Älter werden

This entry was posted by on Sonntag, 20 September, 2009 at

Mein Geburtstag ist vorbei und ich muss sagen es war nett. Ich habe viel darüber nachgedacht, ob es eigentlich Sinn macht, Geburtstage zu feiern. Und meine Ausgangslage hat ein Freund sehr treffend in einem Brief (meinem Geburtstagsgeschenkt “50 Vorschläge für eine gerechtere Welt” beiliegend) beschrieben:

“Wie ich dich kenne hast du weder besonders negative noch besonders positive Gefühle gegenüber dem Älter-Werden und das ist wohl auch gut und in Ordnung so – immerhin hast du ja glaube ich sehr positive Gefühle gegenüber dem Sich-Weiterentwickeln, auch wenn du das sicher nicht an einem (Geburts-)tag fest machst.”

Eigentlich wollte ich ja gar nicht feiern. Mein Wunsch beschränkte sich auf ein Lächeln von/in/für der/die ganze(n) Welt und einen Apfelkuchen von meiner Mutter. Der Kuchen war zwar für drei Tage köstlich, aber im Grunde nur ein Raumfüller, um die Erwartungen zu befriedigen. Von den acht paar Socken abgesehen, die ich außerdem noch bekam, waren meine Geschenke zu 100 Prozent immateriell. Und sie waren schön. Aber eigentlich will ich doch, dass alle Menschen immer lächeln und nicht nur an meinem Geburtstag. Und eigentlich will ich doch auch, dass nette Menschen unter dem Jahr an mich denken und nicht nur an Silvester, Weihnachten, dem Namenstag und meinem Geburtstag.

Das war die Auseinandersetzung, die in mir gerungen hat. “Zwei Herzen schlagen ach in meiner Brust”. Nett, aber eigentlich falsch. SMS wie “Hey mein kleiner stinker, alles gute und liebe zum geburtstag” oder “ich werd heut die welt nur für dich noch öfter mit meinem lachen beglücken” oder “may all people you meet today fulfill your lovely brithday wish” sind nett und auch überraschende Anrufe von der Tante aus Deutschland und eMails aus entlegenen Ländern dieser Welt erfreuen einen, und Facebook-Messages wie “Ein erfolgreiches, gesundes und neue Türen öffnendes Lebensjahr. Verlier niemals deine Energie und dein Engagemant und lass dich nicht unterkriegen, wenn es einmal nicht so klappt wie es soll – es kommt schon alles zu seiner Zeit. Hab weiter so viel Lust, Freude und Spaß und gib nicht auf, den anderen zu zeigen, dass sie das auch haben können! :)” motivieren, Feedback wie “Wie dem auch sei, ich finde, du hast dich sehr verändert. Oder vielleicht auch nicht. Du bist einfach anders geworden, sofern ich das beurteilen kann. Du bist ruhiger, und man hat das Gefühl, dass du deine Energie jetzt wirklich bündeln kannst und sie für etwas einsetzt, woran du glaubst.” baut auf. Ja, ja, ja. Aber sollte das nicht auch unterm Jahr kommen?

In solchen Momenten muss ich dann immer an dieses, mein einziges, Aufeinandertreffen mit Alexander van der Bellen denken, der sich 30 Minuten meine Ideen anhörte und dann irgendwann meinte: “Sie erwarten aber schon sehr viel von den Menschen”. Erwarte oder wünsche ich es mir? Und ist das eigentlich schlecht? Ich weiß doch genau, wie fähig all die Menschen um mich herum sind. Mir da große Dinge zu wünschen, zu träumen, mir Utopien auszumalen ist doch nichts Schlechtes, oder?

Also ihr seht, ich bin noch zu keinem Entschluss gekommen. Ihr seht, ich weiß selber nicht immer was richtig und was falsch ist. Ich suche einfach mal ein bisschen weiter. Was ich eigentlich in diesem Blogpost machen wollte, ist, mich zu bedanken, bei all den Menschen, die sich meinen Geburtstagswunsch zumindest etwas zu Herzen genommen haben und versucht haben, etwas zu bewegen!

Danke!

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