Audimax – wegen drei Dingen.
Seit nunmehr 8 Tagen ist das Audimax besetzt. Vor nunmehr 8 Monaten habe ich meine erste politische Rede gehalten. In ihr habe ich drei Punkte formuliert, die wir ändern müssen um zu ändern, was schief läuft. Und es läuft einiges schief, eine Aufzählung erspare ich mir und euch. Meine These war: Es braucht…
…Partizipation. Wir brauchen Menschen, die sich einbringen. Erst wenn wir selbst Verantwortung übernehmen, uns für unsere Gesellschaft selber verantwortlich fühlen, Ideen einbringen und konkrete Lösungsvorschläge erarbeiten, wird sich Veränderung einstellen. Wir müssen es selber machen. Wir haben das ausgesprochene Glück in einer Demokratie zu leben. Dieser Zustand wird nicht von alleine bestehen bleiben. Veränderung und Demokratie bedingt die Partizipation aller (oder zumindest der meisten). Und Partizipation heißt nicht, alle vier oder fünf Jahre ein Kreuz zu machen. Regelmäßige Beschäftigung mit Politik und Gesellschaft sind Voraussetzung. „Wer sagt Politik interessiert mich nicht, hat die Demokratie nicht verdient.“ Natürlich ist diese Aussage plakativ. Aber sie ist richtig. Natürlich müssen wir bei der Bildungslandschaft ansetzen und nicht die Politikuninteressierten „kriminalisieren“.
…Selbstkritik. Wenn wir etwas verändern wollen, dann müssen wir überlegen, was bisher falsch lief. Nicht nur von den Anderen, sondern auch von unserer Seite aus. Wir müssen uns zu unseren Fehlern bekennen und aus ihnen lernen. Und wir müssen selbstkritisch realisieren, dass nur, wenn wir die Dinge, die wir als falsch oder untragbar erkennen, auch ändern, Veränderung passieren kann. Das beinhaltet auch, dass wir unter Umständen auf Dinge verzichten müssen. Fehler zuzugeben bedeutet Stärke nicht Schwäche, das müssen wir verinnerlichen.
…Desillusionierung. Wir leben in einer Gesellschaft, die uns glauben machen möchte, wir wären klein, wir wären nutzlos und sogar ersetzbar. Das sind wir nicht! Wir sind nicht schlecht, wir sind nicht unbedeutend, wir sind nicht hilflos, wir sind nicht schwach. Wir, besonders wir Junge, sind eine Generation, die im Überfluss aufgewachsen ist. Überfluss in jedem Sinne. Wir hatten immer alles, was wir brauchten um uns zu entwickeln: Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Wir sind intelligente, starke, vertrauenswürdige, geliebte, fähige und kompetente Menschen. Einzig was uns aus mir unerfindlichen Gründen fehlt, ist der Glaube an uns selbst.
Meiner These zufolge können und werden wir, sofern wir uns an diese drei Punkte halten, als Generation in die Geschichte eingehen, die Mut zur Innovation hatte, die geändert und gestaltet hat und die das gemacht hat, indem sie zu Fehlern gestanden ist und aus ihnen gelernt hat. Wir können diese Wege gehen. Wir können eine Brücke zwischen gestern und morgen sein, statt weiter im gestern zu leben. Aber wir müssen an uns glauben.
Voller Freude und auch einem Stückchen Stolz kann ich 8 Monate später behaupten: Ich hatte Recht. Meine relativ intensive Studie die Studierendenbewegung, die am Donnerstag begann und das Audimax bis jetzt besetzt hält, hat genau diese drei Punkte berücksichtigt. Eine (wachsende) Gruppe junger Erwachsener hat sich nicht mehr regieren lassen, sondern klar gesagt, jetzt reicht’s, was zuviel ist ist zuviel, da machen wir nicht mehr mit. Ob eine Besetzung die beste Möglichkeit ist oder nicht, darüber lässt sich streiten. Aber es tut sich was! Auch wurden in den letzten 8 Tagen viele Fehler gemacht. Wie könnte es anders sein? Immer verschiedene Leute. So viele verschiedene Leute. So viel Platz und soviele Entscheidungen. Natürlich gab es (viele) Fehler. Aber man hat daraus gelernt. Party wurde nicht mehr gemacht (oder nur mehr kaum). Redezeitbeschränkungen oder Tagessprecher. Es wurde innerhalb weniger Tage eine Infrastruktur eingerichtet, von der sich das Bundesheer wohl einiges abschauen könnte. Besonders die Presseabteilung und die Volksküche haben großartiges geleistet. Und all das konnte natürlich auch nur entstehen, weil Menschen daran geglaubt haben, dass sie etwas verändern können und jeder einen, seinen persönlich passenden Beitrag leisten kann. Jeder trägt etwas bei. Der eine fühlt sich zum Koch, der andere zum Türsteher, der nächste zum DJ und der nächste zum Homepageprogrammierer berufen. Der eine wäscht lieber den Boden auf, der andere kümmert sich lieber um übermüdete Demonstranten. Einer bevorzugt den Sanitäterdienst, der andere organisiert einen Livestream. Das wichtige, was diese Bewegung mir einmal mehr bewiesen hat, ist: In unserer Gesellschaft gibt es für jeden einen Platz. Solange man nur machen darf, was man gerne tut, bringt man sich auch ein. Faule Menschen gibt es nicht und die Zukunft wird uns mehr gutes als schlechtes bringen. Partizipation ist möglich und funktioniert sogar ganz passabel. Wenn man etwas erreichen will, kann man das, man muss nur zusammenarbeiten. Visionen verleihen Flügel, RedBull macht höchstens die Müdigkeit weg und morgen kann die Welt schon wieder ganz anders aussehen.
Glaub an dich und deine Ideen!
Wer die Rede sehen möchte kann dies hier tun.