Alles bewegt diese Jugend!

Geschrieben von Armin Soyka am Montag, 30 November, 2009 um 16:28

Jugend_bewegt_Politik

In einer Demokratie haben alle Menschen eine Stimme. Zumindest im übertragenen Sinne. Anscheinend gibt es aber wieder und wieder Kommunikationsschwierigkeiten und viele vergessen, dass jeder Teil unserer Gesellschaft etwas Wichtiges zu sagen hat.

Besonders die Jugend wird oft missverstanden. Unpolitisch, faul, visionslos, konsumorientiert, wertelos, unmoralisch, drogenabhängig und immer in Party laune – das sind nur einige der durchwegs negativ besetzten Umschreibungen mit denen Jugendliche bedacht, derer sie bezichtigt werden. Das entspricht nicht meiner Erfahrung.

Die Dinge, die die Jugendlichen wirklich bewegen und über die sie nachdenken, wo sie Fragen haben, aber niemanden, dem sie sie stellen können, das sind Themen wie Glück, Verantwortung, Lebensqualität, Ehrlichkeit, Wahrheit, Ängste, Armut, Gerechtigkeit, Politik, Zukunft, Gott, Religion, Selbstverwirklichung. Sie fragen sich was Treue ist, wo Zuversicht finden, wem vertrauen und wie kritisieren? Sie denken nach, was das richtige Handeln ist und was falsch ist und warum.

Dieses Auseinanderdriften von “allgemeingültiger Meinung” und meiner Auffassung, als Jugendlicher unter Jugendlichen ist untragbar. Ich möchte etwas dagegen unternehmen.

Hier möchte ich ab und zu  (falsche) Vorurteile mit Beispielen zu widerlegen versuchen. Ich treffe und spreche / schreibe mit vielen (jugen) Menschen. Und diese Menschen haben Geschichten zu erzählen. Geschichten über Gott und die Welt. Über Armut, Reichtum, Hoffnung, Ängste und Fragen. Aber das wird nicht gesehen. Ich möchte es sichtbar(er) machen.

Deswegen möchte ich hier in der Kategorie “Jugend bewegt alles!!” darüber schreiben und meine Eindrücke sichtbar machen – weil sie einen anderen Blick auf, das was allgemein als “die Jugend” bezeichnet wird, werfen. Einen Blick, der meiner Realität als Jugendlicher entspricht. Hier die ersten Einblicke:

So schreibt zum Beispiel die 16 jährige Schülerin über Mühe, Solidarität und Belohnung:

es ist echt eines der schönsten gefühle zu wissen dass man jemandem geholfen hat ( und besonders freut man sich dann natürlich auch wenn eine rückmeldung kommt- so wie bei meiner partnerschülerin: wir haben vor ein paar wochen eine partnerklasse bekommen…und ich hab mich echt bemüht meine partnerschülerin so oft wie möglich zu besuchen, ihr die schule zu zeigen und ihr bei schulischen sachen zu helfen und tipps zu geben….vor kurzem musste die ganze klasse in deutsch einen aufsatz über ihre partnerschüler schreiben und sie ist extra zu mir gekommen und hat mir ihren aufsatz gezeigt… nach der äußerden beschreibung hat sie geschrieben: ich hab meine partnerschülerin sehr sehr sehr lieb und ich hoffe dass wir immer befreundet bleiben…und dann hat sie mich umarmt und sich für alles bedankt…das war echt total herzig und zeigt einem einfach dass es sich gelohnt hat sich die mühe zu machen!! und das ist echt eines der schönsten gefühle!! überhaupt zu wissen man konnte einem menschen helfen

und etwas weiter unten über Alkohl, Freunde und Sport:

und fortgehen ist eigentlich auch nicht wirklich mein ding- ich hab echt keine lust abende in verrauchten lokalen zu verbringen und alkohol zu trinken…das ist echt nicht das was ich mir unter freizeit vorstelle und ist meiner meinung nach auch ziemlich unnötig…man kann sich natürlich manchmal mit seinen freunden am abend treffen aber wozu vollsaufen? um spaß zu haben???? das kann man meiner meinung nach auch ohne alkohol!! es gibt echt immer weniger leute die sportlich sind und nicht darauf aus sind sich jedes wochenende anzusaufen….ich fänds viel cooler mal sportliche aktivitäten zu unternehmen! was denkst du darüber?

Oder diese 17-Järige denkt über Liebe nach – diskutiert sogar darüber!

wir lesen jetzt im WPF Psychologie “Die Kunst des Liebens” von Erich Fromm. (“Nicht als ob man meinte, die Liebe sei nicht so wichtig. Die Menschen hungern geradezu danach; sie sehen sich unzählige Filme an, die von glücklichen oder unglücklichen Liebesgeschichten handeln, sie hören sich Hunderte von kitschigen Liebesliedern an – aber kaum einer nimmt an, daß man etwas tun muß, wenn man es lernen will zu lieben.”
(Erich Fromm). ) ich bin schon sehr gespannt drauf. diese prof. hat auch gemeint dass liebe egoismus ist. in der sekunde in der ich anfange zu lieben will ich etwas von dem menschen, eigentlich aus purem egoismus damit es einem selbst gut geht. denn es ist mir in dem moment egal ob eine andere person genauso fühlt wie ich. ich hab aber gemeint wenn ich einen menschen liebe, bin ich bereit ihm auch so viel zurückzugeben wie ich von ihm verlange. was ja dann ein gleichwertiges geben und nehmen wäre. jedenfalls war dass dann ne sehr intressante diskussion. die dann aber über eifersucht usw weitergegangen ist. wie auch immer du hast sicher recht dass das Herz auch für das gute steht. denn liebe hat doch eindeutig nichts böses an sich. (es sei den es geht über zu besessenheit, eifersucht usw… aber das is ja wieder was anderes)

Oder diese zwei Herrschaften, die im Privaten meinen Blogartikel “Bin ich geistig gestört.” über Psychotherapie wiefolgt kommentierten:

Hab mir grad deinen blogeintrag “Bin ich psychisch gestört” durch gelesen und war selber auch schon bei einem therapeuten. Bin auch deiner meinung, dass man nicht gleich “geistes krank” sein muss, um die psychotherapie in anspruch zu nehmen. So wie du richtig schreibst: “Jeder von uns hat so seine Probleme”- manche unterdrücken sie und stehen über sich selbst, andere denken die ganze zeit über sachen nach, werden sensibel und zeigen auch mal eine träne. das ist ganz normal! Du hast es wirklich nicht leicht gehabt! Ich finde es sehr bewundernswert, dass du so offen über deine “vergangenheit” und deine Probleme, die du damals hattest, schreibst. Kann mich mit dem Unterpunkt von “Was ist mit mir falsch” 1.) vollkommen identifizieren. Mir gehts leider nach wie vor so. Wünsch dir noch nen schönen tag! (17 jähriger Bursche)

und diese 17 jährige Dame meinte

Was wenige wissen, auch ich hab mir mal hilfe von außen geholt, es gab eine zeit, da ging es mir ohne bahnbrechenden grund (oder viele kleine verschiedene) nicht besonders…. ich war ziemlich lang bei meiner theapeutin, aber auch zum spaß, weil sie (wahr!) eine gute Freundin für mich geworden ist! Sie hat mir geholfen an mir zu arbeiten, aber die erfolge habe ich selbst vollbracht =)
trotzdem ist es ein großes problem, dass viele Leute denken, das wäre nur etws für geisteskranke, dabei bräuchten 90% meiner Freunde so etwas um sich selbst zu helfen ! Es fällt mir irgendwie immer noch etwas schwer darüber zu reden, nur meine besten Freunde wissen davon, weil ich oft Angst vor falschen Reaktionen hatte…

eine andere 19 jährige dichtet seit Jahren und schreibt Aphorismen, hier ein paar Impulse, was Jugendliche so großartiges auf die Beine stellen:

Ihr sagt ich träume,
doch in Wahrheit seid ihr diejenigen
die träumen.

Da wo ihr lebt,
das nennt ihr „Realität“.

Für mich hingegen ist es nur
Ein anderer Traum,
als der,
den ich „meinen Traum“ nenne.

Ihr sagt ich träume,
doch seid ihr es, die träumen.

Ihr träumt die allgemeingültige
„Realität“,
für mich ist sie nur ein
weiterer Traum,
ich nämlich, träume meinen
eigenen…

Ihr sagt ich träume,
ihr träumt DIE Realität,
doch es ist nur eine unter vielen, genau wie meine.

oder

Ich fürchte Schulbildung wirkt.

oder

Das Glück kommt von innen. Immer unbeirrt sein Ziel anstreben, auch wenn es schwer ist, auch wenn es nicht sichtbar ist, auch dann wenn man weiß, dass man es niemals erreichen wird, denn es ist immer noch besser ihm nah als fern zu sein.

oder

Habe den Mut zur Veränderung,
habe den Mut DICH zu verändern.

Du hast Angst,
du denkst du musst alles festhalten
bevor es in den Abgrund stürzt.

Lass es los,
lass alles los was dich hindert,
dich hindert DU SELBST zu sein
und froh.

Die Welt ist nicht die Welt
Und du bist nicht du,
alles ist Veränderung, im Wandel begriffen.

Du hast es nicht in der Hand,
halte nicht fest was dich einst glücklich machte.

Sonst siehst du zu
wie alles dir zwischen den Fingern zerrinnt,
dein stocksteifes, verblichenes Ich,
wird eingesogen vom Strudel der Zeit
und du wirst vergessen.

Du bist nicht zu klein,
nur in deinem Kopf siehst du dieses Bild
und fragst warum,
warum ausgerechnet ICH ?

Vergiss die Angst
und was du jemals warst und bist und sein wirst
und du wirst größer sein und stärker
als alles andere.

Was überbleibt bist du, nur du,
nichts weiter.

Nimm dir was du gerade brauchst.
Was du gewinnst,
das ist kein neuer Zustand,
dass ist ein neues Fließen.

Leben ist Veränderung.

Ich könnte hier noch lange weitere Beispiele für ganz und gar “untypische” Äußerungen aufzählen. Oder ich könnte auf 12 Blogbeiträge hinweisen, die von oder über Jugendliche geschrieben wurden, die sowas von nicht in “das Bild” “der Jugend von heute” passt.

  1. Nick Vujicic: Ja, ich bin glücklich! (eine weitere 16 Jährige)
  2. France – little boy (Beobachtungen einer 15 Jährigen)
  3. Sprachmanipulation (Interesse und Arbeit einer 18 Jährigen)
  4. Was eine Ex-Neuländern zu sagen hat… (von einem 16 jährigen Mädel geschrieben)
  5. Glücklichsein (weise Worte einer gerade mal 13 jährigen jugen Dame)
  6. In dieser Schule fehlt es an Zusammenhalt (Kritik einer 17 Jährigen)
  7. Isabella erzählt. (Beobachtungen einer 10 Jährigen)
  8. Sand sein, nicht Öl im Getriebe. (Überlegungen einer 16 Jährigen)
  9. It’s becoming european style (was eine 19 Jährige so sieht, wenn sie reist)
  10. Neugierige Jugend sucht Antworten (eine Schar 10 und 11 Jähriger und ihre Fragen)
  11. Wir sind für etwas – gemeinsam. (von einer Jugend, die genug hat von Grabenkämpfen und ganz ideologiefrei gemeinsam kritisch denken und handeln möchte)
  12. Die Jugend von Heute! (von drei 13 Jährigen, die sich mit Homosexualität, Freundschaft und Zukunft auseinandersetzen)

Um nicht von Facebookkommentaren oder älteren Begebenheiten (nichts hier ist älter als 3 Wochen) zu reden. Oder gar von Äußerungen, Ideen, Vorstellungen, Fragen oder Impulsen, die mir tagtäglich im persönlichen Gespräch, in der halb-öffentlichen Diskurs oder sogar im ein oder anderen Streitgespräch um die Ohren fliegen. Ständig. Heute wieder – nur als Beipsiel habe ich über Jugend und Politik, das Minarettenverbot der Schweiz, Fahrradfahren in Wien und gestern über Demokratie und am Samstag über Bildung, Zogaj, Hoffnung, Mobilität und Klimawandel diskutiert – mit lauter interessierten, hoch politischen Jugendlichen!

Dieser Artikel ist erst der Anfang.  Er umreißt nur einen Bruchteil der Lebensrealität der Jugend. Er zeigt viele Fragen nicht auf. Er beantwortet keine. Deswegen werde ich in der Kategorie “Jugend bewegt alles!!” weitere Zitate, Fragen, Kommentare, Emails und Ideen veröffentlichen um den Blick aller zu schärfen. Um Vorurteile zumindest ein bisschen zu hinterfragen und um denen, die noch nicht wissen, wie sie wehren sollen, gegen diese miesen Unterstellungen, ein paar Ideen zu geben.

Was hast du für ein Bild von “der Jugend”?

2 Kommentare zu dem Artikel “Alles bewegt diese Jugend!”

  1. Lieber Armin, dein Einsatz beeindruckt mich weiterhin sehr.

    Ich kenne mich als Pensionist “nur” in meinem Wohngrätzl “Triesterviertel” (entlang der Triesterstraße im 10.Bezirk) halbwegs aus. Jugendliche sind hier in der Öffentlichkeit nicht sichtbar (außer Burschen in Fußballkäfigen).
    Zum “Halloween” haben vor einigen Wochen einige ca 14-Jährige an unserer Wohnungstüre geläutet, “aus eigener Inititive” sagten sie. Ich freute mich und habe ihnen von meiner Projektidee “Wir am Wort- Jugend und Jungfamilien”" erzählt, ihnen Infoblätter gegeben. (http://www.dorfwiki.org/wiki.cgi?Triesterviertel/Gespr%e4chsThemen/KOMMUNIKATION/WirAmWort.) Mein Ersuchen, mit mir in Kontakt zu bleiben hat bisher keine Reaktionen gebracht.

    Die Kindergärten und Schulen im Grätzl sind an einer Zusammenarbeit “mit außen” leider nicht (mehr) interessiert, die haben genug mit anderen Sorgen zu kämpfen. Die Jugendlichen, von und mit denen du schreibst/redest, haben im unmittelbaren Wohnbereich keine wettergeschützten”Treffpunkte”, wo sie ohne Konsumzwang und “Aufsicht” hingehen können. Kaum stehen mehr als drei Kinder/Jugendliche beisammen und quatschen, regt sich wer auf.
    Und im Zuge der Wiener Vorwahlzeiten kommen noch die “Ordnungshüter” und sonstige “Watcher” in den Gemeindebauten dazu, um die Stimmung zu vergiften.
    Es wird leider in vielen Bereichen immer “enger” und das spüren und zeigen – wie immer – zuerst Jugendliche, die mehr “Raum” brauchen und die derzeitige Politik reagiert fantasielos. Aktivitäten wie jene an den Unis geben mir die Hoffnung, dass zumindest die Jugend für “frischen Wind” in unserer Gesellschaft sorgt.

    Mit lieben Grüßen, Fritz :-)

  2. Hab´ bemerkt, dass der Link zur Seite “Wir am Wort” nicht klappt.
    Ich versuch´s nochmal:
    [http://www.dorfwiki.org/wiki.cgi?Triesterviertel/Gespr%e4chsThemen/KOMMUNIKATION/WirAmWort]
    Fritz :-(


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