behaviour. I asked her to write the story down, that’s what she did. Please read and then think about it. It’s too important to be missed.

France, August 2009
We were staying at a campsite near Bordeaux, Dune de Pyla.

Every night, until about one o’clock in the morning, the campsite had some kind of event prepared for the people staying there. The French love their “spectacles”.

Wednesday night was the karaoke night. The restaurant was packed full with chatty and tipsy French singing and dancing along to the chansons, sung by a wild mixture of complete amateurs and half-professionals.

Everyone (providing they had 100% of French blood pulsing through their veins) was having the time of their life, everywhere you looked men and women were happily chanting along. I, being bored and tired, was looking around, and, all of a sudden, a little figure at a neighbouring table caught my attention. A little boy, about two or three years old, was sitting in one of the green plastic chairs, rocking to and forth, his big eyes absorbing all the loud things going on around him.

This sounds tacky, but he was an exceptionally beautiful little child.

A sweet little pixy face, all small and frail, lots of blond curls, and this amazed look on his face, perhaps confused by the loud music and smoke.

I smiled. Feeling all sentimental I quickly looked away and suddenly caught sight of his father, sitting next to him. Cigarette in one hand, big jug of beer in the other, he stared expressionless at the scene going on before him. One is not supposed to always judge people by their looks, I know, but he just seemed like an absolute macho. No discussion about who was the head of the house. Didn’t seem very warm hearted. Maybe I am wrong, I thought, who knows, he might have a lovely soul.

I looked at his little boy, rocking away in his chair, and wondered how long it would take until he would look like his father.

He was really having fun, getting all daring and really leaning backwards far. Then, he got over-excited. He stretched out his legs, kicked the table, thus tilting his chair way back. Uh-oh, how long until… And then it had already happened. The unsteady plastic chair with the small and light body gave way and the little boy fell backwards… Like in slow motion he came nearer to the ground and then, not slow motion anymore, his little head crashed hard onto the gray concrete. The little blond boy took a deep breath-and waaaaaah!!!!! starting crying! But not for long. His father, quickly grasping the situation, walked over to the boy and with a firm grip clamped his giant hands over his little sons face. The poor kid was kicking, obviously getting out of breath, waving his arms frantically around and helplessly trying to push away his father’s barrier. The father bent down and for a few seconds whispered something into the kid’s ear, and by god, judging by the expression on his face, I do not want to know what it was.

It had the wanted effect. Removing his hand, the man shot another violent glance at his now quiet son and marched back to his chair. Lighting a new cigarette, sipping at his beer, he once again became involved in staring.

And then the little boy did something that one just doesn’t forget. He turned away from his father, now facing me but staring at the ground, he started crying again, his tears streaming down his face silently, his whole little frame shaking in suppressed pain, sadness and loss of love from everybody around him. Where in god’s name is his mother? I thought desperately, sobbing myself, feeling confused at what to do. All I wanted to do was run to the kid and pick him up, hugging and comforting him, and trying to give him the comfort his dad had not.

Then, at last, his mother arrived. She looked typically French. Black bob, long-limbed, stylishly dressed and not beautiful but interesting.

She sat down, the father talked to her for a few seconds and then she leant back and, also lighting a cigarette and seemed to enjoy the music. Stupid cow, I thought, her child has almost had a concussion and she is smoking! When I was just about to go to her and tell her what had happened, she stood up and held out her arms. The boy leapt into her lap and she just held him, quietly and loving. At last, I thought. The boy had calmed down a bit.

His mother really started to enjoy the music. She was dancing and singing, her eyes fixed on the stage, knowing all the words off by heart. She was obviously having the time of her life.

Suddenly, with one glance at his wife, her husband stood up. He stubbed out his half-finished cigarette, left his almost empty beer on the table and stood up with one wave of his hand, he signalled his family to leave. The wife obediently jumped up and reaching for the boy’s hand started walking away. She was still dancing, reluctant to go, but the man made clear there was no argument. His wife was enjoying herself, he was annoyed and bored, they had to go!

When they had left, I felt dreadful. Should I have said something to the father when he shut his kid up by taking away his breath? No, I don’t think I should have. Satisfying my ego is not worth it if wife and child get beaten up at home afterwards. The man did not look the type to mess with when in a bad mood or drunk. It is a difficult situation, but not one you could solve by interfering. You cannot heal this man’s forty years of living, being brought up and raising his children that way by once telling him what you think of him!

As for his wife, those kind of women often take years to break away from their husband, if they do at all, and by making their brutal husbands angry, you only make sure that his emotions will be let out on her in the private four walls of their home.

Glücklichsein

Verfasst von Armin Soyka am Montag, 28 September, 2009

Glücklichsein ist ja eine meiner Lieblingsbeschäftigungen, ich könnte tue den ganzen Tag nichts lieber, als Menschen anzugrinsen. Das ist irgendwie so motivierend.

Damit scheine ich nicht alleine zu sein, denn eine inspirierende junge Dame von 13 Jahren hat dazu einiges Interessantes zu sagen. Magdalena hat auf Facebook eine sehr spannende Notiz (Link zum Original) geschrieben. Mit ihrer Einwilligung veröffentliche ich diese weisen Gedanken.

Glücklich sein.
Donnerstag, 17. September 2009 um 20:51
Ich hab seit einiger Zeit gründlich über das Thema “Glücklichsein” nachgedacht… Wie kommt man dazu, unglücklich zu sein? Wieso ist man unglücklich? Was macht einen glücklich? Sind es Personen, äußere Umstände oder einfach nur die eigene Laune?

Und herausgekommen ist: Du bestimmst selbst ob du glücklich bist, oder nicht. Du kannst selbst entscheiden, ob du dir von einer Entscheidung einer anderen Person die Laune verderben lässt. Wenn du dir einfach sagst: Okay. Ich kann das nicht ändern. Ich muss es akzeptieren und damit leben. Ich kann doch trotzdem gut drauf sein!

Selbst wenn du dich nicht gut fühlst, kannst du dir sagen: aber eigentlich könnte es mir doch gut gehn! Wenn du lächelst, fühlst du dich automatisch besser, denn es signalisiert dem Körper: Es geht mir gut!!!! Positiv denken!!

Es bringt nichts, wenn du rumhängst und dir denkst: “Oh Gott. Es geht mir so schlecht… was kann ich bloß tun?” In Mitleid baden… Freunde anrufen und auf Unterstützung hoffen… klar, das ist einfacher! Aber was viel effektiver, vielleicht ein wenig schwerer ist, ist aufstehn! Laut lachen! Und dann mit einem guten Gefühl weiter machen. Ein Lächeln kann die Welt verändern. Da bin ich sicher. Ein Freund von mir hat gesagt: “Es ist deine Entscheidung ob du die Muskeln anspannst, oder nicht. Und jedes Lächeln ist von neuem einzigartig!!!”

Also mein Rezept fürs Glücklichsein:
Viel lachen. Auch wenn dir nicht danach zumute ist. Das macht es besser! Und vor allem etwas tun, anstatt zu warten, das ein Problem sich von selbst löst.

Diesen Worten möchte ich nur mehr hinzufügen, dass ich sie für wichtig, richtig und zentral halte, um ein erfüllendes und glückliches Leben zu führen. Auch viel zu tun hat es mit dem Selbstvertrauen/bewusstheit/sicherheit. Das habe ich auch in “Als ich mich selbst zu lieben begann” angesprochen. Aber das führt zu weit.

Ich freue mich auf viele Komentare – und Magdalena auch (behaupte ich mal)!

Die Stimme aus dem Off

Verfasst von Armin Soyka am Montag, 21 September, 2009

Ich habe vor ein paar Tagen einen Artikel über Zivilcourage verfasst. Heute bin ich über Umwege auf einen anderen Blogpost dazu gestoßen. Daniel Fallenstein berichtet in dem Artikel “Wenn der Arsch auf Grundeis geht – Ein Erlebnisbericht nebst Reflektionen über Zivilcourage” über seine Feuertaufe Zivilcourage zu zeigen.

Ich tat was ich tat nicht zuletzt um meinetwillen, hatte mir selbst etwas zu beweisen. Ich weiss, was richtig ist, und was falsch. Ich will nicht sehen, dass andere das Richtige tun, sondern sie sehen lassen, dass ich recht handele.

Der Artikel ansich ist lesenswert, wirklich spannend wird es wenn man zu den Kommentaren gelangt. “Die Stimme aus dem Off” hat zwei recht ausführlichen Anmerkungen hinterlassen, die Eindruck hinterlassen. Sie haben mich sehr zum nachgrübeln gebracht, ob der zentrale Satz meines Blogposts (“Das Richtige zu tun muss das Leben wert sein”) eigentlich Berechtigung hat. Ich bin zu keinem Schluss gekommen, ich werde weiter nachdenken. Gewaltlosigkeit ja oder nein? Was ist das Leben wert? Wofür leben wir? Viele Fragen. Die Kommentare möchte ich niemandem vorenthalten:

######

Die Stimme aus dem Off, 21.09.2009 08:16

*Schmunzel* Wie wirken diese Zeilen jetzt auf mich? Ich weiss es nicht so richtig, ich muss schmunzeln und zolle Dir Respekt wegen Deiner Ehrlichkeit.

1. Angst. Angst ist normal. Offensichtlich hast Du noch nicht viel Angst gehabt bzw. haben müssen in Deinem Leben, denn Du beschreibst ja schön wieiviel Kraft es Dich gekostet hat diese Angst zu überwinden und wie sehr Du mit dieser Situation beschäftigt warst. Menschen mit mehr Erfahrung empfinden dieselbe Angst nur überwinden sie diese Angst viel schneller. Und ab einem gewissen Grad von Erfahrung sieht man den Arschlöchern schon an, ob sie gefährlich sind oder nicht.

2. Unerfahrenheit in Bezug auf die Kommunikation. Deine Aussdrucksweise war gefährlich, weil viel zu abgehoben. Das hätte böse ins Auge gehen können, zumal einer von den beiden eine Bierflasche in der Hand hatte. Das Prekariat wertet eine solche Ausdrucksweise berechtigterweise als Arroganz. Es erlebt Arroganz als Reaktion auf die eigene Unfähigkeit jeden Tag. Die Arroganz der anderen als Abwehrmittel gegen die Zeitschverschwendung, die der Umgang mit seiner Person nach sich zöge, ist die Ursache seiner tagtäglichen Frustration. Der Hass hätte schnell auf Dich überspringen können. Empfehlung: “körperlich unterlegene…” bewegt sich nahe an Arroganz. So können die sich nie ausdrücken im Leben. Das “Sie” war aber gut, denn ein “Du” lässt deutlich zuwenig Distanz zu. Man sollte daher eine einfache Sprache wählen und dabei beim “Sie” bleiben.

3. Fehleinschätzung. Lass’ mich raten: Die beiden Weiber trugen jedenfalls keine Hosenanzüge und kamen auch nicht aus irgendeinem Büro, sondern gehörten wohl eher einer ähnlichen Schicht an, oder? Dieses Pack wagt es nämlich normalerweise nicht eine gepflegte Frau dermaßen anzupfeifen, die Wut entlädt sich dann doch eher an seinesgleichen.

Du scheinst wirklich mit einer Art Dankbarkeit gerechnet zu haben. Wohl zuviel Fernsehen geschaut, wie? *lach* Du kannst froh sein, dass es nicht zur Konfrontation gekommen ist und das Opfer als Zeugin benötigt wird. Im für Dich günstigten Fall steht das Opfer nicht als Zeuge zur Verfügung und wenn es dumm läuft, sagt es sogar gegen Dich aus. :-D

Die sozialen Beziehungen und Spannungen im Prekariat sind viel komplexer als man glaubt und was Du als Unverschämtheit bewertet hast, kann auch aus Opferperspektive ein berechtigter Anschiss gewesen sein. Das kann durchaus auch mal derart roh aussehen, so ist das eben in der Gosse. Die Grundregel “Pack schlägt sich, Pack verträgt sich” hat universelle Geltung.

4. Unerfahrenheit in Bezug auf den sich einer körperlichen Auseinandersetzung anschließenden Gerichtsärger.

Glaube mir, vor Gericht – und das meint vor allem das Zivilgericht – bist Du anschließend verraten und verkauft. Du bleibst auf allen Deinen Schäden sitzen und jede Versicherung, der Anspruchsgegner, soger der Staat wird alles daran setzen auch aus der kleinsten und nebensächlichsten Vorerkrankung ein schwerwiegendes Leiden zu machen, welches die Kausalität des Ereignisses für den Schaden und damit auch für den Schaden entfallen lässt. Und Beweisen kannst Du in diesem Bereich dann eh nichts.

Das Gerede von der Zivilcourage ist nichts weiter als eine Aneinanderreihung inhaltsleer Phrasen in Wahlkampfzeiten. Es keinerlei rechtliche oder gesellschaftliche Substanz. Wenn es ganz gut läuft, dann bekommt das Opfer ein wenig Aufmerksamkeit von der Presse wie im Fall Brunner. Wenn es schlecht läuft, steht es ganz alleine dar.

Meine Empfehlung für das nächste Mal: Handy in die Hand, 110 wählen und Meldung machen und dann weggehen und noch irgendwas einkaufen, irgendwo einen Cafe trinken gehen und dann den nächsten Bus nehmen. Das ist aber auch schon das Äußerste, was man einem Mann raten kann, der noch was aus seinem Leben machen will.

Die anderen haben nämlich nichts zu verlieren. Denen nimmt der Gerichtsvollzieher mangels Masse nichts weg, denen geht keine Karriere verloren, auf die wartet HÖCHSTES ein Job in Zeitarbeit, bei dem sie schickaniert werden. Wenn es ganz dumm läuft, gehen sie für ein paar Jahre in den Bau, wenn sie Dich zum Krüppel geschlagen haben. Das macht denen aber nicht soviel aus wie Dir. Zum Teil kennen sie das schon aus vorherigen Knastaufenhalten, zum Teil freuen sie sich über die geregelten Mahlzeiten und das Wiedersehen mit alten Bekannten. Das ist kein Scherz.

Einige freuen sich wirklich darauf die alten Jungs wiederzusehen, es gibt richtige Knastfreundschaften. Und fünf, sechs Jahre im Bau sind zwar nicht schön, stärken aber andererseits den Ruf auf der Straße, sodass man diese Knasterfahrung auch als Investition in die Zukunft betrachten muss, die einem spätere leichteren Zugang zu Frauen und in die Szene ermöglichen. Und eine Ausbildung kann man dort auch noch abgreifen. Knast kann sich für die – anders als für Dich – also gewissermaßen lohnen!!!

Für einen Durchschnittsmenschen lohnt sich diese ganze Scheiße nicht. Darum solltest Du in Zukunft lieber schnell weitergehen und Dir ethische Erwägungen für das nächste Seminar an der Uni aufsparen.

dagny t., 21.09.2009 10:52
/->Koennten wir Deinen Kommentar wohl als Gastkommentar im Blog posten? Als Antwort auf Daniels Bericht?

Zwei Anmerkungen: 110 rufen und danach ins Cafe gehen zieht immer Buerokratie nach sich. Wer etwa meldet dass ein Autofahrer ein Verkehrsschild umgefahren und Unfallflucht begangen hat, bekommt am Telefon spaeter einen Rueffel fuers Weiterfahren und keinen Dank fuers Melden, wird auf die Wache gebeten, muss seine Aussage schriftlich zu Protokoll geben.
Ist ok, auch wenn mich der Aufwand fuer eine solche Meldung naiverweise etwas ueberascht hat. – Aehnliches ist mir auch schon passiert als ich einen Grossalarm wegen vermuteten Ertrinkens am Badesee ausgeloest hatte.

“Melden macht Frei” hiess es in diesem Zusammenhang bei der Bundeswehr. Wer etwas weitermeldet hat seine Pflicht getan, auch wenn es eine Kleinigkeit gewesen sein sollte.

Beim ersten Lesen von Daniels Posting ist mir die Frage durch den Kopf gegangen, ob mein Bloggerkollege wohl gedient hat? Zum einen ob der dort vermittelten harschen Kommandosprache, die schichtuebergreifend verstanden wird und zum anderen wegen der ambivalenten Erfahrung mit bildungsfernen Menschen zu tun gehabt zu haben und deren Gedankenwelt zu kennen?

Die Stimme aus dem Off, 21.09.2009 11:39
/->Klar dürft Ihr.

110 rufen und danach ins Cafe gehen zieht immer Buerokratie nach sich. Wer etwa meldet dass ein Autofahrer ein Verkehrsschild umgefahren und Unfallflucht begangen hat, bekommt am Telefon spaeter einen Rueffel fuers Weiterfahren und keinen Dank fuers Melden, wird auf die Wache gebeten, muss seine Aussage schriftlich zu Protokoll geben.

Tja, es kommt darauf an wie man rechnet: Falls die Schlichtung wirklich gelingt, ist das natürlich die kostengünstigste Variante.

Falls es schiefgeht hat die Krankenkasse evtl. die lebenslange Behandlung für das Wasserlassen durch den Blasenkatheter, den Rollstuhl etc. zu zahlen. Ich bin zwar kein Betriebswirt, meine aber sagen zu können, dass die sicheren Kosten für Variante A eher in Kauf zu nehmen sind als die evtl. Kosten für Variante B.

Man muss ja auch mal sehen, welche Vorteile sich aus der Meldung ergeben: Vielleicht ist der Typ ja sogar zur Verhaftung ausgeschrieben und wird bei der polizeilichen Überprüfung gleich verhaftet. In diesem Fall hätte man zu einer erfolgreichen Haftbefehlvollstreckung beigetragen. Und dann erst der Erkenntnisgewinn, der sich der Polizei ergibt. Vielleicht hat derselbe Typ ja schon jemand anderes zusammengeschlagen und kann dann identifiziert werden? Dann würde dieser eine Notruf zu einer aufgeklärten Straftat führen.

Und siehe Dir mal die Nachteile auf der anderen Seite an: Dominik Brunner wird die finanziellen Nachteile, die sich aus seiner Ermordung geben, für seine Familie nie wieder hereinholen. Vom menschlichen Schicksal mal ganz abgehen, dass die Kinder ihren Vater verloren haben, die Ehefrau ihren Mann und die Enkel ihren Opa vielleicht niemals kennen werden.

Sicher, er ist als Held gestorben. Aber Dank darf man eben nicht erwarten und einen angemessenen finanziellen Ausgleich auch nicht.

Man glaubt auch gar nicht, wie unfair der Staat mit einem umgeht, wenn man selbst bei soetwas verletzt wurde. Ich war z.B. lange schwerbehindert und müsste Prüfungen ohne Schreiberleichterung – in derselben Zeit wie alle anderen – ablegen, obwohl ich nachweisbar körperliche Schäden davongetragen habe und unter Medikamenteneinfluss stand.

Wenn man selbst verletzt wurde, dann ist man wirklich auf sich ganz alleine gestellt. Es gibt keine staatliche Stelle, die einem Opfer einer Straftat konsequent, d.h. in jeder Beziehung zum Staat, sei es gegenüber Behörden, dem Arbeitgeber, den Universitäten, Gerichten oder der Kommunen, zur Seite steht. Der Staat hat für Opfer von Straftaten nichts übrig, das ist die erschreckende nackte Wahrheit. Der Helfer ist am Ende immer der Dumme und trägt sämtliche Prozessrisiken, Insolvenzrisiken und sonstigen Nachteile.

Sollte man seine eigene Gesundheit wirklich für einen Blechstern riskieren?

Die Stimme aus dem Off, 21.09.2009 11:58
/->Ich muss mich korrigieren. Das hier ist unwahr:

der Staat hat für Opfer von Straftaten nichts übrig,

Man bekommt als Schwerstverletzter mit inneren Blutungen während der Notarztbehandlung immerhin das Merkblatt über “Rechte von Verletzten und Geschädigten in Strafverfahren” ausgehändigt.

Damit man sich das nicht alles merken muss, während man das Licht auf sich zukommen sieht.

######

In dieser Schule fehlt es an Nähe und Zusammenhalt

Verfasst von Armin Soyka am Samstag, 19 September, 2009
In einigen steirischen Schulen wird ab diesem Schuljahr das Unterrichtsfach Glück unterrichtet. In diesem (externer Link!) Grazer Stadtgespräch wird die Idee vorgestellt und darüber und das Thema Glück an sich diskutiert. Das alleine ist schon ein absolutes must-see. (Sehr zu empfehlen auch die Webseite von Diskutant Harald Hutterer, den es auch auf Facebook gibt!)

Ein absolutes must-read hingegen ist diese Antwort auf das Video einer Freundin:

Hier meine Erklärung warum dieser Unterrichtsgegenstand keine Chance an meiner Schule hat. Diese liegt mitten im Achten, wo ich auch schon seit fast durchgehend 16 Jahren lebe. Die Schule hat eine lange Geschichte (Orden, Privatschule usw.) Jedenfalls mittlerweile ist das BG8 ein öffentliches humanistisches Gymnasium, mit gutem Ruf. Die Schüler kommen hauptsächlich aus guten Familien, dh. die Eltern verdienen viel Geld, leben meistens auch im achten oder kommen sogar aus Dornbach und noch weiter weg um an diese Schule gehen zu können. (Der Achte is zwar ein grüner Bezirk, leider nicht auch was die Lanschaft betrifft, aber die meisten Schüler und Lehrer sind konservativer bzw haben eher rechte Ansichten. Da ich nicht mit jedem Schüler einzeln gesprochen hab, ist das natürlich nur meine Einschätzung bzw allgemeiner Eindruck.)

Schüler die nicht in Österreich geboren worden sind bzw. deren Eltern, gibt es bei uns an der Schule fast nicht. (Jedenfalls in meiner Schulstufe und die darüber in den letzten Jahren, in der Unterstufe kenn ich mich fast gar nicht mehr aus, fällt mir grad auf. Und so richtig auffallen tut mir das auch erst als ich aus dem multikulti America (Anmerkung: Die Autorin hat letztes Semester einen 5-monatigen Auslandsaufenthalt hinter sich gebracht) wieder hergekommen bin). Was ich sagen will ist, das die meisten Jugendlichen in meiner Schule nur mehr darauf schauen wer die neuesten Markenklamotten trägt, wer am schönsten ausschaut und wer am schnellsten am meisten Geld versaufen kann am Wochenende. Nachdem sich letzten Freitag sogar schon die 3. Klässler am Klo geschminkt haben vor dem Fototermin, will ich echt nicht mehr wissen was ich noch so verpasst hab’ in dem letzten halben Jahr. Ich mein das waren Freunde von meiner jüngsten Schwester. Aber bitte zeiten ändern sich halt. Jetzt jedenfalls dieses Unterrichtsfach einzuführen und diesen Kindern echtes glücklich sein beizubringen ist sicher mit viel Arbeit verbunden. Sie haben ja eigentlich alles aber ich glaub nicht dass sie auf lange Zeit glücklich sind. Aber ehrlich gesagt hätte nicht mal ich Lust darauf von meinen Lehrern über sowas unterrichtet zu werden. Wie gesagt, die schauen von Tag zu Tag unglücklicher aus und da kann man nicht anders als sich verarscht vorkommen, wenn die plötzlich mit so einem Fach daher kommen würden. Ich will jetzt nicht sagen dass die Lehrer schlecht sind oder so.  So manches Unterrichtsfach macht sogar mir Spaß… Ja ich bin kein großer Fan von Schule. Aber es ist halt ein Unterschied über Geographie oder das glücklich sein zu sprechen. Es gibt jedenfalls nur wenige Lehrer denen ich es abkaufen würde dass sie glücklich sind um ehrlich zu sein. Es wird viel zu sehr auf Noten usw geachtet als um das Wohlbefinden des einzelnen Schülers. In dieser Schule fehlt es an Nähe und Zusammenhalt. Meine Klassengemeinschaft ist zwar extrem gut und ich geh gern in die Schule um meine Freunde zu sehen, aber es gibt nur wenige Lehrer mit denen ich mich auch gut verstehen würde wenn ich es nicht müsste. Ein paar Ausnahmen gibt es immer und ich bin extrem dankbar dafür auch von solchen unterrichtet zu werden.
So das war jez nur ein kleiner Teil meiner Gedanken dazu. Ich hoffe nicht allzu verwirrend geschrieben. =)

Diese Ausführung halte ich für großartig, kritisch und wichtig. Ich hatte begonnen die für mich wichtigen Sätze zu markieren und hab dann aufgehört, weil es zu viele wurden! Bitte diskutiert darüber, schreibt Kommentare, bringt Ideen ein! Nur so kann was weitergehen – alle gemeinsam!

Schüler über Schule

Verfasst von Armin Soyka am Donnerstag, 17 September, 2009

schulelivetwittern

Heute in der Früh hatte ich eine Idee. Ich könnte doch eigentlich versuchen, die Stimmung, die ich in der Schule so mitbekomme, live zu twittern. Einfach so Aussagen von Schülerinnen und Schülern über Schule. Kommentare über den Unterricht, die Lehrer, das Essen. Was mir auffällt. Vermutlich werde ich nicht absolut neutral sein und Positives eher überhören als Negatives. Mein Gefühl ist aber, dass es kaum Schüler gibt, denen Schule wirklich Spaß macht. Das habe ich auf Facebook als Statusnachricht gepostet, woraufhin ich einen spannenden Kommentar bekam:

Leben ist nicht immer Lust, Freude und Spaß.
Lange-Weile (sprich: langer Atem), ehrliche Erkenntnisse, ernsthafte Auseinandersetzung (oder besser: ZUSAMMENkunft),… gehören auch dazu. Und die sind nicht immer lustig, freudvoll, spaßbesetzt!
Manche Erkenntnisse erscheinen uns durchaus auch mal wie Scheiße – wie ehrlich! Oder wehrst du dich gegen eine der wichtigsten Verrichtungen der Menschheit?
Mag es dir gelingen, einfach nur zuzuhören, wenn jemand gerade seine (Erkenntnis von) Scheiße rauslässt? Sie empfinden’s vermutlich wirklich so. Vielleicht brauchen sie einfach mal nur ein Ventil (nona). Sonst verrecken sie an elenden ‘Bauchkrämpfen’.
Die Scheiße, der Müll von heute ist der Dünger für morgen – denke mal an die Landwirtschaft, oder an den Kompostkübel. Man muss sie nur entsprechend einsetzen. Scheiße ist nicht schlecht – sie ist ein Produkt unseres Daseins. Sie muss genützt werden. Nicht verstecken-rauslassen und sinnvoll nützen! HAVE A GOOD TIME!

Ich habe viel darüber nachgedacht, wie ich die Scheiße, die da abgelassen wird, sinnvoll nutzen kann und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass die Idee, sie ordentlich zu verteilen (via Twitter) und den Produzenten um produktivere Düngemittel zu bitten gut ist. Sprich nachfragen. Was ist denn genau das Problem und wie kann man es lösen? Wohin soll es gehen?

Der erste Tag war auf jedenfall sehr erfolgreich, wie ich meine. 10 Tweets, viel Frust, leider wenig Positives, ein (?) Ventil.

  • Tweet 1: ‘Noch 2 Tage, dann ist Freitag!’ #schule
  • Tweet 2: ‘Seufz… Heute bin ich aufgewacht und hab gedacht es ist Freitag…’ #schule
  • Tweet 3: Ich: ‘und freust du dich auf die Schule?’ 1-Klässlerin: ‘Nein!’ #schule
  • Tweet 4: Mein Bruder hat gestern eine SMS-Umfrage gemacht und gefragt wer sich auf die Schule morgen freut. 75% sagen nein! #schule
  • Tweet 5: ‘argh… Ich hasse Mathe einfach… Wirklich!’
  • Tweet 6: Ein Freund hat es gestern treffend ausgedrückt: ‘In der Schule kannst du am bequemsten leben, wenn du einfach nicht auffällst!’ #schule
  • Tweet 7: ‘Du weist es eh, warum sagst du’s nicht?’ ‘Ich weiß nicht. Wenn ich’s nicht genau weiß, dann sag ich lieber nicht’s! Außerdem sag ich ihr lieber gleich am Anfang nichts, dann fragt sie mich auch nicht mehr!’
  • Tweet 8: ‘Langweilig?’ ‘Ich weiß nicht… Warum wiederholen alle Lehrer alles 10 mal!’ #schule

Ab morgen werde ich übrigens nicht mehr unter dem Hashtag #schule twittern, sondern mit #myschule taggen, da gibts nämlich weniger Posts!

Ich freu mich über Rückmeldungen zu der Idee!

Was eine Ex-Neuländern zu sagen hat…

Verfasst von Armin Soyka am Mittwoch, 16 September, 2009

In dem Blogbeitrag “Isabella erzählt” habe ich unter anderem angedacht, ob man die Lehrer – Schüler – Beziehung durch Duzen nicht verbessern könnte.

Hinterfragen wir den Umgang zwischen Lehrern und Schülern. Warum muss es einen mächtigen Lehrkörper und einen unwissenden Schüler geben? Warum steht nicht das gemeinsame lustvolle Lernen im Fordergrund (geleitet und moderiert von Pädagogen). Warum muss man Sie sagen? Warum wird der Respekt nicht erarbeitet sondern erzwungen? Führen durch Vorbild oder durch Angst, das sind denke ich die zwei Optionen!

Pia hat daraufhin kommentiert und gemeint, dass das doch in der Neulandschule schon gang und gebe sei.

Ich muss sagen, ich war ziemlich erschreckt, als ich das das erste mal miterlebt hab, irgendwie ungewohnt…hab aber leider keine Ahnung wie das die Schüler sehen, vll hast du ja mal die Gelegenheit einen Neulandschüler darüber auszufragen.

und mit ihrem Nachsatz sollte sie recht behalten!

was ich dir aber garantieren kann, ist, dass trotzdem genug Schüler Angst- und Hassgefühle gegenüber manchen Lehrern haben…

Heute erhielt ich ein Email mit einer Stellungnahme einer solchen Schülerin, ich möchte sie hier veröffentlichen. Sie ist wertvoll und sollte gelesen und diskutiert werden! Solche Impulse sind wertvoll! Die Autorin möchte lieber anonym bleiben, danken möchte ich ihr trotzdem, für die Zeit, die sie sich genommen hat und für die Ehrlichkeit, zu der sie sich durchgerungen hat!

Was eine Ex-Neuländern zu sagen hat…

Ich weiß nicht, ob es jemanden interessiert, was ich über die Neulandschule zu sagen habe, aber als ich gelesen habe, was Pia geschrieben hat… naja, da musste ich mich einfach melden.

An sich mache ich alles um die Jahre, die ich dort war zu vergessen, verdrängen und zu leugnen. Ich war dort nie. Ich hab mit denen nichts zu tun. Und doch. Ich war Schülerin dieser Anstalt und kann mich nicht davor verstecken. Hierzu möchte ich nur sagen, dass ich Gründe hatte Schule zu wechseln.

Unter anderem auch der fehlende Respekt zu den Lehrern. Beschimpfungen wie “du Arschloch” und “Schleich dich” gehörten zum Alltag. Der Direktor sah zu oder sah weg, gebot aber den Schülern keine Respektperson, “Ludwig” war einfach nur anwesend. Auch wenn es wirklich einmal so ausartete, dass jemand zum Direktor gebeten wurde, dann sah diese Aufforderung meist so aus: „Geh sofort zum Ludwig“ und war nicht wirklich hilfreich.

Zudem kam die schreckliche Unfähigkeit (vor allem auch menschlich) der Lehrer. Ich konnte nicht einmal diskutieren, wenn ich mit einer Beurteilung nicht zufrieden war. “Ich finde das von DIR nicht in Ordnung” bringe ich nicht über die Lippen. Die Lehrer hatten Möglichkeiten Schüler fertig zu machen, durch subtile Art und Weise wurde so mancher zum Durchfallen gezwungen. Eine Diskussion über die Fairness von Noten wurde meist im Keim erstickt, da jeder Schüler der in seiner Verzweiflung begann mit „Das können Sie doch nicht…“ oder „Aber Sie haben doch gesagt“ auf freundliche oder weniger freundliche Art hingewiesen wurde, Du zu sagen.

Wenn es um Projekte ging, und sich tatsächlich einmal ein Außenstehender in die Schule wagte, wurde dieser sofort auch geduzt, schließlich befand man sich ja in der Neulandschule. Ich kam damit nie klar. Mich irritiert es, einem stockfremden Erwachsenen „Du“ zu sagen. Ja ich hasse, wie viele Leute, die Unterteilung in „Du“ und „Sie“, durch die schon so manches Missverständnis entstanden ist. Dennoch: Die Deutsche Sprache unterteilt nunmal in „Du“ und „Sie“. Ich finde, wir sollten uns damit abfinden und nicht krampfhaft versuchen das „Du“ zu vereinheitlichen.

Vielleicht habe ich auch deshalb die Umstellung ins „Sie“, die mit meinem Schulwechsel verbunden war leicht geschafft. Vielleicht auch, weil ich mit der Schule nichts mehr zu tun haben wollte. Fakt ist, dass ich es lächerlich finde Schülern einen liebevollen Umgang mit Lehrern geben zu wollen, in dem man sie die Lehrer duzen lässt. Lehrer können Schüler fertig machen und zum Weinen bringen, auch wenn sie „Christa“ oder „Ruth“ heißen. Man heuchelt dadurch nur eine falsche Herzlichkeit, ein Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern, das es in Wirklichkeit nicht gibt. Herzlichkeit und Vertrauen kann man nicht erzwingen, es geht von der Persönlichkeit der Lehrer aus und nicht von deren Anrede.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich persönlich die Idee toll fand. Ich dachte, es würde wirklich nutzen, war überzeugt, dass dadurch keine Tyrannen unterrichteten. Nun, ich wurde eines besseren belehrt und aus Erfahrung und Überzeugung lehne ich daher ab, dass das „Sie“ zum „Du“ wird.

Isabella erzählt

Verfasst von Armin Soyka am Montag, 14 September, 2009

Ich bin wieder zurück in meinem Beruf. 32 Stunde pro Woche drücke ich die Schulbank. Zum 12 mal bin ich nach 2-monatiger Pause meine Ausbildungsstätte(, die leider nur sehr teilweise auch als Bildungsstätte fungiert) zurückgekehrt und wie jedes Jahr habe ich wichtige und tolle neue Vorsätze mitgenommen. Seit 8 Tagen beobachte ich den Unterricht und alles was sonst noch in dem Lehr- (leider kaum Lern- und Lebens-) Raum vorgeht sehr genau. Und es brennt mir schon ganz gehörig unter den Fingernägeln. Mindestens 10 verschiedene Dinge, die mir auffallen wollen dokumentiert, kritisiert und anschließend hoffentlich (via Kommentare) diskutiert werden.

Also ich habe vor dieses, mein letztes Schuljahr kritischer als sonst zu betrachten und regelmäßig und oft darüber zu bloggen. Aber die Zeit. Ja, die macht einem leider öfter einen Strich durch die Rechnung, aber daraus lasse ich mir keinen Strick drehen und beginne jetzt einfach.

Und zwar mit der Isabella. Sie habe ich heute beim Nachhausefahren mit der Straßenbahn interviewed. Wie ihr die neue Schule gefällt? Was es auszusetzen gibt. Wo man etwas verbessern könnte und wie das denn vielleicht ginge.

Es waren nur ein paar Sätze, die wir gewechselt haben, aber die sind umso wertvoller. Wie’s ihr gefällt? Na gut natürlich, es ist schon spannend. Alles neu, alles anders, alles interessant. Kurzum, sie freut sich über die Herausforderung, ja sogar die Hausaufgaben, die die meisten (etwas) älteren Schüler und Schülerinnen als nervige Pflicht sehen. Auf die Frage, was ihr nicht sogut gefällt denkt sie etwas nach und antwortet dann aber bestimmt, mit einem schmunzelnden, verschmitzten Grinser, der etwas von Scheu, etwas von Angst, etwas von Verlegenheit hatte und sehr viel über die Art des Umgangs mit Kritik in unserer Gesellschaft aussagt: “Die Lehrer”

Warum denn? Was sei denn falsch mit denen? “Naja, die könnten schon etwas freundlicher sein!”

Über die genauen Umstände kann ich nur Vermutungen anstellen, aber anscheinend fühlt sie sich nicht (wert)geschätzt, nicht geliebt, nicht unterstützt oder zumindest nicht genug von alle dem. Anscheinend fehlt ihr Vertrautheit (die in 8 Tagen zugegebener Maßen schwer aufzubauen ist).  Anscheinend fehlt etwas, das fragt man Hirnwissenschaftler für das Lernen durch Spaß statt Angst grundlegend ist: die Sympathie.

Nur über den Religionslehrer hat sie sich positiv geäußert. “An dem hab’ ich eh nichts auszusetzten.”

Was will ich bezwecken mit diesem Post?

  • hinterfragen wir dem Umgang mit Kritik! Sie ist Voraussetzung für persönliche und gesellschaftliche Weiterentwicklung und nicht nerviges Geschwatz von Menschen, die keine Ahnung haben. Dieses 10 Jährige Mädchen beobachtet. Ganz genau. Die ist sowas von blitzgescheid. Die Frage ist: Nutzen wir dieses Potenzial oder lassen wir es vertrocknen.
  • hinterfragen wir den Umgang zwischen Lehrern und Schülern. Warum muss es einen mächtigen Lehrkörper und einen unwissenden Schüler geben? Warum steht nicht das gemeinsame lustvolle Lernen im Fordergrund (geleitet und moderiert von Pädagogen). Warum muss man Sie sagen? Warum wird der Respekt nicht erarbeitet sondern erzwungen? Führen durch Vorbild oder durch Angst, das sind denke ich die zwei Optionen!
  • denken wir nach, sind wir selber (selbst)kritisch, hinterfragen wir uns und machen das was richtig ist, nicht das was andere von uns erwarten
  • hören wir einander zu, anstatt einander zu überbrüllen

Die Zukunft (der Jugend) ist zu wichtig um sie zu verschlafen oder zu überhören!